Böden klimafit machen

Wie können wir Äcker, Grünland, Böden klimafit machen? Diese Frage wird immer wieder gestellt, eine eindeutige Antwort darauf ist schwer zu finden. Denn: Ohne Wasser (von oben) ist alles umsonst.

Dennoch zeigen landwirtschaftliche Flächen bei jedem nennenswerten Niederschlagsereignis ihre Not auf: Sofort bilden sich kleine oder große Lachen. Wegen 20 oder 30 Liter Regen in einigen Stunden? Der Boden müsste das doch gierig aufsaugen, bei dem vorhandenen langfristigen Niederschlagsdefizit seit Monaten.

lw. Boden infiltriert immer weniger Niederschlagswasser © Markus Danner, BIO AUSTRIA

Er tut es aber nicht. Viel vom segensreichen Nass läuft in Gräben, hangabwärts oder sammelt sich in Senken.
Einige Tage trockenen Wetters, und die Erde scheint sich schon wieder nach Regen zu dürsten. Wie ist das möglich?

Böden brauchen Struktur!

Ein krümeliger, humoser Boden könnte theoretisch sogar 150 Liter Regen aufnehmen, wenn er die entsprechende Stabilität hat.

Diese Stabilität wird durch Lebendverbauung erreicht. Lebendverbauung ist die Strukturbildung von porösem Bodengefüge durch Mikroorganismen und Bodentiere. Da ist vor allem der Regenwurm zu nennen.

Das Gegenteil passiert bei unvorsichtiger Bewirtschaftung. Hohe Düngergaben (v.a. Gülle, Jauche, wasserlösliche Handelsdünger) überschwemmen Boden einseitig mit Nährionen, die die genannte Lebendverbauung schädigen, auf Dauer zerstören. Wiederholte Überfahrten mit schweren Maschinen (besonders bei zu feuchten Verhältnissen), zerstören das Porenvolumen, der Boden wird dichter, kann weniger Wasser aufnehmen und trocknet schnell wieder aus. Das Aufsteigen von Kapillarwasser aus dem Untergrund wird ebenso erschwert, wie die Bildung von Grundwasser in die andere Richtung.
Eine Kettenreaktion ungünstiger Eigenschaften und Wechselwirkungen.

So unterschiedlich ist Boden: können im linken Beispiel Unmengen Wasser infiltrieren, ist der Maisacker rechts dicht!

Wenn die langen trockenen Witterungsphasen in den kommenden Jahren anhalten, und davon ist auszugehen, wird es spannend, wie wir es schaffen, die Speicherkraft der Böden wieder zu erhöhen. Denn davon wird es abhängen, mit welchen Kulturen zukünftig welche Ernten erzielt werden können.

Markus Danner

Boden im Labor

Was wird von Boden im Labor untersucht?
Wie interpretiere ich die Ergebniswerte?

Vor allem die Grünlandböden sind in Österreich – bewertet nach den RICHTLINIEN FÜR DIE SACHGERECHTE DÜNGUNG (2006) – meist sehr schlecht mit CAL-löslichem Phosphor versorgt.
Der Großteil der österreichischen Grünlandböden fällt in die Gehaltsklasse A (sehr niedrige Phosphor-Gehalte). Aus diesem Befund könnte man zunächst einmal einen erhöhten Phosphor-Düngerbedarf der meisten österreichischen Grünlandböden ableiten.
Andererseits sind auch Zweifel an der Eignung der CAL-Methode für die Ermittlung der „pflanzenverfügbaren“ Phosphor- und Kalium-Gehalte im Boden und der Richtigkeit der Gehaltsklassen-Einstufung berechtigt.

humose Feinerde des Oberbodens © Markus Danner
humose Feinerde des Oberbodens © Markus Danner

Folgende Parameter sind immer mitzuberücksichtigen:

  • Bodeneigenschaften wie insbesondere Wärme- und Wasserhaushalt, Bodenstruktur, Humusmenge, mikrobielle Aktivität, Durchwurzelbarkeit und Durchwurzelungsdichte
  • Immer zur gleichen Jahreszeit beproben!
  • Zeigerpflanzen berücksichtigen
  • visuelle Diagnose von Nährstoffmangel- und –überschusssymptomen
  • evtl. Pflanzenanalysen 
  • Hoftor- oder Schlagbilanzen können zusätzlich wichtige Informationen liefern
Möglichkeiten und Grenzen der chemischen Bodenuntersuchung hier klicken

Ziel der Bodenuntersuchung ist es, einen Überblick über den Nährstoffzustand der landwirtschaftlich genutzten Böden zu bekommen. Auf der Basis von Bodenuntersuchungsergebnissen werden kulturartenspezifische Düngeempfehlungen abgegeben mit dem Ziel die Bodenfruchtbarkeit zu steigern.

