Dokumentationspflichten der Schweinehalter

In der EU ist das routinemäßige Schwanzkupieren bei Ferkeln verboten. Österreich hat diese Vorgabe mit Wirksamkeit 1. Jänner 2023 in der heimischen Tierschutzgesetzgebung umgesetzt.

Nur wenn die sogenannte “Unerlässlichkeit” festgestellt wird, darf weiter kupiert oder dürfen kupierte Tiere gehalten werden. Damit sind neue Aufzeichnungsverpflichtungen bei der Haltung von kupierten Tieren am Betrieb (Risikoanalyse und Tierhaltererklärung) in Kraft getreten.
Ebenso müssen Betriebe, die ausschließlich unkupierte Schweine am Betrieb halten, Aufzeichnungen führen. Die Dokumentationsverpflichtung betrifft damit jeden Schweinehalter, unabhängig von Betriebsform und der Anzahl gehaltener Schweine.

Biobetriebe mit biologischer Schweinehaltung müssen Haltung und Verletzungen ihrer Schweine aufzeichnen und diese einmal jährlich mittels Tierhalteerklärung B im VIS elektronisch dokumentieren.

Biobetriebe ersparen sich viel Arbeit und Mühe, wenn Bioferkel zugekauft werden!

Biobetriebe mit konventioneller Eigenbedarfsschweinehaltung müssen Haltung und Verletzungen aufzeichnen und jährlich eine Risikoanalyse durchführen. Diese Aufzeichnungen müssen einmal jährlich mittels Tierhalteerklärung A im VIS elektronisch dokumentiert werden. 

Der Dokumentationsaufwand für konventionelle (kupierte) Schweine ist viel höher als für biologische (unkupierte) Schweine. Daher ist es empfehlenswert,! für Eigenbedarfsschweinehaltung biologische Ferkel zuzukaufen.

Vorlagen:

Dokumentation Haltung und Verletzungen

Tierhalteerklärung A

Tierhalteerklärung B

Risikoanalyse Stammdatenblatt

Risikoanalyse Kupierverzicht Mastschweine

Franz Promegger

Weidestart im Frühjahr

Früher Austrieb ist der Schlüssel

Die wichtigste und wirksamste Weidepflege ist der zeitige Austrieb im Frühjahr. Das Überweiden von Grünlandflächen kurz nach Begrünung setzt Impulse, die vor allem die Seitentriebbildung anregt und somit die Pflanzenbestandsdichte massiv verstärken.
Zusätzlich werden durch den zeitlich und physiologisch frühen Verbiss unerwünschte Kräuter wie Ampfer, Hahnenfußarten etc.  in ihrer Entwicklung wirksam gestört und vermindert.
Der frühe Auftrieb, der zeitige Weidestart im Frühjahr ist die billigste und wirksamste Bestandsregulierung hin zu weidefähigen Beständen.

Ein zeitiger Weidestart im Frühjahr ist die wichtigste und sicherste Gelegenheit, die Basis für eine gute Weidesaison zu legen.

Bild: © Peter Frühwirth

Düngung für Weidequalität und Ertrag

Oft beklagen Bäuerinnen und Bauern die selektive Futterernte der Weidetiere. D.h. es bilden sich viele und große Geilstellen, die früh im Jahresverlauf auswachsen und einen hohen Pflegeaufwand nach sich ziehen.
Dem ist mit zwei Lenkungsmaßnahmen entgegenzuwirken.
Frühjahrsdüngung mit Gülle: Durch eine mäßige Güllegabe mit qualitativ guter Gülle auf alle zu beweidenden Flächen ist gewährleistet, dass durch den „Restgeruch“ der Düngung Selektion in Richtung  ungedüngter Flächenteilen unterbleibt. In der Folge wird auch deutlich näher zu Kuhfladen hin gefressen. Das wirkt sich ganzjährig auf die Sauberkeit der Weide aus.

Weidepflege während der Saison

Je erfahrener Weidebetriebe werden und je sorgfältiger die Beweidung durchgeführt wird, desto weniger technische Weidepflege ist erforderlich.

Sind trotz allem die Geilstellen zu viel und zu stark ausgewachsen, empfiehlt es sich, sie zu toppen. D.h. an einem schönen, warmen Tag die Geilstellen in 10 bis 15cm Höhe abzumähen und liegen zu lassen. Das Mähgut trocknet ab und wird an folgenden Weidetagen sehr zuverlässig gefressen.
Nicht zu empfehlen ist das Mulchen, wenn in der Folge weiter beweidet werden soll. Alle maschinellen Pflegemaßnahmen verschleppen und verschmieren Kuhfladen über den Bestand und vergrößern dadurch Flächenanteile, die von Weidetieren  verschmäht werden.
Generell gilt: Das saubere Abweiden durch die Kühe, Schafe oder was auch immer verhindert die Notwendigkeit des Hinterherfahrens mit dem Traktor. Weniger Überfahrten schonen den Boden und kosten weniger Zeit und Geld.

Markus Danner

BIO gibt Sicherheit

86 % der Bevölkerung ist es wichtig, zu wissen, woher die Lebensmittel stammen, die sie kaufen. 

„Regionale Lebensmittel“ – in den Köpfen der Leute entstehen Bilder von qualitativ hochwertigen Produkten, kurzen Distanzen und Bauern, die diese auf idyllischen Betrieben herstellen. 

Konsumenten werden dadurch Transparenz und Sicherheit, kurze Transportwege und die Förderung der heimischen Wirtschaft vermittelt. Das ist gut und wichtig für alle Bauern in unserer Region.

Man darf jedoch eines nicht vergessen: hinterfragt man den Begriff „regional“, dann stellt man schnell fest, dass das „Woher“ nichts aussagt über das „Wie“ . 

Kurze Wege und heimische Wertschöpfung sprechen natürlich für regionale Lebensmittel, es ist jedoch meist nicht definiert, wie diese Tiere gehalten werden und was sie zu fressen bekommen. Auch bei regionalem Obst oder Gemüse kann der Konsument nicht nachvollziehen, ob und welche Pestizide eingesetzt werden. Dadurch, dass es keine Richtlinien oder gesetzlichen Regelungen gibt, wann ein Produkt „regional“ genannt werden darf, entsteht großer Spielraum bei der Kennzeichnung dieser Produkte. 

BIO ist höchster Standard, vieles Andere nur Erzählung

Bio ist gesetzlich durch die EU-Bio-Verordnung umfassend geregelt, BIO AUSTRIA zertifizierte Lebensmittel haben besonders hohe Standards und sind unabhängig kontrolliert und klar gekennzeichnet. Man weiß bei Bio-Lebensmitteln aufgrund der klaren Richtlinien und der einheitlichen Kennzeichnung, was man bekommt und welche Kriterien und Vorgaben erfüllt werden. 

Hier liegt eine der Aufgaben von BIO AUSTRIA: zu informieren und deutlich zu machen, dass Bio-Produkte den höchsten Stellenwert haben müssen. Dass Bio nicht durch regional ersetzt werden kann. Es liegt auch an uns Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern, unseren Kunden zu erklären, warum regional alleine nicht ausreicht, sondern nur in Kombination mit Bio punktet.

Die Schlussfolgerung muss daher sein: Bio UND regional ist OPTIMAL!

Ulrike Gangl

Wie weiter mit „BIO“?

Viel Unsicherheit begleitet uns Biobauern die letzten Monate. Wie entwickeln sich die Kosten, die Preise, die Rahmenbedingungen, die allgemeinen Aussichten? 

