Herbstweide auf Wiesen

ein Fallstrick für die Wiesenbestände?

Der letzte Aufwuchs der Wiesen dient den Kühen und Jungrindern oft als Herbstweide.
Um die Beweidung für Tier und Pflanzenbestand gut und verträglich zu gestalten, sind die gegebenen Verhältnisse etwas genauer zu betrachten.

Pflanzenbestände von Mähwiesen sind grundsätzlich keine Weidebestände. Knaulgrasbestände oder Wiesen mit viel Bastardraygras beispielsweise sind sehr empfindlich gegenüber Tritt bei feuchten Verhältnissen, weil um die Gräserhorste meist kein fester Trittrasen vorhanden ist und die Beweidung in der Folge viel offenen Boden hinterlässt. 
Die Wiesen sind danach höchst gefährdet für Verunkrautung mit Ampfer, für plötzlichen oder schleichenden Besatz mit Gemeiner Rispe, die die offenen Stellen um die Gräserhorste mit Begeisterung schließt. 

  • Keine Portionsweide! Je großflächiger die Futterzuteilung, desto weniger Hektik in der Herde, desto weniger Trittbelastung.
  • Beweidung von Wiesen im Herbst nur bei ausreichend trockenen Verhältnissen!
  • Jungvieh nicht „bis zum Einschneibn“ auf der Weide lassen! Abweiden – weiterziehen. 

Die Pflanzenbestände werden es im nächsten Jahr danken, wenn die Herbstweide schonend vor sich gegangen ist.

Allgemein kann festgehalten werden: Je höher die Bestandes-Anteile von Kräutern, Gemeiner Rispe, Knaulgras und Bastardraygras ist, desto größer ist die Gefahr, mit Herbstbeweidung eine Verschlechterung des Bestandes zu bewirken.
Genau gegenteilig wirkt übrigens eine Frühjahrsbeweidung bei guten Verhältnissen!

Beweiden oder Mulchen?
Die Qualität des stehenden Futters sollte auch einen kurzen Gedanken wert sein. Wenn sich viel verpilzte Gräser und Kräuter im Bestand finden, die rosa, weiße oder orange Pusteln oder Beläge zeigen, ist die Verfütterung an den Boden besser als  an Weidetiere.
Mulchen im Oktober (in Höhenlagen entsprechend früher) ist eine perfekte organische Düngung. Der „Verlust“ von Futtergras im Herbst wird unter normalen Umständen durch den Mehrertrag im Folgejahr mehr als wettgemacht. 

Welche Wiesen sind weniger empfindlich?
Wiesen mit hohen „Untergras“- Anteilen im Bestand, d.h. Engl. Raygras, Rotschwingel, evtl. sogar Wiesenrispe, sind gegenüber spontaner Überweidung weniger empfindlich, weil ihr Grasgerüst jener von Weiden ähnlich ist. Dasselbe gilt für stark genutzte Eingraswiesen, sofern sie nicht an hohem Besatz von Gemeiner Rispe leiden. 

Nachsaat im Herbst?
Eine späte Übersaat während oder nach der Herbstbeweidung, die erst im Frühjahr keimen soll, wird als „Schlafsaat“ bezeichnet. Die Saat wartet sozusagen auf ihren Moment, keimt bei für sie günstigen Umständen. So verhält sich natürliche Versamung grundsätzlich.
Bei der Saat von polyploiden Sorten, oder einfach ausgedrückt von modernen, züchterisch stark auf Schnellkeimung getrimmtem Saatgut, funktioniert das meist nicht. Die Saat verschimmelt und verfault im feuchtkühlen Boden, bevor sie Keimbedingungen vorfindet, die ihr behagen. Oder sie keimt eben ohne gute Bedingungen und verdirbt danach.

Fazit:
Das Überweiden der Mähwiesen im Herbst ist durchaus möglich, wenn sie mit Sorgfalt, nicht bei nassen Verhältnissen, zeitlich begrenzt und unter möglichster Vermeidung von Trittschäden erfolgt.

Markus Danner

Ertragsfähigkeit von Bio-Wiesen sicherstellen

Das Gemeine Rispengras als exemplarisches Symptom von Fehlentwicklungen auf der Wiese

Der Besatz unserer Wiesen mit Gemeiner Rispe und anderen Lückenfüllern ist ein Umstand, der sehr vielschichtig ist und keinem Grünlandbewirtschafter gleichgültig sein kann.
Gemeines Rispengras (Poa trivialis) besetzt ggf. alle Fehl- und Kahlstellen, die sich im Bestand öffnen.
Der Versuch der Sanierung des Ungrases ist ein Kampf gegen ein Symptom. Dieser Kampf ist aussichtslos, wenn wir uns nicht auch der Ursachen bewusst werden und der Problematik ursachenseitig entgegentreten.

Warum macht sich die Gemeine Rispe breit?
Typische Verbreitungsgebiete der Gemeinen Rispe sind feuchte Augebiete, schattige, (wechsel-)feuchte Standorte und ältere Klee(-gras)bestände.
Sie hat ein sehr seichtes Wurzelsystem, bildet oberirdische Ausläufer, mit denen sie Lücken rasch findet und besiedelt.
In Wirtschaftswiesen aller Art breitet sie sich vor allem dann aus, wenn das Grasgerüst in diesen Wiesen durch verschiedene Ursachen schwächelt.

Einige dieser Ursachen sind:

  • Intensiv genutzte, sehr horstgrasbetonte Bestände: Knaulgraswiesen, Bastardraygraswiesen; die aggressiven Horste dulden keine Artgenossen in unmittelbarer Umgebung (nicht selbstverträglich) und es entsteht eine unbewachsene Pufferzone um die Horste, die vom Rispengras besiedelt wird. 
    (Zitat Walter Dietl: Knaulgras und Gülle bringt Unkraut in Fülle!)
  • Keine Bestandslenkung auf Intensivwiesen: Auf Versamung angewiesene Gräser fallen nach einiger Zeit aus, Rasengräser fehlen, Lücken öffnen sich;
  • Häufig genutzte, aber zu knapp gedüngte Wiesen (= Übernutzung): Fünfschnittwiesen oder Eingraswiesen, deren Leitgräser durch mangelnde Boden- und Nährstoffdynamik leiden und sich zurückziehen. 
  • Durch Bewirtschaftung geschädigte Grasnarbe: Fahrspuren, zu tief arbeitende Erntemaschinen, zu tiefer Schnitt, offene Trittschäden durch Herbstbeweidung
  • Wühlmaus-Aktivität: Die Mäuse fressen die Wurzeln der Wiesenpflanzen, während sie sich seicht unter der Oberfläche ihren Fressgang aufwölben. Auf diesen Gängen siedelt sich die Rispe rasch und beinahe vollflächig aus.

Soll der Vormarsch der Rispe gestoppt oder verhindert werden, empfiehlt es sich, wie bei allen ursachenbasierten Phänomenen, diese Ursachen begleitend zur Sanierung zu beseitigen, zu vermeiden und ihnen aktiv entgegenzuwirken.

Die Gemeine Rispe durch wertvolle Futtergräser ersetzen 
– aber wie und wann?

Die Rispe im Bestand stark zu dezimieren, gelingt in der Praxis in einem Zeitfenster:

Nach der Ernte des 2. oder 3. Schnittes, je nach Region, wenn darauf einige Hitzetage folgen. Nur während einer Trockenphase im (späten) Hochsommer besteht die Chance, dass das Gras aufgrund mangelnder Wasserversorgung ihrer seichten Wurzeln braun wird, keinen Halt mehr findet und sehr gut ausgestriegelt werden kann. Das Ausstriegeln ist sinnlos, solange die Rispe saftig grün ist. Beim Striegeln darf und soll ziemlich rücksichtslos und scharf, unter Umständen auch wiederholt und/oder über Kreuz fahrend alles was nachgibt mitgenommen werden.

Meist ist anschließendes Schwaden und Aufladen der mitunter fetten Beute erforderlich.

Nach erfolgreicher Mission wird sich viel offener Boden zeigen, auf den rasch eine Nachsaat zu erfolgen hat. Natürlich braucht diese Saat Niederschläge zum Aufgang. Darauf muss aber nicht gewartet werden, denn Saatgut hat kein Problem mit Schönwetter, erst nach der Keimung darf es nicht mehr austrocknen.

Aus diesem Grund zeigen sich Saaten ab Mitte August als sehr aussichtsreich auf Erfolg. Der Altbestand konkurriert nicht mehr zu stark um Licht, und in den Nächten fällt wieder Tau aus. Bekanntlich sind Prognosen, vor allem jene, die die Zukunft betreffen, schwierig, aber alle jahreszeitlichen Umstände führen zur gefestigten und wiederholten Erfahrung, dass alle Maßnahmen in diesem Zeitraum die höchste Effizienz zeigen.