Im Rahmen der routinemäßigen Bodenuntersuchungwerden bei Grünlandböden die Proben aus der Tiefenstufe 0-10 cm und bei Ackerböden aus der Tiefenstufe 0-20 cm gezogen. Die entnommenen Bodenproben müssen repräsentativ für den Boden der beprobten Fläche sein. Auf jeder Fläche sollten mindestens 25 Einzelproben zu einer Mischprobe vereinigt werden. Die Probenahme kann grundsätzlich während des gesamten Jahres erfolgen. Allerdings sollte die letzte Ausbringung mineralischer Dünger mindestens 1 Monat und die letzte Ausbringung organischer Düngemittel etwa 2 Monate zurückliegen.

Die Bodenparameter, die zur Bewertung des Nährstoffzustandes der landwirtschaftlich genutzten Böden herangezogen werden, sind hauptsächlich der pH-Wert sowie der Phosphor- und Kalium-Gehalt. Der Phosphor- und Kalium-Gehalt im Boden wird mit der Calcium-Acetat-Lactat-Methode (CAL-Methode) bestimmt. Zur Interpretation der Bodenuntersuchungsergebnisse werden die Analysenwerte getrennt für Ackerland und Grünland den entsprechenden Gehaltsklassen (A bis E) und Versorgungsstufen (sehr niedrig bis sehr hoch) zugeordnet und daraus Düngeempfehlungen abgeleitet.

Die chemische Bodenanalyse ist geeignet zur allgemeinen Charakterisierung des Bodens und des Pflanzenstandortes. Sie ist auch ein wertvolles Mittel, um einen Überblick über den Versorgungsgrad der landwirtschaftlich genutzten Böden mit Nährstoffen zu bekommen. Auf Grund der Daten aus den chemischen Bodenanalysen können verschiedene Acker- und Grünlandböden im Hinblick auf ihren Nährstoffgehalt im Oberboden miteinander verglichen werden, unter der Voraussetzung dass dieselbe chemische Untersuchungsmethode verwendet wurde und die Probenahme einheitlich erfolgte. Bei einer korrekten, sorgfältig und kontinuierlich in bestimmten Zeitabständen durchgeführten Probenahme können aus den Analyseergebnissen Trends der Veränderung des Nährstoffgehaltes im Oberboden festgestellt werden. Im Rahmen der routinemäßigen Bodenuntersuchung wurde aus allen österreichischen Naturräumen bereits eine sehr große Zahl an Daten mit einheitlichen Analysemethoden erhoben, sodass eine Bewertung der einzelnen Bodenuntersuchungsergebnisse durch Vergleich mit einem großen Datenmaterial möglich ist.

Als ausschließliches Kriterium für die Ermittlung des Düngerbedarfs und die Ableitung von Düngeempfehlungen reicht die chemische Bodenanalyse aus mehreren Gründen nicht aus.

Die wichtigsten Gründe sind:

  1. Bei der routinemäßigen Bodenuntersuchung wird nur der Feinboden (Durchmesser kleiner 2 mm) beprobt. Vor allem Grünlandböden können aber einen hohen Skelettgehalt (Grobanteil) aufweisen und die Gründigkeit kann gering sein. In beiden Fällen wird das routinemäßig ermittelte Nährstoffangebot für die Pflanzenwurzeln deutlich überschätzt. Daher sollten die Nährstoffgehalte (mg pro kg) auch in Nährstoffmengen (kg pro Hektar) im durchwurzelten Boden umgerechnet werden, insbesondere bei sehr flachgründigen und skelettreichen Böden. Dazu müssen aber die Lagerungsdichte, der Skelettgehalt (Grobanteil) und die Mächtigkeit des durchwurzelten Bodenraumes bekannt sein.
  2. Für Routineuntersuchungen werden die Bodenproben nur aus dem Oberboden (0-10 cm im Grünland, 0-20 cm im Ackerland) entnommen, weil die Pflanzenwurzeln den Großteil der Nährstoffe daraus aufnehmen. Allerdings tragen auch die Nährstoffgehalte im durchwurzelten Unterboden zur Nährstoffversorgung der Pflanzen bei, insbesondere in niederschlagsarmen Vegetationsperioden. Vom Nährstoffgehalt im Oberboden kann nicht auf die Nährstoffsituation im Unterboden geschlossen werden.
  3. Stickstoff ist für die Pflanzen mengenmäßig das wichtigste Nährelement und bestimmt daher maßgeblich ihr Wachstum. Der pflanzenverfügbare Stickstoffgehalt im Boden kann mit routinemäßigen bodenchemischen Analysemethoden nicht hinreichend genau bestimmt werden. Die Nmin-Methode dient gelegentlich als Basis für Stickstoff-Düngeempfehlungen. Mit dieser Methode kann aber nur die Menge an anorganischem Stickstoff im Boden zum Zeitpunkt der Probenahme abgeschätzt werden. Die für Düngeempfehlungen viel wichtigere Stickstoff-Mineralisierung (Nachlieferung) während der Vegetationsperiode hingegen kann mit den routinemäßigen Bodenanalysemethoden nicht befriedigend bestimmt werden.
  4. Die Bodenmikroorganismen haben eine große Bedeutung für die Freisetzung von potenziell pflanzenverfügbaren Nährstoffen im Boden. Insbesondere die Verfügbarkeit von Stickstoff, Phosphor und Schwefel wird stark von der Aktivität der Mikroorganismen im Boden bestimmt. Bodenmikrobiologische Kennwerte werden in der Düngerberatung allerdings nur sehr selten berücksichtigt, weil die hierfür notwendigen mikrobiologischen Untersuchungsmethoden meist nicht routinemäßig angeboten werden oder relativ teuer sind.
  5. Im Rahmen der routinemäßigen Bodenuntersuchung wird nur der Gehalt des Bodens an einigen wenigen Nährstoffen (meistens Phosphor und Kalium) bestimmt. Zwischen dem Nährstoffgehalt im Boden und der Aufnehmbarkeit dieser Nährstoffe durch die Pflanzen muss keine Beziehung bestehen. Ein Überschuss an Kalium im Boden beispielswiese kann die Magnesium-Aufnahme der Pflanzen stark behindern. Das Ertragspotenzial eines Standortes wird nur dann voll ausgeschöpft, wenn die Nährstoffe im Boden in ausreichenden Mengen und in einem harmonischen Verhältnis pflanzenverfügbar sind. Daher sollten bei der Interpretation der Bodenuntersuchungsergebnisse neben den Nährstoffgehalten immer auch die Nährstoffverhältnisse im Boden berücksichtigt werden.
  6. Die räumliche Variabilität einzelner Bodenkennwerte ist manchmal sehr groß. Viele Gründe können dafür verantwortlich sein. Das Ausgangsmaterial für die Bodenbildung, der Bodentyp, die Bodenart, der Humusgehalt, der Grobsteingehalt und die Gründigkeit können kleinräumig wechseln. Natürliche Nährstoffanreicherungszonen sind Mulden, Unterhänge oder Hangfußlagen. Auch eine ungleichmäßige Düngerverteilung auf der Grünland- oder Ackerfläche kann im Oberboden zu kleinräumigen Unterschieden im Nährstoffgehalt führen. Die räumliche Heterogenität ist vor allem in Dauerweiden sehr ausgeprägt. Die Entnahme von Bodenproben erfordert daher besondere Sorgfalt. Die Probenahmefläche, auf der Einzelproben entnommen und zu einer Mischprobe vereinigt werden, sollte hinsichtlich Geländeform, Boden und Pflanzenbestand homogen sein. Die Nährstoffanreicherungszonen sollten bei der Bodenprobenahme ausgelassen oder getrennt von der restlichen Fläche beprobt werden.
