Weidepraxis vs. Weiderecht auf Biobetrieben

Die Weidesaison ist in vollem Gange, die Kontrollsaison auch.

Waren wir in der Intensivphase der Corona…, sagen wir „-Aufgeregtheit“ doch von manch überschießenden und im Nachhinein als nicht gerechtfertigten Einschränkungen konfrontiert, wäre es doch wünschenswert, auch bei der Umsetzung von EU Recht in Österreich nicht durch mächtig zur Schau getragenen Tatendrang mancher Akteure das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Wir sind mit einigen „halbfertigen“ oder gänzlich offenen Antworten auf nicht unwesentliche Fragen konfrontiert. Hier ein Versuch eines nicht ganz einfachen und leider immer noch “vorläufigen” Faktenchecks.

Wichtig ist, die Mindestanforderungen so zu erfüllen, dass keine Nachkontrolle aufgrund von Versäumnissen bzgl. der Weidevorgabe droht. Dies hat inzwischen Zahlungskürzungen aus dem ÖPUL zur Folge!

Unbedingt umgesetzt soll sein:

  • Mindestens 50% der Raufutterverzehrer des Betriebes haben regelmäßigen Zugang zu Weideflächen (ODER mind. 1 RGVE pro Hektar weidefähige Fläche)
  • Die Weidefläche muss, in guter landwirtschaftlicher Praxis geführt, als solche erkennbar sein, d.h. einerseits grün (kein Charakter eines zertretenen Auslaufs!), andererseits eindeutig abgeweidet und benutzt.
  • Führung eines Weidejournals: Ähnlich dem bekannten Austriebskalender kann auch der Weideaustrieb in dieser Form festgehalten werden. Ist Weidegang obligatorisch und die Stallhaltung die Ausnahme, können auch umgekehrt Nichtweidetage, zB aufgrund nasser Bodenverhältnisse, als solche festgehalten werden. Wichtig ist die Plausibilität und Nachvollziehbarkeit.

Bis 30. Juni 20 sollte jeder Bio-Tierhalter einen Weideplan vorlegen.
Dieser Stichtag wurde auf den 30. September verschoben.
Unabhängig davon kommt der Tag, an dem die Weidepraxis des Betriebes aufsinnvolle Art und Weise festgehalten sein muss.

Unser aller Bestreben ist natürlich, derlei administrative Erfordernisse so einfach wie möglich gestalten zu können.

Der Weideplan

Bitte haltet auf Papier oder auf adäquate elektronische Art und Weise fest:

  • Schläge und Feldstücke, die beweidet werden 
  • Zeitabschnitte, in denen die entsprechenden Schläge beweidet werden; (zB April/Mai auf xy, im Sommer auf yz, ab Mitte September wieder xy…)
  • Tiergruppen, die zu welchen Zeitabschnitten auf welchen Schlägen weiden. (Natürlich auch Almen). Ist eine Flächenrotation festgehalten, ist es unerheblich, wie oft die Rotation im Jahresverlauf erfolgt.

Das zusammen ist insgesamt nicht unverschämt viel Aufwand. Einmal durchgedacht und festgehalten, ist der Weideplan als solcher vorzeigbar. Bitte haltet diese Pläne für eure Zertifizierungsaudits vor.

Wenn nach wie vor Zweifel bestehen, wie mit den in Frage kommenden Flächen sinnvoller Weidebetrieb möglich ist, wendet euch bitte an eure zuständigen Berater.
Ein Blick von außen kann oft helfen, Zweifel zu zerstreuen, oder ganz einfach – eine Lösung zu finden.

vernünftige Zauntechnik hält die Tiere dort, wo sie sein sollen und verhindert viel Stress!
© Danner
bei ganz vorsichtigen Bauern reicht´s fast für eine Elefantenherde 🙂 © Danner

Weide-Neueinsteiger – die notgedrungen die Kröte geschluckt haben und ihren Kühen heuer Freigang gewähren – und vom Funktionieren des Systems positiv überrascht sind, sind erfreulicherweise in der Überzahl. 

Wenn die Tendenz anhält und die meisten, die vor sich eine riesige Hürde sahen, nach deren Überwindung feststellen, dass es viel besser geht als je angenommen – dann haben wir alle zusammen eine große Hürde genommen.

Markus Danner

Weidehaltung für Wiederkäuer auf Biobetrieben

Aktualisierung vom 9. April 2020

Um im Sinne der Biobetriebe zu einem Abschluss der Diskussion zu kommen, und die Sachlage zum Verständnis aller zu klären, ist es noch nicht gekommen, die Corona Situation ist dazwischen gefahren.

Aber gerade auf landwirtschaftlichen Betrieben geht die Arbeit weiter, meist wie gewohnt.

Zu den unten angeführten Vorgaben ist nichts substanziell anderes hinzugekommen.
Die Kontrollstellen werden bis Ende August die Umsetzung der Weide auf tierhaltenden Biobetrieben ansehen, evtl. Nachbesserungen einfordern.

In diesem Zusammenhang wird es wichtig sein, einen plausiblen “Weideplan” vorlegen zu können.

Weideplan:
Wohin (auf welches Feldstück) treibe ich meine Tiere (bzw. wie viele davon) von wann bis wann (zB von Anfang Mai bis Ende Oktober) auf die Weide.

Sind mindestens 50% der Tiere integriert (nur heuer, also 2020!, ab ’21 könnten es mehr sein), erübrigt sich jedwede Rechnerei mit “weidefähiger Fläche” etc.!!

  • Kühe auf neu angelegter Weide - eine neue Ära!
  • Biokühe dürfen auf die Weide © Ellenhuber
  • hochwertiger Weidezaun © Danner
  • Weide in Sommerholz © Greischberger

Im heurigen Jahr sind für den Weidebetrieb auf Biobetrieben folgende Mindestanforderungen gegeben:

2020 müssen alle Betriebe Weide einrichten.
Vom Umfang her sieht es folgendermaßen aus:

Jeder tierhaltende Bio-Betrieb muss mindestens
1 GVE pro Hektar weidefähiger Fläche oder zumindest 50 % des Tierbestandes weiden.