Das Saatgut, bzw. die Arten und Sorten der Mischung sind unbedingt der Nutzung entsprechend zu wählen, nicht von der kurzfristigen Verfügbarkeit abhängig zu machen (vorausplanen!). Das zahlt sich langfristig aus.

Frühjahrsbeweidung verbessert Wiesenbestände
Eine weitere Variante der Bestandverbesserung soll nicht unter den Tisch fallen:
Die sehr zeitige Frühjahrsweide. Mit ihr wird die Narbendichte stark gefördert und dadurch der Ausbreitung der Gemeinen Rispe Platz entzogen. Zeitgerecht angewendet, kann sich das Erscheinungsbild der Intensivwiese sehr schnell zum Besseren wenden.

Welches Sanierungskonzept auch immer angewendet wird, es wird nachhaltig und erfreulich erfolgreich sein, wenn den oben beschriebenen Ursachen für die Ausbreitung der Rispe die Grundlagen entzogen werden. D.h. zusammengefasst:

  • Düngung und Nutzung aufeinander abstimmen
  • Nutzungsintensität der Bodengüte anpassen
  • „Das rechte Gras am richtigen Ort“ (Dietl)
  • Narbenschonende Bewirtschaftung
  • Landschaftsstrukturen erhalten bzw. schaffen (Beutegreifer zur Mäuseregulierung)

Markus Danner

Nährstoffversorgung im Bio-Grünland

Näher betrachtet sind die Anforderungen, die an eine Bio-Wiese gestellt werden, ein einziger Widerspruch.
Der Bewirtschafter will nicht nur viel Futter, sondern daraus auch viel tierische Leistung als Milch- oder Zuwachsleistung des Wiederkäuers. Daraus folgt: Das Gras muss jung geerntet werden. Jung heißt, etwa im fünf, – max. sechs Wochen Rhythmus.
Diese Nutzungsabstände reichen aber weder für einen tierischen Reproduktionszyklus (v.a. Insekten und Bodenbrüter), noch für jenen von Blühpflanzen. 
Von diesem Aspekt soll später noch die Rede sein. 
Zuallererst stellt sich aber die Frage: Wie können wir dieser Nutzungsfrequenz mit ausreichend „Bodenfutter“ entsprechen? Und was ist „ausreichend“?

Wieviel braucht die intensiv genutzte Wiese?

Nähern wir uns der Antwort durch einen Blick auf den „GVE-Besatz“. Das heißt, technisch ausgedrückt, wieviel Tier(-masse) wird auf dem Betrieb pro Hektar Futterfläche gehalten.
Wir kennen die Stickstoff-Obergrenze von 170kg pro Hektar, die von der einen oder anderen Rechtsvorschrift vorgegeben wird, und etwa dem N-Anfall von 2 GVE entspricht. Auf den Punkt gebracht, können wir davon ausgehen, dass diese Menge ausreicht, um eine ertragreiche Wiese mit bis zu fünf Nutzungen auszufüttern.
Dass betriebsindividuell beträchtliche Unterschiede im N-Verlustpotenzial bestehen, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Mist und Gülle sind aber nicht nur N-Dünger, sondern bringen das gesamte Spektrum der Boden- bzw. Pflanzennährstoffe mit. 

Aus Gründen der Bodengesundheit, Strukturstabilität und kontinuierlichen Versorgung des Bodens (des Bodenlebens) gilt die Empfehlung, die Güllemengen bei ca. 12 mpro Hektar und Nutzung einzupendeln. 
Beinhaltet die Gülle 3kg N pro Kubikmeter, hieße das in Jahressumme 60m3 Gülle mit 180kg N, vor Abzug der Ausbringungsverluste. Diese Rechnung setzt ein sehr gutes Güllemanagement voraus, keine übertrieben starke Verdünnung (ca. 7%TS) und eine vernünftige Ausbringtechnik.

Wieviel Futter braucht Gras? © Danner

Soviel braucht die Intensivwiese tatsächlich, wenn ihr Grasgerüst stabil und ertragreich ist und bleiben soll. Auf längere Sicht gesehen kann sich aber auch hier eine Stickstofflücke ergeben. Da hilft nur eins: Weißklee. Diese Leguminose ist die Einzige, die in diesen Intensitätsstufen mitspielt. Der N-Ertrag wird mit ca. 2kg pro Prozentanteil der Leguminose am Bestand angegeben. Die N-Bindung der Leguminosen sinkt aber kontinuierlich, je mehr N gedüngt wird. Die Beobachtung der Knöllchenbildung kann daher gute Auskunft darüber geben, wie sehr der Klee-Stickstoff vom Bestand gebraucht wird oder nicht.

Was tun, wenn am Ende der Gülle (Mist) noch viel Fläche überbleibt?

Der Kardinalfehler, der Intensivwiesen oft zum Verhängnis wird, ist die gängige Praxis, möglichst alle Flächen zu versorgen und die oben beschriebenen Düngermengen deutlich zu unterschreiten. Zitat: „Ich schau halt, dass ich im Jahr überall einmal hinkomm.“ (Mit Gülle, Anm.)
Um diesem Dilemma zu entgehen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Düngerzukauf oder konsequente Anwendung des Konzepts des Abgestuften Wiesenbaus.

Ist der Zukauf von N- haltigen Düngern für das Grünland sinnvoll?

Für die eine oder andere Ackerkultur ist Düngerbezug als externes Betriebsmittel auch im Biolandbau nicht außergewöhnlich.
Im Grünland hingegen die Ausnahme. Die Herkunft aus konventioneller Herkunft ist restriktiv eingeschränkt auf Mist von Raufutterverzehrern und Agrogasgüllen aus wenigen Anlagen, die den Vorgaben entsprechen. Aus biologischer Herkunft ist organischer Dünger überhaupt nur in Spuren verfügbar.

Die Praxis zeigt aber, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung einen regelmäßigen Einsatz  nicht rechtfertigt. Es ist einerseits ohnehin zu teuer und andererseits bleibt die Frage stehen, ob das in der Biolandwirtschaft mittel- und langfristig ein gangbarer Weg sein kann.

Ist der abgestufte Wiesenbau ein Ausweg?

Düngungsplanungen auf Betrieben mit weniger als 1,5 GVE zeigen, dass ein doch beträchtlicher Anteil der Wiesen mit intensiver Nutzung bewirtschaftet werden kann. Der andere Teil bedarf einer weniger häufigen Nutzung. Auch die Bestände von Dreischnittwiesen liefern in den Folgeaufwüchsen milchviehtaugliches Futter.
Die Erstaufwüchse sind rohfaserreich und für Trockensteher und Jungvieh geeignet.
Der Minderbedarf von Düngern ist jedenfalls beträchtlich! (siehe Tabelle).
So wird ein stetiges Anwachsen eines Nährstoffdefizits verhindert. Ebenso soll ein Nährstofftransfer von wenig gedüngten zu stark gedüngten Wiesen nicht das Ziel sein. Jede Wiese wird ihrem Bedarf gemäß gedüngt, umgekehrt betrachtet ihrem Düngungsniveau entsprechend genutzt. 

Abgestufte Nutzungsintensität soll jeder Tierkategorie die ihr zuträglichste Futterqualität liefern und das kann auch gelingen. 

Kein „Wandern“ mit Biodiversitätsflächen!

Um den Nutzen einer nutzungsreduzierten Wiese auf ihren geringen Düngerbedarf und ihre höhere Artenvielfalt auch auszuschöpfen, ist es alternativlos, den Pflanzenbestand daran anzupassen bzw. dieser Anpassung Zeit zu lassen.

Aus dieser Sicht ist es ausgeschlossen, heuer hier und nächstes Jahr dort den Bestand „länger stehen zu lassen“.
Über längere Zeiträume gesehen werden dabei doch wieder alle Flächen gleich bewirtschaftet. 

Wiesenbestände „kennen sich nicht aus“, wohin sie sich entwickeln sollen, wenn die Nutzung nur dem Wetter, aber keiner Strategie folgt.
Es muss auf jedem Betrieb klar sein, auf welcher Wiese der Blumenstrauß gepflückt werden kann und auf welcher nicht. Andernfalls sind Probleme mit der Stabilität der Pflanzenbestände vorprogrammiert.

Diese Wiesen sind es auch, die die erforderlichen Zeitfenster bereitstellen, in denen sich Insekten, Vögel und Säugetiere um ihre Entwicklung bzw. Brutpflege erfolgreich kümmern können. Alles hat mit allem zu tun – so auch dieser Aspekt mit den Lebenskreisläufen in Wiesenlandschaften.

