Genormte Sau für den Massenfraß

Die Fleischindustrie ist das sichtbare und spiegelbildliche Ergebnis zivilisatorischer Perversion.

Der Preis für ein 100 Kilogramm schweres Schwein liegt frei Schlachthof bei ca. 150 Euro. Auf dieser Grundlage unterbieten sich die Angebote in den Supermärkten – ein Wettlauf, ob 5, 4 oder sogar 3 vor dem Komma des Kilopreises für das „Grillfleisch mariniert“ steht.

Viele Kunden greifen zu diesen Angeboten. Wir sind sie gewohnt. Fleisch ist kein Luxusprodukt und darf es dem Vernehmen nach auch nicht werden.

Das Ergebnis dieser Gewohnheit wurde in den letzten Wochen mittels Bewegtbildern in die Wohnzimmer Europas gestreamt. Wir bekamen zu sehen, wie (natürlich ausländische, also halb so schlimm… Ironie Ende) Arbeiter aufgefädelt an Fleischzerlegungstischen im Akkord Schweinhälften zerlegen. Optisch erinnert es allerdings mehr an Müll sortieren. In mehrfachem Sinn.

Denn werden in einem Betrieb pro Tag bis zu 25.000 Schweine angeliefert und geschlachtet, kann die dahinterliegende Geschäftsgrundlage keine ethisch tiefgründige sein. Da ist der Geschäftsgegenstand – also die Schweine – wie Müll zu behandeln.

Infrastruktur ist wegrationalisiert

Dorfmetzger gibt es so gut wie keine mehr. Warum nicht? Weil der König, respektive der Kunde sich entschieden hat, lieber zum Kreisverkehr rauszufahren, um beim dortigen Megamarkt das Grillfleisch mariniert um günstiger zu holen.

Dorfmetzger würden aber einiges bieten! Sie würden beispielsweise den umliegenden Bauern ihre Schweine abkaufen. Etliche Bauern hätten dadurch die Möglichkeit, einige solche in einem würdigen Lebensumfeld zu halten, sich selbst und der Bevölkerung der Umgebung einen nicht unwesentlichen Teil wirklich regionaler, wertvoller Lebensmittelgrundversorgung sicherzustellen.

Die Tiere müssten auch nicht auf Reisen gehen, in überfüllten, heißen, nach Streß und Schweinemist stinkenden LKW Zügen. Der Bauer lieferte sie mit seinem Anhänger. Zu zweit, dritt oder fünft. Nur wenige Kilometer.

Es gäbe keine Konzentration von Verkehr, Geruch, Gülle und permanenter Seuchengefahr.

Keine Bioschweine?

Der Bio-Anteil an der Schweinefleischmenge im Lebensmittelhandel ist verschwindend gering. Abgesehen von einigen wenigen Projekten wie dem „Strohschwein“ tendiert er nahezu gegen null.

Worin liegen die Gründe? Am System.
Dieses zäumt den Gaul fast immer von hinten auf.
Der Handel gibt vor, was er bereit ist zu bezahlen. Davon werden die Margen der einzelnen Teilnehmer der „Wertschöpfungskette“ abgezogen. Was übrigbleibt, wird nach Abzug von guten Ideen wie der Beteiligung an Aktionsrabatten dem Lieferanten überwiesen.

Der Handel geht aber nicht von „Bio-Preis = konventionell + 150%“ aus. Sondern von max. +50%. Aber auch 150% von fast Nichts wäre fast Nichts.

Damit ist der Betrag nach dem üblichen Prozedere negativ.

Um diesem System gerecht zu werden und trotzdem Margen zu erwirtschaften, hat die Lebensmittelindustrie eine Zentralisation, Konzentration und Stückkostenreduktion entwickelt, die sich auch ohne Hang zum Drama als Perversion menschlicher Zivilisation manifestiert. Im Umgang mit Tieren, Mitarbeitern und den Ressourcen dieser Erde. Das organisierte Ende von Schweinen oder anderen Tieren zu Zehntausenden (bei Geflügel 100.000en oder Millionen) täglich an einem Ort hat nichts, aber auch gar nichts mit der Notwendigkeit zu tun, Lebensmittel für die Bevölkerung aufzubringen. Die Maßlosigkeit solcher Unternehmen, gestützt und angetrieben durch die Geiz ist Geil Mentalität und das Schnäppchenjagdfieber der Gesellschaft, hat Infrastruktur und Ernährungssicherheit in den Regionen zerstört, Landschaften verödet , Luft, Wasser, Boden verdreckt und die Vielfalt vernichtet.

Und als wäre aller Unsinn nicht genug, werden Tausende dieser armen tierischen Kreaturen durch Mastfabriken durchgeschleust, in denen sie mithilfe von Überseesoja in kürzester Zeit auf gut 100 Kilogramm Lebendmasse aufgedunsen werden, um sie ans andere Ende der Welt, nach China zu exportieren und mit einem Gläschen Schaumwein auf diesbezügliche Exportzuwächse angestoßen werden kann.

Wir wissen das alles schon lange.
Empörung und Entsetzen über solche Zustände sind nicht angebracht, wenn die Reaktion des Einzelnen in seinem Verhalten ausbleibt.

Schluss mit Reden. Anders tun. Anders kaufen.

