Schwefeldüngung auch im Biogrünland?

Zusehends wird Schwefel als ertragsbegrenzender Nährstoff im Grünland diskutiert.
Das geht grundsätzlich mit beinahe jedem relevanten Nährstoff so. Das kann man für gut befinden oder kritisieren, sei’s drum.

In der Biolandwirtschaft ist die Prämisse seit jeher, die Dinge nicht allein stofflich, schon gar nicht Einzel-Nährstoff-bezogen zu betrachten, sondern ganzheitlich.

Das gilt für die NPK Diskussion ebenso wie für pro und kontra Kalkung und – ganz im Trend – eben Schwefel.

Vor bereits vielen Jahren begannen vor allem Biobauern, Steinmehl in die Gülle zu blasen/mixen. Mit dem Ziel, deren Geruchsintensität zu mildern, die Abgasung und somit die Verluste einzudämmen und die Gülle milder zu machen. Durchaus mit Erfolg.

hwk.at
die Feinheit des Materials ist entscheidend

Das blieb nicht unbeobachtet. Plötzlich war es auch en vogue, Kalk in die Gülle zu rühren, sogar Asche. Und neuerdings Schwefel.

Hatte diese Praxis mit Steinmehl (Urgesteinsmehl wie Diabas/Basalt) Sinn, muss ebendieser bei den anderen Materialien bezweifelt werden. Nicht nur bezweifelt – durch tragische Ereignisse wie dem Tod einer Rinderherde im Stall in Tirol Ende 2019- wird aufgezeigt, wie gefährlich es sein kann, eine Idee unreflektiert einfach zu kopieren und unter völlig anderen Voraussetzungen anzuwenden!

Folgende Meldung stammt von der LK Oberösterreich;
https://ooe.lko.at/vorsicht-mit-schwefel-in-gülle+2500+3061532

Schwefel einmischen ist verboten – Lebensgefahr

Einer Initiative der Landwirtschaftskammer Tirol ist es zu verdanken, dass die lebensgefährliche Praxis des Einrührens von Schwefel in Gülle ab sofort verboten ist – es besteht nämlich akute Lebensgefahr.

Es war bisweilen Praxis, dass eine Schwefeldüngung über das Zumischen von elementarem Schwefel zu Gülle erfolgt ist.

Dabei kommt es im Zuge des Einrührens zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H2S). Bis zu einer Konzentration von 200 ppm ist Schwefelwasserstoff ein stechend riechendes Gas; bei Konzentrationen darüber werden die Geruchsnerven gelähmt und ab Konzentrationen von 700 ppm ist Schwefelwasserstoff tödlich.

Worin liegt der Unterschied?
Steinmehl, auch Tonminerale, Zubereitungen von Mikrobenkulturen, neuerdings Pflanzenkohle, haben die Eigenschaft, durch ihre hohen spezifischen Oberflächen mit freien Stoffen in der Gülle in Wechselwirkung zu treten. Sie anzulagern. Dadurch erkennt unsere Spürnase weniger flüchtige Partikel in der Luft, wenn solche Güllen gerührt oder ausgebracht werden. Dadurch bleibt mehr Schwefel, mehr Stickstoff in der Gülle, – dort, wo wir das haben wollen.

Andere Zusatzstoffe, – wie Asche, Kalk, Schwefel – reagieren in der Gülle teilweise chemisch. Dadurch entstehen zusätzlich Gase (Ammoniak, Schwefelwasserstoff, evtl. Methan..), die Verluste steigen statt sie geringer werden. Der einzige Vorteil: Die Ausbringung des Düngers geht mit der Gülle (automatisch) mit.

www.giglberg.net
Das berühmte “Liebig-Fass”:
es wird immer eine Daube die kürzeste sein!

Es ist also von entscheidender Bedeutung, vor dem Einsatz irgendeines Zusatzstoffes in Hofdüngern sich zu fragen:
Aus welchem Grund?
Mit welchem Ziel?
Was sind die Alternativen?