Wenn 50% der Tier auf die Weide können, ist die “weidefähige Fläche” unerheblich!!


D.h. z.B.:
Betrieb mit 35 ha Grünland, davon 28ha weidefähig (=nicht staunass, nicht über 25% Steilfläche!)
40 GVE Raufutterverzehrer;
Für mindestens 28 GVE ist Weidehaltung umzusetzen.

Achtung! Es müssen nicht 28 Hektar beweidet werden, sondern 28 GVE, auf wie viel Fläche auch immer!!

Weidefähige Fläche (Zahl in ha) = Grünland minus nicht weidefähiger Fläche  plus 20% Ackerflächen
(Anmerkung: AckerFutterflächen können nicht abgezogen werden)

Zusätzlich muss jeder Betrieb bis zum 30. Juni einen Weideplan erstellen und die Weidehaltung dokumentieren.
Für diesen Weideplan wird derzeit an einer Vorlage gearbeitet, um sie rechtzeitig den Mitgliedsbetrieben zur Verfügung stellen zu können.

Version vom 12. Dezember

Jetzt müssen wir nachbessern!

Vor wenigen Wochen erhielten alle Biobetriebe mit raufutterverzehrenden Tierarten einen Brief mit „Sonderinformation“ zum Thema Richtlinienänderungen, -verschärfungen vordergründig für den Bereich Weidehaltung für Wiederkäuer auf Biobetrieben. Weitere Punkte betreffen Enthornung und andere Eingriffe am Tier sowie Überdachung von Ausläufen (v.a. Kälberausläufe).

Gründe für dieses Anschreiben sind Aufforderungen der zuständigen EU-Behörden an Österreich, in den beanstandeten Bereichen (nach erfolgtem Audit 2017) Anpassungen vorzunehmen.

Für diese Anpassungen sind keine „Übergangsfristen“ vorgesehen, weil aus Sicht der EU-Kommission keine neuen Regelungen eingeführt, sondern bestehende nicht umgesetzt wurden.

Aus heutiger Sicht kann festgehalten werden: Ab dem kommenden Frühjahr werden alle Biobetriebe mit Raufutterverzehrern Weideflächen bestoßen müssen.

Bestätigungen und Protokolle bezüglich Ausnahmen von der Weidehaltung nach BIO AUSTRIA-Richtlinien, die wir ausgestellt haben, sind hinfällig!

Weidealtung für Wiederkäuer auf Biobetrieben

Die Aussichten, das politisch irgendwie „zu richten“, sind nicht gegeben.
Es wird voraussichtlich noch Wochen, u.U. bis ins Frühjahr hinein dauern, bis wirklich Klarheit darüber herrscht, welche rechtlichen Details festgehalten worden sind und umgesetzt werden müssen.

In der Bio-Verordnung steht aber in Artikel 14 auch unmissverständlich, dass Weide dann anzubieten ist, wenn „…die Witterungsbedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben,…“

Das heißt, wir sind auch in Zukunft nicht gezwungen, nasse Grünlandbestände durch Viehtritt umzugraben und zu zerstören. Und auch nicht, die Kühe an Tropentagen der prallen Hitze auszusetzen.

Lösungen mit Hausverstand sind gefragt und die werden wir finden.
Weidehaltung erfordert ganz generell die Beschäftigung mit pflanzenbaulichen, fütterungstechnischen und züchterischen Fragen.

BIO AUSTRIA und das Bio-Institut Raumberg-Gumpenstein tun das, wie viele Biobetriebe auch, seit über 10 Jahren.
Wir werden darin nicht nachlassen dürfen, denn dass Weidehal- tung zukünftig ein fixer Bestandteil der Biotierhaltung sein wird, steht unter dem Eindruck der aktuellen rechtlichen Entwick- lung – mehr denn je – außer Zweifel.

In welchem Bereich auch immer Unterstützungsbedarf erwächst, stehen wir selbstverständlich jederzeit helfend zur Seite. Einfach anrufen, wenn gewünscht und erforderlich, sind wir auf den Betrieben vor Ort!

Kälberstall an der frischen Luft. © Markus Danner
Kälberstall an der frischen Luft. © Markus Danner

Auslaufflächen müssen den Charakter von Freigelände aufweisen

Dieser Beitrag wird aktualisiert, sobald neue Fakten vorliegen.

Der Nebenerwerbsbauer – gewinnt der Bauernhof wieder an Bedeutung?

Als landwirtschaftlicher Berater, der beruflich auf Bauernhöfen zu tun hat, bin ich häufig mit Auswirkungen des „Strukturwandels“ konfrontiert.
Ein Bauer zeigt auf Bauernhäuser in der Umgebung: „Da hat man aufgehört, der dort drüben schon länger, der dort wird nächstes Jahr aufhören…“ In vielen Gegenden ist das so.
Noch häufiger wird auf den Umstand verwiesen, dass alle (Familienmitglieder) einer Arbeit nachgehen, die Landwirtschaft wird halt noch auf Schmalspur weiterbetrieben, dem Erhalt des Erbes wegen oder so. 

Da macht es schon Freude, wenn eine Biobäuerin, wie letztens, stolz ihren umgebauten und arbeitsfreundlich adaptierten Stall für 15, 16 Kühe zeigt und Wert auf die Tatsache legt, dass sie sich damit ihren Arbeitsplatz zu Hause sichert.
Ja! Genau. So sollte es doch sein.

Jetzt ist sie da – die Krise. 
Eine Krise, in der die Routinearbeit für Abertausende nicht möglich ist, weil die Betriebe geschlossen werden mussten. Beim Schreiben dieser Zeilen nicht absehbar, wann wieder geöffnet.

