Bio-Kräuter vom Bergbetrieb

Strukturwandel bedeutet nicht nur wachsen oder weichen.
Strukturwandel kann auch heißen (statt Milch und ein, zwei Kalbinnen pro Jahr), Bio-Kräuter vom Bergbetrieb anzubieten.

Die Familie Kaml in Wagrain hat durch den Einstieg in den Kräuteranbau nicht nur eine attraktive Alternative zur Tierhaltung gefunden.
Der neue Betriebszweig ermöglicht vielmehr Überlegungen, auf außer Haus Zuerwerb zu verzichten und zusätzlichen Arbeitsplatz und Wertschöpfung am eigenen kleinen Biobetrieb zu schaffen.

mit Masthühnern, Puten und wachsendem Kräuteranbau mit Direktvermarktung strebt die Familie das Ziel an, Großwidmoos als Vollerwerbsbetrieb zu führen!

  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Kaml
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Markus Danner
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Markus Danner
  • Kräutergarten Kaml, 2019 © Markus Danner
Kräutergarten der Familie Waltraud Kaml in Wagrain;
von Markus Danner

Markus Danner

Bio Hackfrüchte und Sonderkulturen

Bio Hackfrüchte und Sonderkulturen sind wichtige Glieder der Fruchtfolgen und eine unabdingbare Notwendigkeit, um eine der konventionellen ebenbürtige Produktpalette anbieten zu können.

Bio Mais

Mais erntereif für Grünfütterung © Markus Danner
Mais erntereif für Grünfütterung © Markus Danner

Bio-Körnerleguminosen

Sojakultur im Alpenvorland © Markus Danner
Sojakultur im Alpenvorland © Markus Danner

Bio-Kartoffel

Bio-Kartoffeln im Innviertel    (C) Markus Danner
idealerweise nach Getreide und Körnerleguminosen
jeweils aber mit Zwischenfrucht
Kartoffel selbst ist neben den Leguminosen die „Königin der Vorfrüchte“,  weil sie so einen garen Boden hinterlässt 
am besten folgt Wintergetreide (C) Markus Danner

Bio Buchweizen, Bio-Hirse

Buchweizen blüht schnell und lang © Markus Danner

Hirse
Hirse kann sowohl nach Mais als auch nach Getreide angebaut werden 
Nach Luzerne besteht die Gefahr des Lagerns, welche sich nachteilig auf die Qualität der Hirse auswirkt  Wegen Hirsebrand 4 Jahre Anbauabstand
Buchweizen
Den Buchweizen sollte man nach Getreide oder Mais in der Fruchtfolge einsetzen 
Nach Kleegras sollte der Anbauabstand 2-3 Jahre betragen da bei zuviel Stickstoffnachlieferung der Buchweizen vermehrt Stroh bildet und kaum Körner!

Bio Ölfrüchte

nickende Sonnenblumen © Bio Austria
nickende Sonnenblumen © Bio Austria

Manuel Böhm

Bio-Getreidekulturen

Bio-Speiseweizen

Reife Weizenähren mit Grannen. © Markus Danner
Reife Weizenähren mit Grannen. © Markus Danner

anspruchsvoll,
Kleegras oder Körnerleguminosen sind gute Vorfrucht,
sicherere Speisequalität (13 % RP) nach mehrjährigem Kleegras;
weitere mögliche FF-Glieder: 
mehrjähriges Kleegras-Hafer-Winterweizen, Hafer schließt organische Masse gut auf und mobilisiert Mengen an Phosphor, durch den relativ geringen N-Bedarf hat er mehr positive Einflüsse als Konkurrenzwirkung
alle anderen Getreidearten als Vorfrucht meiden (Fußkrankheiten)!

Bio Roggen

(C) Markus Danner

nach Getreide, selten nach Leguminosen, weil Qualitätsminderungsgefahr!
siehe Dinkel
danach Sommergetreide oder aufbauende Kulturen, Tiefwurzler, 
trockenheitstolerant, liebt auch Hackfrüchte als Vorfrucht (Kartoffel, Silomais)
Futterroggen
hinterlässt unkrautfreies Feld wegen gutem Unterdrückungsvermögen 
(starke Bestockung und Wuchshöhe)
Roggen ist selbstverträglich

Bio Dinkel, Emmer, Einkorn

Dinkelfeld in Salzburg erntereif. © Markus Danner
Dinkelfeld in Salzburg erntereif. © Markus Danner