Wir sind mit unserer Methodik im Biolandbau auf einem guten Weg. Viele Biobauern sind Forscher aus Leidenschaft. Das führt dazu, dass unsere Methodik weiterhin eine Vorwärtsentwicklung erfährt. In Zusammenarbeit mit Forschung und Beratung.
Sich daran anzuhalten, dieses Wissen bei der Beratung auch abzuholen, ist das Gebot der Stunde. Auf dass sich Ereignisse wie oben zitiert vermeiden lassen, dass die Ressourcen der Betriebe im Betriebskreislauf bleiben, die Umwelt von Immissionen geschützt und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe verbessert wird.

Und Schwefel – ja, Schwefel braucht’s dann, wenn objektiv festgestellt wird, dass’s Schwefel braucht. Sonst nicht.

Markus Danner

Titelbild: salzburger-lagerhaus.at

Mineralische Dünger für Bio-Kulturen

Mineralische Dünger für Bio-Kulturen sind erlaubt, vielfach üblich und vor allem dann sinnvoll und notwendig, wenn Nährstoffverhältnisse im Boden ins Ungleichgewicht geraten.

Kalkdünger, Karbonate, Ca-Träger

sind jene Düngemittel, die in der biologischen Landwirtschaft am häufigsten zugekauft werden.
Laufende Kalk-Auswaschung durch Niederschläge und die landwirtschaftliche Nutzung entziehen dem Boden Karbonate und Calcium. 
Dies kann zu einer Bodenversauerung und in deren Folge zu einer verringerten Nährstoffverfügbarkeit von einigen Nährstoffen führen. Umgekehrt kann aber auch ein zuviel Festlegungen bewirken (z.B. Mangan). Insbesondere auf Standorten mit sehr tiefem pH-Wert kann daher eine Kalkdüngung die Nährstoffverfügbarkeit, das Bodenleben und die Bodenstruktur fördern. 
Dennoch gilt auch für Kalk dasselbe wie für alle anderen Nährstoffe: Mit den vorhandenen Ressourcen vorsichtig umgehen, damit Zukaufsdünger möglichst selten notwendig werden.

Urgesteinsmehl – seine Bedeutung im Biolandbau

Im Biologischen Landbau sind neben dem Kohlensauren Kalk bzw. Kohlensaurem Magnesiakalk vor allem noch Carbokalk (Abfallprodukt aus der Zuckerrübenverarbeitung) und Muschelkalke gängige erlaubte Kalkdünger.

Urgesteinsmehl hilft, den Boden zu beleben (C) Danner

Phosphor- und Kalidünger

Der Zukauf von Phosphor- bzw. Kalidünger ist im Bio-Ackerbau weniger üblich als im konventionellen Ackerbau. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass ausreichend Phosphor- und Kalivorräte im Boden vorhanden sind. 
Eventuellen Engpässen an pflanzenverfügbarem Phosphor bzw. Kali wird im Bio-Landbau vorrangig mit Maßnahmen begegnet, die zu einer verstärkten Nährstoffmobilisierung im Boden führen.

Als mineralische Dünger für Bio-Kulturen für P und K Defizite stehen grundsätzlich mit den weicherdigen Rohphosphaten „Hyperkorn“ und „Hyperphosphat“ sowie den Kalidüngern „Patentkali“ und „Schwefelsaures Kali“ gängige Handelsprodukte zur Verfügung. 
Einzelne Kulturen, wie Kartoffeln, benötigen große Mengen rasch verfügbares Kali, sodass bei geringen Reserven im Boden auf Handelsdünger zurückgegriffen wird. Eine Phosphordüngung kann vor allem auf Standorten mit natürlicher Phosphor-Armut ntwendig werden, zB. Böden, die aus Sandstein bzw. Quarzit entstanden sind. 
Umgekehrt ist eine Phosphor-Düngung bei leichter Violettfärbung von Mais aufgrund eines Phosphor-Mangels im Frühjahr wenig sinnvoll. Sobald sich das Wurzelsystem von Mais etabliert hat, kann die Pflanze in der Regel ausreichend mit Phosphor versorgt werden, sodass letztlich keinerlei Ertragseinbußen zu erwarten sind.

Die erlaubten Phosphor- und Kalidünger sind langsamwirkend und basieren auf Rohphosphat (Hyperkorn, Hyperphosphat) bzw. Kalirohsalz (Patentkali, Schwefelsaures Kali, Kaliumsulfat).