Markus Danner

Weidepraxis vs. Weiderecht auf Biobetrieben

Die Weidesaison ist in vollem Gange, die Kontrollsaison auch.

Waren wir in der Intensivphase der Corona…, sagen wir „-Aufgeregtheit“ doch von manch überschießenden und im Nachhinein als nicht gerechtfertigten Einschränkungen konfrontiert, wäre es doch wünschenswert, auch bei der Umsetzung von EU Recht in Österreich nicht durch mächtig zur Schau getragenen Tatendrang mancher Akteure das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Wir sind mit einigen „halbfertigen“ oder gänzlich offenen Antworten auf nicht unwesentliche Fragen konfrontiert. Hier ein Versuch eines nicht ganz einfachen und leider immer noch “vorläufigen” Faktenchecks.

Wichtig ist, die Mindestanforderungen so zu erfüllen, dass keine Nachkontrolle aufgrund von Versäumnissen bzgl. der Weidevorgabe droht. Dies hat inzwischen Zahlungskürzungen aus dem ÖPUL zur Folge!

Unbedingt umgesetzt soll sein:

  • Mindestens 50% der Raufutterverzehrer des Betriebes haben regelmäßigen Zugang zu Weideflächen (ODER mind. 1 RGVE pro Hektar weidefähige Fläche)
  • Die Weidefläche muss, in guter landwirtschaftlicher Praxis geführt, als solche erkennbar sein, d.h. einerseits grün (kein Charakter eines zertretenen Auslaufs!), andererseits eindeutig abgeweidet und benutzt.
  • Führung eines Weidejournals: Ähnlich dem bekannten Austriebskalender kann auch der Weideaustrieb in dieser Form festgehalten werden. Ist Weidegang obligatorisch und die Stallhaltung die Ausnahme, können auch umgekehrt Nichtweidetage, zB aufgrund nasser Bodenverhältnisse, als solche festgehalten werden. Wichtig ist die Plausibilität und Nachvollziehbarkeit.

Bis 30. Juni 20 sollte jeder Bio-Tierhalter einen Weideplan vorlegen.
Dieser Stichtag wurde auf den 30. September verschoben.
Unabhängig davon kommt der Tag, an dem die Weidepraxis des Betriebes aufsinnvolle Art und Weise festgehalten sein muss.

Unser aller Bestreben ist natürlich, derlei administrative Erfordernisse so einfach wie möglich gestalten zu können.

Der Weideplan

Bitte haltet auf Papier oder auf adäquate elektronische Art und Weise fest:

  • Schläge und Feldstücke, die beweidet werden 
  • Zeitabschnitte, in denen die entsprechenden Schläge beweidet werden; (zB April/Mai auf xy, im Sommer auf yz, ab Mitte September wieder xy…)
  • Tiergruppen, die zu welchen Zeitabschnitten auf welchen Schlägen weiden. (Natürlich auch Almen). Ist eine Flächenrotation festgehalten, ist es unerheblich, wie oft die Rotation im Jahresverlauf erfolgt.

Das zusammen ist insgesamt nicht unverschämt viel Aufwand. Einmal durchgedacht und festgehalten, ist der Weideplan als solcher vorzeigbar. Bitte haltet diese Pläne für eure Zertifizierungsaudits vor.

Wenn nach wie vor Zweifel bestehen, wie mit den in Frage kommenden Flächen sinnvoller Weidebetrieb möglich ist, wendet euch bitte an eure zuständigen Berater.
Ein Blick von außen kann oft helfen, Zweifel zu zerstreuen, oder ganz einfach – eine Lösung zu finden.

vernünftige Zauntechnik hält die Tiere dort, wo sie sein sollen und verhindert viel Stress!
© Danner
bei ganz vorsichtigen Bauern reicht´s fast für eine Elefantenherde 🙂 © Danner

Weide-Neueinsteiger – die notgedrungen die Kröte geschluckt haben und ihren Kühen heuer Freigang gewähren – und vom Funktionieren des Systems positiv überrascht sind, sind erfreulicherweise in der Überzahl. 

Wenn die Tendenz anhält und die meisten, die vor sich eine riesige Hürde sahen, nach deren Überwindung feststellen, dass es viel besser geht als je angenommen – dann haben wir alle zusammen eine große Hürde genommen.

Markus Danner

Abgestufter Wiesenbau

Abgestufter Wiesenbau – Qualität und Vielfalt auf dem Biobetrieb.
In der biologischen Wiesenbewirtschaftung ist die abgestufte Bewirtschaftungsintensität praktisch unverzichtbar.
Abgestufter Wiesenbau, was ist das und wozu soll das gut sein?

Mit abgestuftem Wiesenbau ist gemeint, dass ein Betrieb unterschiedliche Wiesenstandorte zur Verfügung hat (Hofentfernung, Bodengüte, Gründigkeit etc.), die sich für unterschiedliche Nutzungsintensitäten eignen und Düngung und Nutzung darauf abgestimmt werden.

Abgestufter Wiesenbau liefert gewünschte Futterqualitäten

Auf diese Weise bewirtschaftet stehen dem Betrieb sowohl ertragreiche, aber artenärmere Flächen zur Verfügung, die energie- und eiweißreiches Futter liefern, als auch ertragsärmere, dafür artenreiche Wiesenbestände für Jung- und Galtviehfutter:
Abgestufter Wiesenbau – Qualität und Vielfalt auf dem Biobetrieb!