Seltsame, völlig ungewohnte Gedanken schleichen sich ein. Beschleichen sie diejenigen vielleicht auch, die erzählen, dass z.B im Pongau sowieso alles vom Tourismus lebt – ob einer von den Kindern das „Sacherl“ daheim weiterbetreibt – wohl eher nicht.
Oder jene Bauernfamilie, die sich erst kürzlich entschlossen hat, ihre beiden kleinen Landwirtschaften im Flachgau zu verpachten. Die Freizeit vom Haupterwerb ist dann eben auch Freizeit, nicht Zweitjob. Ja, das stimmt.
Was aber ist schiefgelaufen, dass junge und ältere Bauern und Bäuerinnen zur Erkenntnis gelangen mussten, dass sie es besser lassen. Das mit der Landwirtschaft.
Wir alle wissen es. Der Preis, die Wertschätzung, die dich verschlingende Bürokratie, die Arbeitsbelastung, die Kosten. 

soll ich in der Landwirtschaft leben oder soll ich nicht? – fragen sich viele junge Leute
© Danner

Jetzt, wo viele zuhause sitzen, vielleicht sogar auf dem Sacherl der Eltern, schon verpachtet oder noch in Tagesrandzeiten und Wochenendarbeit bewirtschaftet, könnte aber die Wertschätzung für das Eigene, – für die einem auf Zeit anvertraute Mutter Erde eine Renaissance erleben.

Auf den Bauernhöfen wird unbeirrt die Arbeit fortgesetzt. Die Tiere scheren sich keinen Deut um die Krise. Das hat möglicherweise auch etwas Beruhigendes für die betreuenden Menschen an sich.
Von den Tieren kann man sich etwas abschauen. Nämlich – worauf es wirklich ankommt.
Es kommt darauf an, dass die fundamentalen Dinge funktionieren, auch wenn’s schwierig wird. 
Unser hochgezüchtetes globales Wirtschaftssystem ist nach wenigen Tagen am Boden, wenn’s schwierig wird, das erleben wir gerade hautnah.

Die Landwirtschaft – in der Ökonomie „Primärsektor“ genannt, ist deutlich resilienter. 
Das „Primär“ bezieht sich für mich auf die Hierarchie in der Unverzichtbarkeit.
Mit Landwirtschaft allein funktioniert keine moderne Volkswirtschaft, klar.  Aber ohne?
Diese Wichtigkeit müsste nicht zwingend dazu führen, sich in entsprechenden Gruppen in sozialen Medien selbst zu feiern und teilweise haarsträubenden Unsinn zu verbreiten.

Sie dürfte aber dazu führen, mit Selbstbewusstsein die eigene Rolle in der Gesellschaft zu überdenken. Die eigene Rolle in der Arbeitswelt. Die Rolle des landwirtschaftlichen Familienbetriebes im Gesamtgetriebe.

Die aktuelle Krise zeigt ganz deutlich auf, was viele nie bezweifelten:
Gut vernetzte kleine Strukturen sind widerstandsfähiger als große. Je größer, desto tönern die Füße. So gesehen ist unsere Landwirtschaft ein Paradebeispiel an Resilienz.

Eine zukunftsträchtige Strategie könnte doch sein, Energie dafür aufzuwenden, die landwirtschaftlichen Betriebe zu entwickeln. In eine Richtung zu entwickeln, die sie befähigt, einem Familienmitglied oder mehreren einen Arbeitsplatz „zuhause“ zu sichern.
Das wird nicht überall mit ein paar Milchkühen möglich sein. Dennoch: Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, wenngleich viele Bauern im Grünlandgebiet Landwirtschaft mit Milchviehhaltung gleichsetzen.

Autor unbekannt; Foto Danner

Es wird aber nicht nur einer positiven Grundstimmung der Bauern bedürfen. Die Gesellschaft als Ganzes muss sich entscheiden. Bäuerliche Betriebe leben davon, ihre Produkte gewinnbringend zu verkaufen und für öffentliche Leistungen angemessen bezahlt zu werden. Lange genug hat der Tourismus bäuerliche Kulturlandschaft verkauft, ohne sich vorher  Verkaufsrechte sichern zu müssen. Damit muss jetzt Schluss sein! 

Der Preis des Essens muss seinem Wert entsprechen. Der Preis der Kulturlandschaft dem Aufwand ihrer Instandhaltung.

Dann kann ein 25 Hektar Betrieb ein Familieneinkommen sichern, und für viele Familien Grundnahrungsmittel erzeugen, die selbst in der Krise verfügbar sind.

Markus Danner

Mit der Kuh auf Du und Du

Nach Sturz- und Fallunfällen rangieren Unfälle mit Tieren laut Unfallstatistik am bäuerlichen Betrieb bereits an zweiter Stelle, wobei auch hier die Entwicklung von Anbindehaltung hin zu Laufstallhaltung Auswirkungen zeigt. So sind im Laufstall tendenziell weniger Unfälle zu verzeichnen, allerdings steigt der Schweregrad. Während es bei Anbindehaltung oft zu Unfällen mit leichten Verletzungen kommt, enden Unfälle mit Rindern im Laufstall selten mit weniger als Serienrippenbrüchen. “Mit der Kuh auf Du und Du” – wie können Missverständnisse am besten vermieden werden – einfach weiterlesen!

Anbinde- vs. Laufstallhaltung

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Mensch Tier-Beziehung. In Anbindehaltung kam und kommt es durch die tägliche Melkarbeit zwischen den Tieren zwangsläufig zu intensiver Begegnung. In Laufställen hingegen ist dies nicht mehr selbstverständlich. Moderne Melksysteme, Kraftfutterautomaten und Fütterungsroboter haben bei allen Vorteilen den gravierenden Nachteil, dass der Kontakt zum Tier abnimmt. Eine Folge daraus können nervöse und scheue Tiere sein, welche in Stresssituationen auch aggressiv gegenüber Personen auftreten können, hierbei besonders gefährdet sind Frauen und alte Menschen. Oberstes Ziel muss es daher sein, solche Situationen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Kälberhaltung entscheidend

Die ergiebigsten Maßnahmen zur Steigerung der Mensch Tier Beziehung und damit auch der Sicherheit können bereits im Kälberalter getroffen werden. Dabei sind die ersten drei Tage nach der Geburt entscheidend. Verbindet das Kalb hier den Menschen mit positiven Emotionen, so hallt dies ein ganzes Tierleben lang nach. Oft ist es schon ausreichend sich morgens und abends einige Minuten mit dem Tier zu beschäftigen, es berühren, zu streicheln und auch mit ihm zu sprechen. Die menschliche Stimme bleibt dabei positiv im Gedächtnis. Umgekehrt gedacht, sollte bei schmerzhaften Erlebnissen (Ohrmarken setzen, Enthornen, …) eben nicht beruhigend auf das Tier eingeredet werden, da in diesem Fall die Stimme mit etwas Unangenehmen in Verbindung gebracht wird.   

idealer Führungsstrick für Kälber
© Promegger

Ebenso sollen bereits Kälber an das Tragen eines Halfters gewöhnt werden, dies erleichtert später die Arbeit mit dem erwachsenen Tier ungemein. 