Bodenstabilisierung durch folgende Maßnahmen

In der biologischen Landwirtschaft wird durch konsequente Kreislaufwirtschaft und eine vorausschauende Bewirtschaftungsweise die Pufferfähigkeit und damit der pH-Wert im Boden stabilisiert. Folgende Punkte tragen dazu bei:
Vermeidung von sauer wirkenden Düngern
zB unaufbereitete Gülle, Sägespäne in Wirtschaftsdüngern
Aufbereitung der Wirtschaftsdünger/KompostierungzB gezielte pH-Wert-Anhebung mit Kompost
verstärkte Nährstoffmobilisierung durch intensive, tiefe und möglichst ganzjährige Durchwurzelung
Anbau von Leguminosen und Tiefwurzlern
Anbau von Zwischenfrüchten, Untersaaten und Winterbegrünungen
Aufbau von Dauerhumus:
Böden mit hohen Humusgehalten kommen mit niedrigen Kalkgehalten besser zurecht. Humus wirkt als Strukturbildner und pH-Puffer.
Ernterückstände im Betrieb halten (Kreislaufwirtschaft!):
am Feld belassen,
in Form von Hofdüngern wieder auf das Feld bringen;
Solange die Ernterückstände (zB Stroh) am Feld bleiben und Hofdünger eingesetzt werden, fällt der Ca-Entzug durch Kulturen äußerst gering aus.

Einsatz von basisch wirkendem Gesteinsmehl (Diabas, Basalt)

Heinz Köstenbauer

Organische Zukaufdünger für Biokulturen

Organische Zukaufdünger für Biokulturen, vor allem im biologischen Ackerbau, sollten grundsätzlich die absolute Ausnahme sein!

Zur Nährstoffversorgung des Bodenlebens werden folgende Gruppen in dieser Reihenfolge herangezogen:

  1. Ernterückstände, Gründüngung, Leguminosenstickstoff
  2. Tierische Dünger aus biologischer Landwirtschaft
  3. Organische Zukaufsdünger

Der Boden kann durch Leguminosenanbau, Hofdünger, Gründünger, usw. ausreichend mit Stickstoff versorgt werden. Dennoch kann der Einsatz organischer Zukaufsdünger im Einzelfall notwendig erscheinen, zB:

  • in (viehlosen) Gemüsebaubetrieben
  • bei einer verzögerten bzw. misslungenen Leguminosen-Zwischenfrucht
  • für höhere Marktqualitäten, zB Protein bei Weizen

Bei der Auswahl der Zukaufsdünger ist in erster Linie auf die biologische Herkunft zu achten. 
Kooperationen aus Ackerbau- und Veredelungsbetrieben mit einer Rückführung von tierischem Dünger sind bei räumlicher Nähe zweckmäßig.

Darüber hinaus ist es schwer, Dünger in Bioqualiät zu finden; durchaus geeignet sind Schrote von Körnerleguminosen und Ölkuchen, die ja beträchtliche Stickstoffmengen enthalten.

zulassungsfähige organische Zukaufdünger für Biokulturen

Kompost

Aus pflanzlichem Abfall wie Strauch- und Grünschnitt bzw. kommunaler Biomüllsammlung ist bei diesen Komposten vor allem auf die Schwermetallgehalte zu achten; nur Güteklasse A+!

Pferdemist

Ackerbaubetriebe gehen oft mit Reitbetrieben eine Kooperation ein und tauschen Stroh gegen Mist; Sägespäne aus harzenden Nadelhölzern sind im Mist dabei generell zu vermeiden, da sie im Boden versauernd und lebenshemmend wirken.

Industrielle Abfallprodukte

aus der Vitamin C- und der Penicillin–Erzeugung; hierbei handelt es sich um Handelsprodukte wie Biosol oder Biofert;
Vinasse

Ölkuchen und Körnerleguminosenschrote

Bei österreichischer Herkunft ist nebenbei auch die Gentechnik-Freiheit gesichert, sodass es sich um ein preiswertes Produkt handeln kann

C/N – Verhältnis: Je nach den Anteilen von Kohlenstoff und Stickstoff im Zukaufsdünger ist eher eine Humus aufbauende Wirkung zu erwarten (Kompost) oder als anderes Extrem eine direkte Nährstoffgabe zur Pflanze und sogar Humusabbau (Kartoffelrestfruchtwasser).

