Der Nebenerwerbsbauer – gewinnt der Bauernhof wieder an Bedeutung?

Als landwirtschaftlicher Berater, der beruflich auf Bauernhöfen zu tun hat, bin ich häufig mit Auswirkungen des „Strukturwandels“ konfrontiert.
Ein Bauer zeigt auf Bauernhäuser in der Umgebung: „Da hat man aufgehört, der dort drüben schon länger, der dort wird nächstes Jahr aufhören…“ In vielen Gegenden ist das so.
Noch häufiger wird auf den Umstand verwiesen, dass alle (Familienmitglieder) einer Arbeit nachgehen, die Landwirtschaft wird halt noch auf Schmalspur weiterbetrieben, dem Erhalt des Erbes wegen oder so. 

Da macht es schon Freude, wenn eine Biobäuerin, wie letztens, stolz ihren umgebauten und arbeitsfreundlich adaptierten Stall für 15, 16 Kühe zeigt und Wert auf die Tatsache legt, dass sie sich damit ihren Arbeitsplatz zu Hause sichert.
Ja! Genau. So sollte es doch sein.

Jetzt ist sie da – die Krise. 
Eine Krise, in der die Routinearbeit für Abertausende nicht möglich ist, weil die Betriebe geschlossen werden mussten. Beim Schreiben dieser Zeilen nicht absehbar, wann wieder geöffnet.

Seltsame, völlig ungewohnte Gedanken schleichen sich ein. Beschleichen sie diejenigen vielleicht auch, die erzählen, dass z.B im Pongau sowieso alles vom Tourismus lebt – ob einer von den Kindern das „Sacherl“ daheim weiterbetreibt – wohl eher nicht.
Oder jene Bauernfamilie, die sich erst kürzlich entschlossen hat, ihre beiden kleinen Landwirtschaften im Flachgau zu verpachten. Die Freizeit vom Haupterwerb ist dann eben auch Freizeit, nicht Zweitjob. Ja, das stimmt.
Was aber ist schiefgelaufen, dass junge und ältere Bauern und Bäuerinnen zur Erkenntnis gelangen mussten, dass sie es besser lassen. Das mit der Landwirtschaft.
Wir alle wissen es. Der Preis, die Wertschätzung, die dich verschlingende Bürokratie, die Arbeitsbelastung, die Kosten. 

soll ich in der Landwirtschaft leben oder soll ich nicht? – fragen sich viele junge Leute

Jetzt, wo viele zuhause sitzen, vielleicht sogar auf dem Sacherl der Eltern, schon verpachtet oder noch in Tagesrandzeiten und Wochenendarbeit bewirtschaftet, könnte aber die Wertschätzung für das Eigene, – für die einem auf Zeit anvertraute Mutter Erde eine Renaissance erleben.

Auf den Bauernhöfen wird unbeirrt die Arbeit fortgesetzt. Die Tiere scheren sich keinen Deut um die Krise. Das hat möglicherweise auch etwas Beruhigendes für die betreuenden Menschen an sich.
Von den Tieren kann man sich etwas abschauen. Nämlich – worauf es wirklich ankommt.
Es kommt darauf an, dass die fundamentalen Dinge funktionieren, auch wenn’s schwierig wird. 
Unser hochgezüchtetes globales Wirtschaftssystem ist nach wenigen Tagen am Boden, wenn’s schwierig wird, das erleben wir gerade hautnah.

Die Landwirtschaft – in der Ökonomie „Primärsektor“ genannt, ist deutlich resilienter. 
Das „Primär“ bezieht sich für mich auf die Hierarchie in der Unverzichtbarkeit.
Mit Landwirtschaft allein funktioniert keine moderne Volkswirtschaft, klar.  Aber ohne?
Diese Wichtigkeit müsste nicht zwingend dazu führen, sich in entsprechenden Gruppen in sozialen Medien selbst zu feiern und teilweise haarsträubenden Unsinn zu verbreiten.

Sie dürfte aber dazu führen, mit Selbstbewusstsein die eigene Rolle in der Gesellschaft zu überdenken. Die eigene Rolle in der Arbeitswelt. Die Rolle des landwirtschaftlichen Familienbetriebes im Gesamtgetriebe.

Die aktuelle Krise zeigt ganz deutlich auf, was viele nie bezweifelten:
Gut vernetzte kleine Strukturen sind widerstandsfähiger als große. Je größer, desto tönern die Füße. So gesehen ist unsere Landwirtschaft ein Paradebeispiel an Resilienz.