Ein Augenmerk soll auch auf die am Tier vorhandenen Beruhigungspunkte gelegt werden, welche für besonderes Wohlbefinden sorgen. Allgemein bekannt ist das Kraulen der Wamme, hingegen wissen aber nur die wenigsten, dass auch der erste Haarwirbel hinter dem Kopf als intensiver Beruhigungspunkt gilt. Im Gegensatz dazu, soll das Streicheln der Stirn und des Hornansatzes unbedingt vermieden werden, dies fordert nämlich den Kampftrieb des Rindes heraus. Ist das daraus folgende „Stupsen” oder „Boxen“ beim Kalb noch lustig und harmlos, so kann dies beim erwachsenen Tier zu ernsthaften Verletzungen führen. 

In Rinder hineinversetzen

Die Stirn bietet nicht nur Rammfläche, bei fast allen Rindern findet sich auf ihr auch ein prägnanter Haarwirbel. Diese Haarwirbel können Auskunft über das Temperament von Rindern geben. So haben Untersuchungen ergeben, das bei ängstlichen, nervösen und aggressiven Tieren dieser Haarwirbel tendenziell oberhalb der Augenlinie liegt (Bild – 1). Wirbel unterhalb der Augenlinie weisen hingegen eher auf ein gutmütiges und umgängliches Wesen hin. Wirbel welche mittig auf der Stirn liegen, haben wenig Aussagekraft.

Eine häufige Arbeit am Betrieb ist das Treiben, auch hier gibt es einiges zu beachten. 

Hier geht es vorrangig darum, sich in die Tiere hineinzuversetzen, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. So können Rinder im Gegensatz zum Menschen nicht vernetzt denken und sind daher immer nur auf eine Tätigkeit (fressen, gehen, wiederkauen, …) konzentriert. Weiters sind Rinder ausgeprägte Gewohnheitstiere, ein neues blitzendes Rohr im Melkstand oder eine neue Stufe im Treibgang können unglaubliche Schwierigkeiten und damit auch Stress für die Tiere bereiten. Beim Treiben ist auch auf die richtige Blicktechnik zu achten, da Menschen mit ihren eng beieinanderstehenden Augen ähnlich wie Hund oder Katze einen typischen Raubtierblick besitzen. Der direkte Augenkontakt sollte daher mit dem Fluchttier Rind vermieden werden, stattdessen soll der Blick beim Treiben auf den Schulterblättern ruhen. 

Der Sicherheitsknoten

Das richtige Anbinden von Rindern ist einer der wichtigsten Handgriffe im Umgang mit Rindern. Vor allem bei Tieren welche nicht halfterführig sind oder selten fixiert werden, können gefährliche Situationen, etwa bei Anhängertransporten auftreten. Aus Sicherheitsgründen sollten daher nur Knoten zur Anwendung kommen, welche im Notfall auch von unerfahrenen Personen selbsterklärend gelöst werden können.  Ein simpler aber wirksamer Knoten der diese Anforderung erfüllt, ist der einfache Sicherheitsknoten. Dieser hat die Eigenschaft, dass er sich durch Spannung am festen Ende festzieht, sich beim Ziehen am losen Ende jedoch sofort öffnet. 

Der Sicherheitsknoten kann viel Stress und Unfallgefahr vermeiden © Promegger

Mit Belohnung arbeiten

Beinahe jeder Hundehalter und jeder Pferdehalter belohnt positives Verhalten seine Tiere mit Leckerlis. Bei Rinderhaltern hingegen ist diese Praktik weniger verbreitet, dabei sind Rinder genauso lernfähig. Hatte ein Verhalten angenehme Folgen (z.B. Streicheleinheit) so wird das Rind dieses Verhalten in Zukunft öfter Zeigen. Hatte ein Verhalten hingegen negative Folgen (z.B. Stromschlag) so wird dieses Verhalten danach weniger gezeigt werden. Generell ist zu sagen, dass Belohnen von erwünschten Verhalten erfolgreicher ist, als das Bestrafen von unerwünschten Verhalten. Bei Belohnung ist darauf zu achten, dass diese auch wirklich außergewöhnlich sein soll. Die tägliche Kraftfuttergabe ist dazu nicht wirklich geeignet. Nützlichere Belohnungen sind etwa Apfelschnitze, Zuckerstücken oder hartes Brot.

Franz Promegger

Quelle: SVB OÖ, Mairinger

Schwefeldüngung auch im Biogrünland?

Zusehends wird Schwefel als ertragsbegrenzender Nährstoff im Grünland diskutiert.
Das geht grundsätzlich mit beinahe jedem relevanten Nährstoff so. Das kann man für gut befinden oder kritisieren, sei’s drum.

In der Biolandwirtschaft ist die Prämisse seit jeher, die Dinge nicht allein stofflich, schon gar nicht Einzel-Nährstoff-bezogen zu betrachten, sondern ganzheitlich.

Das gilt für die NPK Diskussion ebenso wie für pro und kontra Kalkung und – ganz im Trend – eben Schwefel.

Vor bereits vielen Jahren begannen vor allem Biobauern, Steinmehl in die Gülle zu blasen/mixen. Mit dem Ziel, deren Geruchsintensität zu mildern, die Abgasung und somit die Verluste einzudämmen und die Gülle milder zu machen. Durchaus mit Erfolg.

hwk.at
die Feinheit des Materials ist entscheidend

Das blieb nicht unbeobachtet. Plötzlich war es auch en vogue, Kalk in die Gülle zu rühren, sogar Asche. Und neuerdings Schwefel.