Nachvollziehbarkeit von Herkunft und Qualität des Düngers:
Weite Transportwege für organische Dünger sind oft nicht wirtschaftlich und vor allem nicht im Sinn der Sache. Düngemittel müssen zwecks Nachvollziehbarkeit ihres Entstehungsprozesses und GVO-Freiheit im Betriebsmittelkatalog von InfoXgen gelistet sein.

Sind Organische Zukaufsdünger offensichtlich notwendig, aber in Bioqualität nicht verfügbar, so sind einige Faktoren zu prüfen:
C/N – Verhältnis: Je nach den Anteilen von Kohlenstoff und Stickstoff im Zukaufsdünger ist eher eine Humus aufbauende Wirkung zu erwarten (Kompost) oder als anderes Extrem eine direkte Nährstoffgabe zur Pflanze und sogar Humusabbau (Kartoffelrestfruchtwasser).
Nachvollziehbarkeit von Herkunft und Qualität des Düngers:
Weite Transportwege für organische Dünger sind oft nicht wirtschaftlich und vor allem nicht im Sinn der Sache. Düngemittel müssen zwecks Nachvollziehbarkeit ihres Entstehungsprozesses und GVO-Freiheit im Betriebsmittelkatalog von InfoXgen gelistet sein.

Heinz Köstenbauer

Gülle und Jauche auf Bioflächen

In den letzten Jahrzehnten hat sich aus arbeitstechnischen Gründen und vermehrten Umstiegs auf Laufstallhaltung auf vielen Betrieben die Güllewirtschaft etabliert.
Auch deshalb gilt es, alles zu unternehmen, um aus Gülle einen auch in der biologischen Grünlandwirtschaft brauchbaren Dünger zu machen. Gülle und Jauche auf Bioflächen darf und muss kein gesellschaftliches No-Go sein.

Unbehandelte Gülle ist in den meisten Fällen nicht boden- und pflanzenverträglich! 
Diese Verträglichkeit muss durch entsprechende Behandlung erst geschaffen werden.

Aufbereitungsmöglichkeiten

Die Güllebelüftung ist keine unheikle Angelegenheit. Ein Zuviel bewirkt Verluste durch Ausblasen von Stickstoff und Schwefel mit gleichzeitiger Belastung von Luft und Umwelt.
Das Ziel hingegen soll möglichst verlustfreier Erhalt der Stoffe im Kreislauf sein.
Ein Zauberwort heißt, nach neuesten Erkenntnissen: Mikroaerobes Milieu!
Das heißt, leichter Sauerstoffeintrag in die Gülle bewirkt eine Hygienisierung, denn ein Großteil der pathogenen Keime ist nicht sauerstofftolerant und sie verschwinden dadurch.
Gleichzeitig lässt vorhandener Sauerstoff Mikrobentätigkeit zu, welche Voraussetzung ist, Stoffe organisch zu binden (N, S).
Dadurch wird die Gülle bodenverträglicher und bei der Ausbringung treten deutlich weniger Verluste auf!

Eintrag von Urgesteinsmehl oder Tonmineralen

Die Verwendung von Urgesteinsmehl, direkt in die Grube eingeblasen oder im Stall ausgestreut, nimmt gegenwärtig zu, nicht zuletzt auch aufgrund der Einfachheit seiner Anwendung, denn der Arbeitsaufwand im Falle des Einblasens lässt sich auf ein bis zwei Einsätze im Jahr reduzieren.

Zu beachten ist unbedingt, dass der Trockensubstanzgehalt der Gülle nicht weit weniger als 7% beträgt, da ansonsten das Steinmehl zu wenig anhaften und einen Bodensatz bilden kann. Bei Vollgülle mit einer Verdünnung bis max. 25% haften die zuvor intensiv eingemixten Steinmehlpartikel an den Feststoffteilchen der Gülle dauerhaft an und bleiben in Schwebe.

