Weidepraxis vs. Weiderecht auf Biobetrieben

Die Weidesaison ist in vollem Gange, die Kontrollsaison auch.

Waren wir in der Intensivphase der Corona…, sagen wir „-Aufgeregtheit“ doch von manch überschießenden und im Nachhinein als nicht gerechtfertigten Einschränkungen konfrontiert, wäre es doch wünschenswert, auch bei der Umsetzung von EU Recht in Österreich nicht durch mächtig zur Schau getragenen Tatendrang mancher Akteure das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Wir sind mit einigen „halbfertigen“ oder gänzlich offenen Antworten auf nicht unwesentliche Fragen konfrontiert. Hier ein Versuch eines nicht ganz einfachen und leider immer noch “vorläufigen” Faktenchecks.

Wichtig ist, die Mindestanforderungen so zu erfüllen, dass keine Nachkontrolle aufgrund von Versäumnissen bzgl. der Weidevorgabe droht. Dies hat inzwischen Zahlungskürzungen aus dem ÖPUL zur Folge!

Unbedingt umgesetzt soll sein:

  • Mindestens 50% der Raufutterverzehrer des Betriebes haben regelmäßigen Zugang zu Weideflächen (ODER mind. 1 RGVE pro Hektar weidefähige Fläche)
  • Die Weidefläche muss, in guter landwirtschaftlicher Praxis geführt, als solche erkennbar sein, d.h. einerseits grün (kein Charakter eines zertretenen Auslaufs!), andererseits eindeutig abgeweidet und benutzt.
  • Führung eines Weidejournals: Ähnlich dem bekannten Austriebskalender kann auch der Weideaustrieb in dieser Form festgehalten werden. Ist Weidegang obligatorisch und die Stallhaltung die Ausnahme, können auch umgekehrt Nichtweidetage, zB aufgrund nasser Bodenverhältnisse, als solche festgehalten werden. Wichtig ist die Plausibilität und Nachvollziehbarkeit.

Bis 30. Juni 20 sollte jeder Bio-Tierhalter einen Weideplan vorlegen.
Dieser Stichtag wurde auf den 30. September verschoben.
Unabhängig davon kommt der Tag, an dem die Weidepraxis des Betriebes aufsinnvolle Art und Weise festgehalten sein muss.

Unser aller Bestreben ist natürlich, derlei administrative Erfordernisse so einfach wie möglich gestalten zu können.

Der Weideplan

Bitte haltet auf Papier oder auf adäquate elektronische Art und Weise fest:

  • Schläge und Feldstücke, die beweidet werden 
  • Zeitabschnitte, in denen die entsprechenden Schläge beweidet werden; (zB April/Mai auf xy, im Sommer auf yz, ab Mitte September wieder xy…)
  • Tiergruppen, die zu welchen Zeitabschnitten auf welchen Schlägen weiden. (Natürlich auch Almen). Ist eine Flächenrotation festgehalten, ist es unerheblich, wie oft die Rotation im Jahresverlauf erfolgt.

Das zusammen ist insgesamt nicht unverschämt viel Aufwand. Einmal durchgedacht und festgehalten, ist der Weideplan als solcher vorzeigbar. Bitte haltet diese Pläne für eure Zertifizierungsaudits vor.

Wenn nach wie vor Zweifel bestehen, wie mit den in Frage kommenden Flächen sinnvoller Weidebetrieb möglich ist, wendet euch bitte an eure zuständigen Berater.
Ein Blick von außen kann oft helfen, Zweifel zu zerstreuen, oder ganz einfach – eine Lösung zu finden.

vernünftige Zauntechnik hält die Tiere dort, wo sie sein sollen und verhindert viel Stress!
© Danner
bei ganz vorsichtigen Bauern reicht´s fast für eine Elefantenherde 🙂 © Danner

Weide-Neueinsteiger – die notgedrungen die Kröte geschluckt haben und ihren Kühen heuer Freigang gewähren – und vom Funktionieren des Systems positiv überrascht sind, sind erfreulicherweise in der Überzahl. 

Wenn die Tendenz anhält und die meisten, die vor sich eine riesige Hürde sahen, nach deren Überwindung feststellen, dass es viel besser geht als je angenommen – dann haben wir alle zusammen eine große Hürde genommen.

Markus Danner

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