Wie weiter mit “Bio” fragen sich viele. Die Anzahl der Salzburger Betriebe, die zum Jahreswechsel „BIO“ verlassen haben, ist nicht weit von 10% entfernt.
Ist es Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken und dieser komischen Ideologie „Biolandwirtschaft“ Adieu zu sagen?
Ich denke nein.
Nüchtern und mit ein wenig Abstand betrachtet muss die Erkenntnis reifen  –  es gibt eben kein Leben ohne Krisen.
Wie weit wir die aktuelle schon überwunden haben, sei dahingestellt. Letztlich werden wir aber auf sie zurückblicken und uns über viel Aufregung, die sie verursacht hat, vielleicht nur wundern.

Biobauer sein oder nicht sein – worauf kommt’s an?

Für viele ist die Entscheidung, Biobauer und -bäuerin zu sein, eine Entscheidung für’s Leben. Sie wollen „anders“, mit möglichst kleinem ökologischem Fussabdruck, die natürlichen Ressourcen nutzend, hegend und pflegend wirtschaftlich Landwirtschaft betreiben.
Für Andere mag der konventionelle Milch- oder Kraftfutterpreis die Haupttriebfeder sein, die Entscheidung Für oder Wider zu treffen.
Beide Seiten können ihre Sichtweise mit guten Argumenten unterlegen.

Für die Einen ist der Abgang so vieler Betriebe aus der Biolandwirtschaft eine längst fällige Bereinigung. Für die Anderen bedauerlich und schade um Jeden.
Diese unterschiedlichen Perspektiven in einer Organisation unter einen Hut zu bringen, ist ganz offensichtlich kein Kinderspiel. 
Aber letztlich ist es auch ein Ausdruck von Toleranz gegenüber einer Meinungsvielfalt, dass  wir uns nicht für eine Ansicht „entscheiden“ müssen oder sollen, nicht dem Richtig oder Falsch nacheifern, sondern sie einfach so stehen lassen und zur Kenntnis nehmen.

Erfolgreich Bio – das ist keine Preisfrage!

Die monatelange, ja beinahe unaufhörliche Auseinandersetzung um Förderprogramme, zumutbare oder unzumutbare gesetzliche Vorgaben und Verkomplizierung der Rahmenbedingungen lähmt die Motivation, sich fachlich mit der Sache auf dem Betrieb zu beschäftigen. Das ist verständlich, beinahe logisch. Wer keinen inneren Widerstand gegen manch bürokratisches Monster aufbaut, muss ein besonders cooler Typ sein. 

Spätestens jetzt kommt wieder das „Miteinander“ ins Spiel.
Um Rückschritte zu verhindern ist genau in dieser Situation der Blick nach Vorne ausschlaggebend. Wie führe ich meinen Biobetrieb, dass er auch in fünf oder zehn Jahren noch genauso gut oder besser funktioniert wie heute. 
Wie optimiere ich meine Bewirtschaftung auf den Wiesen, Weiden, auf den Äckern und in den Ställen so, dass die Arbeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen Freude und Ertrag bringt? Um  Fragen wie diese zu beantworten, haben Bauern vor bereits über 40 Jahren eine Organisation gegründet. Sie heißt heute Bio Austria und stellt Ressourcen in Form von unterschiedlichen Angeboten (Tagungen, Feldbegehungen, Exkursionen, Kurse, Seminare, Einzel- und Gruppenberatung etc. etc.) zur Verfügung. Ohne die spezifisch auf Biolandwirtschaft bezogene Beschäftigung mit den landwirtschaftlichen Grundlagen ist die Entwicklung ungewiss. 

Die Methode „Biologische Landwirtschaft“ ist inzwischen durch die Arbeit Vieler und durch die Erfahrungen Vieler sehr ausgereift, aber noch lange nicht auf allen Betrieben angekommen.
Gemeinsam daran weiterzuarbeiten und das Know-how auf jeden einzelnen Betrieb zu holen, ist –  auf den Punkt gebracht –  alternativlos.
Denn BIO soll, kann und muss erfolgreich sein. Für jeden einzelnen Biobetrieb genauso wie für die gesamte Gesellschaft.

Markus Danner

Landweizen aus dem Salzachtal

Eine regionale Bio Getreidesorte stellt sich vor.

Seit etwa zehn Jahren wird im Salzburger Flachgau, dem Innviertel und der anderen Salzachseite in Bayern eine alte Landweizensorte, der „Laufener Landweizen“, wieder vermehrt und angebaut.
Der Anstoß kam vom Bio Austria Betrieb Eisl aus St. Georgen und dem BioBäcker Itzlinger aus Faistenau, der für seine Gebäckspezialitäten immer für ursprüngliche, von Massenware unterscheidbare, lokale und regionale Herkunft offen war. So wurde aus einer Handvoll Körnern eine kleine Vermehrungsgrundlage für einen kleinen, dann einen größeren Acker.
Inzwischen wird der Landweizen von 13 Betrieben angebaut. Die Ernte wird von zwei Mühlen und 5 Bio-Bäckern, alle Kooperationspartner von Bio Austria,  in Mehle und Brote veredelt. Von Anbeginn dabei war auch das Gut Eiferding bzw. Biergut Wildshut der Stiegl Brauerei, die Landweizen anbauen, vor Ort vermälzen und in die Bio Spezialbiere integrieren.

Grenzüberschreitende Kooperation zu Beginn

Ursprünglich koordinierte die ANL in Laufen (Bayern) für die bayrischen Bauern, und Markus Danner, Bio Austria Salzburg für die österreichischen Betriebe die Nachfrage nach Saatgut einerseits, nach dem Produkt und dessen Aufbringung andererseits.
Der Rückzug der ANL und die fehlende Koordination auf bayrischer Seite führte dazu, dass wir uns fortan auf die Entwicklung in Salzburg/Oberösterreich konzentrierten.
Die Fäden laufen im Bio Austria Büro in Seeham zusammen, Besprechungen, Saatgutbedarf und -anbau, die Saatgutaufbereitung, Anbauflächen und Bereitstellung der Ware für die Verarbeiter werden zentral koordiniert.

Laufener Landweizen – was ist das Besondere daran?

Worin liegt die Motivation, dieses Getreide anzubauen, zu verarbeiten, zu essen?
Die Lokalsorte wurde nachweislich über lange Zeit und vor langer Zeit im Rupertiwinkel, Chiemgau, Traunsteiner und Berchtesgadener Land und im Salzachtal hüben und drüben der Salzach angebaut.
Im Labor wurde seinen Besonderheiten nachgespürt. Dabei ergaben sich Hinweise für eine sehr geringe allergene Wirkung. Tatsächlich reagieren diesbezüglich empfindliche Personen oftmals nicht oder kaum auf Produkte aus dieser Weizensorte. Ein entsprechender Hinweis auf den Produkten ist rechtlich natürlich nicht zulässig.

Das Getreide hat aber noch mehr zu bieten.
Optisch ein Blickfang und Genuss: Gelbgrün im Schossen wie ein Gerstenfeld, reift der Weizen in ein weithin leuchtendes kupferrot ab. In Verbindung mit seiner Eigenschaft, nicht allzu stark zu bestocken, dadurch Licht zum Boden zu lassen, bilden diese Kulturen eine Mischkultur mit etlichen (z.T. selten gewordenen) blühenden Acker-Beikräutern.
Sein hoher Wuchs garantiert einen meist üppigen Strohertrag. Für tierhaltende Gemischtbetriebe ist dies ein nicht unwesentlicher Zusatznutzen.