Eine zukunftsträchtige Strategie könnte doch sein, Energie dafür aufzuwenden, die landwirtschaftlichen Betriebe zu entwickeln. In eine Richtung zu entwickeln, die sie befähigt, einem Familienmitglied oder mehreren einen Arbeitsplatz „zuhause“ zu sichern.
Das wird nicht überall mit ein paar Milchkühen möglich sein. Dennoch: Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, wenngleich viele Bauern im Grünlandgebiet Landwirtschaft mit Milchviehhaltung gleichsetzen.

Autor unbekannt; Foto Danner

Es wird aber nicht nur einer positiven Grundstimmung der Bauern bedürfen. Die Gesellschaft als Ganzes muss sich entscheiden. Bäuerliche Betriebe leben davon, ihre Produkte gewinnbringend zu verkaufen und für öffentliche Leistungen angemessen bezahlt zu werden. Lange genug hat der Tourismus bäuerliche Kulturlandschaft verkauft, ohne sich vorher  Verkaufsrechte sichern zu müssen. Damit muss jetzt Schluss sein! 

Der Preis des Essens muss seinem Wert entsprechen. Der Preis der Kulturlandschaft dem Aufwand ihrer Instandhaltung.

Dann kann ein 25 Hektar Betrieb ein Familieneinkommen sichern, und für viele Familien Grundnahrungsmittel erzeugen, die selbst in der Krise verfügbar sind.

Markus Danner

Schwefeldüngung auch im Biogrünland?

Zusehends wird Schwefel als ertragsbegrenzender Nährstoff im Grünland diskutiert.
Das geht grundsätzlich mit beinahe jedem relevanten Nährstoff so. Das kann man für gut befinden oder kritisieren, sei’s drum.

In der Biolandwirtschaft ist die Prämisse seit jeher, die Dinge nicht allein stofflich, schon gar nicht Einzel-Nährstoff-bezogen zu betrachten, sondern ganzheitlich.

Das gilt für die NPK Diskussion ebenso wie für pro und kontra Kalkung und – ganz im Trend – eben Schwefel.

Vor bereits vielen Jahren begannen vor allem Biobauern, Steinmehl in die Gülle zu blasen/mixen. Mit dem Ziel, deren Geruchsintensität zu mildern, die Abgasung und somit die Verluste einzudämmen und die Gülle milder zu machen. Durchaus mit Erfolg.

hwk.at
die Feinheit des Materials ist entscheidend

Das blieb nicht unbeobachtet. Plötzlich war es auch en vogue, Kalk in die Gülle zu rühren, sogar Asche. Und neuerdings Schwefel.

Hatte diese Praxis mit Steinmehl (Urgesteinsmehl wie Diabas/Basalt) Sinn, muss ebendieser bei den anderen Materialien bezweifelt werden. Nicht nur bezweifelt – durch tragische Ereignisse wie dem Tod einer Rinderherde im Stall in Tirol Ende 2019- wird aufgezeigt, wie gefährlich es sein kann, eine Idee unreflektiert einfach zu kopieren und unter völlig anderen Voraussetzungen anzuwenden!

Folgende Meldung stammt von der LK Oberösterreich;
https://ooe.lko.at/vorsicht-mit-schwefel-in-gülle+2500+3061532

Schwefel einmischen ist verboten – Lebensgefahr

Einer Initiative der Landwirtschaftskammer Tirol ist es zu verdanken, dass die lebensgefährliche Praxis des Einrührens von Schwefel in Gülle ab sofort verboten ist – es besteht nämlich akute Lebensgefahr.

Es war bisweilen Praxis, dass eine Schwefeldüngung über das Zumischen von elementarem Schwefel zu Gülle erfolgt ist.

Dabei kommt es im Zuge des Einrührens zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H2S). Bis zu einer Konzentration von 200 ppm ist Schwefelwasserstoff ein stechend riechendes Gas; bei Konzentrationen darüber werden die Geruchsnerven gelähmt und ab Konzentrationen von 700 ppm ist Schwefelwasserstoff tödlich.

Worin liegt der Unterschied?
Steinmehl, auch Tonminerale, Zubereitungen von Mikrobenkulturen, neuerdings Pflanzenkohle, haben die Eigenschaft, durch ihre hohen spezifischen Oberflächen mit freien Stoffen in der Gülle in Wechselwirkung zu treten. Sie anzulagern. Dadurch erkennt unsere Spürnase weniger flüchtige Partikel in der Luft, wenn solche Güllen gerührt oder ausgebracht werden. Dadurch bleibt mehr Schwefel, mehr Stickstoff in der Gülle, – dort, wo wir das haben wollen.

Andere Zusatzstoffe, – wie Asche, Kalk, Schwefel – reagieren in der Gülle teilweise chemisch. Dadurch entstehen zusätzlich Gase (Ammoniak, Schwefelwasserstoff, evtl. Methan..), die Verluste steigen statt sie geringer werden. Der einzige Vorteil: Die Ausbringung des Düngers geht mit der Gülle (automatisch) mit.

www.giglberg.net
Das berühmte “Liebig-Fass”:
es wird immer eine Daube die kürzeste sein!