Hatte diese Praxis mit Steinmehl (Urgesteinsmehl wie Diabas/Basalt) Sinn, muss ebendieser bei den anderen Materialien bezweifelt werden. Nicht nur bezweifelt – durch tragische Ereignisse wie dem Tod einer Rinderherde im Stall in Tirol Ende 2019- wird aufgezeigt, wie gefährlich es sein kann, eine Idee unreflektiert einfach zu kopieren und unter völlig anderen Voraussetzungen anzuwenden!

Folgende Meldung stammt von der LK Oberösterreich;
https://ooe.lko.at/vorsicht-mit-schwefel-in-gülle+2500+3061532

Schwefel einmischen ist verboten – Lebensgefahr

Einer Initiative der Landwirtschaftskammer Tirol ist es zu verdanken, dass die lebensgefährliche Praxis des Einrührens von Schwefel in Gülle ab sofort verboten ist – es besteht nämlich akute Lebensgefahr.

Es war bisweilen Praxis, dass eine Schwefeldüngung über das Zumischen von elementarem Schwefel zu Gülle erfolgt ist.

Dabei kommt es im Zuge des Einrührens zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H2S). Bis zu einer Konzentration von 200 ppm ist Schwefelwasserstoff ein stechend riechendes Gas; bei Konzentrationen darüber werden die Geruchsnerven gelähmt und ab Konzentrationen von 700 ppm ist Schwefelwasserstoff tödlich.

Worin liegt der Unterschied?
Steinmehl, auch Tonminerale, Zubereitungen von Mikrobenkulturen, neuerdings Pflanzenkohle, haben die Eigenschaft, durch ihre hohen spezifischen Oberflächen mit freien Stoffen in der Gülle in Wechselwirkung zu treten. Sie anzulagern. Dadurch erkennt unsere Spürnase weniger flüchtige Partikel in der Luft, wenn solche Güllen gerührt oder ausgebracht werden. Dadurch bleibt mehr Schwefel, mehr Stickstoff in der Gülle, – dort, wo wir das haben wollen.

Andere Zusatzstoffe, – wie Asche, Kalk, Schwefel – reagieren in der Gülle teilweise chemisch. Dadurch entstehen zusätzlich Gase (Ammoniak, Schwefelwasserstoff, evtl. Methan..), die Verluste steigen statt sie geringer werden. Der einzige Vorteil: Die Ausbringung des Düngers geht mit der Gülle (automatisch) mit.

www.giglberg.net
Das berühmte “Liebig-Fass”:
es wird immer eine Daube die kürzeste sein!

Es ist also von entscheidender Bedeutung, vor dem Einsatz irgendeines Zusatzstoffes in Hofdüngern sich zu fragen:
Aus welchem Grund?
Mit welchem Ziel?
Was sind die Alternativen?

Wir sind mit unserer Methodik im Biolandbau auf einem guten Weg. Viele Biobauern sind Forscher aus Leidenschaft. Das führt dazu, dass unsere Methodik weiterhin eine Vorwärtsentwicklung erfährt. In Zusammenarbeit mit Forschung und Beratung.
Sich daran anzuhalten, dieses Wissen bei der Beratung auch abzuholen, ist das Gebot der Stunde. Auf dass sich Ereignisse wie oben zitiert vermeiden lassen, dass die Ressourcen der Betriebe im Betriebskreislauf bleiben, die Umwelt von Immissionen geschützt und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe verbessert wird.

Und Schwefel – ja, Schwefel braucht’s dann, wenn objektiv festgestellt wird, dass’s Schwefel braucht. Sonst nicht.

Markus Danner

Titelbild: salzburger-lagerhaus.at

Bio Standards – notwendiges Übel

Bio Standards und bio-bäuerliche Identifikation

Richtlinien, Auflagen, Verbote, Verpflichtungen, Beschränkungen, Vorgaben, Kontrollen. 

Wem hängen sie nicht zum Hals raus.
Die Biobauern müssen sich damit auseinandersetzen, seit es Regelungen gibt.

In der Pionierzeit waren es selbst auferlegte Rahmenbedingungen, mithilfe derer das System BIO definiert wurde. Bald musste und wollte man sich aber gegen Trittbrettfahrer und sonstige Möchtegerne schützen und die Sache wurde „amtlich“.
Nebenbei bemerkt, die Trittbrettfahrer und Möchtegerne sind seither leider nicht weniger geworden.

Der Zusammenschluss zur Interessensgemeinschaft

Zur Verfolgung gemeinsamer Ziele wurden und werden Vereine gegründet. So auch bei den Biobauern. BIO AUSTRIA ist das Ergebnis von Zusammenschlüssen biobäuerlicher Organisationen. 

Als solches kümmert sich der Verein um verschiedenste Belange wie z.B. den Aufbau eines Wiedererkennungswertes – in Gestalt des BIO AUSTRIA Zeichens. Auf Höfen, Produkten, Vermarktungseinrichtungen, bei Partnern und in Medien stößt man darauf und erkennt österreichische Biolandwirtschaft wieder.

Wir Biobauern und -bäuerinnen – Eine Marke

In den Aufbau einer Marke investieren Unternehmen Millionen.
Die Marke „BIO AUSTRIA“ hat nicht soviel gekostet. Ist sie den Biobauern vielfach deshalb so wenig wert?  Mit ungläubigem Staunen kann und muss vielerorts festgestellt werden, wie die Gemeinschaftsleistung „Markenbildung“ und ein in ganz Österreich und darüber hinaus wohlbekanntes Markenzeichen,  von Mitgliedsbetrieben ignoriert wird. 

Starke Marke? ja, wenn sie genutzt wird!

Jede/r kann davon profitieren, jede/r stärkt mit seiner Präsenz als BIO AUSTRIA Bauer und Bäuerin das Ganze. Es ist ein Geben und Nehmen in Einem.

Marken geben Sicherheit. Kauft ein Kunde auf dem Wochenmarkt an einem BIO AUSTRIA gekennzeichneten Stand BIO AUSTRIA gekennzeichnete Produkte, erinnert er sich daran, wenn er nächstens im Supermarkt ein Milchpackerl mit BIO AUSTRIA Logo oder ein sonstiges Produkt kauft. Das Eine wird mit dem Anderen assoziiert. So wird die Marke sukzessive stärker.