Herausforderungen beim Start

Der wiederholte Nachbau des Weizens, ohne Qualitätskontrolle sozusagen, führte dazu, dass kein gesundes, qualitativ hochwertiges Saatgut zur Verfügung stand. 
Jede Charge musste  auf Steinbrand untersucht werden, bevor entschieden werden konnte, welche sich überhaupt eignet, als Saatgut in Frage zu kommen. 
Durch strenge Selektion, Fruchtfolge und professionelle Saatgutaufbereitung steht inzwischen qualitativ hochwertiges Saatgut für den Anbau zur Verfügung.
Das anfängliche, nicht ganz rechtskonforme „Weitergeben“ von Betrieb zu Betrieb ist mittlerweile in eine Anerkennung und offizielle Saatgutregistrierung durch die AGES übergegangen.

Die Salzburger Biobäcker entwickelten Brotsorten, teilweise unter großen Herausforderungen, denn „alte“ Getreidesorten funktionieren anders als standardisierte, auch und vor allem in der Teigwanne.
Die Lerchenmühle in Golling übernahm die Bereitstellung der Mehle für die Bäcker, gemeinsam kreierten wir eine Verpackungslinie für die Produkte.
Einen „Projektplan“ hatten wir bis dahin nicht, einige Hektar wurden angebaut, ein paar Bäcker wollten das Produkt verarbeiten, ein paar Läden nahmen den Weizen in ihr Sortiment regionaler Bioprodukte auf. Soviel zur Verfügung stand, soviel wurde an den Mann/die Frau gebracht.
Weitere Produzenten und die Hochmühle in Plainfeld als Verarbeiter/Vermarkter verstärkten unsere Gruppe der Landweizen-Fans, wurden verlässliche Partner und halfen dem Projekt in der Weiterentwicklung.

Wie bringt man mehrere Bauern unter einen Hut?

Die Frage, in welcher organisatorisch-rechtlichen Form so ein Projekt begonnen und betrieben wird, stellte sich natürlich gleich zu Beginn und auch gegenwärtig.
Würden gerne Betriebe von außerhalb von Bio Austria mitmachen, sehen wir das als kontraproduktiv an. 
Denn einerseits soll es ein Bio Austria Projekt sein, das wir gemeinsam entwickeln, betreiben und bewerben, andererseits ist es nicht vermittelbar, dass angestellte und bezahlte Mitarbeiter des Bioverbandes Nicht-Mitglieder auf Dauer mitbetreuen und deren Ware integrieren.
So verloren wir unterwegs den einen oder anderen, der partout nicht Familienmitglied werden wollte.

Das Projekt ist aber nach wie vor offen für zusätzliche Produzenten und natürlich auch Verarbeiter. Auf möglichste Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage wird aber sehr genau geachtet.
Es wurde kein Verein, keine Genossenschaft, keine Interessens- oder Erzeugergemeinschaft gegründet. Die Produzenten werden in unregelmäßigen Abständen erinnert, ihre Ernteerwartungen, Saatgutbedarf etc. bekanntzugeben, und keine Verkäufe zu tätigen, die nicht abgesprochen sind. Dadurch konnten störende  Querschüsse bislang großteils verhindert werden. 

Eine Bedarfs-Abfrage bei den Verarbeitern legt den Rahmen für die Zuteilung der produzierten Menge zum Verarbeiter fest. Mit diesen Informationen im Gepäck werden die Produzenten zur Besprechung geladen.
Diese findet im Sommer statt.  Es wird geklärt, welche Erntemenge von wem für welchen Abnehmer mengenmäßig am besten passt und wieviel im Herbst angebaut werden soll, um keine Überschüsse auf Lager legen zu müssen, die Bedarfe aber bestmöglich zu erfüllen.
Diese unkomplizierte Art der Zusammenarbeit funktioniert bislang und lässt auch noch ein gewisses Wachstum des Projekts zu, solange alle Beteiligten „das letzte Wort“ des Projektkoordinators im Bio Austria Büro akzeptieren und respektieren und Alleingänge möglichst unterlassen.

Saatgutqualität ist entscheidend

Die Erzeugung von sortenreinem Saatgut ist eine Herausforderung, die zu bewältigen Sorgfalt, sehr gute landwirtschaftliche Praxis und Verlässlichkeit erfordert. Für diese Aufgabe zeichnet der Pichlerbauer in St. Pantaleon hauptverantwortlich. Sollte die Menge nicht ausreichen bzw. Wetterkapriolen (Hagel, Unwetter..) die Ernte schädigen oder zerstören, ist sicherheitshalber der Acker eines zweiten Betriebs zur Anerkennung angemeldet. Aufgrund der ausgezeichneten Arbeit auf den Betrieben ist es gelungen, die Qualität nicht nur sicherzustellen, sondern laufend zu verbessern und auf ein hohes Niveau zu heben. 

Engpässe, organisatorische Hürden

Hürden laden prinzipiell dazu ein, übersprungen zu werden. Unerwähnt dürfen sie trotzdem nicht bleiben.
Ein größeres Manko im Salzburger Flachgau und Oberen Innviertel ist die kaum (mehr) vorhandene Getreide-Infrastruktur auf den Betrieben.
Die Arbeitsteilung der letzten 60, 70 Jahre in Hörndlbauern im Westen und Körndlbauern im Osten hat die meisten Betriebe von Lagermöglichkeiten und Aufbereitungstechnik leergeräumt.
So ist nach dem Dreschen durchaus zu hören: „Und wohin soll ich jetzt mit dem Kipper fahren, den brauch ich übermorgen für etwas anderes.“
Ein gemeinsames Lager hat auch Konsequenzen. Es ist mitunter schwer zu vermitteln, dass Getreide, welches  in einen Silo zu anderer Leute Ware gekippt wird, nicht mehr dem Lieferanten „gehört“, sondern die nächsten Schritte der Qualitätssicherung und Verantwortlichkeiten erfordern.
Diese Aufgabe könnten bestenfalls die Partner-Mühlen übernehmen. Aber auch die haben überschaubare Lagerkapazitäten. Vor allem für Chargen in Kleinmengen – letztlich ist dieses Projekt ein Kleinmengenprojekt – ist die Lagerungsfrage eine nur unbefriedigend beantwortete.
Aus diesem Grund wird die Ernte möglichst binnen Wochen an die Verarbeiter ausgeliefert und nicht oder in nur sehr geringer Menge auf Lager produziert.
Und ein Grundsatz begleitet alle Überlegungen: Wenig Kosten, viel Wertschöpfung für den Betrieb.

Ertrag, Wert und Preis

Der Ertrag liegt im Schwankungsbereich jenes von Dinkel. Zwei bis bestenfalls dreieinhalb Tonnen Hektarertrag sind, je nach Standortbedingungen und den Verhältnissen der Wachstumsperiode entsprechend zu erwarten.
Der (Mehr-)Wert liegt in seinen Eigenschaften, wie oben beschrieben.
Verrechnet wurden die letzten Jahre stabil und kontinuierlich € 1,1 bis 1,2 netto pro Kilo. Wurde in preisschwachen Jahren („vor Corona“) seitens der Abnehmer keine hartnäckige Preisdiskussion angezettelt, konnten sich die Produzenten in der Teuerungsphase revanchieren und ihrerseits den Verarbeitern durch unterlassene Preissteigerung eine Weiterentwicklung ermöglichen.
Die Mengen stiegen in den letzten Jahren auf bescheidenem Niveau kontinuierlich. Im vergangenen Sommer ernteten wir 75 Tonnen. Der Herbstanbau lässt erwarten, bei guten Bedingungen und Wetterglück an die 100 Tonnen Erntemenge im Jahr 2024 heranschnuppern zu dürfen.
Das Interesse der Verarbeiter, die Wertschöpfung und der Mehrfachnutzen des Produkts eröffnen durchaus Entwicklungsmöglichkeiten, die genutzt werden wollen.