  7. Auch die zeitliche Variabilität einzelner Bodenkennwerte ist manchmal sehr groß. Der Gehalt des Bodens an potenziell pflanzenverfügbaren Nährstoffen weist während der Vegetationszeit in der Regel starke zeitliche und saisonale Schwankungen auf. Die Nährstoffgehalte können auch von Jahr zu Jahr auf derselben Fläche beträchtlich variieren. Hauptverantwortlich dafür sind die Witterungsverhältnisse. Die Nährstoffaufnahme der Pflanzen bewirkt ebenfalls saisonale Schwankungen einzelner Nährelemente im Boden. Die Bodenuntersuchungsergebnisse gelten auf Grund der zeitlichen Variabilität einzelner chemischer Bodenparameter meist nur für den Zeitpunkt der Probenahme. Eine chemische Bodenanalyse liefert daher oft nur Informationen über einen „Augenblickszustand“. Anstelle einer einmaligen Untersuchung des Bodens im Hinblick auf potenziell pflanzenverfügbare Nährstoffe wären daher für die Ableitung von Düngeempfehlungen Probenahmen während der gesamten Vegetationsperiode notwendig. Dies ist aber aus Zeit- und Kostengründen in der Praxis nicht durchführbar.
  8. Auf Grund des CAL-löslichen Phosphor-Gehaltes im Oberboden werden Phosphor-Düngeempfehlungen abgegeben. Die CAL-Methode unterschätzt die Phosphor-Verfügbarkeit in Böden mit hohem Karbonat-Gehalt. Mit der CAL-Methode wird der CAL-lösliche Phosphor-Pool im Boden erfasst. Dieser beträgt in Grünlandböden nach derzeitigem Kenntnisstand etwa 3 % vom Phosphor-Gesamtgehalt. Somit ist nur ein sehr kleiner Teil des gesamten Phosphor-Vorrates im Boden mit der CAL-Methode extrahierbar. Zumindest in Grünlandböden wird der Phosphor zum Großteil in der organischen Substanz des Bodens gespeichert. Der organisch gebundene Phosphor ist daher eine wesentliche potenzielle Phosphor-Quelle für die Pflanzen und kann durch eine intensive Tätigkeit der Bodenmikroorganismen mobilisiert werden. Mit der CAL-Methode wird der organisch gebundene Phosphorallerdings nicht erfasst. Auf Grund des CAL-löslichen Phosphor-Gehaltes ist eine qualitative Bewertung des Phosphor-Versorgungszustandes von Böden möglich (gut – schlecht).
  9. Auch bodenphysikalische Eigenschaften können ertragsbegrenzende Faktoren sein (Wassermangel, Luftmangel, hoher mechanischer Eindringwiderstand für Pflanzenwurzeln). Bodenphysikalische Parameter werden im Rahmen der routinemäßigen Bodenuntersuchung normalerweise nicht erfasst. Der Bodenwasserhaushalt beispielsweise beeinflusst sehr wesentlich die Mobilität und Pflanzenverfügbarkeit der Nährelemente im Boden. Trockenheit bedeutet daher auch Nährstoffmangel für die Pflanzen.
  10. Der problematischste Punkt jedoch ist, dass mittels chemischer Bodenanalyse lediglich der potenziell verfügbare          Nährstoffgehalt im Boden bestimmt werden kann. Ob diese Nährstoffe auch tatsächlich pflanzenaufnehmbar sind, kann nicht festgestellt werden. Die Pflanzenverfügbarkeit der Nährelemente im Boden und die Nährstoffaufnahme der Pflanzen hängen nämlich von vielen Faktoren ab. Sie werden in erster Linie von der Nährstoffkonzentration im Bodenwasser, vom Bodenwassergehalt und von der Kapazität des Bodens zur Nährstoffnachlieferung (mobilisierbarer Nährstoffvorrat) beeinflusst. 
    Generell ist die Nährstoffanlieferung zu den Pflanzenwurzeln und folglich die Verfügbarkeit umso größer, je höher der Wassergehalt im Boden und die Nährstoffkonzentration im Bodenwasser sind. Entscheidend für die Nährstoffaufnahme sind aber auch Pflanzenfaktoren wie beispielsweise Wurzelausscheidungen (mobilisieren Nährstoffe im wurzelnahen Boden), Wurzelwachstumsrate, Größe der aufnahmeaktiven Wurzeloberfläche oder Wurzellänge. Je größer die Wurzeldichte (Anzahl von Feinwurzeln pro m² Boden) im Boden ist, desto höher ist auch die Nährstoffausbeute der Pflanzen. 
    Auch Mykorrhizapilze erhöhen die räumliche Verfügbarkeit der Nährstoffe im Boden und verbessern damit die Nährstoffversorgung der Wirtspflanzen auf nährstoffarmen Böden. Die chemische Bodenanalyse liefert hauptsächlich einen Hinweis für die Kapazität eines Bodens den Pflanzen Nährstoffe zu liefern (chemische Verfügbarkeit), aber sie berücksichtigt nicht die Mobilität (räumliche Verfügbarkeit) der Nährstoffe im Boden. Daher reicht eine routinemäßige Bodenuntersuchung für die Charakterisierung der Nährstoffversorgung der Pflanzen in der Regel nicht aus.