Die Realität zeigt oft ein anderes Bild. „Eigene Süppchen kochen“ ist aber noch kein Marketingkonzept. 

Flucht vor klaren Absagen an Konventionalisierung

Bio Austria hat zahlreiche Mitglieder verloren.
Durch das Verbot des elektrischen Kuherziehers meinten viele, dieser wäre ihnen wichtiger und verließen den Verein.
Durch die Beschränkung des Kraftfuttereinsatzes auf ein argumentierbares Maß stiegen einige aus. Bio sind sie geblieben.
Durch die BIO AUSTRIA-eigene Weideregelung ergriffen Betriebe die Flucht. BIO sind sie geblieben. Die EU Bio-Verordnung holt sie nun wieder ein.

Seit zwei, drei Jahren ist eine deutsche Düngemittelfirma aggressiv auf dem österreichischen Markt aktiv. Mit Hochglanzprospekt und unwiderstehlichen Produkten und Versprechungen. Schwefel wird künftig unsere Probleme lösen, so der Tenor.
Und auch da gibt es Betriebe, die mit dem Verlassen des Vereins liebäugeln, noch bevor sie sich erkundigt haben, welche Alternativen innerhalb des BIO AUSTRIA Standards zur Verfügung stünden.
Nach kurzer Recherche konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die stickstoffhaltigen Dünger dieser Firma Melassehydrolysat aus China beinhalten.
So wird BIO sicher zum Verkaufsschlager, wenn wir diesen Industrie-Dreck vom Weltmarkt auf unsere Felder streuen!

Nur ein bäuerlicher Bio-Standard schützt vor solchem Unsinn!

Die Beispiele zeigen auf, dass BIO auf nicht ungefährlichen Pfaden wandelt. Sie zeigen auch, dass der BIO AUSTRIA Standard einen tatsächlich großen Mehrwert zu „EU-Bio“ darstellt, weil sich der Verein mit seinem Regelwerk gegen die Konventionalisierung im Dünge-, Pflanzenschutz- und Tierhaltungsbereich stellt. Weil BIO AUSTRIA die Glaubwürdigkeit des Biolandbaus schützen und erhalten will. Trotz Widersprüchlichkeiten im eigenen Haus.
Diese Interessen hat sonst niemand. Dessen sollten sich die Biobauern bewusst werden. Und dann entscheiden, welcher Weg der zukunftsträchtigere sein wird.

Bodenbeurteilung am Acker © Bio Austria
Zusammenarbeit bringt uns weiter, nicht Eigenbrötlerei.
Bodenbeurteilung am Acker © Bio Austria

Rahmenbedingungen müssen definiert und eingehalten werden. Um sie so verträglich wie möglich umsetzen zu können, hat BIO AUSTRIA seinen Servicedienst für die Mitgliedsbetriebe in mehreren Bereichen aufgebaut.
Gemeinsam finden wir jedes Betriebsmittel, das wir brauchen, jede Zutat, jedes Produkt. 

Es wird wohl notwendig sein, wieder auf eine klarere Linie zurückzukehren. Die Handelsmarken Standards sind ein Flickwerk, in dem der Eine den Anderern sektoral übertrumpfen will. Der Blick aufs Ganze bleibt dabei trüb. Der EU Bio-Standard ist zu löchrig. Nahezu jede Molkerei unterschreibt bei einem anderen Abnehmer eine andere Vorgabe. Einen gemeinsam gültigen Standard bietet den Biobauern nur der einzige bäuerliche Standard. Und das ist in Österreich jener von BIO AUSTRIA. 

Wenn es uns gelingt, das in unser Verständnis von Biolandwirtschaft zu implementieren, können wir vorwärts marschieren. Wie es z.B. mit Sparprojekten kürzlich gelungen ist.
Dazu ist ein Blick über den eigenen Tellerrand vonnöten.

Markus Danner
Sebastian Herzog

Böden klimafit machen

Wie können wir Äcker, Grünland, Böden klimafit machen? Diese Frage wird immer wieder gestellt, eine eindeutige Antwort darauf ist schwer zu finden. Denn: Ohne Wasser (von oben) ist alles umsonst.

Dennoch zeigen landwirtschaftliche Flächen bei jedem nennenswerten Niederschlagsereignis ihre Not auf: Sofort bilden sich kleine oder große Lachen. Wegen 20 oder 30 Liter Regen in einigen Stunden? Der Boden müsste das doch gierig aufsaugen, bei dem vorhandenen langfristigen Niederschlagsdefizit seit Monaten.

lw. Boden infiltriert immer weniger Niederschlagswasser © Markus Danner, BIO AUSTRIA

Er tut es aber nicht. Viel vom segensreichen Nass läuft in Gräben, hangabwärts oder sammelt sich in Senken.
Einige Tage trockenen Wetters, und die Erde scheint sich schon wieder nach Regen zu dürsten. Wie ist das möglich?

Böden brauchen Struktur!

Ein krümeliger, humoser Boden könnte theoretisch sogar 150 Liter Regen aufnehmen, wenn er die entsprechende Stabilität hat.

Diese Stabilität wird durch Lebendverbauung erreicht. Lebendverbauung ist die Strukturbildung von porösem Bodengefüge durch Mikroorganismen und Bodentiere. Da ist vor allem der Regenwurm zu nennen.

Das Gegenteil passiert bei unvorsichtiger Bewirtschaftung. Hohe Düngergaben (v.a. Gülle, Jauche, wasserlösliche Handelsdünger) überschwemmen Boden einseitig mit Nährionen, die die genannte Lebendverbauung schädigen, auf Dauer zerstören. Wiederholte Überfahrten mit schweren Maschinen (besonders bei zu feuchten Verhältnissen), zerstören das Porenvolumen, der Boden wird dichter, kann weniger Wasser aufnehmen und trocknet schnell wieder aus. Das Aufsteigen von Kapillarwasser aus dem Untergrund wird ebenso erschwert, wie die Bildung von Grundwasser in die andere Richtung.
Eine Kettenreaktion ungünstiger Eigenschaften und Wechselwirkungen.