2023

Markus Danner

Gemeine Rispe & Co

wie loswerden?

Der Besatz der Wiesen mit Gemeiner Rispe ist ein Umstand, der sehr vielschichtig ist und keinem Grünlandbewirtschafter gleichgültig sein kann.
Die Gemeine Rispe ist ein Lückenfüller. Das Gras besetzt ggf. alle Fehl- und Kahlstellen, die sich im Bestand öffnen.
Der Versuch der Sanierung des Ungrases ist ein Kampf gegen ein Symptom. Dieser Kampf ist aussichtslos, wenn wir uns nicht auch der Ursachen bewusst werden und sie annehmen.

Warum macht sich die Gemeine Rispe breit?
Typische Verbreitungsgebiete der Gemeinen Rispe (Poa trivialis) sind feuchte Augebiete, schattige, (wechsel-)feuchte Standorte und ältere Klee(-gras)bestände.
Sie hat ein sehr seichtes Wurzelsystem, bildet oberirdische Ausläufer, mit denen sie Lücken rasch findet und besiedelt.
In Wirtschaftswiesen aller Art breitet sie sich vor allem dann aus, wenn das Grasgerüst in diesen Wiesen durch verschiedene Ursachen schwächelt.

Einige dieser Ursachen sind:

  • Intensiv genutzte, sehr horstgrasbetonte Bestände: Knaulgraswiesen, Bastardraygraswiesen; die aggressiven Horste dulden keine Artgenossen in unmittelbarer Umgebung (nicht selbstverträglich) und es entsteht eine unbewachsene Pufferzone um die Horste, die vom Rispengras besiedelt wird. 

Zitat Walter Dietl: Knaulgras und Gülle bringt Unkraut in Fülle!

  • Keine Bestandlenkung auf Intensivwiesen: Auf Versamung angewiesene Gräser fallen nach einiger Zeit aus, Rasengräser fehlen, Lücken öffnen sich;
  • Häufig genutzte, aber zu knapp gedüngte Wiesen (= Übernutzung): Fünfschnittwiesen oder Eingraswiesen, deren Leitgräser durch mangelnde Boden- und Nährstoffdynamik leiden und sich zurückziehen. 
  • Durch Bewirtschaftung geschädigte Grasnarbe: Fahrspuren, zu tief arbeitende Erntemaschinen, zu tiefer Schnitt, offene Trittschäden durch Herbstbeweidung
  • Wühlmaus-Aktivität: Die Mäuse fressen die Wurzeln der Wiesenpflanzen, während sie sich seicht unter der Oberfläche ihren Fressgang aufwölben. Auf diesen Gängen siedelt sich die Rispe rasch und beinahe vollflächig aus.

Soll der Vormarsch der Rispe gestoppt oder verhindert werden, empfiehlt es sich, wie bei allen ursachenbasierten Phänomenen, diese Ursachen begleitend zur Sanierung zu beseitigen, zu vermeiden und ihnen aktiv entgegenzuwirken.

Die Gemeine Rispe durch wertvolle Futtergräser ersetzen – aber wie und wann?

Die Rispe im Bestand stark zu dezimieren, gelingt in der Praxis in einem Zeitfenster:

Nach der Ernte des 2. oder 3. Schnittes, je nach Region, wenn darauf einige Hitzetage folgen. Nur während einer Trockenphase im (späten) Hochsommer besteht die Chance, dass das Gras aufgrund mangelnder Wasserversorgung ihrer seichten Wurzeln braun wird, keinen Halt mehr findet und sehr gut ausgestriegelt werden kann. Das Ausstriegeln ist sinnlos, solange die Rispe saftig grün ist. Beim Striegeln darf und soll ziemlich rücksichtslos und scharf, unter Umständen auch wiederholt und/oder über Kreuz fahrend alles was nachgibt mitgenommen werden.
Meist ist anschließendes Schwaden und Aufladen der mitunter fetten Beute erforderlich.

Nach erfolgreicher Mission wird sich viel offener Boden zeigen, auf den rasch eine Nachsaat zu erfolgen hat. Natürlich braucht diese Saat Niederschläge zum Aufgang. Darauf muss aber nicht gewartet werden, denn Saatgut hat kein Problem mit Schönwetter, erst nach der Keimung darf es nicht mehr austrocknen.
Aus diesem Grund zeigen sich Saaten ab Mitte August als sehr aussichtsreich auf Erfolg. Der Altbestand konkurriert nicht mehr zu stark um Licht, und in den Nächten fällt wieder Tau aus.
Bekanntlich sind Prognosen, vor allem jene, die die Zukunft betreffen, schwierig, aber alle jahreszeitlichen Umstände führen zur gefestigten und wiederholten Erfahrung, dass alle Maßnahmen in diesem Zeitraum die höchste Effizienz zeigen.
Das Saatgut, bzw. die Arten und Sorten der Mischung sind unbedingt der Nutzung entsprechend zu wählen, nicht von der kurzfristigen Verfügbarkeit abhängig zu machen (vorausplanen!). Das macht sich langfristig bezahlt.

Frühjahrsbeweidung verbessert Wiesenbestände

Eine weitere Variante der Bestandverbesserung soll nicht unter den Tisch fallen, wenngleich sie für dieses Jahr nicht mehr zur Anwendung kommen kann:
Die sehr zeitige Frühjahrsweide.
Mit ihr wird die Narbendichte stark gefördert und dadurch der Ausbreitung der Gemeinen Rispe Platz entzogen. Zeitgerecht angewendet, kann sich das Erscheinungsbild der Intensivwiese sehr schnell zum Besseren wenden.

Welches Sanierungskonzept auch immer angewendet wird, es wird nachhaltig und erfreulich erfolgreich sein, wenn den oben beschriebenen Ursachen für die Ausbreitung der Rispe die Grundlagen entzogen werden. D.h. zusammengefasst:

  • Düngung und Nutzung aufeinander abstimmen
  • Nutzungsintensität der Bodengüte anpassen
  • „Das rechte Gras am richtigen Ort“ (Dietl)
  • Narbenschonende Bewirtschaftung
  • Landschaftsstrukturen erhalten bzw. schaffen (Beutegreifer zur Mäuseregulierung)

Markus Danner

Herbstweide auf Wiesen

ein Fallstrick für die Wiesenbestände?

Der letzte Aufwuchs der Wiesen dient den Kühen und Jungrindern oft als Herbstweide.
Um die Beweidung für Tier und Pflanzenbestand gut und verträglich zu gestalten, sind die gegebenen Verhältnisse etwas genauer zu betrachten.

Pflanzenbestände von Mähwiesen sind grundsätzlich keine Weidebestände. Knaulgrasbestände oder Wiesen mit viel Bastardraygras beispielsweise sind sehr empfindlich gegenüber Tritt bei feuchten Verhältnissen, weil um die Gräserhorste meist kein fester Trittrasen vorhanden ist und die Beweidung in der Folge viel offenen Boden hinterlässt. 
Die Wiesen sind danach höchst gefährdet für Verunkrautung mit Ampfer, für plötzlichen oder schleichenden Besatz mit Gemeiner Rispe, die die offenen Stellen um die Gräserhorste mit Begeisterung schließt. 

  • Keine Portionsweide! Je großflächiger die Futterzuteilung, desto weniger Hektik in der Herde, desto weniger Trittbelastung.
  • Beweidung von Wiesen im Herbst nur bei ausreichend trockenen Verhältnissen!
  • Jungvieh nicht „bis zum Einschneibn“ auf der Weide lassen! Abweiden – weiterziehen. 

Die Pflanzenbestände werden es im nächsten Jahr danken, wenn die Herbstweide schonend vor sich gegangen ist.