Zitierte und weiterführende Literatur:

Bergmann, W., 1993: Ernährungsstörungen bei Kulturpflanzen. Gustav Fischer Verlag, 835 S.

Larcher, W., 1994: Ökophysiologie der Pflanzen. Ulmer Verlag, 394 S.

Mäder, P., M. Koller, A. Kranzler und T. Lindenthal, 2008: Bodenuntersuchungen im Biobetrieb. BIO AUSTRIA und FIBL. Merkblatt Bodenuntersuchungen im Biobetrieb 2004, aktualisiert 17.3.2008, 8 S.

Mengel, K., 1991: Ernährung und Stoffwechsel der Pflanze. Gustav Fischer Verlag, 466 S.

Richtlinien für die sachgerechte Düngung, 2006: Anleitung zur Interpretation von Bodenuntersuchungsergebnissen in der Landwirtschaft. 6. Auflage, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, 80 S.

Andreas Bohner

TB Unterfrauner GmbH

www.bodenoekologie.com

Bodenfruchtbarkeit

Analysieren – Bewerten – Optimieren
Mach deinen Boden klimafit!

Den Boden anders betrachten!

Die Themen Bodenfruchtbarkeit und „Klimafitness“ von Böden stehen bei uns im Zentrum der Betrachtung. 

Wir müssen uns folgende Fragen stellen:

  • Ist mein Boden fit für die Herausforderungen der Witterungsextreme?
  • Kann mein Boden passiven Hochwasser- und aktiven Grundwasserschutz leisten?
  • Geht es dem Bodenleben gut? Was könnte ich verbessern?
  • Wie schaut das Nährstoffspektrum im Boden aus?
  • Können Nährstoffe mobilisiert werden?
  • Müssen Nährstoffe zugeführt werden?
  • Wie kann das Puffersystem gestärkt werden?
  • Welche Kalke sind die richtigen?

Wir untersuchen und bewerten Böden nach dem weltweit einzigartigen Verfahren der
Fraktionierten Analyse. Eine Bodenuntersuchung, die weiter geht!

Dabei werden 118 Einzelparameter der Bodenprobe zur Charakterisierung der Bodenfruchtbarkeit gemessen. Die Stoffe werden in den verschiedenen Verfügbarkeitsstufen
wasserlöslich (sofort verfügbar),
austauschbar (über die Vegetationsperiode verfügbar) und
Reservepool (durch bestimmte Maßnahmen mobilisierbar)
bestimmt. 

Bodenprofil eines wenig belebten, versauerten Sandbodens © Hans Unterfrauner
Bodenprofil eines wenig belebten, versauerten Sandbodens © Hans Unterfrauner

Den Verhältnissen der Nährstoffe wird eine ganz besondere Bedeutung beigemessen, die Absolutgehalte dagegen rücken in den Hintergrund.

Durch die umfangreichen Basisparameter (z. B. pH Werte, Organischer Kohlenstoff, C/N, Austauschkapazität,…) können die Milieubedingungen für die biologische Aktivität abgeschätzt werden.

Dadurch erhältst du die Grundlagen zur Optimierung der Pflanzenernährung und zur Aufrechterhaltung bzw. Optimierung der Bodenfruchtbarkeit.

mehr dazu auf www.bodenoekologie.com

Boden ist die Basis der Bio-Landwirtschaft

Der Biolandbau ist eine nachhaltige, zukunftsweisende und lebensbejahende Form der Landwirtschaft. Er stellt natürliche Prozesse und Boden, Pflanze, Tier und Mensch zueinander in partnerschaftliche Beziehung. Boden ist die Basis dieser Symbiose.

Der Biolandbau baut auf naturschonende Produktionsmethoden unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der Ökologie und des Umweltschutzes auf. 
Dabei steht eine nachhaltige Ressourcennutzung unter Berücksichtigung des Stoff- und Naturkreislaufs im Vordergrund.

Bio-Getreidesaat Salzburg-Flachgau. © Markus Danner
BioGetreide-Saat Salzburg-Flachgau. © Markus Danner

Grundsätze:

  • Oberstes Ziel der biologischen Wirtschaftsweise ist die Verwirklichung einer größtmöglichen Kreislaufwirtschaft – d.h. auf weitgehend gleich starken Nährstofffluss zwischen Boden – Pflanze – Tier – Boden wird geachtet.
  • Pflege des Bodenlebens und des organischen Substanzkreislaufs für eine dynamische Boden- und Humusaktivität, um die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. So kann ein nachhaltiges Bewirtschaftungssystem für die Landwirtschaft geschaffen werden.
  • Abstimmung der Tierhaltung (Arten, Rassen, Herdengrößen) auf Standort und Hofverhältnisse und auf die physiologischen Bedürfnisse der Tiere.
  • Größtmögliche Vermeidung von Maßnahmen, welche die Umwelt, die menschliche Gesundheit, die Pflanzengesundheit sowie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere belasten.
  • Der Boden ist die Basis einer Produktion qualitativ hochwertiger Erzeugnisse.

Alle Maßnahmen der Nutzung, Düngung, Ernte etc., die der Bodenstruktur, dem Lebendverbau des Bodens und der Humusverbesserung dienen, sind anzustreben,
all jene, die dem Genannten hinderlich sind, zu überdenken!

Biobäuerin, Biobauer sein heißt auch: 
Beobachten – erkennen – handeln!