Es ist also von entscheidender Bedeutung, vor dem Einsatz irgendeines Zusatzstoffes in Hofdüngern sich zu fragen:
Aus welchem Grund?
Mit welchem Ziel?
Was sind die Alternativen?

Wir sind mit unserer Methodik im Biolandbau auf einem guten Weg. Viele Biobauern sind Forscher aus Leidenschaft. Das führt dazu, dass unsere Methodik weiterhin eine Vorwärtsentwicklung erfährt. In Zusammenarbeit mit Forschung und Beratung.
Sich daran anzuhalten, dieses Wissen bei der Beratung auch abzuholen, ist das Gebot der Stunde. Auf dass sich Ereignisse wie oben zitiert vermeiden lassen, dass die Ressourcen der Betriebe im Betriebskreislauf bleiben, die Umwelt von Immissionen geschützt und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe verbessert wird.

Und Schwefel – ja, Schwefel braucht’s dann, wenn objektiv festgestellt wird, dass’s Schwefel braucht. Sonst nicht.

Markus Danner

Titelbild: salzburger-lagerhaus.at

Bio Standards – notwendiges Übel

Bio Standards und bio-bäuerliche Identifikation

Richtlinien, Auflagen, Verbote, Verpflichtungen, Beschränkungen, Vorgaben, Kontrollen. 

Wem hängen sie nicht zum Hals raus.
Die Biobauern müssen sich damit auseinandersetzen, seit es Regelungen gibt.

In der Pionierzeit waren es selbst auferlegte Rahmenbedingungen, mithilfe derer das System BIO definiert wurde. Bald musste und wollte man sich aber gegen Trittbrettfahrer und sonstige Möchtegerne schützen und die Sache wurde „amtlich“.
Nebenbei bemerkt, die Trittbrettfahrer und Möchtegerne sind seither leider nicht weniger geworden.

Der Zusammenschluss zur Interessensgemeinschaft

Zur Verfolgung gemeinsamer Ziele wurden und werden Vereine gegründet. So auch bei den Biobauern. BIO AUSTRIA ist das Ergebnis von Zusammenschlüssen biobäuerlicher Organisationen. 

Als solches kümmert sich der Verein um verschiedenste Belange wie z.B. den Aufbau eines Wiedererkennungswertes – in Gestalt des BIO AUSTRIA Zeichens. Auf Höfen, Produkten, Vermarktungseinrichtungen, bei Partnern und in Medien stößt man darauf und erkennt österreichische Biolandwirtschaft wieder.

Wir Biobauern und -bäuerinnen – Eine Marke

In den Aufbau einer Marke investieren Unternehmen Millionen.
Die Marke „BIO AUSTRIA“ hat nicht soviel gekostet. Ist sie den Biobauern vielfach deshalb so wenig wert?  Mit ungläubigem Staunen kann und muss vielerorts festgestellt werden, wie die Gemeinschaftsleistung „Markenbildung“ und ein in ganz Österreich und darüber hinaus wohlbekanntes Markenzeichen,  von Mitgliedsbetrieben ignoriert wird. 

Starke Marke? ja, wenn sie genutzt wird!

Jede/r kann davon profitieren, jede/r stärkt mit seiner Präsenz als BIO AUSTRIA Bauer und Bäuerin das Ganze. Es ist ein Geben und Nehmen in Einem.

Marken geben Sicherheit. Kauft ein Kunde auf dem Wochenmarkt an einem BIO AUSTRIA gekennzeichneten Stand BIO AUSTRIA gekennzeichnete Produkte, erinnert er sich daran, wenn er nächstens im Supermarkt ein Milchpackerl mit BIO AUSTRIA Logo oder ein sonstiges Produkt kauft. Das Eine wird mit dem Anderen assoziiert. So wird die Marke sukzessive stärker.

Die Realität zeigt oft ein anderes Bild. „Eigene Süppchen kochen“ ist aber noch kein Marketingkonzept. 

Flucht vor klaren Absagen an Konventionalisierung

Bio Austria hat zahlreiche Mitglieder verloren.
Durch das Verbot des elektrischen Kuherziehers meinten viele, dieser wäre ihnen wichtiger und verließen den Verein.
Durch die Beschränkung des Kraftfuttereinsatzes auf ein argumentierbares Maß stiegen einige aus. Bio sind sie geblieben.
Durch die BIO AUSTRIA-eigene Weideregelung ergriffen Betriebe die Flucht. BIO sind sie geblieben. Die EU Bio-Verordnung holt sie nun wieder ein.