Tonminerale sind höchst oberflächenaktiv, auch deshalb liegt die Aufwandsmenge deutlich niedriger als jene des Steinmehls.
Steinmehl: ca. 25-30kg/m3
Tonminerale: ca 25kg/GVE/Jahr

Ziel und Zweck:

  • Bindung flüchtiger Stoffe durch die hohe Absorbtionskraft
  • Anregung mikrobieller Tätigkeit
  • Entgiftung der Gülle
  • Eintrag der mineralischen Komponente
  • Ausbringung auf den Boden erfolgt durch die Gülledüngung ohne zusätzlichen technischen Aufwand

Die Verdünnung ist eine weit verbreitete Praxis. Sie erfolgt vor allem durch die Ableitung von Oberflächenwasser aus befestigten Auslaufflächen. 
Auch Dachwasser wird gelegentlich in die Grube eingeleitet. Positiv wirkt sich die Wasserzugabe durch den damit verbundenen Sauerstoffeintrag in die Gülle aus, zudem bietet das Wasser Reaktionsoberfläche, an die sich Stoffe binden können und dadurch weniger emissionsgefährdet sind (v.a. Ammoniak).

Gülle und Jauche auf Bioflächen

Darf nicht so aussehen! Damit schaffen wir uns gesellschaftliche und betriebswirtschaftliche Probleme!

Narbenschäden durch Schleppschlauch güllen © Markus Danner
Fehler im Umgang mit der Gülle bringen sie in Verruf! Narbenschäden durch güllen mit Schleppschlauch © Markus Danner

Durch die Verringerung des Trockensubstanzgehaltes wird die Homogenisierung und Belüftbarkeit erleichtert. Werden keine sonstigen Behandlungsmethoden angewandt, ist die Wasserzugabe zur Verringerung der Stickstoffverluste unbedingt notwendig.
Die Verdünnung ist aber nicht unbegrenzt sinnvoll, denn der Energieaufwand der Ausbringung steigt selbstverständlich mit jedem Fass, das zusätzlich ausgebracht werden muss. 
Auf keinen Fall darf die Verdünnung der Gülle dazu führen, dass die ausgebrachten Einzelgaben pro Flächeneinheit über die verträgliche Menge steigen. Dies würde unweigerlich Schäden an Feinwurzeln, Regenwürmern und anderen Bodenorganismen nach sich ziehen

Komm oft, bring wenig!
Ausbringungsmenge:
Einzelgabe Grünland: 12m3
Einzelgabe Acker: 20m3
Jahresmenge: abhängig von der Nutzungsintensität

Um Schwimm- und Sinkschichten zu vermeiden, ist eine regelmäßige Durchmischung bzw. mixen eigentlich selbstverständlich, auch viele Schadorganismen werden dadurch ferngehalten (Fliegen, Rattenschwanzlarven, Ratten..), die auf Schwimmdecken paradiesische Verhältnisse vorfinden.
Durch regelmäßige Bewegung der Gülle wird durch den Oberflächenkontakt zur Luft ein gewisser Sauerstoffeintrag ermöglicht, der u.U. die gewünschten Effekte schon allein dadurch erbringen kann. Weitere Zusatzstoffe jeglicher Art werden sehr unterschiedlich beurteilt, gute und schlechte Erfahrungen halten sich die Waage. 
Wichtig ist in jedem Fall, für sich ein Maßnahmenziel zu formulieren, und die Zielerreichung durch die jeweilige Maßnahme kritisch zu hinterfragen und zu prüfen.

Markus Danner




Was Kompost alles kann

Das Ziel der Kompostierung ist es, einerseits hochwertigen, saatverträglichen und bodenverbessernden Dünger zu erhalten, sowie organische Abfälle einer sinnvollen Verwertung zuzuführen. Was Kompost alles kann – bitte weiterlesen!

Kompost hat Eigenschaften, auf die im biologischen Ackerbau und Gartenbau vielfach nicht verzichtet werden kann.
Selbst der Grünlandbetrieb, der die Phosphorverfügbarkeit in seinem Boden steigern muss, hat mit Kompost das Mittel der Wahl in der Hand.
Mit Kompost können leichte Böden bindiger, schwere etwas leichter bearbeitbar und luftiger werden, vorausgesetzt, es wird langfristig konsequente Kompostwirtschaft betrieben.
Die Wasserhaltefähigkeit, Regenwurmaktivität, Krümelstabilität und andere Bodenparameter werden von Kompostanwendung positiv beeinflusst und haben somit neben der Bedeutung als Nährstoffträger mehrere weitere ertragsrelevante Eigenschaften.