Abgestufer Wiesenbau erfüllt Anforderungen an Biodiversität

Somit kann einer Grundforderung in der biologischen Landwirtschaft nach Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt in einem gesamtbetrieblichen Konzept nachgekommen werden, ohne deshalb auf hohe tierische Grundfutterleistungen verzichten zu müssen!

Besonders bedeutend am Konzept der abgestuften Bewirtschaftungsintensität ist neben dem ökologischen Faktor der Umstand, dass ausreichend Hofdünger für intensiv bewirtschaftete Futterflächen zur Verfügung steht, die dadurch langfristig in der Lage sind, hochwertiges Grundfutter zu liefern!

  • Eingraswiese mit Luzerne (C) Danner
  • Hochleistungsfutter für Biotiere (C) Danner
  • vielfältige Fettwiese mit Wiesenbocksbart (C) Danner
  • artenreiche Magerwiese (C) Danner
  • Blühpflanzen in Glatthafer-Kräuterwiese (C) Danner
  • Grünlandbroschüre. ©. Markus Danner

Du suchst ein Konzept für deinen Betrieb?
Wir von BIO AUSTRIA haben die Lösung,
melde dich einfach!

Markus Danner

Mit der Kuh auf Du und Du

Nach Sturz- und Fallunfällen rangieren Unfälle mit Tieren laut Unfallstatistik am bäuerlichen Betrieb bereits an zweiter Stelle, wobei auch hier die Entwicklung von Anbindehaltung hin zu Laufstallhaltung Auswirkungen zeigt. So sind im Laufstall tendenziell weniger Unfälle zu verzeichnen, allerdings steigt der Schweregrad. Während es bei Anbindehaltung oft zu Unfällen mit leichten Verletzungen kommt, enden Unfälle mit Rindern im Laufstall selten mit weniger als Serienrippenbrüchen. “Mit der Kuh auf Du und Du” – wie können Missverständnisse am besten vermieden werden – einfach weiterlesen!

Anbinde- vs. Laufstallhaltung

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Mensch Tier-Beziehung. In Anbindehaltung kam und kommt es durch die tägliche Melkarbeit zwischen den Tieren zwangsläufig zu intensiver Begegnung. In Laufställen hingegen ist dies nicht mehr selbstverständlich. Moderne Melksysteme, Kraftfutterautomaten und Fütterungsroboter haben bei allen Vorteilen den gravierenden Nachteil, dass der Kontakt zum Tier abnimmt. Eine Folge daraus können nervöse und scheue Tiere sein, welche in Stresssituationen auch aggressiv gegenüber Personen auftreten können, hierbei besonders gefährdet sind Frauen und alte Menschen. Oberstes Ziel muss es daher sein, solche Situationen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Kälberhaltung entscheidend

Die ergiebigsten Maßnahmen zur Steigerung der Mensch Tier Beziehung und damit auch der Sicherheit können bereits im Kälberalter getroffen werden. Dabei sind die ersten drei Tage nach der Geburt entscheidend. Verbindet das Kalb hier den Menschen mit positiven Emotionen, so hallt dies ein ganzes Tierleben lang nach. Oft ist es schon ausreichend sich morgens und abends einige Minuten mit dem Tier zu beschäftigen, es berühren, zu streicheln und auch mit ihm zu sprechen. Die menschliche Stimme bleibt dabei positiv im Gedächtnis. Umgekehrt gedacht, sollte bei schmerzhaften Erlebnissen (Ohrmarken setzen, Enthornen, …) eben nicht beruhigend auf das Tier eingeredet werden, da in diesem Fall die Stimme mit etwas Unangenehmen in Verbindung gebracht wird.   

idealer Führungsstrick für Kälber
© Promegger

Ebenso sollen bereits Kälber an das Tragen eines Halfters gewöhnt werden, dies erleichtert später die Arbeit mit dem erwachsenen Tier ungemein. 

Ein Augenmerk soll auch auf die am Tier vorhandenen Beruhigungspunkte gelegt werden, welche für besonderes Wohlbefinden sorgen. Allgemein bekannt ist das Kraulen der Wamme, hingegen wissen aber nur die wenigsten, dass auch der erste Haarwirbel hinter dem Kopf als intensiver Beruhigungspunkt gilt. Im Gegensatz dazu, soll das Streicheln der Stirn und des Hornansatzes unbedingt vermieden werden, dies fordert nämlich den Kampftrieb des Rindes heraus. Ist das daraus folgende „Stupsen” oder „Boxen“ beim Kalb noch lustig und harmlos, so kann dies beim erwachsenen Tier zu ernsthaften Verletzungen führen. 

In Rinder hineinversetzen

Die Stirn bietet nicht nur Rammfläche, bei fast allen Rindern findet sich auf ihr auch ein prägnanter Haarwirbel. Diese Haarwirbel können Auskunft über das Temperament von Rindern geben. So haben Untersuchungen ergeben, das bei ängstlichen, nervösen und aggressiven Tieren dieser Haarwirbel tendenziell oberhalb der Augenlinie liegt (Bild – 1). Wirbel unterhalb der Augenlinie weisen hingegen eher auf ein gutmütiges und umgängliches Wesen hin. Wirbel welche mittig auf der Stirn liegen, haben wenig Aussagekraft.