Wie die Wiese genutzt wird, so wird sie genutzt. Nicht heute so und morgen anders. © Danner

Warnsignale für suboptimale Bewirtschaftung

Veränderungen des Pflanzenbestandes erfolgen schleichend, werden durch trockene Jahre anderen Umständen zugeschrieben und in solchen mit ausreichend Niederschlägen weniger wahrgenommen. 

Flächenzugang
Wird das eine oder andere Hektar zugepachtet, ohne den Tierbesatz zu erhöhen, muss gleichzeitig klar sein, dass diese zusätzlichen Flächen Düngermenge der bisher bewirtschafteten Flächen beanspruchen. Wo fehlen diese Dünger jetzt? 
Eine Abwärtsspirale setzt sich u.U.  in Gang, die durch stetige Verschlechterung der Futterbestände (Vormarsch der Gemeinen Rispe) eine ebenso stetige Beschleunigung erfahren kann.
Deshalb Vorsicht! Bei Flächenzugängen sich unbedingt die Frage stellen, woher diese Flächen den zusätzlich erforderlichen Dünger erhalten sollen.

Rückgang des wertvollen Grasgerüstes
Die wertvollen Futtergräser, wie Engl. Raygras, Wiesenschwingel, Timothe, Wiesenrispengras, Knaulgras oder Wiesenfuchsschwanz, sie alle lieben, um nicht zu sagen brauchen bei mehr als drei Nutzungen im Jahr ein hohes Düngungsniveau.
Ist dieses Niveau zu niedrig, bzw. passt es nicht zur Schnittfrequenz, fahren die Gräser sprichwörtlich nicht mehr die Ellbogen aus, um sich Platz zu schaffen, sondern sie ziehen sich zurück, werden schüchtern und überlassen anderen Platz. 
Die freiwerdenden Lücken sind das gefundene Fressen für einen allseits bekannten Störenfried: Das Gemeine Rispengras. Wer es nicht erkennt, geht ihm gern auf den Leim. Denn es vermittelt dem Betrachter im Frühjahr eine bedeckte, geschlossene Grasnarbe. Tarnen und Täuschen, sonst ist leider nichts dahinter. Im ersten Aufwuchs ein frühreifer, hoch aufgeschossener Rispensaum, bleibt für den Rest des Jahres ein jede Lücke zuwachsender, muffiger Filz.

Der Lückenbüßer erkämpft sich so Bestandesanteile von 50% oder weit darüber. Wer solche Wiesen hat, kann sich sicher sein: Hier liegt das Potenzial brach, mit dem etwaiger Futtermangel verhindert werden kann. Flächenausweitung ist eigentlich nur bei einer gleichzeitigen Ausweitung des Tierbesatzes stimmig. 
Natürlich können je nach standörtlichen Gegebenheiten auch andere Pflanzen den freigewordenen Platz erobern. Wiesenpippau, Wiesenlabkraut, Hirtentäschel, Gundelrebe, Schafgarbe, Ausläuferstraußgras, Kriechender Hahnenfuß, nicht zuletzt Ampfer u.a. erfreuen sich über plötzliche und anhaltende Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Ursache für sich verschlechternde Bestände liegt neben narbenverletzendem Maschineneinsatz (oder auch Herbstweide) fast immer an der Schwäche der Gräser. 

Funktionierende Wiesen wachsen auf funktionierenden Böden!

Parallel zum Kreislauf der Organik mit Ernte und Rückführung der Wirtschaftsdünger bedarf ein dynamischer Boden mit einem gesunden Bodenleben auch einer ausgewogenen „Basenbelegung“ (Ca, Mg, und K an den Austauscherplätzen) und einem Säuregrad, in dem sich Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen wohlfühlen.
Gibt es Unverhältnismäßigkeiten, Mängel und Überschüsse, sollen diese durch mineralische Ausgleichsgaben in Ordnung gebracht werden. Dies gilt selbstverständlich auch für den Biobetrieb. Wenngleich mit der Einschränkung, dass der Befund „sehr niedrig“ für einen Phosphorwert in der Bodenanalyse weder Grund zur Panik liefern, noch den Sprint zum nächsten Agrarproduktehändler erzwingen soll.

Es gibt natürlich Phosphormangel. Es gibt auch Schwefelmangel. Genau hingesehen und objektiv betrachtet, gibt es im Grünland aber viel weniger dieser Mängel, als es manche Hochglanzprospekte weismachen wollen.
Ein pH-Wert von 4,8 beispielsweise ist aber tatsächlich keine Voraussetzung für eine bodenerhaltende, nachhaltige Qualitäts-Futterwirtschaft.
Hier besteht Handlungsbedarf, der in Ruhe und Sorgfalt geklärt und bearbeitet werden soll.
Die Entscheidungsgrundlage sollte in jedem Fall ein tiefer Blick in die Bestände und in den Boden sein, um ggf. umzusetzenden Maßnahmen eine fachlich tragfähige Analyse voranzustellen.

SchnitthäufigkeitDünger Stickstoffbedarf in kg/ha/Jahr
1-mähdig0
2-mähdig0-50
3-mähdig80-120
4-mähdig140-160
5-mähdig160-180
Dauerweide Milchvieh60-80
Stickstoffbedarf von Grasland unterschiedlicher Nutzungshäufigkeiten

Spezialvariante des abgestuften Wiesenbaus

Rezepte sind gut in der Küche, eignen sich aber schlecht als Grundlage für die Bewirtschaftung eines Biobetriebs.
So sind alle Konzepte und Strategien, die uns sinnvoll und nachhaltig erscheinen, dennoch auf die jeweiligen individuellen Verhältnisse auf den einzelnen Betrieben anzupassen. Dadurch ergeben sich mitunter mehrere sinnvolle und erfolgreiche Varianten ein und desselben Konzepts.

„Mit der Einsaat der Klee-Luzernegrasmischung haben wir eine Situation geschaffen, in der Wiesen über
Jahre trotz deutlich weniger Düngung gute Erträge mit Qualitätsfutter erzielen.“ 
Josef Eisl, Abersee

Beim Stoffbauer in Abersee sind die Böden karbonatreich und durchlässig. Ideale Voraussetzungen für die Königin der Futterpflanzen, der Luzerne. Mehrere Hektar Wiesen wurden zu Luzernekleegraswiesen angelegt, die sich sehr gut entwickelten, gute Erträge abwarfen und über eine Nutzungsdauer von über drei Jahren nicht gedüngt wurden.
Dadurch konnten erhebliche Düngermengen auf die anderen mehrschnittigen Wiesen und Mähweiden umverteilt werden. Die Luzernefruchtfolge wird zukünftig auf dem Betrieb ein fixer Bestandteil der Grünlandbewirtschaftung bleiben.

Markus Danner

Unsere “Mutter Erde”

Die Geschichte der Menschheit ist eng mit “Mutter Erde”, dem Vorhandensein fruchtbaren Bodens verknüpft. Bodenverlust ist beinahe zwingend mit Verlust menschlicher Lebensgrundlage verbunden.

Mesopotamien, das Zwischenstromland – die Wiege der Zivilisation. 
So lernen wir es als Kinder seit Generationen.  Aktuelle Bildberichte aus den kriegsgebeutelten einstigen Paradiesen werfen die Frage auf, wohin die vermeintliche Fruchtbarkeit des Landes denn verschwunden ist und wie das geschehen konnte?

Die Babylonier sind gescheitert, ebenso die Griechen und die Römer, die Wikinger, jüngst die Bewohner der Sahel-Zone und viele andere mehr.
Sie alle konnten nicht verhindern, dass sie den Boden unter den Füßen verloren.

Bodenerosion erfolgt spektakulär und dramatisch, wie die „Dust-bowl“ in den USA in den 30er Jahren, Staubstürme, die Millionen Tonnen Erde des mittleren Westens über die Ostküste in den Atlantik verfrachteten. Oder ein kleinerer Staubsturm vor wenigen Jahren in Norddeutschland, der den Verkehr auf Autobahnen lahmlegte.

Wir erkennen sie auch an scheinbar schicksalhaften Muren und Erdrutschen. 
Meist aber passiert Bodenerosion schleichend. Immer dann nämlich, wenn der Bodenverlust der Fläche ein wenig größer ist als die Bodenneubildung im selben Zeitraum. Generationen übergreifend wird das oft nicht wahrgenommen, doch irgendwann, einige Generationen später muss die Bewirtschaftung des seinerzeit fruchtbaren Landes aufgegeben werden, weil der Oberboden abgetragen oder bereits bis auf den Untergrund erodiert ist. So geschehen in weiten Teilen des Mittelmeerraumes und Nahen Ostens und vielen weiteren Teilen der Welt.