Allgemein kann festgehalten werden: Je höher die Bestandes-Anteile von Kräutern, Gemeiner Rispe, Knaulgras und Bastardraygras ist, desto größer ist die Gefahr, mit Herbstbeweidung eine Verschlechterung des Bestandes zu bewirken.
Genau gegenteilig wirkt übrigens eine Frühjahrsbeweidung bei guten Verhältnissen!

Beweiden oder Mulchen?
Die Qualität des stehenden Futters sollte auch einen kurzen Gedanken wert sein. Wenn sich viel verpilzte Gräser und Kräuter im Bestand finden, die rosa, weiße oder orange Pusteln oder Beläge zeigen, ist die Verfütterung an den Boden besser als  an Weidetiere.
Mulchen im Oktober (in Höhenlagen entsprechend früher) ist eine perfekte organische Düngung. Der „Verlust“ von Futtergras im Herbst wird unter normalen Umständen durch den Mehrertrag im Folgejahr mehr als wettgemacht. 

Welche Wiesen sind weniger empfindlich?
Wiesen mit hohen „Untergras“- Anteilen im Bestand, d.h. Engl. Raygras, Rotschwingel, evtl. sogar Wiesenrispe, sind gegenüber spontaner Überweidung weniger empfindlich, weil ihr Grasgerüst jener von Weiden ähnlich ist. Dasselbe gilt für stark genutzte Eingraswiesen, sofern sie nicht an hohem Besatz von Gemeiner Rispe leiden. 

Nachsaat im Herbst?
Eine späte Übersaat während oder nach der Herbstbeweidung, die erst im Frühjahr keimen soll, wird als „Schlafsaat“ bezeichnet. Die Saat wartet sozusagen auf ihren Moment, keimt bei für sie günstigen Umständen. So verhält sich natürliche Versamung grundsätzlich.
Bei der Saat von polyploiden Sorten, oder einfach ausgedrückt von modernen, züchterisch stark auf Schnellkeimung getrimmtem Saatgut, funktioniert das meist nicht. Die Saat verschimmelt und verfault im feuchtkühlen Boden, bevor sie Keimbedingungen vorfindet, die ihr behagen. Oder sie keimt eben ohne gute Bedingungen und verdirbt danach.

Fazit:
Das Überweiden der Mähwiesen im Herbst ist durchaus möglich, wenn sie mit Sorgfalt, nicht bei nassen Verhältnissen, zeitlich begrenzt und unter möglichster Vermeidung von Trittschäden erfolgt.

Markus Danner

Ertragsfähigkeit von Bio-Wiesen sicherstellen

Das Gemeine Rispengras als exemplarisches Symptom von Fehlentwicklungen auf der Wiese

Der Besatz unserer Wiesen mit Gemeiner Rispe und anderen Lückenfüllern ist ein Umstand, der sehr vielschichtig ist und keinem Grünlandbewirtschafter gleichgültig sein kann.
Gemeines Rispengras (Poa trivialis) besetzt ggf. alle Fehl- und Kahlstellen, die sich im Bestand öffnen.
Der Versuch der Sanierung des Ungrases ist ein Kampf gegen ein Symptom. Dieser Kampf ist aussichtslos, wenn wir uns nicht auch der Ursachen bewusst werden und der Problematik ursachenseitig entgegentreten.

Warum macht sich die Gemeine Rispe breit?
Typische Verbreitungsgebiete der Gemeinen Rispe sind feuchte Augebiete, schattige, (wechsel-)feuchte Standorte und ältere Klee(-gras)bestände.
Sie hat ein sehr seichtes Wurzelsystem, bildet oberirdische Ausläufer, mit denen sie Lücken rasch findet und besiedelt.
In Wirtschaftswiesen aller Art breitet sie sich vor allem dann aus, wenn das Grasgerüst in diesen Wiesen durch verschiedene Ursachen schwächelt.

Einige dieser Ursachen sind:

  • Intensiv genutzte, sehr horstgrasbetonte Bestände: Knaulgraswiesen, Bastardraygraswiesen; die aggressiven Horste dulden keine Artgenossen in unmittelbarer Umgebung (nicht selbstverträglich) und es entsteht eine unbewachsene Pufferzone um die Horste, die vom Rispengras besiedelt wird. 
    (Zitat Walter Dietl: Knaulgras und Gülle bringt Unkraut in Fülle!)
  • Keine Bestandslenkung auf Intensivwiesen: Auf Versamung angewiesene Gräser fallen nach einiger Zeit aus, Rasengräser fehlen, Lücken öffnen sich;
  • Häufig genutzte, aber zu knapp gedüngte Wiesen (= Übernutzung): Fünfschnittwiesen oder Eingraswiesen, deren Leitgräser durch mangelnde Boden- und Nährstoffdynamik leiden und sich zurückziehen. 
  • Durch Bewirtschaftung geschädigte Grasnarbe: Fahrspuren, zu tief arbeitende Erntemaschinen, zu tiefer Schnitt, offene Trittschäden durch Herbstbeweidung
  • Wühlmaus-Aktivität: Die Mäuse fressen die Wurzeln der Wiesenpflanzen, während sie sich seicht unter der Oberfläche ihren Fressgang aufwölben. Auf diesen Gängen siedelt sich die Rispe rasch und beinahe vollflächig aus.

Soll der Vormarsch der Rispe gestoppt oder verhindert werden, empfiehlt es sich, wie bei allen ursachenbasierten Phänomenen, diese Ursachen begleitend zur Sanierung zu beseitigen, zu vermeiden und ihnen aktiv entgegenzuwirken.

Die Gemeine Rispe durch wertvolle Futtergräser ersetzen 
– aber wie und wann?

Die Rispe im Bestand stark zu dezimieren, gelingt in der Praxis in einem besonderen Zeitfenster:
Nach der Ernte des 2. oder 3. Schnittes, je nach Region, wenn darauf einige Hitzetage folgen. Nur während einer Trockenphase im (späten) Hochsommer besteht die Chance, dass das Gras aufgrund mangelnder Wasserversorgung ihrer seichten Wurzeln braun wird, keinen Halt mehr findet und sehr gut ausgestriegelt werden kann. Das Ausstriegeln ist sinnlos, solange die Rispe saftig grün ist. Beim Striegeln darf und soll ziemlich rücksichtslos und scharf, unter Umständen auch wiederholt und/oder über Kreuz fahrend alles was nachgibt mitgenommen werden.
Meist ist anschließendes Schwaden und Aufladen der mitunter fetten Beute erforderlich.

Nach erfolgreicher Mission wird sich viel offener Boden zeigen, auf den rasch eine Nachsaat zu erfolgen hat. Natürlich braucht diese Saat Niederschläge zum Aufgang. Darauf muss aber nicht gewartet werden, denn Saatgut hat kein Problem mit Schönwetter, erst nach der Keimung darf es nicht mehr austrocknen.

Aus diesem Grund zeigen sich Saaten ab Mitte August als sehr aussichtsreich auf Erfolg. Der Altbestand konkurriert nicht mehr zu stark um Licht, und in den Nächten fällt wieder Tau aus. Bekanntlich sind Prognosen, vor allem jene, die die Zukunft betreffen, schwierig, aber alle jahreszeitlichen Umstände führen zur gefestigten und wiederholten Erfahrung, dass alle Maßnahmen in diesem Zeitraum die höchste Effizienz zeigen.

Das Saatgut, bzw. die Arten und Sorten der Mischung sind unbedingt der Nutzung entsprechend zu wählen, nicht von der kurzfristigen Verfügbarkeit abhängig zu machen (vorausplanen!). Das zahlt sich langfristig aus.