Seit zwei, drei Jahren ist eine deutsche Düngemittelfirma aggressiv auf dem österreichischen Markt aktiv. Mit Hochglanzprospekt und unwiderstehlichen Produkten und Versprechungen. Schwefel wird künftig unsere Probleme lösen, so der Tenor.
Und auch da gibt es Betriebe, die mit dem Verlassen des Vereins liebäugeln, noch bevor sie sich erkundigt haben, welche Alternativen innerhalb des BIO AUSTRIA Standards zur Verfügung stünden.
Nach kurzer Recherche konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die stickstoffhaltigen Dünger dieser Firma Melassehydrolysat aus China beinhalten.
So wird BIO sicher zum Verkaufsschlager, wenn wir diesen Industrie-Dreck vom Weltmarkt auf unsere Felder streuen!

Nur ein bäuerlicher Bio-Standard schützt vor solchem Unsinn!

Die Beispiele zeigen auf, dass BIO auf nicht ungefährlichen Pfaden wandelt. Sie zeigen auch, dass der BIO AUSTRIA Standard einen tatsächlich großen Mehrwert zu „EU-Bio“ darstellt, weil sich der Verein mit seinem Regelwerk gegen die Konventionalisierung im Dünge-, Pflanzenschutz- und Tierhaltungsbereich stellt. Weil BIO AUSTRIA die Glaubwürdigkeit des Biolandbaus schützen und erhalten will. Trotz Widersprüchlichkeiten im eigenen Haus.
Diese Interessen hat sonst niemand. Dessen sollten sich die Biobauern bewusst werden. Und dann entscheiden, welcher Weg der zukunftsträchtigere sein wird.

Bodenbeurteilung am Acker © Bio Austria
Zusammenarbeit bringt uns weiter, nicht Eigenbrötlerei.
Bodenbeurteilung am Acker © Bio Austria

Rahmenbedingungen müssen definiert und eingehalten werden. Um sie so verträglich wie möglich umsetzen zu können, hat BIO AUSTRIA seinen Servicedienst für die Mitgliedsbetriebe in mehreren Bereichen aufgebaut.
Gemeinsam finden wir jedes Betriebsmittel, das wir brauchen, jede Zutat, jedes Produkt. 

Es wird wohl notwendig sein, wieder auf eine klarere Linie zurückzukehren. Die Handelsmarken Standards sind ein Flickwerk, in dem der Eine den Anderern sektoral übertrumpfen will. Der Blick aufs Ganze bleibt dabei trüb. Der EU Bio-Standard ist zu löchrig. Nahezu jede Molkerei unterschreibt bei einem anderen Abnehmer eine andere Vorgabe. Einen gemeinsam gültigen Standard bietet den Biobauern nur der einzige bäuerliche Standard. Und das ist in Österreich jener von BIO AUSTRIA. 

Wenn es uns gelingt, das in unser Verständnis von Biolandwirtschaft zu implementieren, können wir vorwärts marschieren. Wie es z.B. mit Sparprojekten kürzlich gelungen ist.
Dazu ist ein Blick über den eigenen Tellerrand vonnöten.

Markus Danner
Sebastian Herzog

Böden klimafit machen

Wie können wir Äcker, Grünland, Böden klimafit machen? Diese Frage wird immer wieder gestellt, eine eindeutige Antwort darauf ist schwer zu finden. Denn: Ohne Wasser (von oben) ist alles umsonst.

Dennoch zeigen landwirtschaftliche Flächen bei jedem nennenswerten Niederschlagsereignis ihre Not auf: Sofort bilden sich kleine oder große Lachen. Wegen 20 oder 30 Liter Regen in einigen Stunden? Der Boden müsste das doch gierig aufsaugen, bei dem vorhandenen langfristigen Niederschlagsdefizit seit Monaten.

lw. Boden infiltriert immer weniger Niederschlagswasser © Markus Danner, BIO AUSTRIA

Er tut es aber nicht. Viel vom segensreichen Nass läuft in Gräben, hangabwärts oder sammelt sich in Senken.
Einige Tage trockenen Wetters, und die Erde scheint sich schon wieder nach Regen zu dürsten. Wie ist das möglich?

Böden brauchen Struktur!

Ein krümeliger, humoser Boden könnte theoretisch sogar 150 Liter Regen aufnehmen, wenn er die entsprechende Stabilität hat.

Diese Stabilität wird durch Lebendverbauung erreicht. Lebendverbauung ist die Strukturbildung von porösem Bodengefüge durch Mikroorganismen und Bodentiere. Da ist vor allem der Regenwurm zu nennen.