Wir sollten aus der Geschichte lernen

„Wir müssen die Erträge auf unseren Feldern massiv steigern, um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können!“ Das ist die Rhetorik jener, die sich davon gute Geschäfte versprechen. Und es sind nicht selten dieselben Kräfte, die weltweit für Bodendegradation verantwortlich sind.
Der weltweite Bodenverlust, der durch kurzfristige Profiterwartung, Armut, korrupte Regime, Gier, Unbildung und Dummheit verursacht wird, ist atemberaubend, um nicht zu sagen apokalyptisch.

Die Frage, wie im Jahr xy soundsoviel Milliarden zusätzlicher Menschen ernährt werden sollen, stellt sich eigentlich überhaupt nicht, denn es wird nicht möglich sein, geht die Zerstörung unserer Lebensgrundlage auch nur annähernd im derzeitigen Tempo weiter. Wir werden mit Ertragssteigerungen die Verluste nicht wettmachen.

Seit 1945 (seit knapp 80 Jahren!!) sind weltweit 1,2 Milliarden Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verlorengegangen, das entspricht einer Fläche von China und Indien zusammen (Montgomery, 2007).

„Investoren“ empfehlen auf einer Konferenz in London (siehe Dok-Film „Landraub“ von Kurt Langbein), in Afrika zu investieren, das sei der Ort, an dem noch Land verfügbar und die Profitaussichten rosig. Welch gefährliche Drohung! – gegenüber der ganzen Menschheit.  Aber nur wenige empfinden und erkennen das als Drohung. Die Konditionierung und Abstumpfung der Wohlstandsgesellschaft bezüglich raubtierkapitalistischer Rhetorik scheint tadellos funktioniert zu haben.

Was geht uns das an?

Europa schwelgt seit langem im Überfluss, dessen Grundlage – auf neudeutsch – „outgesourced“ ist. 
20 Mio Hektar Ackerland beanspruchen wir Europäer in Übersee.
Wie dann jemand auf die Idee kommen kann, mit den Erträgnissen jener Flächen in Europa Tiere zu mästen, um sie wieder um den halben Erdball zu verschicken. Das als Zukunftsmarkt zu propagieren, ist nur sehr schwer nachvollziehbar. Aber immer noch gesellschaftsfähig.

Mit diesem Wirtschaftsverhalten machen auch wir uns schuldig an der fortschreitenden Verkürzung des Astes, auf dem wir sitzen. Wir – das sind jene, die massenweise Hendl um 3,90 das Stück fressen, aber auch jene, die den Chinesen Schweinefleisch “Made in Austria” aufs Auge drücken wollen.
Wenn unsere Landwirtschaft in Schwierigkeiten gerät, weil der russische Markt aus politischen Gründen wegfällt, könnte das Problem nicht vorrangig in unserem System begründet sein, und weniger an der Geopolitik?

Auch Österreichs Mutter Erde erodiert

Erosion und Bodenverlust ist aber nicht nur eine Sache von fernen Landen. Auch im Osten Österreichs rücken hie und da Schneeräumgeräte aus, um Straßen und Wege befahrbar zu machen. Aber nicht nach Schneefällen – nach Bodenverfrachtungen! 

Viele Hänge werden unter den Pflug genommen und unzureichend gegen Bodenabtrag geschützt. Der Biogasboom hat ein Gerangel um Maisflächen ausgelöst, der die Böden Jahr für Jahr mehr unter Druck bringt, und das in mehrfacher Hinsicht. Die Agrochemikalien tun das Ihrige.
Nur ein Millimeter Boden durch Wind oder Wasser abgetragen bedeutet auf ein Hektar gerechnet 15 Tonnen Feinbodenverlust. Auf ungeschütztem Boden reichen dafür ein paar Stunden scharfe Brise. Die Neubildung derselben Bodenschicht benötigt ca. 20 Jahre.

Mutter Erde ist im Begriff, unter unseren Füßen verloren zu gehen. Als Ausweg aus der Misere nennen jene, die sich mit der Problematik des weltweiten Bodenverlustes beschäftigen, nicht die grüne Gentechnik, nicht die Intensivierung der Techno-Agrikultur, nicht die Forcierung der großen Einheiten. Sie empfehlen biologische Bewirtschaftung und kleine Einheiten in Privatbesitz. Die Geschichte hat auch gelehrt, dass die kleinen Einheiten – die Familienbetriebe – Garant für die beste Obsorge für den Boden waren. Der rumänische Traktorfahrer wird beim besten Willen nicht den Bezug zur Scholle auf dem brandenburgischen oder niederösterreichischen 2000 Hektar Betrieb herstellen können, wie der Jungbauer auf seinem Erbhof in 12. Generation. Gesamtheitlich betrachtet sind kleine Einheiten die effizientesten.
Es fehlt also weder an Gründen noch an tiefem Sinn, Familienbetriebe weiterzuführen, kleine Einheiten zu erhalten, und der nachfolgenden Generation den Wert, Mutter Erde zu bewirtschaften, wieder näherzubringen.

Das gelingt nicht mit Vor-Jammern, sondern mit Vor-Leben. Im täglichen Tun und Handeln genauso wie im Unterlassen, im Vermitteln von Respekt und Ehrfurcht gegenüber der ständig mit Füßen getretenen Haut der Erde. Das kann auch gelingen durch die bewusstere Wahrnehmung des Geschenks der Jahr für Jahr heranwachsenden Kulturen. Dann nähern wir uns wieder der sprichwörtlichen bäuerlichen Kultur. Sie, die bäuerliche Kultur, hat die Zivilisationen prosperieren lassen.
Wo sie versagt hat, sind auch die größten Völker wieder untergegangen. 
Letztlich kann nur sie den menschlichen Fortbestand sichern – indem sie kompromisslos den Boden unter unseren Füßen schützt und verteidigt.

Markus Danner

Artenvielfalt in der Kulturlandschaft

Die Thematik des europa- und weltweiten Artenschwundes ist in der öffentlichen Diskussion omnipräsent und zeigt sich deutlich und zunehmend in politischen Handlungsfeldern. Künftig wird damit zu rechnen sein, dass sich die Gesetzgebung mehr um die Verträglichkeit menschlichen Handelns und Wirtschaftens Gedanken macht.

Der Hauptzweck landwirtschaftlich genutzter Graslandschaften liegt in der Futtergewinnung, hauptsächlich für Wiederkäuer.
Mit den gestiegenen Ansprüchen an die Leistung von Wiederkäuern stieg auch die Notwendigkeit, hochverdauliches Grundfutter zu produzieren. Die „Schlagzahl“ auf der Wiese erhöhte sich. Das ist wohl der gravierendste Umstand, der zur massiven Veränderung des ursprünglichen Pflanzenbestandes führt und den Lebensraum Wiese für viele tierische Bewohner ungemütlicher und unattraktiver macht. Solange wir hochleistende Tiere füttern, wollen und können wir zum flächendeckenden Sonnwend-„Altheu“ nicht zurück.

Trotz intensiver Futternutzung Lebensraum bereitstellen

Alle Überlegungen, den vielerorts verdrängten Arten trotzdem ein Leben, Überleben und Vermehren zu ermöglichen, zielen darauf ab, ein möglichst vielfältiges Landschaftsmosaik entstehen zu lassen. Die Inseln aus Altbeständen, Blühflächen, Ruhezonen und sonstigen kleinen „Schlampereien“ sollen Pflanzen und Tieren den Lebensraum bereitstellen, den sie in den Intensivwiesen eben nicht mehr vorfinden. Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die Regelung im ÖPUL verstanden werden, dass Feldstücken, die größer als 5 Hektar sind, eine Biodiversitätsfläche von mindestens 15 Ar zugeteilt werden muss. 

Intensivwiesen sind nicht ganz „außen vor“

Intensiv genutzte, 4-5 schnittige Wiesen sind in ihrer Relevanz bezüglich der Artenvielfalt bescheiden. Eine durchaus bedeutsame, im Biodiversitätsrechner von BIO AUSTRIA auch honorierte Maßnahme ist der Verzicht auf Mähaufbereiter. Insekten (Bienen), die sich etwa auf Weißklee- oder Löwenzahnblüten gütlich tun, überleben eine Mahd oft, den Mähaufbereiter hingegen selten.
Der Futterqualität zuträglich ist die Mahd nach Abtrocknen des Taus. Dann beginnt aber der Insektenflug und Blütenbesuch. Diesbezüglich ist die sehr frühe Mahd vorteilhaft. Mähen vor oder nach Abtrocknen des Mähguts ist aber ohnehin eine eher akademische Frage, denn auf wieviel Betrieben ist in einem Zeitfenster von wenigen Stunden die Mäharbeit getan und die Möglichkeit gegeben, sie vor oder nach dem Frühstück zu erledigen?

Bis zu drei Nutzungen – da wird’s bunter

Multikulturell besser aufgestellt  sind Wiesen, Schläge oder Teilflächen von Wiesen, die weniger als vier Nutzungen dienen.