Dinkel
Stellung in der FF eher abtragend, nach Weizen, Triticale, Sommergetreide, 
Leguminosenvorfrüchte sind Luxus und führen eher zu Qualitätsminderung  v.a. durch Lagergefahr (keine standfesten Sorten) als zu einem Mehrertrag
nach Dinkel folgen aufbauende Kulturen
Emmer, Einkorn
Einkorn ist ein Wechselgetreide und kann im Herbst und im Frühjahr ausgesät werden, Herbstsaaten sind aber konkurrenz- und ertragsstärker

Bio Gerste

Gerstenfeld Ernte © Markus Danner
Gerstenfeld Ernte © Markus Danner

Braugerste
eher abtragend, wenn nur mehr wenig N-Reserven vorhanden, weil niedriger Rohprotein- Gehalt für Mälzeignung erwünscht ist
Wintergerste
anspruchsvoll, intensive Stellung nach aufbauenden Kulturen, 
ev. auch Legu-ZF, die auch im Frühjahr des nächsten Jahres noch N nachliefern- dort hat W-Gerste größten Bedarf 
wenn Wirschaftsdünger zur Verfügung auch schlechtere FF Stellung
Sommergerste
Meist abtragend, oft auch nach Hackfrüchten- ev. mit Zwischenfrucht, 
Leguminosenzwischenfrüchte und Wirtschaftdünger werden gut verwertet, 
kann sehr gut als Deckfrucht für Klee(gras)anlage verwendet werden, dann aber lange Sorten verwenden
nicht vor Weizen! überträgt Halmbruchkrankheit

Bio Hafer

Haferfeld mit Geilflecken. (C) Markus Danner
Haferfeld mit Geilflecken. (C) Markus Danner

Speisehafer
guter P-Aufschließer, sehr gute Wurzelleistung
Tiefwurzler unter den Getreidearten, nicht zu intensiv stellen
wird oft auch nach mehrjährigem Kleegras u.ä. gestellt weil Hafer mit dem großen Angebot an organischer Masse gut umgehen und diese aufschließen kann
Futterhafer
Steht meist abtragend, nach Wintergetreide, Mais, Kartoffel, Lagergefahr bei zu intensiver Düngung

Bio Triticale, Futterweizen

Triticaleacker mit Baum. © Markus Danner
Triticaleacker mit Baum. © Markus Danner

Triticale
in Futterbau-FF nach aufbauenden Kulturen, 
wenn Wirtschaftsdünger zur Verfügung stehen oder Speisegetreide bzw. Mais in der FF auch schlechter
Futterweizen
selbe FF-Stellung wie Triticale, wo Wirtschaftdünger verwertet werden sollen auch schlechtere Stellung, Nährstoffbedarf etwas höher als bei Triticale

Manuel Böhm

Fruchtfolgeplanung

Die Fruchtfolgeplanung eines vielseitigen Kulturenmix muss die Standortverhältnisse, pflanzenbauliche Faktoren, Ackerflächenverhältnisse, Futterbedarf, Arbeitskapazitäten, betriebs- und marktwirtschaftliche Aspekte, aber auch persönliche und betriebliche Vorlieben, Präferenzen und Fähigkeiten in Einklang bringen. 
Für eine geeignete Rotation sind daher eine sorgfältige Planung, ständiges Beobachten sowie Anpassen an neue Gegebenheiten notwendig. 
Gut geplante und eingehaltene Fruchtfolgen bieten den Vorteil, dass die Vor- und Nachfrüchte aufeinander abgestimmt sind. 
Die N-Versorgung ist über den ausreichenden Leguminosenanbau und den gezielten Einsatz von gegebenenfalls anfallenden Wirtschaftsdüngern gesichert. Somit kann das anfallende Futter kalkuliert werden. 
Auch innerhalb einer festen Fruchtfolge bleibt genug Spielraum, z.B. die Getreidearten zu wechseln oder innerhalb von  „Buntschlägen“ (z.B. eine Mischung aus verschiedenen Sommerungen) die Anteile der einzelnen Kulturpflanzen zu variieren.

Schritte zum Fruchtfolgeplan

1. Die einzelnen Felder werden zu ungefähr gleich großen Schlägen zusammengefasst, sind z.B. die Bodenqualitäten sehr unterschiedlich oder nicht alle Flächen beregnungsfähig, ist es günstig, zwei oder mehrere „Fruchtfolgen” zu planen. Die Länge und Vielfalt der Fruchtfolge ist abhängig vom Betriebstyp.