Das Gegenteil passiert bei unvorsichtiger Bewirtschaftung. Hohe Düngergaben (v.a. Gülle, Jauche, wasserlösliche Handelsdünger) überschwemmen Boden einseitig mit Nährionen, die die genannte Lebendverbauung schädigen, auf Dauer zerstören. Wiederholte Überfahrten mit schweren Maschinen (besonders bei zu feuchten Verhältnissen), zerstören das Porenvolumen, der Boden wird dichter, kann weniger Wasser aufnehmen und trocknet schnell wieder aus. Das Aufsteigen von Kapillarwasser aus dem Untergrund wird ebenso erschwert, wie die Bildung von Grundwasser in die andere Richtung.
Eine Kettenreaktion ungünstiger Eigenschaften und Wechselwirkungen.

So unterschiedlich ist Boden: können im linken Beispiel Unmengen Wasser infiltrieren, ist der Maisacker rechts dicht!

Wenn die langen trockenen Witterungsphasen in den kommenden Jahren anhalten, und davon ist auszugehen, wird es spannend, wie wir es schaffen, die Speicherkraft der Böden wieder zu erhöhen. Denn davon wird es abhängen, mit welchen Kulturen zukünftig welche Ernten erzielt werden können.

Markus Danner

Weidehaltung für Wiederkäuer auf Biobetrieben

Aktualisierung vom 20.01.2020

Im heurigen Jahr sind für den Weidebetrieb auf Biobetrieben folgende Mindestanforderungen gegeben:

2020 müssen alle Betriebe Weide einrichten.
Vom Umfang her sieht es folgendermaßen aus:

Jeder tierhaltende Bio-Betrieb muss mindestens
1 GVE pro Hektar weidefähiger Fläche oder zumindest 50 % des Tierbestandes weiden.
D.h. z.B.:
Betrieb mit 35 ha Grünland, davon 28ha weidefähig (=nicht staunass, nicht über 25% Steilfläche!)
40 GVE Raufutterverzehrer;
Für mindestens 28 GVE ist Weidehaltung umzusetzen.

Achtung! Es müssen nicht 28 Hektar beweidet werden!!

Weidefähige Fläche (Zahl in ha) = Grünland minus nicht weidefähiger Fläche  plus 20% Ackerflächen
(Anmerkung: AckerFutterflächen können nicht abgezogen werden)

Zusätzlich muss jeder Betrieb bis zum 30. Juni einen Weideplan erstellen und die Weidehaltung dokumentieren.
Für diesen Weideplan wird derzeit an einer Vorlage gearbeitet, um sie rechtzeitig den Mitgliedsbetrieben zur Verfügung stellen zu können.

Meldungen, z.B. im “Fortschrittlichen Landwirt” von Jänner 2020, dass BIO AUSTRIA Betriebe 180 Tage weiden müssen, sind Unsinn und entbehren jeder Grundlage.

Version vom 12. Dezember

Jetzt müssen wir nachbessern!

Vor wenigen Wochen erhielten alle Biobetriebe mit raufutterverzehrenden Tierarten einen Brief mit „Sonderinformation“ zum Thema Richtlinienänderungen, -verschärfungen vordergründig für den Bereich Weidehaltung für Wiederkäuer auf Biobetrieben. Weitere Punkte betreffen Enthornung und andere Eingriffe am Tier sowie Überdachung von Ausläufen (v.a. Kälberausläufe).

Gründe für dieses Anschreiben sind Aufforderungen der zuständigen EU-Behörden an Österreich, in den beanstandeten Bereichen (nach erfolgtem Audit 2017) Anpassungen vorzunehmen.

Für diese Anpassungen sind keine „Übergangsfristen“ vorgesehen, weil aus Sicht der EU-Kommission keine neuen Regelungen eingeführt, sondern bestehende nicht umgesetzt wurden.

Aus heutiger Sicht kann festgehalten werden: Ab dem kommenden Frühjahr werden alle Biobetriebe mit Raufutterverzehrern Weideflächen bestoßen müssen.

Bestätigungen und Protokolle bezüglich Ausnahmen von der Weidehaltung nach BIO AUSTRIA-Richtlinien, die wir ausgestellt haben, sind hinfällig!

Weidealtung für Wiederkäuer auf Biobetrieben

Die Aussichten, das politisch irgendwie „zu richten“, sind nicht gegeben.
Es wird voraussichtlich noch Wochen, u.U. bis ins Frühjahr hinein dauern, bis wirklich Klarheit darüber herrscht, welche rechtlichen Details festgehalten worden sind und umgesetzt werden müssen.