So unterschiedlich ist Boden: können im linken Beispiel Unmengen Wasser infiltrieren, ist der Maisacker rechts dicht!

Wenn die langen trockenen Witterungsphasen in den kommenden Jahren anhalten, und davon ist auszugehen, wird es spannend, wie wir es schaffen, die Speicherkraft der Böden wieder zu erhöhen. Denn davon wird es abhängen, mit welchen Kulturen zukünftig welche Ernten erzielt werden können.

Markus Danner

BIO wächst – auch auf der BIOFACH

BIO AUSTRIA: Pro Tag 115 Fußballfelder zusätzliche Bio-Fläche in Österreich

Utl.: Deutliches Wachstum der Bio-Flächen in ganz Europa – Verband begrüßt Weichenstellungen zur Stärkung der heimischen biologischen Landwirtschaft im Regierungsprogramm

„Die Entwicklung der biologischen Landwirtschaft in Österreich ist weiterhin aufstrebend. Das zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ländliche Regionen und Tourismus (BMLRT). Derzeit wirtschaften 24.235 Höfe nach den Kriterien der Bio-Landwirtschaft, das sind 22,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Die Biobäuerinnen und Biobauern Österreichs bewirtschaften insgesamt 668.725 Hektar Land. Das macht einen Anteil von derzeit 26 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche aus. In der Fläche gab es einen Zuwachs von etwa 31.000 Hektar, was einer Steigerung um ca. 5 Prozent entspricht. Die biologisch bewirtschaftete Fläche ist damit von 2018 auf 2019 um etwa 115 Fußballfelder pro Tag gewachsen“, sagte BIO AUSTRIA-Obfrau Gertraud Grabmann am Freitag anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Michael Blass von der AMA Marketing und Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) Schweiz auf der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, der BIOFACH in Nürnberg.

Bundesländer-Anteile: Größte Zuwächse in Niederösterreich und Burgenland

Nach Bundesländern hat flächenmäßig weiterhin Salzburg die Nase vorne. Hier wird mit einem Anteil von 58 Prozent bereits der größere Teil der Fläche biologisch bewirtschaftet. Das Burgenland kommt auf 36,4 Prozent und verzeichnet damit einen Zuwachs von etwa acht Prozent. Wien hat aktuell eine Biofläche von 33,5 Prozent, hier ist von 2018 auf 2019 ein Plus von 4 Prozent zu verzeichnen. Niederösterreich kommt mit einem Zuwachs von 13 Prozent auf nunmehr 24,4 Prozent biologisch bewirtschaftete Fläche. 

2019 sind insgesamt 758 Bio-Betriebe neu hinzugekommen. Den höchsten Anteil an Bio-Betrieben gibt es mit 48 Prozent ebenfalls in Salzburg, gefolgt von Wien mit 27,3 Prozent und dem Burgenland mit 25,7 Prozent. Bei den Betrieben gab es von 2018 auf 2019 die höchsten Zuwächse in Niederösterreich mit acht Prozent und im Burgenland mit rund sechs Prozent.

Deutliches Wachstum in ganz Europa

Mit dem weiteren Wachstum liegt Österreich im Trend der Bio-Entwicklung in ganz Europa bzw. der EU, wie die neuesten Zahlen des FIBL für das Jahr 2018 belegen. Sowohl die biologisch bewirtschafteten Flächen als auch die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln sind demnach in Europa im Jahr 2018 um knapp acht Prozent gewachsen. 

Deutlich ersichtlich ist dabei, dass einige EU-Länder ihre Bio-Anteile sehr ambitioniert ausweiten, etwa Schweden und Estland, was sich auch auf den heimischen Bio-Markt auswirken wird.

Weichenstellungen im Regierungsprogramm zur Stärkung der Bio-Landwirtschaft

„Aus Sicht des Bio-Verbandes ist daher jedenfalls positiv hervorzuheben, dass es im Regierungsprogramm der Österreichischen Bundesregierung eine klare politische Zielsetzung gibt, die biologische Landwirtschaft in Österreich weiter zu stärken“, betonte Grabmann. Dafür ist ein Maßnahmenbündel festgeschrieben, das etwa die ambitionierte Weiterentwicklung des nationalen Bio-Aktionsplans und eine Forschungsoffensive im Bereich Bio-Landwirtschaft enthält. 

Darüber hinaus ist im Regierungsprogramm eine deutliche Steigerung des Bio-Anteils in der öffentlichen Verpflegung ausgewiesen. Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen in Bundeszuständigkeit sollen demnach einen Bio-Anteil von 30 Prozent bis 2025 und 55 Prozent bis 2030 erreichen. „Wir begrüßen diese politischen Weichenstellungen ausdrücklich und bieten der Bundesregierung dafür unsere umfassende Unterstützung an“, so die BIO AUSTRIA-Obfrau abschließend.

Hintergrund: 

Die BIOFACH ist die Weltleitmesse der Bio-Branche, die alljährlich in Nürnberg abgehalten wird. Auch Österreich ist hier traditionell stark vertreten. So sind AMA Marketing, die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und BIO AUSTRIA vor Ort und rücken in diesem Jahr gemeinsam mit 62 österreichischen Bio-Unternehmen in der Gruppenausstellung Bio-Lebensmittel aus Österreich in das Rampenlicht. Insgesamt sind in diesem Jahr 138 Aussteller aus Österreich auf der Messe vertreten. 

Die BIOFACH steht heuer unter dem Motto „Organic delivers!“, zu Deutsch: „Bio wirkt!“. 

Die Initiatoren wollen damit die vielfältigen positiven Wirkungen der biologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft auf die Umwelt, das Klima, die Biodiversität und viele andere gesellschaftliche Bereiche aufzeigen, etwa auch auf die Wertschöpfung von Bäuerinnen und Bauern oder regionale Wirtschaftskreisläufe.