Von Tallagen bis zu mittleren Höhenlagen von 800 bis 900m Seehöhe lassen inzwischen sogar Dreischnittwiesen Nutzungsfenster von 8 bis 9 Wochen zu. In diesen Ruhezeiten können Vögel eine Brut aufziehen, einige Kräuter und Gräser zur Samenreife gelangen. Hier beginnt sich ein Insekten-Allerlei einzufinden.

Die Leguminosenvielfalt steigt in diesen Flächen deutlich an und steigert die Attraktivität in mehrfacher Hinsicht. Sie helfen, Dünger zu sparen, sie blühen lange und verschiedenfarbig, und sie zeigen eine deutlich höhere Nutzungselastizität. Soll heißen: Das Futter hat trotz älterem Bestand eine vernünftige Wertigkeit. 
Biobäuerinnen und Biobauern, die solche Wiesen bewusst wahrnehmen, die Nutzung und Pflege auf die schon hohe Vielfalt anpassen, haben meist eine große Freude damit. Da wird das Pflücken eines  Muttertags- und Vatertagsstraußes wieder selbstverständlich.

Ein- und Zweischnittwiesen, die Klassiker der Biodiversitätsflächen

wird`s auf der Wiese bunter, steigt die Artenvielfalt beträchtlich © Danner

Mager oder feucht. 
Zweinutzige Wiesen sind häufig seichtgründige, sonnseitige, eher trockene Magerwiesen. Ihnen bescheinigen Biologen und Botaniker einen besonders hohen Wert im Sinne der Artenvielfalt. Diese Flächen zu belassen wie sie sind, bzw. wieder so zu lassen wie sie von Natur aus wären, ist wirtschaftlich kein Verlust. Hier Dünger zu investieren, setzt sich kaum in Ertrag um, der Verlust von Artenvielfalt ist hingegen beträchtlich. An anderer Stelle ist Mist oder Gülle deutlich besser angelegt. 
So können Mager-Wiesen dieser Art mit Stolz als Biodiversitäts-Hotspots präsentiert werden.

Feuchtwiesen, die als sogenannte „WF“ Flächen mit sehr später Schnittzeitauflage versehen sind, liefern ohnehin nur Einstreu, bestenfalls Pferdeheu. Welches übrigens den Einhufern sehr zuträglich ist. Pferde mögen Magerheu nicht nur gern, es verhindert Hufrehe, Sehnenschwäche  und schlechte Zähne.
Feuchtwiesen sind aufgrund ihrer langen, ungestörten Aufwuchszeiten und der temporären oder dauerhaften Vernässung ein Paradies für Amphibien, Insektenarten und auch ins Hintertreffen geratene Pflanzen wie dem Knabenkraut oder Pfeifengräsern.

Reduziert genutzte Ecken, Streifen, Raine

Die zuletzt beschriebenen Flächen müssen keine ganzen Feldstücke sein. Im Sinne der eingangs erwähnten Landschaftsmosaik-Bildung sind besonders auch kleinflächige Strukturen wichtig, um die Vernetzung und Brückenbildung in der Landschaft herzustellen. Viele Arten sind nicht besonders mobil, brauchen beim Wandern zwecks genetischen Austauschs auf kurze Strecken Zwischenstationen. 
Blüh- oder Altgrasstreifen, an Zäunen, Hecken, Gewässerläufen oder Wegen angelegt oder einfach stehengelassen, leisten hier wichtige Funktionen und verursachen keinen Arbeitsaufwand.

Altgras überjährig stehen zu lassen, ist nicht besonders beliebt. Wir sind zur Ordnung erzogen worden. Nichts desto trotz kann es sich anbieten, einen Graben, eine Mulde, einen „Spitz“ zwischen Weg und Nachbargrundstück nicht auszumähen (ab. 15. August bei ÖPUL-DIV), und so über den Winter bis ins Frühjahr hinein mit Stengeln, Stauden, Wind- und Wetterschutz ein Überwinterungshabitat für viele Insektenarten bereitzustellen.

Dies sind Flächen, die als ÖPUL Biodiversitätsauflage der Variante C gelten, im Folgejahr automatisch Variante A, weil sie dann noch bis zum 2. Schnitt vergleichbarer ortsüblicher Flächen stehenbleiben.

Pufferstreifen

Eine Auflage in der „erweiterten Konditionalität“, die Bestimmung GLÖZ 4 (ich bitte um Nachsicht, diese Begrifflichkeiten entstammen nicht meiner Kreativität!) sieht Pufferstreifen entlang von Gewässern vor. Auf mindestens 3 Meter Breite, bei belasteten Gewässern („Zielverfehlung“ lt. Gewässerwirtschaftsplan) 5 Meter, bei stehenden Gewässern 10 Meter dürfen keine Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgen.
So bietet sich ein solcher Streifen ohnehin an, als Biodiversitätsfläche mit den entsprechenden Nutzungsfenstern bewirtschaftet zu werden. Als Grenzflächen unterschiedlicher Landschaftsstrukturen (Gewässer – Wiese) werden sie zu Begegnungszonen und Jagdrevieren erster Güte!

Hecken

Sträucher und niederwüchsige Gehölzstrukturen gehören in vielen Regionen zum Landschaftsbild.
Viele sind aber auch verschwunden. Die Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Erhebung von Landschaftselementen, deren dauerhafte Unter-Schutz-Stellung hat nicht selten zum unerwünschten Effekt geführt, dass sie entfernt wurden, bevor der Schutzstatus schlagend wurde.
Diesbezüglich hat auch der Fördergeber dazugelernt, „Landschaftselemente“ sind nun jährlich variabel zur Förderung beantragbar.
So bleibt zu hoffen, dass eine „Renaissance des Interesses“ an diesen vielseitigen und äußerst wertvollen Landschaftsgestaltern und Lebensräumen eingeleitet wird.

Welchen Zweck kann eine Hecke in einer Graslandschaft erfüllen?
  • Windschutz, Taubildung (verzögerte Bodenaustrocknung)
  • Fruchtnutzung
  • Unterschlupf (Rebhuhn, Fasan, Hase und Igel, Reh,…)
  • Nistplatz
  • Nektarträger
  • Futterquelle und Wohnraum (für Singvögel)
  • Medizinalwirkung (für Weidetiere)
  • Schattenspender
  • Flurabgrenzung
  • Energieholznutzung
Hecken sind hocheffiziente Landschaftsstrukturen © Danner

So spricht man heute gerne und zurecht von „Mehrnutzungshecken“. Diesen Mehrnutzen gilt es zu entdecken.

Nichtflächige Landschaftsstrukturen

Landschaft wird durch ganz Offensichtliches geprägt wie Wald und Wiese, Hofstellen, Siedlungen, Wasserläufe, Teiche und Seen, Baumgruppen und mächtige Solitärbäume. Kleine Strukturen sind oft unscheinbar und nur auf den zweiten Blick sichtbar. Sie sind dennoch für viele Organismen unverzichtbar.

Lesesteinhaufen, Altholz(-haufen) für Eidechsen, Blindschleichen, Holzläger, Kleingewässer oder Entwässerungsgräben mit flachen Böschungen, sonnenexponierte unbewachsene Erde, (für Wildbienen), schlammige Wasserlachen auf Feldwegen oder Hofstellen (Nistmaterial für Schwalben), ein paar Disteln oder Brennnesselgruppen und vieles dergleichen soll Platz haben dürfen, um die Vielfalt, die auf diese „Unordentlichkeiten“ angewiesen ist, zu ermöglichen. Das alles berührt nicht unser Zeit- oder Geldbudget. Das macht keine Arbeit. Es ist eine Frage der Einstellung, ob wir das zulassen oder nicht.

Biodiversitätsleistungen objektiv bewerten

Der Biodiversitätsrechner von BIO AUSTRIA bzw. der Bericht, den jeder Betrieb mit diesem Werkzeug ausgewiesen bekommt, ist sozusagen die Quittung, der Nachweis für alles, was auf dem Bio-Grünlandbetrieb (wie auch auf dem Ackerbaubetrieb) an Maßnahmen aktiv umgesetzt oder an ordentlichen und „unordentlichen“ Strukturen zugelassen wurde.

Nach zahlreichen Erhebungen mit dem Rechner kann zusammenfassend festgestellt werden, dass der allergrößte Teil der BIO AUSTRIA Grünlandbetriebe die geforderte Mindestschwelle von 200 Punkten übertrifft. Das bestätigt auch den Ansatz, die Biodiversitätsleistungen der BIO AUSTRIA Betriebe zu erfassen und darstellen zu wollen, nicht mit zusätzlichen „Auflagen“ das Leben zu erschweren.