Frühjahrsbeweidung verbessert Wiesenbestände
Eine weitere Variante der Bestandverbesserung soll nicht unter den Tisch fallen:
Die sehr zeitige Frühjahrsweide. Mit ihr wird die Narbendichte stark gefördert und dadurch der Ausbreitung der Gemeinen Rispe Platz entzogen. Zeitgerecht angewendet, kann sich das Erscheinungsbild der Intensivwiese sehr schnell zum Besseren wenden.

Welches Sanierungskonzept auch immer angewendet wird, es wird nachhaltig und erfreulich erfolgreich sein, wenn den oben beschriebenen Ursachen für die Ausbreitung der Rispe die Grundlagen entzogen werden. D.h. zusammengefasst:

  • Düngung und Nutzung aufeinander abstimmen
  • Nutzungsintensität der Bodengüte anpassen
  • „Das rechte Gras am richtigen Ort“ (Dietl)
  • Narbenschonende Bewirtschaftung
  • Landschaftsstrukturen erhalten bzw. schaffen (Beutegreifer zur Mäuseregulierung)

Markus Danner

Nährstoffversorgung im Bio-Grünland

Näher betrachtet sind die Anforderungen, die an eine Bio-Wiese gestellt werden, ein einziger Widerspruch.
Der Bewirtschafter will nicht nur viel Futter, sondern daraus auch viel tierische Leistung als Milch- oder Zuwachsleistung des Wiederkäuers. Daraus folgt: Das Gras muss jung geerntet werden. Jung heißt, etwa im fünf, – max. sechs Wochen Rhythmus.
Diese Nutzungsabstände reichen aber weder für einen tierischen Reproduktionszyklus (v.a. Insekten und Bodenbrüter), noch für jenen von Blühpflanzen. 
Von diesem Aspekt soll später noch die Rede sein. 
Zuallererst stellt sich aber die Frage: Wie können wir dieser Nutzungsfrequenz mit ausreichend „Bodenfutter“ entsprechen? Und was ist „ausreichend“?

Wieviel braucht die intensiv genutzte Wiese?

Nähern wir uns der Antwort durch einen Blick auf den „GVE-Besatz“. Das heißt, technisch ausgedrückt, wieviel Tier(-masse) wird auf dem Betrieb pro Hektar Futterfläche gehalten.
Wir kennen die Stickstoff-Obergrenze von 170kg pro Hektar, die von der einen oder anderen Rechtsvorschrift vorgegeben wird, und etwa dem N-Anfall von 2 GVE entspricht. Auf den Punkt gebracht, können wir davon ausgehen, dass diese Menge ausreicht, um eine ertragreiche Wiese mit bis zu fünf Nutzungen auszufüttern.
Dass betriebsindividuell beträchtliche Unterschiede im N-Verlustpotenzial bestehen, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Mist und Gülle sind aber nicht nur N-Dünger, sondern bringen das gesamte Spektrum der Boden- bzw. Pflanzennährstoffe mit. 

Aus Gründen der Bodengesundheit, Strukturstabilität und kontinuierlichen Versorgung des Bodens (des Bodenlebens) gilt die Empfehlung, die Güllemengen bei ca. 12 mpro Hektar und Nutzung einzupendeln. 
Beinhaltet die Gülle 3kg N pro Kubikmeter, hieße das in Jahressumme 60m3 Gülle mit 180kg N, vor Abzug der Ausbringungsverluste. Diese Rechnung setzt ein sehr gutes Güllemanagement voraus, keine übertrieben starke Verdünnung (ca. 7%TS) und eine vernünftige Ausbringtechnik.

Wieviel Futter braucht Gras? © Danner

Soviel braucht die Intensivwiese tatsächlich, wenn ihr Grasgerüst stabil und ertragreich ist und bleiben soll. Auf längere Sicht gesehen kann sich aber auch hier eine Stickstofflücke ergeben. Da hilft nur eins: Weißklee. Diese Leguminose ist die Einzige, die in diesen Intensitätsstufen mitspielt. Der N-Ertrag wird mit ca. 2kg pro Prozentanteil der Leguminose am Bestand angegeben. Die N-Bindung der Leguminosen sinkt aber kontinuierlich, je mehr N gedüngt wird. Die Beobachtung der Knöllchenbildung kann daher gute Auskunft darüber geben, wie sehr der Klee-Stickstoff vom Bestand gebraucht wird oder nicht.

Was tun, wenn am Ende der Gülle (Mist) noch viel Fläche überbleibt?

Der Kardinalfehler, der Intensivwiesen oft zum Verhängnis wird, ist die gängige Praxis, möglichst alle Flächen zu versorgen und die oben beschriebenen Düngermengen deutlich zu unterschreiten. Zitat: „Ich schau halt, dass ich im Jahr überall einmal hinkomm.“ (Mit Gülle, Anm.)
Um diesem Dilemma zu entgehen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Düngerzukauf oder konsequente Anwendung des Konzepts des Abgestuften Wiesenbaus.

Ist der Zukauf von N- haltigen Düngern für das Grünland sinnvoll?

Für die eine oder andere Ackerkultur ist Düngerbezug als externes Betriebsmittel auch im Biolandbau nicht außergewöhnlich.
Im Grünland hingegen die Ausnahme. Die Herkunft aus konventioneller Herkunft ist restriktiv eingeschränkt auf Mist von Raufutterverzehrern und Agrogasgüllen aus wenigen Anlagen, die den Vorgaben entsprechen. Aus biologischer Herkunft ist organischer Dünger überhaupt nur in Spuren verfügbar.

Die Praxis zeigt aber, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung einen regelmäßigen Einsatz  nicht rechtfertigt. Es ist einerseits ohnehin zu teuer und andererseits bleibt die Frage stehen, ob das in der Biolandwirtschaft mittel- und langfristig ein gangbarer Weg sein kann.

Ist der abgestufte Wiesenbau ein Ausweg?

Düngungsplanungen auf Betrieben mit weniger als 1,5 GVE zeigen, dass ein doch beträchtlicher Anteil der Wiesen mit intensiver Nutzung bewirtschaftet werden kann. Der andere Teil bedarf einer weniger häufigen Nutzung. Auch die Bestände von Dreischnittwiesen liefern in den Folgeaufwüchsen milchviehtaugliches Futter.
Die Erstaufwüchse sind rohfaserreich und für Trockensteher und Jungvieh geeignet.
Der Minderbedarf von Düngern ist jedenfalls beträchtlich! (siehe Tabelle).
So wird ein stetiges Anwachsen eines Nährstoffdefizits verhindert. Ebenso soll ein Nährstofftransfer von wenig gedüngten zu stark gedüngten Wiesen nicht das Ziel sein. Jede Wiese wird ihrem Bedarf gemäß gedüngt, umgekehrt betrachtet ihrem Düngungsniveau entsprechend genutzt. 

Abgestufte Nutzungsintensität soll jeder Tierkategorie die ihr zuträglichste Futterqualität liefern und das kann auch gelingen. 

Kein „Wandern“ mit Biodiversitätsflächen!

Um den Nutzen einer nutzungsreduzierten Wiese auf ihren geringen Düngerbedarf und ihre höhere Artenvielfalt auch auszuschöpfen, ist es alternativlos, den Pflanzenbestand daran anzupassen bzw. dieser Anpassung Zeit zu lassen.

Aus dieser Sicht ist es ausgeschlossen, heuer hier und nächstes Jahr dort den Bestand „länger stehen zu lassen“.
Über längere Zeiträume gesehen werden dabei doch wieder alle Flächen gleich bewirtschaftet. 