Über BIO AUSTRIA:

BIO AUSTRIA ist das Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern. Als größter Bio-Verband in Europa repräsentiert BIO AUSTRIA die österreichische Bio-Landwirtschaft und vertritt die Interessen der Biobäuerinnen und Biobauern – mit 13.500 Mitgliedern und mehr als 400 Partnerunternehmen in der Wirtschaft. Nähere Informationen unter www.bio-austria.at

Rückfragen        
Markus Leithner, 

Pressesprecher BIO AUSTRIA
+43 676 842 214 214

markus.leithner@bio-austria.at      

Landwirtschaft und Klima

Landwirtschaft und Klima

Die Landwirtschaft (mit der Jagd) war lange Zeit jenes Gewerbe, jener einzige Berufstand, der von sich behaupten konnte, einen Netto-Energieüberschuss zu erwirtschaften. Das gelang mithilfe grüner Pflanzen und des Sonnenlichts, mit dem die Pflanzen Kohlendioxid zu Kohlenhydraten aufbauen und speichern. Graser, also vor allem Wiederkäuer, transformieren ihrerseits grüne Pflanzen und Konserven daraus in Lebensmittel, mithilfe derer sich aus einem Haufen Wilder Zivilgesellschaften formen konnten.
Landwirtschaft und Klima waren und sind dadurch eng miteinander verflochten.

Aus dieser Position und aus diesem Selbstverständnis heraus wäre die Landwirtschaft in Bezug auf die CO2Problematik tatsächlich die Lösung.

Diese Zeiten sind aber längst vorbei.

Beharren landwirtschaftliche Funktionäre zwar immer noch darauf, nicht Teil des Problems, sondern der Lösung zu sein, bleiben sie den geringsten Beweis schuldig. Denn, die Landwirtschaft ist schon lange zu einem Netto-Energieverbraucher großen Stils geworden.

Das hat viele Gründe – politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, zeitgeistige. 

„Die Bauern“ allein waren es nicht, sondern unser aller Art zu leben, zu konsumieren, beim Falschen zu sparen, zu rationalisieren und zu verbilligen.

Es wird nicht funktionieren, darauf zu warten, dass „die Politik“ den CO2 Ausstoß verringert. Die Politik wird das nicht können. CO2 Ausstoß wird dann verringert, wenn wir alle weniger Öl, Diesel und Benzin, weniger Kohle und Gas verbrennen. Punkt. (Und wenn wir es nebenbei nicht zulassen, dass die Welt von Verrückten regiert wird, z.B. Brasilien und etwas weiter nördlich, etc.).

Heuernte. © Markus Danner
Heuernte. © Markus Danner
Sonnenblumen blauer Himmel © Bio Austria
Kraft der Sonne © Bio Austria

Die Landwirtschaft muss zurück zum Netto-Energie-Überschussproduzenten! D.h. nicht „zurück auf die Bäume“, aber zurück zu verträglicher Technik, zur Kraft der Sonne, zum Vermeiden des Vermeidbaren. Das heißt mutig Landwirtschaft neu denken.

Markus Danner

Wer A sagt, sollte auch B …

Wer Tierschutz fordert, sollte auch kein Tierleid kaufen. Wer Nachhaltigkeit fordert, sollte saisonal und regional und BIO essen. Qualität? lässt sich sicher nicht am günstigsten Preis messen. Wer A sagt, sollte auch B kaufen.

Die Wohlstandsgesellschaft bringt es mit sich. Wir haben immer alles, und das sofort.
Die vielzitierten Erdbeeren im Winter.
Den kuscheligen, spottbilligen „Onesie“ aus China. 
Das Karree um 2,99 das Kilo.
Meterlange Listen ließen sich hier fortsetzen.

Gleichzeitig ist uns aber nicht wohl dabei.
Wir kritisieren Kritikwürdiges schnell, dauerhaft und heftig, solange es nicht unmittelbar unsere eigene Lebenswelt betrifft. Letzteres lässt die Wahrnehmung schnell umdrehen.
Beispiele gefällig?

Freitags beim Fernsehen:
Wahnsinn! Die füttern Antibiotika? Was sind denn das für Gauner, die Bauern! Und wir gehen dann an resistenten Keimen ein, oder was?

Samstags beim Einkaufen:
…Das Schnitzel, 3,49 das Kilo. Chicken-Nuggets
mhhh, lecker, die nehmen wir mit, so ein Schnäppchen!
…Grillfleisch gemischt, mariniert, im  Sonderangebot…,
Schatz, grillen wir morgen?

Neulich beim abendlichen Philosopieren:
Das ist schon unglaublich, oder? Die meisten Kühe kommen ihr ganzes Leben nicht auf eine Weide. Also wenn du mich fragst, gehört das verboten, aber sofort!

am folgenden Morgen auf dem Weg zur Arbeit:
Was macht dieser sch… Bauer mit seinen Drecksviechern schon wieder auf der Straße (hupt wiederholt, schimpft zum Fenster raus)!
Und überhaupt, der kann mir die Autowäsche zahlen, wenn die ganze Straße verdreckt ist!
Wenn der nochmal die Straße blockiert, zeig ich ihn an.

Gänsemarsch zur Weide © Bio Austria
Gänsemarsch zur Weide © Bio Austria
manchmal wird`s auch ein größerer Verkehrsweg sein, der überquert werden muss!

WhatsApp Nachricht auf dem iPhone:
Bringst du bitte vom Supermarkt noch zwei Liter Milch mit, wenn du nach Hause kommst?
Die um 79 Cent, steht gleich da bei diesen Müller-Milch Sachen!

Mit der Lebensweise, die diese nicht ganz frei erfundenen Gegebenheiten aus unserem Alltagsleben widerspiegeln, drehen wir permanent an einer Abwärtsspirale aus Qualitätsverlust, Naturausbeutung, maßloser Energieverschwendung und letztlich tausendfachem Zusperren von landwirtschaftlichen Betrieben.

Keine Regierung, kein Gesetz kann das stoppen.
Ändern können sich die Dinge durch vieltausendfachen Griff ins richtige Regal.
Der Käufer – der Konsument hat die Macht. Er/sie sollte sie nutzen.

Wer will, dass die Welt bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt!

Wenn wir wollen, dass die Welt bleibt, wie wir sie kennen und lieben, werden wir nicht umhin kommen, unser wirtschaftliches, politisches und persönliches Handeln rasch und nachhaltig zu ändern. In nahezu allen Lebensbereichen.

Markus Danner