Reifer Kompost. © Markus Danner
inhaltsreicher Kompost ist ein besonders wertvollerDünger (C) Danner

Ein gängiges Qualitätsmerkmal von reifem Kompost ist das C:N Verhältnis (Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis), das idealerweise im Bereich von 10-15:1 liegt. (Humus!)
Die Qualität eines organischen Düngers hängt zum Großteil von seinen Ausgangssubstanzen und der Qualität der Umsetzungsprozesse ab.
Weisen diese Substanzen in ihrer Gesamtheit ein C:N Verhältnis von ca. 30:1 auf, werden zudem aerobe Rotteverhältnisse geschaffen und dem Material mineralische Komponenten wie Lehm, Tonmineralien oder Urgesteinsmehl zuteil, entsteht eine Komposterde, die Vollwertnahrung für die durchwachsenden Kulturpflanzen darstellt.

Für die Bewirtschaftung offenen Bodens hat Kompost eine herausragende Bedeutung.
Die Nutzung seiner Vorzüge und Qualitäten sind auch in der biologischen Acker- und Gartenbauwirtschaft noch ausbaufähig.

Trotz aller Vorzüge und positiven Eigenschaften ist es keineswegs immer sinnvoll, auch aus tierischem Mist Reifkompost herzustellen.
Seine Erzeugung erfordert Energie und Zeit. 
Der Energieverlust des Materials während des Vererdungsprozesses hat folgerichtig einen geringeren Energieeintrag in den Boden zur Folge. 
Kompost kann durch seine Eigenschaften, Struktur und Zusammensetzung als idealer Stoff für Bodenaufbau und Pflanzen(-wurzel) gelten. 
Dennoch ist für den Aufbau und die Heranzucht vielfältigen Bodenlebens und einer starken Bodendynamik junges, frisches, energiereiches organisches Material wichtig.

Diese Grundüberlegungen sollen der Entscheidung dienen, welcher Dünger zu welcher Zeit an welchem Ort zu welchem Zweck der idealste ist.

Alles organische Material, das auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Laufe des Jahres anfällt, kann und soll kompostiert werden.
Die Erzeugung fruchtbarer Erde ist eine der edelsten Tätigkeiten eines Menschen!

Idealer Dünger
Für Saat- und Pflanzbeete: Kompost
Für Grünland und Kulturdüngung (Getreide, u.U. Begrünungen): junger Rottemist

Markus Danner

Düngen mit Festmist

Die für den Bodenaufbau beste Art der (organischen) Bodenfütterung ist das Düngen mit Festmist. Die festen Wirtschaftsdünger bieten Vorteile gegenüber flüssigen, da die Durchmischung von tierischem Kot mit Einstreu mehrere positive Wirkungen zeigt:

  • ideales C:N Verhältnis, dadurch
  • sehr geringe Nährstoffverluste durch Umwandlung von verfügbaren Nährstoffen in organische Bausteine
  • gut aerob aufzubereiten
  • Die Einstreu als Kohlenstoffträger ist eine Energiequelle für die mikrobielle Aufarbeitung und Umsetzung des Düngers und für das Bodenleben.

Festmistarten, Wirkung

Frischmist

enthält noch schädliche Inhaltsstoffe (Ammoniak, Schleimstoffe) und ist daher für die Anwendung z.B. unmittelbar vor der Saat (Getreide, Zwischenfrucht, Grünlandsaat..) ungeeignet.

Rottemist

ist Stallmist, der aerob, d.h. unter Ein- und Mitwirkung von Luft einen Großteil keimhemmender Stoffe abgebaut hat; dieser Dünger ist nahezu für alle Kulturflächen im Grünland und auf dem Acker geeignet (ausgenommen Kopfdüngung im Gemüsebau);
Rottemist bewirkt ein rasches Ansteigen der mikrobiellen Tätigkeit im Boden; er ist fäulnisfrei!
er wird im Acker leicht in den Boden eingearbeitet oder oberflächlich als Flächenschleier (=Nährdecke) belassen.