Markus Danner

Der Regenwurm macht fruchtbar

Regenwurmlosung in Weide © Markus Danner
Regenwurmlosung in Weide © Markus Danner

Der Regenwurm bringt frischen Mineralboden aus tieferen Schichten an die Oberfläche, neutralisiert und stabilisiert jährlich Tonnen von Erde pro Hektar, macht Nährstoffe verfügbar und konzentriert diese in seinen Losungshäufchen.

“Gott kennt das Rezept, fruchtbaren Boden zu machen, und er hat dieses Geheimnis dem Regenwurm anvertraut.”
franz. Sprichwort

Dutzende Arten arbeiten im Untergrund landwirtschaftlich genutzter Flächen. Dabei kann ihre Individuenzahl pro Hektar eine halbe Million weit überschreiten.
Er ist einer der wertvollsten Helfer des Biobauern und bedeutendsten Vertreter der Bodenfauna.

Wenngleich eine Art regional durch ihren enormen Materialauswurf auf Wiesen und Weiden Probleme bereitet, ist die Bedeutung der Regenwürmer für die Bodenfruchtbarkeit insgesamt nicht hoch genug zu würdigen.

Der Regenwurm macht fruchtbar, im wahrsten Sinne des Wortes.

Markus Danner

Organische Zukaufdünger für Biokulturen

Organische Zukaufdünger für Biokulturen, vor allem im biologischen Ackerbau, sollten grundsätzlich die absolute Ausnahme sein!

Zur Nährstoffversorgung des Bodenlebens werden folgende Gruppen in dieser Reihenfolge herangezogen:

  1. Ernterückstände, Gründüngung, Leguminosenstickstoff
  2. Tierische Dünger aus biologischer Landwirtschaft
  3. Organische Zukaufsdünger

Der Boden kann durch Leguminosenanbau, Hofdünger, Gründünger, usw. ausreichend mit Stickstoff versorgt werden. Dennoch kann der Einsatz organischer Zukaufsdünger im Einzelfall notwendig erscheinen, zB:

  • in (viehlosen) Gemüsebaubetrieben
  • bei einer verzögerten bzw. misslungenen Leguminosen-Zwischenfrucht
  • für höhere Marktqualitäten, zB Protein bei Weizen

Bei der Auswahl der Zukaufsdünger ist in erster Linie auf die biologische Herkunft zu achten. 
Kooperationen aus Ackerbau- und Veredelungsbetrieben mit einer Rückführung von tierischem Dünger sind bei räumlicher Nähe zweckmäßig.

Darüber hinaus ist es schwer, Dünger in Bioqualiät zu finden; durchaus geeignet sind Schrote von Körnerleguminosen und Ölkuchen, die ja beträchtliche Stickstoffmengen enthalten.

zulassungsfähige organische Zukaufdünger für Biokulturen

Kompost

Aus pflanzlichem Abfall wie Strauch- und Grünschnitt bzw. kommunaler Biomüllsammlung ist bei diesen Komposten vor allem auf die Schwermetallgehalte zu achten; nur Güteklasse A+!

Pferdemist

Ackerbaubetriebe gehen oft mit Reitbetrieben eine Kooperation ein und tauschen Stroh gegen Mist; Sägespäne aus harzenden Nadelhölzern sind im Mist dabei generell zu vermeiden, da sie im Boden versauernd und lebenshemmend wirken.

Industrielle Abfallprodukte

aus der Vitamin C- und der Penicillin–Erzeugung; hierbei handelt es sich um Handelsprodukte wie Biosol oder Biofert;
Vinasse

Ölkuchen und Körnerleguminosenschrote

Bei österreichischer Herkunft ist nebenbei auch die Gentechnik-Freiheit gesichert, sodass es sich um ein preiswertes Produkt handeln kann

C/N – Verhältnis: Je nach den Anteilen von Kohlenstoff und Stickstoff im Zukaufsdünger ist eher eine Humus aufbauende Wirkung zu erwarten (Kompost) oder als anderes Extrem eine direkte Nährstoffgabe zur Pflanze und sogar Humusabbau (Kartoffelrestfruchtwasser).

Nachvollziehbarkeit von Herkunft und Qualität des Düngers:
Weite Transportwege für organische Dünger sind oft nicht wirtschaftlich und vor allem nicht im Sinn der Sache. Düngemittel müssen zwecks Nachvollziehbarkeit ihres Entstehungsprozesses und GVO-Freiheit im Betriebsmittelkatalog von InfoXgen gelistet sein.