Für Betriebe, die auf einheitlichen Bodenqualitäten in Gunstlagen wirtschaften und in den letzten Jahren die gesamte Grünlandfläche homogen als Vielschnittwiese genutzt haben, ist es natürlich eine Herausforderung, sich die eine oder andere Maßnahme zu überlegen und umzusetzen, um dem Standard zu entsprechen. Allein, die Maßnahmen für die Biodiversitäts-Auflagen des neuen ÖPUL Programms, kombiniert mit dem verstärkten Weideangebot auf Biobetrieben lässt auch die intensiver wirtschaftenden Betriebe der Gunstlagen in Sichtweite der Punkteschwelle kommen.
Die ggf. noch fehlenden Maßnahmen umzusetzen soll kein  Ärgernis und kein Hindernis für Biobäuerinnen und Biobauern sein, sondern eine Bereicherung für jeden Betrieb

Markus Danner

Weidestart im Frühjahr

Früher Austrieb ist der Schlüssel

Die wichtigste und wirksamste Weidepflege ist der zeitige Austrieb im Frühjahr. Das Überweiden von Grünlandflächen kurz nach Begrünung setzt Impulse, die vor allem die Seitentriebbildung anregt und somit die Pflanzenbestandsdichte massiv verstärken.
Zusätzlich werden durch den zeitlich und physiologisch frühen Verbiss unerwünschte Kräuter wie Ampfer, Hahnenfußarten etc.  in ihrer Entwicklung wirksam gestört und vermindert.
Der frühe Auftrieb, der zeitige Weidestart im Frühjahr ist die billigste und wirksamste Bestandsregulierung hin zu weidefähigen Beständen.

Ein zeitiger Weidestart im Frühjahr ist die wichtigste und sicherste Gelegenheit, die Basis für eine gute Weidesaison zu legen.

Bild: © Peter Frühwirth

Düngung für Weidequalität und Ertrag

Oft beklagen Bäuerinnen und Bauern die selektive Futterernte der Weidetiere. D.h. es bilden sich viele und große Geilstellen, die früh im Jahresverlauf auswachsen und einen hohen Pflegeaufwand nach sich ziehen.
Dem ist mit zwei Lenkungsmaßnahmen entgegenzuwirken.
Frühjahrsdüngung mit Gülle: Durch eine mäßige Güllegabe mit qualitativ guter Gülle auf alle zu beweidenden Flächen ist gewährleistet, dass durch den „Restgeruch“ der Düngung Selektion in Richtung  ungedüngter Flächenteilen unterbleibt. In der Folge wird auch deutlich näher zu Kuhfladen hin gefressen. Das wirkt sich ganzjährig auf die Sauberkeit der Weide aus.

Weidepflege während der Saison

Je erfahrener Weidebetriebe werden und je sorgfältiger die Beweidung durchgeführt wird, desto weniger technische Weidepflege ist erforderlich.

Sind trotz allem die Geilstellen zu viel und zu stark ausgewachsen, empfiehlt es sich, sie zu toppen. D.h. an einem schönen, warmen Tag die Geilstellen in 10 bis 15cm Höhe abzumähen und liegen zu lassen. Das Mähgut trocknet ab und wird an folgenden Weidetagen sehr zuverlässig gefressen.
Nicht zu empfehlen ist das Mulchen, wenn in der Folge weiter beweidet werden soll. Alle maschinellen Pflegemaßnahmen verschleppen und verschmieren Kuhfladen über den Bestand und vergrößern dadurch Flächenanteile, die von Weidetieren  verschmäht werden.
Generell gilt: Das saubere Abweiden durch die Kühe, Schafe oder was auch immer verhindert die Notwendigkeit des Hinterherfahrens mit dem Traktor. Weniger Überfahrten schonen den Boden und kosten weniger Zeit und Geld.

Markus Danner

Wie weiter mit „BIO“?

Viel Unsicherheit begleitet uns Biobauern die letzten Monate. Wie entwickeln sich die Kosten, die Preise, die Rahmenbedingungen, die allgemeinen Aussichten? 

Wie weiter mit “Bio” fragen sich viele. Die Anzahl der Salzburger Betriebe, die zum Jahreswechsel „BIO“ verlassen haben, ist nicht weit von 10% entfernt.
Ist es Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken und dieser komischen Ideologie „Biolandwirtschaft“ Adieu zu sagen?
Ich denke nein.
Nüchtern und mit ein wenig Abstand betrachtet muss die Erkenntnis reifen  –  es gibt eben kein Leben ohne Krisen.
Wie weit wir die aktuelle schon überwunden haben, sei dahingestellt. Letztlich werden wir aber auf sie zurückblicken und uns über viel Aufregung, die sie verursacht hat, vielleicht nur wundern.

Biobauer sein oder nicht sein – worauf kommt’s an?

Für viele ist die Entscheidung, Biobauer und -bäuerin zu sein, eine Entscheidung für’s Leben. Sie wollen „anders“, mit möglichst kleinem ökologischem Fussabdruck, die natürlichen Ressourcen nutzend, hegend und pflegend wirtschaftlich Landwirtschaft betreiben.
Für Andere mag der konventionelle Milch- oder Kraftfutterpreis die Haupttriebfeder sein, die Entscheidung Für oder Wider zu treffen.
Beide Seiten können ihre Sichtweise mit guten Argumenten unterlegen.

Für die Einen ist der Abgang so vieler Betriebe aus der Biolandwirtschaft eine längst fällige Bereinigung. Für die Anderen bedauerlich und schade um Jeden.
Diese unterschiedlichen Perspektiven in einer Organisation unter einen Hut zu bringen, ist ganz offensichtlich kein Kinderspiel. 
Aber letztlich ist es auch ein Ausdruck von Toleranz gegenüber einer Meinungsvielfalt, dass  wir uns nicht für eine Ansicht „entscheiden“ müssen oder sollen, nicht dem Richtig oder Falsch nacheifern, sondern sie einfach so stehen lassen und zur Kenntnis nehmen.

Erfolgreich Bio – das ist keine Preisfrage!

Die monatelange, ja beinahe unaufhörliche Auseinandersetzung um Förderprogramme, zumutbare oder unzumutbare gesetzliche Vorgaben und Verkomplizierung der Rahmenbedingungen lähmt die Motivation, sich fachlich mit der Sache auf dem Betrieb zu beschäftigen. Das ist verständlich, beinahe logisch. Wer keinen inneren Widerstand gegen manch bürokratisches Monster aufbaut, muss ein besonders cooler Typ sein. 

Spätestens jetzt kommt wieder das „Miteinander“ ins Spiel.
Um Rückschritte zu verhindern ist genau in dieser Situation der Blick nach Vorne ausschlaggebend. Wie führe ich meinen Biobetrieb, dass er auch in fünf oder zehn Jahren noch genauso gut oder besser funktioniert wie heute. 
Wie optimiere ich meine Bewirtschaftung auf den Wiesen, Weiden, auf den Äckern und in den Ställen so, dass die Arbeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen Freude und Ertrag bringt? Um  Fragen wie diese zu beantworten, haben Bauern vor bereits über 40 Jahren eine Organisation gegründet. Sie heißt heute Bio Austria und stellt Ressourcen in Form von unterschiedlichen Angeboten (Tagungen, Feldbegehungen, Exkursionen, Kurse, Seminare, Einzel- und Gruppenberatung etc. etc.) zur Verfügung. Ohne die spezifisch auf Biolandwirtschaft bezogene Beschäftigung mit den landwirtschaftlichen Grundlagen ist die Entwicklung ungewiss. 

Die Methode „Biologische Landwirtschaft“ ist inzwischen durch die Arbeit Vieler und durch die Erfahrungen Vieler sehr ausgereift, aber noch lange nicht auf allen Betrieben angekommen.
Gemeinsam daran weiterzuarbeiten und das Know-how auf jeden einzelnen Betrieb zu holen, ist –  auf den Punkt gebracht –  alternativlos.
Denn BIO soll, kann und muss erfolgreich sein. Für jeden einzelnen Biobetrieb genauso wie für die gesamte Gesellschaft.

Markus Danner

Zukauf konventioneller Nutztiere auf den Biobetrieb

Dürfen weiterhin konventionelle Tiere zugekauft werden? Ja.
Allerdings unter verschärften Auflagen. Für konventionelle Tierzukäufe muss ab sofort eine behördliche Genehmigung eingeholt werden. In Salzburg ist dafür die Veterinärdirektion zuständig, die Antragstellung erfolgt über das bereits durch die Anträge für Eingriffe bekannte VIS-System.

Nur für Zukäufe von konventionellen Tieren gefährdeter Rassen braucht es keine Genehmigung. Dies gilt für alle Rassen laut Liste für die ÖPUL-Maßnahme „Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen“.

Welche Vorrausetzungen sind für eine erfolgreiche Genehmigung zu erfüllen?