stark angerotteter, fäulnisfreier Festmist © Markus Danner

Stapelmist

Unter Stapelmist wird hier dicht gelagerter, wenig strukturierter Mist verstanden, der nach innen zunehmend grünlich-speckig wird und beim Aufreißen des Haufens stechend scharf stinkt.
Neben Ammoniak und Schwefelwasserstoffen enthält solches Material eine Reihe weiterer mehr oder weniger giftiger Stoffe (Indol, Skatol, Cadaverin..), die auf landwirtschaftliche Nutzflächen ausgebracht zwangsläufig zu Schäden und Belastungen von Umwelt und Boden(-leben) führen.
Solcher Mist ist weder Dünger noch Bodenfutter. Früher oder später wirkt sich seine Anwendung durch eine Qualitätsminderung von Boden und Kulturen aus, die sich häufig durch Verunkrautung, Krankheitsanfälligkeit der Kulturen sowie Strukturprobleme des Bodens, die sich durch eine nicht vorhandene Krümelbildung, geringes Nährstoff- und Wasserhaltevermögens (hohe Nährstoff- und Tonmineral-Auswaschungsgefahr!) etc. zeigen.

Hans Müller pflegte gegenüber Bauern mit solchen Mistlagern festzustellen: “Du hast die Giftfabrik auf dem eigenen Hof!”

Die Hauptaufgabe der Düngeraufbereitung ist seine Entgiftung, und die Erzeugung bekömmlichen, rasch umsetzbaren Bodenfutters! Faulender Stapelmist hat auf landwirtschaftlichen Nutzflächen und Kulturen nichts verloren!

Anwendung, Ausbringung

H.P. Rusch und mit ihm Hans Müller legten größten Wert darauf, feste, fäulnisfreie Dünger in dünnen Schleiern, sogenannten Nährdecken, mehrmals im Jahr, gegebenenfalls auch nach den Futterernten, auf die Flächen zu bringen.
Rusch wies auch vehement auf die Sinnhaftigkeit hin, möglichst frische Dünger aufs Feld zu bringen (aufgrund des größten Energiegehaltes für die Bodenorganismen).

Der Effekt, den diese Düngepraxis zeigt, liegt mittel- und langfristig in einer deutlich gesteigerten Nährstoffdynamik, die sich aus der gesteigerten mikrobiellen Aktivität ergibt. 
Rusch dokumentierte langjährige Düngeergebnisse in seinem Werk “Bodenfruchtbarkeit”, anhand der von ihm mittels Zellzahlen in unzähligen Proben ermittelten Bodengüte.
Betriebe, die diese “Gleichmäßigkeit des Futternachschubs” zur angewandten Praxis machten und machen, können auf stabile Pflanzenbestände und Erträge setzen.

Die Art und Weise der Düngerbehandlung soll keinem Dogma unterliegen! Scheitert die aerobe Behandlung auf einem Betrieb aus technischen, arbeitswirtschaftlichen oder anderen Gründen, kann mit fermentativen Methoden nahezu gleichwertig behandelt werden! 
Entscheidend ist, dass der Dünger nicht faulend sich selbst überlassen wird und seinerseits positive Effekte auf den Boden und im Boden bewirken kann.

Markus Danner

Düngung im Biolandbau

Wer sich intensiv mit biologischer Landwirtschaft, der damit verbundenen Fragen der Bodenfruchtbarkeit und Ertragssicherheit auseinandersetzt, stößt eher früher als später auf die Rolle der hofeigenen Wirtschaftsdünger und der Düngung im Biolandbau.

Sie spielen im Betriebsgefüge eines tierhaltenden Betriebes, seiner Wirtschaftlichkeit und der Gesundheit seiner Futterflächen eine wesentliche, oftmals tragende Rolle.

Die Rückführung der auf dem Betrieb gelagerten tierischen Ausscheidungen auf den Boden stellt die Schnittstelle des betrieblichen Stoffkreislaufes dar – die Überführung seines Endes in einen neuen Lebenszyklus, einen Neustart.

Dabei handelt es sich eben NICHT um eine Frage von NPK, sondern um die Frage, wie der Boden bzw. das darin atemberaubend vielfältige Leben genährt, in seinen umfassenden Funktionen gestärkt und unterstützt werden kann, um ihm jene Dynamik zu verleihen, die ihn befähigen, Jahr für Jahr gesunde Pflanzenbestände und ertragreiche Ernten hervorzubringen.
Düngung im Biolandbau – das optimale „Füttern“ des Bodens mit hochwertigen organischen Düngern, vornehmlich hofeigenen Wirtschaftsdüngern, stand von den ersten Bemühungen der Biolandbau-Gründer an im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Um den angestrebten Zielen (aktive Böden, qualitativ hochwertige Kulturen, zufriedenstellende Erträge etc.) gerecht zu werden, stellt sich nach wie vor die Frage nach der Aufbereitungsform, Lagerung und Ausbringung, die mithilft, Bodenfruchtbarkeit zu mehren.