Sind Organische Zukaufsdünger offensichtlich notwendig, aber in Bioqualität nicht verfügbar, so sind einige Faktoren zu prüfen:
C/N – Verhältnis: Je nach den Anteilen von Kohlenstoff und Stickstoff im Zukaufsdünger ist eher eine Humus aufbauende Wirkung zu erwarten (Kompost) oder als anderes Extrem eine direkte Nährstoffgabe zur Pflanze und sogar Humusabbau (Kartoffelrestfruchtwasser).
Nachvollziehbarkeit von Herkunft und Qualität des Düngers:
Weite Transportwege für organische Dünger sind oft nicht wirtschaftlich und vor allem nicht im Sinn der Sache. Düngemittel müssen zwecks Nachvollziehbarkeit ihres Entstehungsprozesses und GVO-Freiheit im Betriebsmittelkatalog von InfoXgen gelistet sein.

Heinz Köstenbauer

Humus ist genial

Bio ist Synonym für Humuswirtschaft
In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hat Hans-Peter Rusch der geläufigen Mineraltheorie eine neue Sichtweise auf Lebensvorgänge, Pflanzenwachstum und -ernährung entgegengestellt:
Den “Kreislauf der lebenden Substanzen”
Bei seinen Forschungen kam auch er zur Erkenntnis: Humus ist genial!

Er erkannte es als widersinnig, dass sich die Natur den verschwenderischen Luxus leisten solle, alles Lebendige bis auf totstoffliche Ionen abzubauen und auf der anderen Seite von “nichts” ausgehend aus totstofflichen Ionen lebendige Organismen wieder aufzubauen.

Raoul France beschrieb 1911 erstmals das “Edaphon”, das Lebensreich des mikroskopisch Kleinen im Erdreich. Nach ihm (be-)wiesen Virtanen (1933), Schanderl (1947) , Sekera (1984), Rateaver (1993), Hennig (1994), Margulis (1993, 1999) und andere, dass sich das Leben im Boden, durch den Boden und aus dem Boden heraus (Pflanzenwachstum) etwas anders gebärdet als Liebig´s Mineraltheorie dies aus heutiger Sicht unzulässig vereinfachend erahnen ließe.

Regenwurmlosung in Weide © Markus Danner
Der Humusmacher!
Regenwurmlosung in Weide © Markus Danner

All die Funktionen, Wechselwirkungen, Umbildungen, Verwandlungen, Neubildungen, das Vergehen und Entstehen der sichtbaren und unsichtbaren Lebensformen auf dem Land treffen sich im HUMUS.

“Humus = Kohlenstoff mal xy” trifft dabei die Wahrheit nicht annähernd.
Die Sache ist komplizierter.

Das mikrobielle Leben im Boden, das Voraussetzung ist für den Erfolg des landwirtschaftlichen Werkens an der Oberfläche, ist innig verknüpft mit dem, was wir Humus nennen.
Ein Stoff und eine Funktionsschaltzentrale, dessen Werden, Sein und Wirken sich der Wissenschaft bisher nicht völlig klar erhellt hat.

Ton-Humus-Komplexe

sorgen für stabile Verbindungen der Bodensubstanzen (Brücke zwischen mineralischem Ton und organischem Humus), die wiederum nur mithilfe von Bodenorganismen zum stabilen Krümel “lebendverbaut” werden können.

Auch die Intensität und Qualität der Lebendverbauung ist abhängig von der Pflege, Bewirtschaftungsweise und Bodenfütterung durch den Bewirtschafter/die Bewirtschafterin.

Enorme Bedeutung des Bodenlebens

Die durchschnittliche Biomasse auf 1 000m2
beträgt nach “The GAIA Atlas 1985” in den USA:

15 kg Einzeller
100 kg Regenwürmer
100 kg Insekten
170 kg Bakterien
250 kg Pilze

dadurch werden
5.500 kg Pflanzen und
1,8 Menschen versorgt!

Humus ist die Lebenswelt des Lebendigen im Boden, in gleicher Weise sein Futter und sein Zuhause. Nebenbei sorgt er für Wasser, Luft und Wärme; für die bio-logische Landbewirtschaftung heißt das nichts weiter, als lediglich dafür zu sorgen, dieses Werk im Vollbetrieb am Laufen zu halten!

Markus Danner

Pflanzen wachsen… nicht überall

Standortsansprüche und Wuchsform der Grünlandpflanzen

Die Grünlandarten stellen unterschiedliche Ansprüche an das Klima. Das Englische Raygras beispielsweise ist in Gebieten mit subozeanischem Klima (Buchen kommen hier vor) das wertvollste Futtergras der intensiv genutzten Dauer- und Mähweiden. Es meidet allerdings schneereiche, frostgefährdete Gebiete. In kontinental beeinflussten Tal- und Beckenlagen ist das Wiesen-Rispengras konkurrenzkräftiger.