Für eine Genehmigung muss nachgewiesen werden, dass keine passenden Bio-Tiere in näherer Umgebung verfügbar sind. Für diese Zwecke wurden Bio-Tierdatenbanken eingerichtet, über welche eine Nichtverfügbarkeit nachgewiesen werden kann.

Für Wiederkäuer ist dies die Seite: www.almmarkt.at für Schweine www.pig.at

Auf diesen Plattformen können Bio-Landwirte kostenlos Bio-Tiere zum Verkauf anbieten.

Wie ist der Ablauf für Käufer? 

Als Käufer kann ich die Bio-Tierdatenbank nach passenden Bio-Tieren durchsuchen. Ist die Suche erfolglos, kann direkt aus der Tierdatenbank ein „Nachweis über die Nichtverfügbarkeit von Bio-Tieren“ heruntergeladen werden. Mit diesem Nachweis kann dann innerhalb von fünf Tagen im VIS eine Genehmigung für konventionellen Tierzukauf erstellt werden.

BIO-Tiere, die auf anderen Plattformen oder auf anderen Wegen angeboten werden, haben keine Relevanz! (dürfen und sollten aber selbstverständlich gekauft werden)

© Bio Austria

Was wenn Bio-Tiere vorhanden sind, diese aber nicht den gesetzten Erwartungen entsprechen?

Eine Genehmigung für konventionellen Tierzukauf kann auch erfolgen, wenn keine qualitativ passenden Bio-Tiere vorhanden sind. Qualitative Merkmale sind etwa Hornstatus, Laufstall/Kombinationshaltung, Leistungsmerkmale, Alpung oder Impfstatus.
Weiters spielt auch die Entfernung der angebotenen Bio-Tiere eine Rolle. Tiere die unzumutbar weit entfernt (>65 km)* oder die zu einem unzumutbaren Preis zugestellt werden würden, stellen einen Grund für eine Nichtverfügbarkeit dar.
*gilt nicht für Schweine

Wie ist der Ablauf im VIS-System?

Im VIS-System kann jeder Landwirt selbstständig für seinen Betrieb einen Antrag auf Genehmigung eines konventionellen Tierzukaufs stellen. Dafür müssen auch die passenden Nachweise über die Nichtverfügbarkeit von Bio-Tieren hochgeladen werden. Nach erfolgter Antragstellung kann ein konventioneller Tierzukauf erfolgen. Die Veterinärdirektionen sendet nach erfolgter Antragstellung einen Bescheid zu, dieser wird bei der jährlichen Bio-Kontrolle auf seine Rechtmäßigkeit geprüft.

Welche Tiere dürfen konventionell zugekauft werden?
Grundsätzlich ist nur der Zukauf von konventionellen Zuchttieren möglich.

  • Erwachsene* männliche Tiere zur Bestandesergänzung in unbegrenzter Anzahl
  • Weibliche nullipare** Tiere zur Bestandesergänzung im Ausmaß von jährlich 10% (Rindern) bzw. 20 % (Schaf, Ziege Schwein). Als Berechnungsgrundlage dient der Bestand an erwachsenen* Tieren am Betrieb. 

*„Erwachsen“ bedeutet bei Rindern ein Mindestalter von 12 Monaten und bei Schaf, Ziege und Schwein ein Mindestalter von 6 Monaten.

**“ Nullipar„ bedeutet, dass ein Tier noch nicht abgekalbt, gelammt, gekitzt oder geworfen  hat.

Bei einer erheblichen Ausweitung des Bestandes, bei einer Umstellung auf eine neue Rasse oder beim Aufbau eines neuen Zweiges der Tierproduktion, gibt es Abweichungen von den oben genannten Regeln. In diesen Fällen ist eine frühzeitige Inanspruchnahme von Beratung unbedingt zu empfehlen!

Bei einer Versteigerung sind alle Bio-Tiere bereits verkauft. Kann in diesem Fall ein konventionelles Tier gekauft werden?

In Zukunft sollen alle auf Versteigerungen angebotenen Bio-Tiere in den Bio-Tierdatenbanken aufscheinen. Es empfiehlt sich im Vorhinein der Versteigerung eine Verfügbarkeitsabfrage in der Tierdatenbank zu stellen. Sollten dann auf der Versteigerung keine Tiere mehr verfügbar sein, so kann der Zuchtverband vor Ort eine formlose Bestätigung darüber ausstellen. In diesem Fall kann ein passendes konventionelles Tier zugekauft werden. Der Antrag auf konventionellen Tierzukauf muss dann ehestens im Anschluss an die Versteigerung gestellt werden, der Nachweis über die Nichtverfügbarkeit ist beizulegen.

Wie sieht es beim Geflügelzukauf aus?

Mastküken, Legehennen und 4 – 6 wöchige Puten sind ohnehin biologisch erhältlich, ein Antrag ist in der Regel nur für Gänse- u. Entenküken notwendig, weil es hier keine Bio-Muttertierherden gibt. Voraufzüchter (zB. von Puten), für die nur konventionelle Küken zur Verfügung stehen, müssen einen jährlichen VIS-Antrag stellen. Statt einer Online-Tierdatenbank gibt es für Geflügel ein Verzeichnis über die Verfügbarkeit biologischer Küken, das jährlich aktualisiert wird.

Wer kann bei Unklarheiten helfen? Oder gibt’s jemanden der diese Anträge machen kann?

Hilfe bieten die VIS-Servicestellen. In Salzburg sind dies die Landwirtschaftskammer und BIO AUSTRIA Salzburg. 
Allen Verbandsmitgliedern bieten wir exklusiv an, die Erstellung der diversen Ausnahmegenehmigungen im VIS zu übernehmen! Anruf genügt: 0676 842 214 392
Für BIO AUSTRIA Mitglieder der Salzburger Bio-Weidegans-Gruppe übernimmt BIO AUSTRIA die jährliche Antragstellung im VIS.

Zusätzliche Informationen sind im Bio-Austria Beratungsblatt „Tierzukauf am Biobetrieb“ zu finden.

Franz Promegger

Neue Insektenstudie

Neue Insektenstudie muss richtig interpretiert werden

Eine neue Insektenstudie wurde in den vergangenen Tagen sehr optimistisch gedeutet. Ein differenzierter Blick lohnt sich jedoch.
Insgesamt blieben Anzahl und Population stabil, sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig bei der Präsentation der Ergebnisse einer neuen Insektenstudie vor kurzem.
Wertvolle Daten zu unterschiedlichen Insektengruppen wurden bei der vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft in Auftrag gegebenen Studie erhoben. Die Ergebnisse wurden von Minister und Presse sehr optimistisch gedeutet. Ein genauerer Blick auf die Daten ist jedoch empfehlenswert.

Es ist fachlich kritisch, Aussagen aus nur zwei (oder nur sehr wenigen) Beobachtungsjahren als Grundlage zu verwenden um daraus generelle Trends über die Artenvielfalt abzuleiten.
Die Studie zeigt, dass die Schwankungen zwischen den Artengruppen sehr unterschiedlich sind – mit Zunahmen, Abnahmen und deutlichen Unterschieden zwischen den Flächen und Regionen. Ein genereller Trend oder gar die Aussage, dass die Insektenvielfalt für Österreich über die vergangenen 30 Jahre hinweg konstant geblieben sei, kann mit diesen Daten nicht belegt werden.

Die Studie zeigt vielmehr deutlich, dass durch den Klimawandel wärmeliebende Arten zunehmen und kälteliebende Arten verschwinden, was zum Teil zu gleichbleibenden Gesamtartenzahlen führt. Es ist davon auszugehen, dass sämtliche österreichische Alpenendemiten langfristig aussterben werden.
Effekte, die von der Klimaerw.rmung hervorgerufen werden, sollten jedoch nicht den Effekten der Landnutzung gegenübergestellt werden – oder sogar zur Aussage führen, dass die Ver.nderung der Insektenvielfalt ma.geblich durch den Klimawandel verursacht wird und nicht durch die Landnutzungsintensivierung.
Bereits vor einigen Jahrzehnten ist nachweislich für Teile von Österreich ein Großteil der ursprünglichen Insektenvielfalt durch Flurbereinigung und landwirtschaftliche Intensivierung verschwunden und war zu den Erstaufnahmen dieser Studie schon gar nicht mehr vorhanden.

Um Aussagen zu Trends des Insektensterbens treffen zu können, müssten Beobachtungen deutlich weiter zurückreichen, bis in die 1950er oder noch früher. Auch eine genaue Betrachtung der ökologischen Sensibilität von Arten wäre essenziell.
Es zeigt sich, dass vor allem Generalisten, also eher anspruchslose Arten, auf dem Vormarsch sind. Langfristig führt das zur Vereinheitlichung der Artenvielfalt und einem Biodiversitätsverlust.