Eine häufige Arbeit am Betrieb ist das Treiben, auch hier gibt es einiges zu beachten. 

Hier geht es vorrangig darum, sich in die Tiere hineinzuversetzen, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. So können Rinder im Gegensatz zum Menschen nicht vernetzt denken und sind daher immer nur auf eine Tätigkeit (fressen, gehen, wiederkauen, …) konzentriert. Weiters sind Rinder ausgeprägte Gewohnheitstiere, ein neues blitzendes Rohr im Melkstand oder eine neue Stufe im Treibgang können unglaubliche Schwierigkeiten und damit auch Stress für die Tiere bereiten. Beim Treiben ist auch auf die richtige Blicktechnik zu achten, da Menschen mit ihren eng beieinanderstehenden Augen ähnlich wie Hund oder Katze einen typischen Raubtierblick besitzen. Der direkte Augenkontakt sollte daher mit dem Fluchttier Rind vermieden werden, stattdessen soll der Blick beim Treiben auf den Schulterblättern ruhen. 

Der Sicherheitsknoten

Das richtige Anbinden von Rindern ist einer der wichtigsten Handgriffe im Umgang mit Rindern. Vor allem bei Tieren welche nicht halfterführig sind oder selten fixiert werden, können gefährliche Situationen, etwa bei Anhängertransporten auftreten. Aus Sicherheitsgründen sollten daher nur Knoten zur Anwendung kommen, welche im Notfall auch von unerfahrenen Personen selbsterklärend gelöst werden können.  Ein simpler aber wirksamer Knoten der diese Anforderung erfüllt, ist der einfache Sicherheitsknoten. Dieser hat die Eigenschaft, dass er sich durch Spannung am festen Ende festzieht, sich beim Ziehen am losen Ende jedoch sofort öffnet. 

Der Sicherheitsknoten kann viel Stress und Unfallgefahr vermeiden © Promegger

Mit Belohnung arbeiten

Beinahe jeder Hundehalter und jeder Pferdehalter belohnt positives Verhalten seine Tiere mit Leckerlis. Bei Rinderhaltern hingegen ist diese Praktik weniger verbreitet, dabei sind Rinder genauso lernfähig. Hatte ein Verhalten angenehme Folgen (z.B. Streicheleinheit) so wird das Rind dieses Verhalten in Zukunft öfter Zeigen. Hatte ein Verhalten hingegen negative Folgen (z.B. Stromschlag) so wird dieses Verhalten danach weniger gezeigt werden. Generell ist zu sagen, dass Belohnen von erwünschten Verhalten erfolgreicher ist, als das Bestrafen von unerwünschten Verhalten. Bei Belohnung ist darauf zu achten, dass diese auch wirklich außergewöhnlich sein soll. Die tägliche Kraftfuttergabe ist dazu nicht wirklich geeignet. Nützlichere Belohnungen sind etwa Apfelschnitze, Zuckerstücken oder hartes Brot.

Franz Promegger

Quelle: SVB OÖ, Mairinger

Schwefeldüngung auch im Biogrünland?

Zusehends wird Schwefel als ertragsbegrenzender Nährstoff im Grünland diskutiert.
Das geht grundsätzlich mit beinahe jedem relevanten Nährstoff so. Das kann man für gut befinden oder kritisieren, sei’s drum.

In der Biolandwirtschaft ist die Prämisse seit jeher, die Dinge nicht allein stofflich, schon gar nicht Einzel-Nährstoff-bezogen zu betrachten, sondern ganzheitlich.

Das gilt für die NPK Diskussion ebenso wie für pro und kontra Kalkung und – ganz im Trend – eben Schwefel.

Vor bereits vielen Jahren begannen vor allem Biobauern, Steinmehl in die Gülle zu blasen/mixen. Mit dem Ziel, deren Geruchsintensität zu mildern, die Abgasung und somit die Verluste einzudämmen und die Gülle milder zu machen. Durchaus mit Erfolg.

hwk.at
die Feinheit des Materials ist entscheidend

Das blieb nicht unbeobachtet. Plötzlich war es auch en vogue, Kalk in die Gülle zu rühren, sogar Asche. Und neuerdings Schwefel.

Hatte diese Praxis mit Steinmehl (Urgesteinsmehl wie Diabas/Basalt) Sinn, muss ebendieser bei den anderen Materialien bezweifelt werden. Nicht nur bezweifelt – durch tragische Ereignisse wie dem Tod einer Rinderherde im Stall in Tirol Ende 2019- wird aufgezeigt, wie gefährlich es sein kann, eine Idee unreflektiert einfach zu kopieren und unter völlig anderen Voraussetzungen anzuwenden!

Folgende Meldung stammt von der LK Oberösterreich;
https://ooe.lko.at/vorsicht-mit-schwefel-in-gülle+2500+3061532

Schwefel einmischen ist verboten – Lebensgefahr

Einer Initiative der Landwirtschaftskammer Tirol ist es zu verdanken, dass die lebensgefährliche Praxis des Einrührens von Schwefel in Gülle ab sofort verboten ist – es besteht nämlich akute Lebensgefahr.

Es war bisweilen Praxis, dass eine Schwefeldüngung über das Zumischen von elementarem Schwefel zu Gülle erfolgt ist.