In der Bio-Verordnung steht aber in Artikel 14 auch unmissverständlich, dass Weide dann anzubieten ist, wenn „…die Witterungsbedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben,…“

Das heißt, wir sind auch in Zukunft nicht gezwungen, nasse Grünlandbestände durch Viehtritt umzugraben und zu zerstören. Und auch nicht, die Kühe an Tropentagen der prallen Hitze auszusetzen.

Lösungen mit Hausverstand sind gefragt und die werden wir finden.
Weidehaltung erfordert ganz generell die Beschäftigung mit pflanzenbaulichen, fütterungstechnischen und züchterischen Fragen.

BIO AUSTRIA und das Bio-Institut Raumberg-Gumpenstein tun das, wie viele Biobetriebe auch, seit über 10 Jahren.
Wir werden darin nicht nachlassen dürfen, denn dass Weidehal- tung zukünftig ein fixer Bestandteil der Biotierhaltung sein wird, steht unter dem Eindruck der aktuellen rechtlichen Entwick- lung – mehr denn je – außer Zweifel.

In welchem Bereich auch immer Unterstützungsbedarf erwächst, stehen wir selbstverständlich jederzeit helfend zur Seite. Einfach anrufen, wenn gewünscht und erforderlich, sind wir auf den Betrieben vor Ort!

Kälberstall an der frischen Luft. © Markus Danner
Kälberstall an der frischen Luft. © Markus Danner

Auslaufflächen müssen den Charakter von Freigelände aufweisen

Dieser Beitrag wird aktualisiert, sobald neue Fakten vorliegen.

Landwirtschaft und Klima

Landwirtschaft und Klima

Die Landwirtschaft (mit der Jagd) war lange Zeit jenes Gewerbe, jener einzige Berufstand, der von sich behaupten konnte, einen Netto-Energieüberschuss zu erwirtschaften. Das gelang mithilfe grüner Pflanzen und des Sonnenlichts, mit dem die Pflanzen Kohlendioxid zu Kohlenhydraten aufbauen und speichern. Graser, also vor allem Wiederkäuer, transformieren ihrerseits grüne Pflanzen und Konserven daraus in Lebensmittel, mithilfe derer sich aus einem Haufen Wilder Zivilgesellschaften formen konnten.
Landwirtschaft und Klima waren und sind dadurch eng miteinander verflochten.

Aus dieser Position und aus diesem Selbstverständnis heraus wäre die Landwirtschaft in Bezug auf die CO2Problematik tatsächlich die Lösung.

Diese Zeiten sind aber längst vorbei.

Beharren landwirtschaftliche Funktionäre zwar immer noch darauf, nicht Teil des Problems, sondern der Lösung zu sein, bleiben sie den geringsten Beweis schuldig. Denn, die Landwirtschaft ist schon lange zu einem Netto-Energieverbraucher großen Stils geworden.

Das hat viele Gründe – politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, zeitgeistige. 

„Die Bauern“ allein waren es nicht, sondern unser aller Art zu leben, zu konsumieren, beim Falschen zu sparen, zu rationalisieren und zu verbilligen.

Es wird nicht funktionieren, darauf zu warten, dass „die Politik“ den CO2 Ausstoß verringert. Die Politik wird das nicht können. CO2 Ausstoß wird dann verringert, wenn wir alle weniger Öl, Diesel und Benzin, weniger Kohle und Gas verbrennen. Punkt. (Und wenn wir es nebenbei nicht zulassen, dass die Welt von Verrückten regiert wird, z.B. Brasilien und etwas weiter nördlich, etc.).

Heuernte. © Markus Danner
Heuernte. © Markus Danner
Sonnenblumen blauer Himmel © Bio Austria
Kraft der Sonne © Bio Austria

Die Landwirtschaft muss zurück zum Netto-Energie-Überschussproduzenten! D.h. nicht „zurück auf die Bäume“, aber zurück zu verträglicher Technik, zur Kraft der Sonne, zum Vermeiden des Vermeidbaren. Das heißt mutig Landwirtschaft neu denken.

Markus Danner

Bodenpraktiker Grünland – Der ultimative Lehrgang für potenzielle Bio-Profis

Wer Bio-Wiesen und Bio-Weiden erfolgreich und dauerhaft bewirtschaften will, kommt fast nicht vorbei, am
Bodenpraktiker Grünland – Der ultimative Lehrgang für potenzielle Bio-Profis!

Als Absolvent dieses Lehrganges kannst du die Pflanzengesellschaften auf deinem Grünland bestimmen. Du kannst Förderungswürdiges von Unerwünschtem unterscheiden.

Du kennst die natürlichen Standorte deines Betriebes.
Dadurch kannst du deinen verschiedenen Böden und Feldstücken die geeignetsten Wiesen- oder Weidenutzungen zuordnen.
Dadurch bist du in der Lage, die Bewirtschaftung deines Betriebes auf Grundlage der natürlichen Gegebenheiten und der vorhandenen Düngermengen zu planen und standortgerecht  umzusetzen.