2. Aus der bisherigen Fruchtfolge werden diejenigen Kulturen herausgenommen, die im biologischen Landbau nicht zu vermarkten sind, z.B. Zuckerrübe.
in der Umstellungszeit werden solche Kulturpflanzen  in manchen Betrieben noch beibehalten. Nach Ende der Umstellung wird die Zuckerrübe häufig durch Feldgemüse oder Kartoffel ersetzt.

3. Die benötigte Futterfläche wird ermittelt; sie steht in engem Zusammenhang mit der Grünlandfläche.

4. Die geplanten Kulturpflanzen werden so kombiniert, dass die Grundsätze der Fruchtfolgegestaltung eingehalten werden. Zur groben Orientierung dient das Kulturpflanzenverhältnis. 
Es gibt an, in welchem Umfang Leguminosen, Getreide, Hackfrüchte und Zwischenfrüchte angebaut werden.

Praktische Fruchtfolgeplanung

Länge (Anzahl der Jahre bis FF wieder von vorne beginnt) der Fruchtfolge festlegen; das ist oft abhängig von Anbauabständen v.a. der Leguminosen,
dabei mit Futterleguminosen( Klee, Kleegras, etc.) beginnen;
anschließend Körnerleguminosen in der FF festlegen,

dann dazwischen die N-zehrenden Kulturen aufteilen
Nach Kleegras vorrangig die anspruchsvollsten Kulturen (Mais, Speiseweizen, Wintergerste), bzw. die ein unkrautfreies Feld brauchen, einplanen.

1. JahrKleegras (oder Luzerne)
2. JahrKleegras (oder Luzerne)
3. JahrWeizen
4. JahrRoggen
5. JahrAckerbohne
6. JahrWi-Gerste
7. JahrHafer

Getreide

Vorsicht bei zuviel Triticum-Arten (Weizen, Dinkel, Emmer, Einkorn, auch Triticale) wegen der Krankheiten (Schwarzbeinigkeit,…) Zuviel Wintergetreide fördert die herbstkeimenden Unkräuter (Klettenlabkraut, Windhalm, tw. auch Kamille) und Wurzelunkräuter auf Grund der langen Vegetationsdauer (Distel, Ampfer)

Leguminosen, Hackfrüchte

Bei Legus sind Anbauabstände unbedingt einzuhalten, vor allem wichtig wegen Schädlingen und Krankheiten (Erbsenwickler, -käfer, Blattrandkäfer,…), Leguminosenanteile über 40 % sind zu hoch und können sehr rasch zu großen Problemen führen, 
Kleemüdigkeit darf nicht unterschätzt werden – wenn kein Klee mehr wächst, funktioniert das System Biolandbau nicht mehr!


Hackfrüchte sind sinnvoll zwischen 5-25% Anteil in der FF, ein zu hoher Anteil kann Humusabbau bewirken; 
Achtung! Wo Getreide in weiter Reihe als Hackkultur geführt wird, kann dieser Anteil schnell zu hoch werden!

Neue Kulturen integrieren

Werden Kulturen aus der FF entfernt oder ausgetauscht oder zusätzliche Kulturen aufgenommen, sollte die FF als Gesamtsystem nach oben angeführtem Schema überarbeitet werden und nicht nur der Austausch oder die Ergänzung erfolgen, ohne die Wechselwirkungen zu betrachten. Praktisch betrachtet muss bei einer Erweitung (z. B. Aufnahme von Mais in die FF- heißt von 4 auf 5 jährige FF) am Acker eine neue Schlageinteilung gemacht werden.

Gewisse Teile der Schläge fallen dann aus dem FF-Schema raus (andere Vorfrucht als lt. FF) bis sich die FF im nächsten Jahr wieder eingespielt hat.

Dies kann v.a. dann zum Problem werden, wenn z. B. auf Ackerbohne wie im Bsp. auf der Hälfte der Fläche wieder Ackerbohne folgt oder ein Großteil des Weizens wieder auf einer Weizenfläche steht.

Abgepuffert werden solche FF- Ausreißer sicher durch eine entsprechende Zwischenfrucht. Weiters wird der Schaden sicher relativ gering bleiben, wenn es nur einmalig vorkommt und die FF wie geplant fortgesetzt wird.

Eine richtig geplante und konsequent eingehaltene Fruchtfolge stellt den Schlüssel zur Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und damit zur nachhaltigen Sicherung befriedigender Erträge dar.

Manuel Böhm