Wiesenbestände „kennen sich nicht aus“, wohin sie sich entwickeln sollen, wenn die Nutzung nur dem Wetter, aber keiner Strategie folgt.
Es muss auf jedem Betrieb klar sein, auf welcher Wiese der Blumenstrauß gepflückt werden kann und auf welcher nicht. Andernfalls sind Probleme mit der Stabilität der Pflanzenbestände vorprogrammiert.

Diese Wiesen sind es auch, die die erforderlichen Zeitfenster bereitstellen, in denen sich Insekten, Vögel und Säugetiere um ihre Entwicklung bzw. Brutpflege erfolgreich kümmern können. Alles hat mit allem zu tun – so auch dieser Aspekt mit den Lebenskreisläufen in Wiesenlandschaften.

Wie die Wiese genutzt wird, so wird sie genutzt. Nicht heute so und morgen anders. © Danner

Warnsignale für suboptimale Bewirtschaftung

Veränderungen des Pflanzenbestandes erfolgen schleichend, werden durch trockene Jahre anderen Umständen zugeschrieben und in solchen mit ausreichend Niederschlägen weniger wahrgenommen. 

Flächenzugang
Wird das eine oder andere Hektar zugepachtet, ohne den Tierbesatz zu erhöhen, muss gleichzeitig klar sein, dass diese zusätzlichen Flächen Düngermenge der bisher bewirtschafteten Flächen beanspruchen. Wo fehlen diese Dünger jetzt? 
Eine Abwärtsspirale setzt sich u.U.  in Gang, die durch stetige Verschlechterung der Futterbestände (Vormarsch der Gemeinen Rispe) eine ebenso stetige Beschleunigung erfahren kann.
Deshalb Vorsicht! Bei Flächenzugängen sich unbedingt die Frage stellen, woher diese Flächen den zusätzlich erforderlichen Dünger erhalten sollen.

Rückgang des wertvollen Grasgerüstes
Die wertvollen Futtergräser, wie Engl. Raygras, Wiesenschwingel, Timothe, Wiesenrispengras, Knaulgras oder Wiesenfuchsschwanz, sie alle lieben, um nicht zu sagen brauchen bei mehr als drei Nutzungen im Jahr ein hohes Düngungsniveau.
Ist dieses Niveau zu niedrig, bzw. passt es nicht zur Schnittfrequenz, fahren die Gräser sprichwörtlich nicht mehr die Ellbogen aus, um sich Platz zu schaffen, sondern sie ziehen sich zurück, werden schüchtern und überlassen anderen Platz. 
Die freiwerdenden Lücken sind das gefundene Fressen für einen allseits bekannten Störenfried: Das Gemeine Rispengras. Wer es nicht erkennt, geht ihm gern auf den Leim. Denn es vermittelt dem Betrachter im Frühjahr eine bedeckte, geschlossene Grasnarbe. Tarnen und Täuschen, sonst ist leider nichts dahinter. Im ersten Aufwuchs ein frühreifer, hoch aufgeschossener Rispensaum, bleibt für den Rest des Jahres ein jede Lücke zuwachsender, muffiger Filz.

Der Lückenbüßer erkämpft sich so Bestandesanteile von 50% oder weit darüber. Wer solche Wiesen hat, kann sich sicher sein: Hier liegt das Potenzial brach, mit dem etwaiger Futtermangel verhindert werden kann. Flächenausweitung ist eigentlich nur bei einer gleichzeitigen Ausweitung des Tierbesatzes stimmig. 
Natürlich können je nach standörtlichen Gegebenheiten auch andere Pflanzen den freigewordenen Platz erobern. Wiesenpippau, Wiesenlabkraut, Hirtentäschel, Gundelrebe, Schafgarbe, Ausläuferstraußgras, Kriechender Hahnenfuß, nicht zuletzt Ampfer u.a. erfreuen sich über plötzliche und anhaltende Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Ursache für sich verschlechternde Bestände liegt neben narbenverletzendem Maschineneinsatz (oder auch Herbstweide) fast immer an der Schwäche der Gräser. 

Funktionierende Wiesen wachsen auf funktionierenden Böden!

Parallel zum Kreislauf der Organik mit Ernte und Rückführung der Wirtschaftsdünger bedarf ein dynamischer Boden mit einem gesunden Bodenleben auch einer ausgewogenen „Basenbelegung“ (Ca, Mg, und K an den Austauscherplätzen) und einem Säuregrad, in dem sich Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen wohlfühlen.
Gibt es Unverhältnismäßigkeiten, Mängel und Überschüsse, sollen diese durch mineralische Ausgleichsgaben in Ordnung gebracht werden. Dies gilt selbstverständlich auch für den Biobetrieb. Wenngleich mit der Einschränkung, dass der Befund „sehr niedrig“ für einen Phosphorwert in der Bodenanalyse weder Grund zur Panik liefern, noch den Sprint zum nächsten Agrarproduktehändler erzwingen soll.

Mineralauffrischung der Weidefläche © Markus Danner

Es gibt natürlich Phosphormangel. Es gibt auch Schwefelmangel. Genau hingesehen und objektiv betrachtet, gibt es im Grünland aber viel weniger dieser Mängel, als es manche Hochglanzprospekte weismachen wollen.
Ein pH-Wert von 4,8 beispielsweise ist aber tatsächlich keine Voraussetzung für eine bodenerhaltende, nachhaltige Qualitäts-Futterwirtschaft.
Hier besteht Handlungsbedarf, der in Ruhe und Sorgfalt geklärt und bearbeitet werden soll.
Die Entscheidungsgrundlage sollte in jedem Fall ein tiefer Blick in die Bestände und in den Boden sein, um ggf. umzusetzenden Maßnahmen eine fachlich tragfähige Analyse voranzustellen.

SchnitthäufigkeitDünger Stickstoffbedarf in kg/ha/Jahr
1-mähdig0
2-mähdig0-50
3-mähdig80-120
4-mähdig140-160
5-mähdig160-180
Dauerweide Milchvieh60-80
Stickstoffbedarf von Grasland unterschiedlicher Nutzungshäufigkeiten

Spezialvariante des abgestuften Wiesenbaus

Rezepte sind gut in der Küche, eignen sich aber schlecht als Grundlage für die Bewirtschaftung eines Biobetriebs.
So sind alle Konzepte und Strategien, die uns sinnvoll und nachhaltig erscheinen, dennoch auf die jeweiligen individuellen Verhältnisse auf den einzelnen Betrieben anzupassen. Dadurch ergeben sich mitunter mehrere sinnvolle und erfolgreiche Varianten ein und desselben Konzepts.

„Mit der Einsaat der Klee-Luzernegrasmischung haben wir eine Situation geschaffen, in der Wiesen über
Jahre trotz deutlich weniger Düngung gute Erträge mit Qualitätsfutter erzielen.“ 
Josef Eisl, Abersee

Beim Stoffbauer in Abersee sind die Böden karbonatreich und durchlässig. Ideale Voraussetzungen für die Königin der Futterpflanzen, der Luzerne. Mehrere Hektar Wiesen wurden zu Luzernekleegraswiesen angelegt, die sich sehr gut entwickelten, gute Erträge abwarfen und über eine Nutzungsdauer von über drei Jahren nicht gedüngt wurden.
Dadurch konnten erhebliche Düngermengen auf die anderen mehrschnittigen Wiesen und Mähweiden umverteilt werden. Die Luzernefruchtfolge wird zukünftig auf dem Betrieb ein fixer Bestandteil der Grünlandbewirtschaftung bleiben.

Markus Danner

Unsere “Mutter Erde”

Die Geschichte der Menschheit ist eng mit “Mutter Erde”, dem Vorhandensein fruchtbaren Bodens verknüpft. Bodenverlust ist beinahe zwingend mit Verlust menschlicher Lebensgrundlage verbunden.