Du hast KollegInnen um dich, mit denen du dich austauschst, und von denen du viele Eindrücke und Erkenntnisse mit nach Hause nimmst!

Inhalte:

Bodenfruchtbarkeit; Umgang mit Wirtschaftsdüngern, Bodenanalysen, abgestufte Grünlandnutzung
Pflanzenbestimmung; Wiesen- und Weidemanagement, Bestandeslenkung  und einiges mehr!

Interesse?
Frag jetzt gleich nach bei BIO AUSTRIA in deinem Bundesland!


Bodenpraktiker Grünland – der Lehrgang

BioLa Neu – BIO modern präsentiert

Die Info-Seite zum Biolandbau in neuem Kleid

Nach 6 oder 7 Jahren bekommen Online-Auftritte einen langen, weißen Bart. Ein Relaunch ist unausweichlich.
Darum haben wir unsere Wissensseite zum Biolandbau, biola.at, neu gestaltet, neu konzipiert und sind überzeugt, so können wir BIO modern präsentieren.

Dabei sind wir einen anderen Weg gegangen als mit der Vorgänger-Seite. Sie wurde damals mit Fördergeldern kreiert. Als die Mittel versiegten, war die Frage, was nun? Wer kümmert sich jetzt drum?
Durch diesen Umstand wären die mühsam von mehreren Autoren zusammengetragenen Inhalte fast verloren gegangen.

Für die aktuelle Seite stand unser letztlich gelungenes Bemühen, eine Handvoll Partner ins Boot zu holen, die durch ihre Unterstützung den Relaunch und laufenden Betrieb dieser Seite ermöglichen.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen sehr herzlich für das Engagement bedanken!
Sie alle haben direkt oder indirekt mit Biolandbau zu tun. Es handelt sich dadurch bei ihren Auftritten hier nicht um schnöde Werbung, sondern konkret um Angebote für BIO-, Fairness- und Umweltinteressierte!
Unsere Partner sind im Durchlaufbanner am Fuß jeder Seite zu finden.

Die Intention der Seite ist es, Biobauern oder solchen, die es werden wollen, Konsumentinnen und all jenen in der Gesellschaft, die sich für die Grundlagen des irdischen Seins, für ihre Umwelt und ihre Ernährung interessieren, kompakte Informationen auf fachlicher und nicht-fachlicher Ebene zur Verfügung zu stellen.

Um Interessensgebiete einzugrenzen, sind über die Menüs entsprechende Filter gesetzt. So findest du die Beiträge deines Interesses!

Du kannst dich ebenso fachlich über verschiedene Zweige der Biolandwirtschaft und Bio-Tierhaltung informieren wie einen Überblick über globale Zusammenhänge verschaffen u.v.m.

Aber es bedarf keiner Gebrauchsanleitung – einfach der Nase nach!

Wir werden inhaltlich am Ball bleiben und euch laufend und aktuell mit BIO Betreffendes versorgen.
Dabei wird der Anspruch sein und bleiben, “Aufs Ganze zu schauen.”
Abonniert diesen Blog (ganz unten!), den Newsletter oder folgt uns auf Insta, FB oder Twitter.
Wir freuen uns natürlich auch über aktives “Teilen”, eure Kommentare und “Likes”!
Viel Spaß als Power-User von biola.at und den verknüpften Sozialen Medien!

Markus Danner

Die Bio-Beratung

Sich “beraten” lassen? Das heißt doch, dass jemand etwas weiß, was ich nicht weiß, oder? Mag ich das? Will ich das? Die Bio-Beratung soll mir etwas nützen? Ich weiß doch selbst am besten, was ich tue, oder?

Die große Herausforderung in der biologischen Landwirtschaft, und nicht nur dort, ist eine ständige Verbesserung der Produktionsprozesse, die auf Entwicklungen in der Praxis und auf Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung beruhen.

Entwicklungen in der Praxis gehen nicht voran, wenn sie sich neuen Impulsen verschließt.

Die Bio-Beratung will genau hier ansetzen: Die Praktiker durch setzen neuer Impulse dabei unterstützen, ihre Praxis so weiterzuentwickeln, dass daraus mehr Qualität, gerne auch mehr Ertrag, mehr Lebensqualität, mehr Tierwohl, mehr “Bio”, mehr Biodiversität, mehr Freude am eigenen Tun erwachsen kann.

Die Bio-Beratung ist Vermittler

BIO AUSTRIA versteht sich auch als Vermittler zwischen Praxis und Forschung und sorgt mit vielfältiger Bildungs-, Informations- und Beratungstätigkeit für intensiven Austausch von Wissen, neuen Erkenntnissen und Erfahrungen. 