Das Italienische Raygras stellt besonders hohe Ansprüche an das Klima; es wächst in Österreich nur in wärmeren, subozeanischen Gebieten mit einer Jahresmitteltemperatur über 8° C. Der Schlangen-Knöterich wiederum kommt in kühleren Tal- und Beckenlagen auf feuchten Böden häufig und weit verbreitet vor und gilt hier als Kühlezeiger unter den Pflanzenarten. Auch die Wuchsform der Gräser wird vom Klima beeinflusst. Mit zunehmender Wärme und Trockenheit nimmt die Bestockungsdichte bei Horstgräsern zu.

Mahdverträglichkeit

Die Mahdverträglichkeit der Grünlandarten ist auch vom Klima am jeweiligen Standort abhängig. Der Glatthafer beispielsweise hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in wärmebegünstigten Tal- und Beckenlagen. Hier erträgt er bis zu drei Schnitte pro Jahr und ist in gedüngten, zwei- bis dreischnittigen Mähwiesen sehr häufig ein wichtiger Bestandesbildner. In kühleren Gebieten, wie beispielsweise im Ennstal, toleriert der Glatthafer nur mehr ein bis zwei Schnitte jährlich und fehlt daher in dreischnittigen Mähwiesen.

Fuchsschwanzwiese. © Markus Danner
Fuchsschwanzwiese. © Markus Danner

Pflanzenartenvielfalt

Österreich ist im mitteleuropäischen Vergleich eines der pflanzenartenreichsten Länder. Vor allem aus klimatischen und geologischen Gründen gibt es innerhalb von Österreich Gebiete mit unterschiedlich hohem Artenreichtum. In Naturräumen mit Karbonatgesteinen (Kalkstein, Dolomit, Mergel) als geologischem Untergrund kommen in der Regel mehr Pflanzenarten vor, und es wachsen zum Teil andere Arten als in Naturräumen, die aus Kristallingesteinen bestehen. Pflanzenbestände auf karbonathaltigen Böden sind daher bei gleichartiger Bewirtschaftung und Nutzungshäufigkeit tendenziell artenreicher als jene auf karbonatfreien, sauren Böden. Vor allem auf stark versauerten Böden können nur wenige Blütenpflanzen wachsen.

Pflanzenwurzeln

Das Klima beeinflusst auch die Wurzelmasse und räumliche Wurzelverteilung im Boden. Generell fördern Trockenheit und Wärme das Tiefenwachstum der Wurzeln, während Nässe und Kälte das Tiefenstreben der Wurzeln hemmen. Ein großer Wurzeltiefgang schützt die Pflanzen vor Wassermangel. Folglich nimmt mit zunehmender Trockenheit das Spross-Wurzelverhältnis ab.

Die tiefreichende Durchwurzelung in wärmeren Trockengebieten erhöht die Krumenmächtigkeit im Boden. Daher weisen Tschernoseme im pannonischen Raum in der Regel einen mächtigen A-Horizont auf. Eine tiefreichende Durchwurzelung erhöht den Humusgehalt im Unterboden und vermindert die Nährstoffverluste durch Auswaschung mit dem Sickerwasser; außerdem werden die Nährstoffvorräte im Unterboden besser ausgenutzt. In kühleren Gebieten ist das Tiefenstreben der Wurzeln geringer, dafür ist die Seitenausdehnung der Wurzeln häufig größer als in wärmeren Gebieten. Daher weisen insbesondere Alm- und Gebirgsböden in der obersten Bodenschicht (A-Horizont) meist einen sehr hohen Humusgehalt auf.

In wärmeren Gebieten erreichen die Wurzeln der Gräser auf frischen Standorten Tiefen bis über 1 m, einige Kräuter (z.B. Wiesen-Kümmel, Wiesen-Bärenklau, Wiesen-Löwenzahn, Stumpfblatt-Ampfer) sogar bis über 2 m. Im pannonischen Raum können bestimmte Kräuter (Feld-Mannstreu, Halbstrauch-Radmelde, Löss-Löwenzahn) eine Wurzeltiefe von über 5 m erreichen. In kühleren Gebieten hingegen dringen die Graswurzeln kaum noch tiefer als 50 cm in den Boden ein und die Kräuter erreichen selten eine Wurzeltiefe von über 1 m.

Unter den wertvollen Futtergräsern erreichen insbesondere der Glatthafer, das Wiesen-Knaulgras und das Wiesen-Rispengras eine beachtliche Wurzeltiefe. Sie ertragen daher eine zeitweilige Trockenheit relativ gut, im Gegensatz zum minderwertigen Gewöhnlichen Rispengras, das nur flach wurzelt. 

Wiesenfuchsschwanz übersteht aufgrund seiner besonderen Wurzeleigenschaften Wechselfeuchte und zeitweilige Staunässe schadlos.

Andreas Bohner