Dabei kommt es im Zuge des Einrührens zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H2S). Bis zu einer Konzentration von 200 ppm ist Schwefelwasserstoff ein stechend riechendes Gas; bei Konzentrationen darüber werden die Geruchsnerven gelähmt und ab Konzentrationen von 700 ppm ist Schwefelwasserstoff tödlich.

Worin liegt der Unterschied?
Steinmehl, auch Tonminerale, Zubereitungen von Mikrobenkulturen, neuerdings Pflanzenkohle, haben die Eigenschaft, durch ihre hohen spezifischen Oberflächen mit freien Stoffen in der Gülle in Wechselwirkung zu treten. Sie anzulagern. Dadurch erkennt unsere Spürnase weniger flüchtige Partikel in der Luft, wenn solche Güllen gerührt oder ausgebracht werden. Dadurch bleibt mehr Schwefel, mehr Stickstoff in der Gülle, – dort, wo wir das haben wollen.

Andere Zusatzstoffe, – wie Asche, Kalk, Schwefel – reagieren in der Gülle teilweise chemisch. Dadurch entstehen zusätzlich Gase (Ammoniak, Schwefelwasserstoff, evtl. Methan..), die Verluste steigen statt sie geringer werden. Der einzige Vorteil: Die Ausbringung des Düngers geht mit der Gülle (automatisch) mit.

www.giglberg.net
Das berühmte “Liebig-Fass”:
es wird immer eine Daube die kürzeste sein!

Es ist also von entscheidender Bedeutung, vor dem Einsatz irgendeines Zusatzstoffes in Hofdüngern sich zu fragen:
Aus welchem Grund?
Mit welchem Ziel?
Was sind die Alternativen?

Wir sind mit unserer Methodik im Biolandbau auf einem guten Weg. Viele Biobauern sind Forscher aus Leidenschaft. Das führt dazu, dass unsere Methodik weiterhin eine Vorwärtsentwicklung erfährt. In Zusammenarbeit mit Forschung und Beratung.
Sich daran anzuhalten, dieses Wissen bei der Beratung auch abzuholen, ist das Gebot der Stunde. Auf dass sich Ereignisse wie oben zitiert vermeiden lassen, dass die Ressourcen der Betriebe im Betriebskreislauf bleiben, die Umwelt von Immissionen geschützt und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe verbessert wird.

Und Schwefel – ja, Schwefel braucht’s dann, wenn objektiv festgestellt wird, dass’s Schwefel braucht. Sonst nicht.

Markus Danner

Titelbild: salzburger-lagerhaus.at

Bio Standards – notwendiges Übel

Bio Standards und bio-bäuerliche Identifikation

Richtlinien, Auflagen, Verbote, Verpflichtungen, Beschränkungen, Vorgaben, Kontrollen. 

Wem hängen sie nicht zum Hals raus.
Die Biobauern müssen sich damit auseinandersetzen, seit es Regelungen gibt.

In der Pionierzeit waren es selbst auferlegte Rahmenbedingungen, mithilfe derer das System BIO definiert wurde. Bald musste und wollte man sich aber gegen Trittbrettfahrer und sonstige Möchtegerne schützen und die Sache wurde „amtlich“.
Nebenbei bemerkt, die Trittbrettfahrer und Möchtegerne sind seither leider nicht weniger geworden.

Der Zusammenschluss zur Interessensgemeinschaft

Zur Verfolgung gemeinsamer Ziele wurden und werden Vereine gegründet. So auch bei den Biobauern. BIO AUSTRIA ist das Ergebnis von Zusammenschlüssen biobäuerlicher Organisationen. 

Als solches kümmert sich der Verein um verschiedenste Belange wie z.B. den Aufbau eines Wiedererkennungswertes – in Gestalt des BIO AUSTRIA Zeichens. Auf Höfen, Produkten, Vermarktungseinrichtungen, bei Partnern und in Medien stößt man darauf und erkennt österreichische Biolandwirtschaft wieder.

Wir Biobauern und -bäuerinnen – Eine Marke

In den Aufbau einer Marke investieren Unternehmen Millionen.
Die Marke „BIO AUSTRIA“ hat nicht soviel gekostet. Ist sie den Biobauern vielfach deshalb so wenig wert?  Mit ungläubigem Staunen kann und muss vielerorts festgestellt werden, wie die Gemeinschaftsleistung „Markenbildung“ und ein in ganz Österreich und darüber hinaus wohlbekanntes Markenzeichen,  von Mitgliedsbetrieben ignoriert wird. 

Starke Marke? ja, wenn sie genutzt wird!

Jede/r kann davon profitieren, jede/r stärkt mit seiner Präsenz als BIO AUSTRIA Bauer und Bäuerin das Ganze. Es ist ein Geben und Nehmen in Einem.

Marken geben Sicherheit. Kauft ein Kunde auf dem Wochenmarkt an einem BIO AUSTRIA gekennzeichneten Stand BIO AUSTRIA gekennzeichnete Produkte, erinnert er sich daran, wenn er nächstens im Supermarkt ein Milchpackerl mit BIO AUSTRIA Logo oder ein sonstiges Produkt kauft. Das Eine wird mit dem Anderen assoziiert. So wird die Marke sukzessive stärker.

Die Realität zeigt oft ein anderes Bild. „Eigene Süppchen kochen“ ist aber noch kein Marketingkonzept. 