  • Schleppschuhfass mit Traktor © Markus Danner
  • solche Fässer sind zu schwer © Markus Danner
  • Gülleverteiler für Verschlauchungssystem © Markus Danner
  • Gülle Verschlauchungspumpe. © Markus Danner
  • Würziger Kompostgeruch © Promegger
  • Festmist am Feldlager (C) Danner
  • bodenverträgliche Düngertechnik © Markus Danner

Der besondere Wert organischer Dünger:

  • sie schließen Stoffkreisläufe
  • sie bieten ein vielseitiges Nährstoffangebot
  • sind Futter für das Bodenleben
  • liefern Stoffe für die Humusbildung
  • können eine geringere Krankheits- und Schädlingsanfälligkeit der Pflanze bewirken (Humusqualität)
  • sie sind eine betriebseigene Ressource!

Die Biologische Landwirtschaft „lebt“ sozusagen von der optimalen Funktion des Systems Boden↔Bodenleben↔Pflanze.
Eine optimale Bodenfütterung ist für diese Systemfunktion von entscheidender Bedeutung!

Markus Danner

Abstimmung von Nutzung und Düngung

Durch eine intensivierte Nutzung der Wiese kommt es auch zu größeren Entzügen und höheren Umsetzungen im Boden.
Damit dieses System auch langfristig funktioniert, muss die Düngung auf solchen Flächen angepasst werden.
Dabei genügt es nicht, einfach nur die Mistmenge im Herbst zu erhöhen. Es braucht ein gut durchdachtes Düngekonzept. Das Bodenleben benötigt eine regelmäßige Zufuhr von organischer Substanz, um eine intensive Umsetzung und somit ein gutes Graswachstum zu erreichen.
Daher ist bei drei und mehr Schnitten eine einmalige oder zweimalige Düngergabe nicht ausreichend.

Betriebe mit flüssigen Wirtschaftsdüngern können die Düngermengen in kleineren Gaben zu mehreren Terminen auf den Flächen ausbringen.
Festmistbetrieben ist zu empfehlen, Rottemist herzustellen, um auch zwischen zwei Schnitten eine mäßige Gabe verabreichen zu können.

Wird die Düngung nicht an intensivierte Nutzung angepasst, verschlechtern sich Wiesenbestände zwangsläufig und es kommt zu vermehrtem Auftreten unliebsamer Pflanzen. Sowohl zu geringe Düngermengen als auch eine ungleichmäßige Verteilung während des Jahres tragen zu dieser Entwicklung bei.

bodenverträgliche Düngertechnik © Markus Danner
bodenverträgliche Düngertechnik © Markus Danner
ist in der Vegetationsperiode oft im Einsatz!

Eine zu geringe Bodendynamik schwächt in erster Linie die Gräser, die das Gerüst einer jeden Wiese darstellen.
Gehen diese langsam zurück, entstehen Lücken, die dann von anderen Pflanzen, wie in erster Linie von der Gemeinen Rispe besiedelt werden.

Alle diese Erscheinungen sind nicht spezifisch für den Biobetrieb. Sie werden deshalb ausführlich abgehandelt, weil der Biobetrieb im besonderen auf seine eigenen Ressourcen wie eben die Erträge seines Grünlandes angewiesen ist, und allfällige Korrekturen fehlentwickelter Bestände deutlich zeitraubender und schwieriger sind.
Biologische Landwirtschaft muss und will ohne chemische Eingriffe, bestenfalls auch ohne bodenbewegende technische Eingriffe die Grünlandbestände ertragreich erhalten.

Düngung und Nutzung sind untrennbar miteinander verbunden. Die Optimierung dieser beiden Elemente ist für eine langfristig erfolgreiche Nutzung der Wiese entscheidend.

Walter Starz
Markus Danner