Mesopotamien, das Zwischenstromland – die Wiege der Zivilisation. 
So lernen wir es als Kinder seit Generationen.  Aktuelle Bildberichte aus den kriegsgebeutelten einstigen Paradiesen werfen die Frage auf, wohin die vermeintliche Fruchtbarkeit des Landes denn verschwunden ist und wie das geschehen konnte?

Die Babylonier sind gescheitert, ebenso die Griechen und die Römer, die Wikinger, jüngst die Bewohner der Sahel-Zone und viele andere mehr.
Sie alle konnten nicht verhindern, dass sie den Boden unter den Füßen verloren.

Bodenerosion erfolgt spektakulär und dramatisch, wie die „Dust-bowl“ in den USA in den 30er Jahren, Staubstürme, die Millionen Tonnen Erde des mittleren Westens über die Ostküste in den Atlantik verfrachteten. Oder ein kleinerer Staubsturm vor wenigen Jahren in Norddeutschland, der den Verkehr auf Autobahnen lahmlegte.

Wir erkennen sie auch an scheinbar schicksalhaften Muren und Erdrutschen. 
Meist aber passiert Bodenerosion schleichend. Immer dann nämlich, wenn der Bodenverlust der Fläche ein wenig größer ist als die Bodenneubildung im selben Zeitraum. Generationen übergreifend wird das oft nicht wahrgenommen, doch irgendwann, einige Generationen später muss die Bewirtschaftung des seinerzeit fruchtbaren Landes aufgegeben werden, weil der Oberboden abgetragen oder bereits bis auf den Untergrund erodiert ist. So geschehen in weiten Teilen des Mittelmeerraumes und Nahen Ostens und vielen weiteren Teilen der Welt.

Wir sollten aus der Geschichte lernen

„Wir müssen die Erträge auf unseren Feldern massiv steigern, um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können!“ Das ist die Rhetorik jener, die sich davon gute Geschäfte versprechen. Und es sind nicht selten dieselben Kräfte, die weltweit für Bodendegradation verantwortlich sind.
Der weltweite Bodenverlust, der durch kurzfristige Profiterwartung, Armut, korrupte Regime, Gier, Unbildung und Dummheit verursacht wird, ist atemberaubend, um nicht zu sagen apokalyptisch.

Die Frage, wie im Jahr xy soundsoviel Milliarden zusätzlicher Menschen ernährt werden sollen, stellt sich eigentlich überhaupt nicht, denn es wird nicht möglich sein, geht die Zerstörung unserer Lebensgrundlage auch nur annähernd im derzeitigen Tempo weiter. Wir werden mit Ertragssteigerungen die Verluste nicht wettmachen.

Seit 1945 (seit knapp 80 Jahren!!) sind weltweit 1,2 Milliarden Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verlorengegangen, das entspricht einer Fläche von China und Indien zusammen (Montgomery, 2007).

„Investoren“ empfehlen auf einer Konferenz in London (siehe Dok-Film „Landraub“ von Kurt Langbein), in Afrika zu investieren, das sei der Ort, an dem noch Land verfügbar und die Profitaussichten rosig. Welch gefährliche Drohung! – gegenüber der ganzen Menschheit.  Aber nur wenige empfinden und erkennen das als Drohung. Die Konditionierung und Abstumpfung der Wohlstandsgesellschaft bezüglich raubtierkapitalistischer Rhetorik scheint tadellos funktioniert zu haben.

Was geht uns das an?

Europa schwelgt seit langem im Überfluss, dessen Grundlage – auf neudeutsch – „outgesourced“ ist. 
20 Mio Hektar Ackerland beanspruchen wir Europäer in Übersee.
Wie dann jemand auf die Idee kommen kann, mit den Erträgnissen jener Flächen in Europa Tiere zu mästen, um sie wieder um den halben Erdball zu verschicken. Das als Zukunftsmarkt zu propagieren, ist nur sehr schwer nachvollziehbar. Aber immer noch gesellschaftsfähig.

Mit diesem Wirtschaftsverhalten machen auch wir uns schuldig an der fortschreitenden Verkürzung des Astes, auf dem wir sitzen. Wir – das sind jene, die massenweise Hendl um 3,90 das Stück fressen, aber auch jene, die den Chinesen Schweinefleisch “Made in Austria” aufs Auge drücken wollen.
Wenn unsere Landwirtschaft in Schwierigkeiten gerät, weil der russische Markt aus politischen Gründen wegfällt, könnte das Problem nicht vorrangig in unserem System begründet sein, und weniger an der Geopolitik?

Auch Österreichs Mutter Erde erodiert

Erosion und Bodenverlust ist aber nicht nur eine Sache von fernen Landen. Auch im Osten Österreichs rücken hie und da Schneeräumgeräte aus, um Straßen und Wege befahrbar zu machen. Aber nicht nach Schneefällen – nach Bodenverfrachtungen! 

Viele Hänge werden unter den Pflug genommen und unzureichend gegen Bodenabtrag geschützt. Der Biogasboom hat ein Gerangel um Maisflächen ausgelöst, der die Böden Jahr für Jahr mehr unter Druck bringt, und das in mehrfacher Hinsicht. Die Agrochemikalien tun das Ihrige.
Nur ein Millimeter Boden durch Wind oder Wasser abgetragen bedeutet auf ein Hektar gerechnet 15 Tonnen Feinbodenverlust. Auf ungeschütztem Boden reichen dafür ein paar Stunden scharfe Brise. Die Neubildung derselben Bodenschicht benötigt ca. 20 Jahre.

Mutter Erde ist im Begriff, unter unseren Füßen verloren zu gehen. Als Ausweg aus der Misere nennen jene, die sich mit der Problematik des weltweiten Bodenverlustes beschäftigen, nicht die grüne Gentechnik, nicht die Intensivierung der Techno-Agrikultur, nicht die Forcierung der großen Einheiten. Sie empfehlen biologische Bewirtschaftung und kleine Einheiten in Privatbesitz. Die Geschichte hat auch gelehrt, dass die kleinen Einheiten – die Familienbetriebe – Garant für die beste Obsorge für den Boden waren. Der rumänische Traktorfahrer wird beim besten Willen nicht den Bezug zur Scholle auf dem brandenburgischen oder niederösterreichischen 2000 Hektar Betrieb herstellen können, wie der Jungbauer auf seinem Erbhof in 12. Generation. Gesamtheitlich betrachtet sind kleine Einheiten die effizientesten.
Es fehlt also weder an Gründen noch an tiefem Sinn, Familienbetriebe weiterzuführen, kleine Einheiten zu erhalten, und der nachfolgenden Generation den Wert, Mutter Erde zu bewirtschaften, wieder näherzubringen.

Das gelingt nicht mit Vor-Jammern, sondern mit Vor-Leben. Im täglichen Tun und Handeln genauso wie im Unterlassen, im Vermitteln von Respekt und Ehrfurcht gegenüber der ständig mit Füßen getretenen Haut der Erde. Das kann auch gelingen durch die bewusstere Wahrnehmung des Geschenks der Jahr für Jahr heranwachsenden Kulturen. Dann nähern wir uns wieder der sprichwörtlichen bäuerlichen Kultur. Sie, die bäuerliche Kultur, hat die Zivilisationen prosperieren lassen.
Wo sie versagt hat, sind auch die größten Völker wieder untergegangen. 
Letztlich kann nur sie den menschlichen Fortbestand sichern – indem sie kompromisslos den Boden unter unseren Füßen schützt und verteidigt.

Markus Danner