Flucht vor klaren Absagen an Konventionalisierung

Bio Austria hat zahlreiche Mitglieder verloren.
Durch das Verbot des elektrischen Kuherziehers meinten viele, dieser wäre ihnen wichtiger und verließen den Verein.
Durch die Beschränkung des Kraftfuttereinsatzes auf ein argumentierbares Maß stiegen einige aus. Bio sind sie geblieben.
Durch die BIO AUSTRIA-eigene Weideregelung ergriffen Betriebe die Flucht. BIO sind sie geblieben. Die EU Bio-Verordnung holt sie nun wieder ein.

Seit zwei, drei Jahren ist eine deutsche Düngemittelfirma aggressiv auf dem österreichischen Markt aktiv. Mit Hochglanzprospekt und unwiderstehlichen Produkten und Versprechungen. Schwefel wird künftig unsere Probleme lösen, so der Tenor.
Und auch da gibt es Betriebe, die mit dem Verlassen des Vereins liebäugeln, noch bevor sie sich erkundigt haben, welche Alternativen innerhalb des BIO AUSTRIA Standards zur Verfügung stünden.
Nach kurzer Recherche konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die stickstoffhaltigen Dünger dieser Firma Melassehydrolysat aus China beinhalten.
So wird BIO sicher zum Verkaufsschlager, wenn wir diesen Industrie-Dreck vom Weltmarkt auf unsere Felder streuen!

Nur ein bäuerlicher Bio-Standard schützt vor solchem Unsinn!

Die Beispiele zeigen auf, dass BIO auf nicht ungefährlichen Pfaden wandelt. Sie zeigen auch, dass der BIO AUSTRIA Standard einen tatsächlich großen Mehrwert zu „EU-Bio“ darstellt, weil sich der Verein mit seinem Regelwerk gegen die Konventionalisierung im Dünge-, Pflanzenschutz- und Tierhaltungsbereich stellt. Weil BIO AUSTRIA die Glaubwürdigkeit des Biolandbaus schützen und erhalten will. Trotz Widersprüchlichkeiten im eigenen Haus.
Diese Interessen hat sonst niemand. Dessen sollten sich die Biobauern bewusst werden. Und dann entscheiden, welcher Weg der zukunftsträchtigere sein wird.

Bodenbeurteilung am Acker © Bio Austria
Zusammenarbeit bringt uns weiter, nicht Eigenbrötlerei.
Bodenbeurteilung am Acker © Bio Austria

Rahmenbedingungen müssen definiert und eingehalten werden. Um sie so verträglich wie möglich umsetzen zu können, hat BIO AUSTRIA seinen Servicedienst für die Mitgliedsbetriebe in mehreren Bereichen aufgebaut.
Gemeinsam finden wir jedes Betriebsmittel, das wir brauchen, jede Zutat, jedes Produkt. 

Es wird wohl notwendig sein, wieder auf eine klarere Linie zurückzukehren. Die Handelsmarken Standards sind ein Flickwerk, in dem der Eine den Anderern sektoral übertrumpfen will. Der Blick aufs Ganze bleibt dabei trüb. Der EU Bio-Standard ist zu löchrig. Nahezu jede Molkerei unterschreibt bei einem anderen Abnehmer eine andere Vorgabe. Einen gemeinsam gültigen Standard bietet den Biobauern nur der einzige bäuerliche Standard. Und das ist in Österreich jener von BIO AUSTRIA. 

Wenn es uns gelingt, das in unser Verständnis von Biolandwirtschaft zu implementieren, können wir vorwärts marschieren. Wie es z.B. mit Sparprojekten kürzlich gelungen ist.
Dazu ist ein Blick über den eigenen Tellerrand vonnöten.

Markus Danner
Sebastian Herzog

Böden klimafit machen

Wie können wir Äcker, Grünland, Böden klimafit machen? Diese Frage wird immer wieder gestellt, eine eindeutige Antwort darauf ist schwer zu finden. Denn: Ohne Wasser (von oben) ist alles umsonst.

Dennoch zeigen landwirtschaftliche Flächen bei jedem nennenswerten Niederschlagsereignis ihre Not auf: Sofort bilden sich kleine oder große Lachen. Wegen 20 oder 30 Liter Regen in einigen Stunden? Der Boden müsste das doch gierig aufsaugen, bei dem vorhandenen langfristigen Niederschlagsdefizit seit Monaten.

lw. Boden infiltriert immer weniger Niederschlagswasser © Markus Danner, BIO AUSTRIA

Er tut es aber nicht. Viel vom segensreichen Nass läuft in Gräben, hangabwärts oder sammelt sich in Senken.
Einige Tage trockenen Wetters, und die Erde scheint sich schon wieder nach Regen zu dürsten. Wie ist das möglich?

Böden brauchen Struktur!

Ein krümeliger, humoser Boden könnte theoretisch sogar 150 Liter Regen aufnehmen, wenn er die entsprechende Stabilität hat.

Diese Stabilität wird durch Lebendverbauung erreicht. Lebendverbauung ist die Strukturbildung von porösem Bodengefüge durch Mikroorganismen und Bodentiere. Da ist vor allem der Regenwurm zu nennen.