Die Studie ist nicht das Problem, sondern die in der Öffentlichkeit kommunizierte Interpretation dieser Arbeit. Es wäre wünschenswert, wenn für Österreich möglichst rasch ein standardisiertes und flächendeckendes Insektenmonitoring etabliert wird, um den Zustand und die Entwicklung von Biodiversität und der Landschaft objektiv bewerten zu können.

Jan C. Habel,
Uniprofessor für Zoologische Evolutionsbiologie an der Uni Salzburg.
Er forscht etwa zu Themen der globalen Biodiversitätskrise.

Weide, Wolf & Co. Die Positionen von BIO AUSTRIA

Bio und Weidehaltung

Grundsätzlich bekennen wir uns zum Grundsatz, Tierhaltung in der biologischen Landwirtschaft so tiergerecht und „naturnah“ wie möglich zu gestalten. Das schließt das prinzipielle Bekenntnis zur Weidehaltung mit ein, selbstverständlich im Einklang mit arbeits- und ertragswirtschaftlichen Erfordernissen und Möglichkeiten. 
Die Intention von BIO AUSTRIA war niemals eine „Ohne Rücksicht auf Verluste“ -Strategie, im Gegenteil. Der Verband hat sich in unzähligen Verhandlungsrunden intensiv für eine flexible Umsetzung eingesetzt. Mehr als die aktuell gültige Regelung war bislang nicht zu erreichen.
Aber: Hartnäckige Gerüchte erschweren die Sache in unnötiger Weise. So hält sich in manchen Regionen die verbreitete Meinung, beginnend mit
1. April wären 180 oder gar 210 Weidetage erforderlich. Sowohl Termin als auch Weidetage sind aus der Luft gegriffen, werden nichts desto trotz eifrig weitererzählt. 

Fakt bleibt: Weide ja, wenn Gras zum Fressen auf den Weiden steht und der Boden durch Beweidung keinen Schaden nimmt (Nässe).

Der Wolf und andere große Beutegreifer

Seit der beginnenden Wiederkehr des Wolfes hat der Vorstand von BIO AUSTRIA Salzburg dazu eine unmissverständliche Haltung. In der Mitgliederaussendung vom August dieses Jahres haben wir uns wieder in aller Klarheit positioniert:

Wir sehen die traditionelle Grünlandwirtschaft durch die Wiederkehr des Wolfes im subalpinen und alpinen Raum als im höchsten Maße gefährdet an.
Wir setzen uns nicht für (illusorische) Herdenschutzmaßnahmen, sondern ganz klar für ein wirksames Jagd-Regime ein, um die Gegenwart des Wolfes nicht zu einer flächendeckenden und allgegenwärtigen Gefahr werden zu lassen.
Initiativen und Bemühungen, die auf diesbezüglich erforderliche Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen abzielen, können mit unserer vollen Unterstützung rechnen. 

Nichts desto trotz wollen und werden wir aber eine Gesprächsbasis zu allen Organisationen der Zivilgesellschaft aufrechterhalten, die darauf Wert legen. Es war immer eine Stärke des Biobauernvereins, akzeptierter Gesprächspartner auf verschiedenen Ebenen zu sein. Wir sollten trotz unterschiedlicher Positionen nicht als Gegner wahrgenommen werden, aber klare Kante bezüglich unserer Interessen zeigen. Das tun wir.

Mit Schwung gemeinsam vorwärts oder Einzelkämpfertum

Alle Kanäle aufzuzählen, in denen BIO AUSTRIA Einfluss nimmt, lobbyiert, Forderungen platziert und mitarbeitet, würde hier den Rahmen sprengen.
Wichtige Arbeitsbereiche bleiben für den Einzelnen meist unsichtbar und stellen oft die Frage in den Raum, „was habe ich von BIO AUSTRIA?“

Lüften wir den Vorhang und stellen ein paar Aufgaben exemplarisch vor: Jahrelang wurde an der seit diesem Jahr gültigen EU Bio-Verordnung gearbeitet und gefeilscht. Die ursprünglichen Fassungen waren reines Konsumenteninteresse und von praktischer bäuerlicher Arbeit weit entfernt. Ausdauer und zähes Ringen mit nationalen und europäischen Partnern sind dann die Voraussetzung für ein erträgliches Verhandlungs-Endergebnis.

Auf nationaler Ebene wird „sozialpartnerschaftlich“ um die Umsetzung der rechtlichen Grundlagen gerungen. Je stärker der Biobauernverband in diesem Ringen ist, desto größer wiederum die Erfolgschance, von nackter Theorie in umsetzbare Praxis zu kommen.

Als einzelner Biobetrieb ist die Einflussnahme überschaubar bis nicht gegeben, als starker Verband schreiben wir an der Geschichte als hartnäckiger Verhandlungspartner mit. 
Es ist für jeden von uns nicht zufriedenstellend und bedauerlich, oft nur das Schlimmste verhindern statt die eigenen Vorstellungen einbringen zu können. Interessen vertreten ist oft mühsam und braucht letztlich auch Kompromissbereitschaft.

Die Arbeit an der Sache dürfen wir nicht aus den Augen verlieren! © Danner

Die biologische Landwirtschaft unterliegt auch fachlich ständiger Weiterentwicklung. Auch auf dem Biobetrieb müssen die Kulturen auf den Feldern funktionieren. 
Ackerbau, Grünlandwirtschaft, Tierhaltung unterschiedlichster Gattungen, Verarbeitung und Vermarktung liefern uns ständig neue Herausforderungen, die wir mit unseren Betrieben in Zusammenarbeit mit Raumberg-Gumpenstein, der BOKU, der LK und anderen wichtigen Partnern annehmen und Lösungen erarbeiten.

Der BIO AUSTRIA Betrieb holt sich diese „Fort-Schritte“ letztlich in Form der angebotenen Einzel-Beratung und den zahlreichen Publikationen, Veranstaltungen, Fachtagungen und Lehrgängen, die wir anbieten, zu sich in seine Arbeitswelt und profitiert davon auf verschiedenen Ebenen.

BIO AUSTRIA in der Öffentlichkeit

Völlig unterschätzt wird die langjährige Präsenz der Biobauernorganisation in der Öffentlichkeit.  
Sympathische Auftritte von Biobäuerinnen und Biobauern in Medien und bei öffentlichen Anlässen aller Art, mit ihren vielfältigen Betrieben und ihrer nachhaltigen Wirtschaftsweise, dringen ins Bewusstsein der Gesellschaft. 

Bio kann sich sehen lassen. 
Bio wird geschätzt. 
Wohl auch und gerade deshalb, weil Bio – anders als „regional“ für sich allein – ein klar definierter Standard ist.

BIO AUSTRIA bringt BIO unter die Leute! © Danner

Diesen Platz in der Gesellschaft haben sich die Biobäuerinnen/-bauern in langen Jahren mit und als Teil ihrer Organisation erarbeitet. Im gesamten ländlichen Raum in Österreich, von Bregenz oder Neusiedl bis zur Hochalm in den Tauern begegnet uns das Sonnengelb der BIO AUSTRIA Betriebe. Beinahe fahrlässig wäre, dieses enorme Potenzial aufs Spiel zu setzen.
Wer ja sagt zu seiner Bio-Landwirtschaft, wer ja sagt zu einer Zukunft mit seiner Bio-Landwirtschaft, sagt aus allen diesen Umständen heraus auch „Ja, da bin ich dabei!“

Das neue ÖPUL

Über das kommende Umweltprogramm ist in den letzten Wochen seitens der BBK’s umfassend informiert und kommuniziert worden. Die geltenden Fakten wollen hier nicht wiederholt werden.

Kritik an der Rolle von BIO AUSTRIA im Zusammenhang mit der Bio-Maßnahme muss dennoch entgegengehalten werden:
Ein Bioverband tritt für seine Mitglieder ein, und für die Sache an sich.  Somit ist klar, Bio muss im österreichischen Umweltprogramm den Stellenwert einer eigenen Maßnahme haben – was sonst?
Die Umstellungszeit zur Anerkennung und Zertifizierung beträgt zwei Jahre. Somit kann auch die Entscheidung für oder wider Bio keine Husch-Husch Entscheidung sein. Habe ich die Entscheidung dafür getroffen, bin ich Biobetrieb. Natürlich gibt es im Einzelfall Umstände, die einen Ausstieg erzwingen können. Wir empfehlen im Zweifel dennoch nicht, auf die Bio-Maßnahme im ÖPUL zu verzichten. 

BIO AUSTRIA wird sich weiterhin stark für die Praxistauglichkeit der strittigen Anforderungen und Vorgaben einsetzen!

Hier gehts zum 1. Teil – WEITERLESEN

Ulrike Gangl, Obfrau BIO AUSTRIA Salzburg