Das Gegenteil passiert bei unvorsichtiger Bewirtschaftung. Hohe Düngergaben (v.a. Gülle, Jauche, wasserlösliche Handelsdünger) überschwemmen Boden einseitig mit Nährionen, die die genannte Lebendverbauung schädigen, auf Dauer zerstören. Wiederholte Überfahrten mit schweren Maschinen (besonders bei zu feuchten Verhältnissen), zerstören das Porenvolumen, der Boden wird dichter, kann weniger Wasser aufnehmen und trocknet schnell wieder aus. Das Aufsteigen von Kapillarwasser aus dem Untergrund wird ebenso erschwert, wie die Bildung von Grundwasser in die andere Richtung.
Eine Kettenreaktion ungünstiger Eigenschaften und Wechselwirkungen.

So unterschiedlich ist Boden: können im linken Beispiel Unmengen Wasser infiltrieren, ist der Maisacker rechts dicht!

Wenn die langen trockenen Witterungsphasen in den kommenden Jahren anhalten, und davon ist auszugehen, wird es spannend, wie wir es schaffen, die Speicherkraft der Böden wieder zu erhöhen. Denn davon wird es abhängen, mit welchen Kulturen zukünftig welche Ernten erzielt werden können.

Markus Danner

Bodenpraktiker Grünland – Der ultimative Lehrgang für potenzielle Bio-Profis

Wer Bio-Wiesen und Bio-Weiden erfolgreich und dauerhaft bewirtschaften will, kommt fast nicht vorbei, am
Bodenpraktiker Grünland – Der ultimative Lehrgang für potenzielle Bio-Profis!

Als Absolvent dieses Lehrganges kannst du die Pflanzengesellschaften auf deinem Grünland bestimmen. Du kannst Förderungswürdiges von Unerwünschtem unterscheiden.

Du kennst die natürlichen Standorte deines Betriebes.
Dadurch kannst du deinen verschiedenen Böden und Feldstücken die geeignetsten Wiesen- oder Weidenutzungen zuordnen.
Dadurch bist du in der Lage, die Bewirtschaftung deines Betriebes auf Grundlage der natürlichen Gegebenheiten und der vorhandenen Düngermengen zu planen und standortgerecht  umzusetzen.

Du hast KollegInnen um dich, mit denen du dich austauschst, und von denen du viele Eindrücke und Erkenntnisse mit nach Hause nimmst!

Inhalte:

Bodenfruchtbarkeit; Umgang mit Wirtschaftsdüngern, Bodenanalysen, abgestufte Grünlandnutzung
Pflanzenbestimmung; Wiesen- und Weidemanagement, Bestandeslenkung  und einiges mehr!

Interesse?
Frag jetzt gleich nach bei BIO AUSTRIA in deinem Bundesland!


Bodenpraktiker Grünland – der Lehrgang

Der Bio-Acker und das Beikraut

Im Biologischen Landbau ist das Bestreben nach beikrautfreien Beständen zweitrangig. Ziel der Regulierungsmaßnahmen ist es, die Beikräuter so unter Kontrolle zu halten, dass sie die Produktion möglichst wenig beeinflussen. Die Pflege- und Erntemaßnahmen sollen nicht gestört werden, die Konkurrenz um Licht und Nährstoff sich in Grenzen halten.

Deswegen spricht man im Biolandbau von Beikrautregulierung statt von Beikrautbekämpfung oder –vernichtung.

Kartoffel mit Nachbarkulturen © Markus Danner
Kartoffel mit Nachbarkulturen © Markus Danner

Entwickeln sich Kulturen gut, halten sie den Beikrautdruck in Schach!

Bio-Acker und Beikraut: Einige Fakten

  • Pro Quadratmeter Boden können bis zu 200.000 Samen vorrätig sein.
  • Insgesamt gibt es ca. 250 „Beikrautarten“ in Österreich.
  • Pro Betrieb kommen je nach Region und Standort ca. 20 bis 70 verschiedene Arten vor.
  • Durch den Herbizideinsatz wurden einige tolerante Beikräuter selektiert und konnten sich dadurch stärker vermehren (Ragweed).
  • Anfang der 70er Jahre traten die ersten herbizidresistenten Arten auf, heute sind es weltweit über hundert Beikrautarten. Triazinresistente Arten sind z.B. Amarant, Gänsefuß, Melde und Vogelmiere.
  • 40 – 90% der Pflanzenschutzmittel können verdunsten und abdriften. Dadurch sind heute auch entferntest liegende Gebiete, wie Bergspitzen und Polargebiete, pestizidbelastet.

Schaden durch Beikräuter:

  • Konkurrenz zu Kulturpflanzen (um Wasser, Licht, Nährstoffe und Platz)
  • Bodenbearbeitung, Pflege und Ernte sind erschwert
  • Beikräuter können Zwischenwirt für Pflanzenkrankheiten sein
  • Beikrautbestand kann günstiges Mikroklima für Pflanzenkrankheiten schaffen
  • Beikrautsamen im Erntegut können zur Aberkennung von Saatgut führen

Positive Eigenschaften von Beikräutern:

  • Bodenbedeckung und Erosionsschutz
  • Verbesserung der Bodenstruktur durch Lebendverbauung und Schattengare
  • Aufschließen von Nährstoffen und Binden von Nährstoffüberschüssen
  • Nahrung für Mikroorganismen nach Absterben
  • Zeigerpflanzen für Bodeneigenschaften
  • Lebensraum und Nahrung für Nützlinge

Robert Schneider

Ökologischer Zuchtwert für Bio-Betriebe

Die Bio Milchviehhaltung unterscheidet sich grundlegend von der konventionellen Art und Weise. Unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen verlangen eine andere Zielsetzung in der Milchproduktion. 
Der ökologische Zuchtwert für Bio-Betriebe hilft mit, die züchterische Ausrichtung mit diesen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen.

So erfordert eine wirtschaftliche Bio-Milchviehhaltung eine lange Nutzungsdauer bei guter Grundfutterlebensleistung. Sehr hohe Tagesleistungen können unter Bio-Bedingungen nicht erfüttert werden und sind auch aufgrund der Kraftfutterpreise nicht wirtschaftlich. Daraus ergeben sich Leistungsgrenzen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Milchleistungsmerkmale ist daher geringer als in der konventionellen Milchviehhaltung. Eine ausgewogene Körper- und Leistungsentwicklung ist, im Gegensatz zu „Sprinterkühen“ bzw. frühreifen Typen, anzustreben. Eine hohe Stoffwechselstabilität, gute Fruchtbarkeitsergebnisse, flache Laktationskurven und gesunde Euter und Klauen sind besonders wichtig.

Rahmengrößen von Kühen © Promegger
Welche Kuh passt auf meinen Betrieb?
Rahmengrößen von Kühen © Promegger

Diese Unterschiede zwischen biologisch und konventioneller Milchviehwirtschaft erfordern eine Differenzierung im Bereich der Zuchtprogramme. Um hier Landwirten Unterstützung zu bieten, wurde durch intensive deutsch-österreichische Zusammenarbeit zwischen Bio-Verbänden, Zuchtorganisationen, Besamungsstationen und Bio-Forschung der Ökologische Gesamtzuchtwert aufgebaut. 

Ökologischer Zuchtwert

Ein Gesamtzuchtwert dient vielfach als erstes wichtiges Vorselektionskriterium am Milchviehbetrieb. Dieser berücksichtigt immer unterschiedliche Teilzuchtwerte für Leistungs-und Fitnessmerkmale. Diese Einzelzuchtwerte werden in Abhängigkeit von den entsprechend genetischen und wirtschaftlichen Parametern gewichtet und zusammen-gefasst. Der ÖZW ist ein Gesamtzuchtwert, der den Zielsetzungen und Rahmenbedingungen der Biologischen Landwirtschaft in besonderer Weise Rechnung trägt. Im Vergleich zum ökonomischen Gesamtzuchtwert (GZW) wird bei einer Zucht nach dem ÖZW ein deutlicherer Zuchtfortschritt im Fitnessbereich angestrebt und erreicht.

Wo finde Ich ÖZW-Infos?

Dreimal jährlich erfolgt in Bayern die Berechnung der aktuellen ÖZW-Zuchtwerte für alle verfügbaren Braunvieh-, Fleckvieh- und Gelbviehstiere aus Deutschland und Österreich. Im Anschluss daran werden von der LfL Bayern die Stier-Empfehlungslisten aktualisiert. In Österreich findet man die Listen auf der Homepage des Bio Institutes der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Diese sind mit der ZAR-Zuchtwertdatenbank tierindividuell verlinkt, sodass die Züchter auch die weiteren Zuchtwerte (Einzelzuchtwerte, Exterieur etc.) sowie Abstammungsdaten einfach einsehen können. Auch wird der ÖZW von diversen Besamungsstationen angegeben. 

Empfehlung für die Praxis

Stiere auswählen 

Jeder Milchviehhalter sollte zumindest einmal jährlich zwei bis fünf Zuchtstiere (je nach Betriebsgröße) mit denen der Großteil der Herde belegt werden soll, nach strengen Kriterien auswählen. Für jede Kuh und zu belegende Kalbin wird ein Anpaarungsplan erstellt. Dabei werden Merkmale, die verbessert werden sollen, bei der Stierzuteilung berücksichtigt. Die Summe der mit den Wunschstieren zu belegenden Tiere, multipliziert mit dem Besamungsindex, ergibt etwa die jährliche Anzahl der notwendigen Samenportionen

Samen bestellen

Nicht jeder der ausgewählten Stiere wird auch von der lokalen Besamungsstation direkt vertrieben. Diese ist jedoch verpflichtet, sofern der gewünschte Samen noch verfügbar ist, den gewünschten Stier gegen Abgeltung der Unkosten zu liefern (EU-Bestimmung). Auch aus Aufwandsgründen ist es daher sinnvoll größere Mengen zu bestellen. Die bestellten Samenportionen werden beim Tierarzt, Besamungstechniker oder im Hofbehälter sortiert eingelagert und stehen zur Belegung der Tiere zur Verfügung. Eine zeitgerechte Bestellung ist speziell bei Sonderwünschen notwendig.

Bild: Stierkatalog Klessheim 
„Im Stierkatalog der Besamung Klessheim befindet sich der ÖZW im Feld Fitness“

Detaillierte Informationen zum ÖZW und den daraus bestehenden Teilwerten findet man in der ÖAG Broschüre „Ökologischer Gesamtzuchtwert für Bio-Milchviehbetriebe“. Erhältlich unter www.gruenland-viehwirtschaft.at oder im BIO AUSTRIA Büro.  

Quellen: ÖAG Broschüre „Ökologischer Gesamtzuchtwert für Bio-Milchviehbetriebe“
www.lfl.bayern.de