BIO AUSTRIA ist der Verein der Biobauern und unterstützt seine Mitglieder über die Bio-Beratung hinaus mit einer langen Liste von Serviceleistungen:

hier drin steht`s ! klicken
  • Angebot von Weiterbildungsveranstaltungen auf Bundes- und Länderebene
  • Entwicklung und Durchführung von Qualifizierungsprojekten wie Bodenpraktiker, Weide-, Kuh-, Ziegen- oder Naturschutzpraktiker
  • Diese und die BIO AUSTRIA Website mit Infos über soziale Medien
  • Print: Herausgabe der BIO AUSTRIA Zeitung sowie den LandesmitgliederInfos mit Fach- und Marktthemen
  • Servicestelle für Bio-Bauern/Bäuerinnen
  • Nachfrage schaffen durch Kooperationspartner in Gewerbe und Dienstleistung
  • Nachfrage schaffen durch Öffentlichkeitsarbeit (Print, Rundfunk, Online, Events, Veranstaltungen, Schaubauernhöfe etc.)
  • Interessensvertretung und Lobbying in den Bereichen Markt, Richtlinien, GAP, Kontrolle und Zertifizierung, u.v.m.
kennen, was wächst! © Markus Danner
kennen, was wächst! © Markus Danner

Beratungsangebote in (fast) allen Betriebszweigen

Hier findest du den Berater deines Vertrauens!

Pflanzlicher Bereich:

Grünlandwirtschaft
Ackerbau, Kartoffelbau
Gemüsebau
Wein- und Obstbau

Tierischer Bereich: 

BIO Rinderhaltung
Schweine- und Geflügelhaltung
Schafe und Ziegen
Imkerei

Bio-Markt, Vermarktung

Direktvermarktung: Präsentation und Produkt-Etikettierung etc.

Prozess- und Entwicklung:

Betriebs-Strategieentwicklung: Betriebliche Standortbestimmung, 

In Summe arbeiten österreichweit rund 60 Personen (auch teilzeit) in der Bio-Beratung. 
Sie sind bei BIO AUSTRIA und/oder bei den Landwirtschaftskammern beschäftigt.

Bio und die Biene – sind Zwillinge

Bio und die Biene – Warum Bio Imkerei?

Weil Bio und die Biene zusammengehören.
Seit ca. hundert Jahren versucht man aus den Honigbienen Haustiere zu machen. 
Das funktioniert nicht, die Bienen sind und bleiben Wildtiere und es ist damit entsprechend umzugehen.

„Die Bienen schenken dem Menschen Honig und duftendes Wachs, aber was vielleicht mehr wert ist, als Honig und Wachs: sie lenken seinen Sinn auf den heiteren Junitag, sie öffnen ihm das Herz für den Zauber der schönen Jahreszeit, und alles, woran sie Anteil haben, verknüpft sich in der Vorstellung mit blauem Himmel des Sommers, die Uhr der Stunden des Überflusses, der schnelle Flügel der aufsteigenden Düfte, der Geist und Sinn des strömenden Lichtes, das Lied der sich dehnenden ruhenden Luft, und ihr Flug ist das sichtbare Wahrzeichen, die deutliche musikalische Note der tausend kleinen Freuden, die von der Wärme erzeugt sind und im Lichte leben. Sie lehren uns die zarteste Stimme der Natur verstehen, und wer sie einmal kennen und lieben gelernt hat, für den ist ein Sommer ohne Bienensummen so unglücklich und unvollkommen, wie ohne Blumen und ohne Vögel.“ 
aus “Das Leben der Bienen” von Maurice Maeterlinck

Die Bienen würden eigentlich immer alles richtig machen!
Der Mensch, als ihr Betreuer kann ihnen manchmal helfen, muss aber scheinbar erst lernen, sie nicht in noch größere Schwierigkeiten zu bringen.
Eine sensible Beobachtung und zurückhaltender Umgang bei der Betreuung ist ein Gewinn für beide Seiten.
Die Imkerschaft wundert sich derzeit über die immer stärker und aggressiver werdenden Bienenschädlinge und Bakteriosen.
Es wird offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen, dass zum Teil die Medikamentenanwendung der letzten 30 Jahre die Ursache dafür ist. 
Durch gut gemeinte Anwendungen ist z.B. die Varroamilbe regelrecht „gezüchtet“ worden.

Dazu kommen noch die Probleme, die durch die intensive Landwirtschaft für die Bienen bestehen.
Die Bio-Bienenhaltung versucht hier mit einigen umsichtigen „Rückschritten“ zumindest eine Stagnation der laufenden Degenerierung auf den Weg zu bringen. Denn Bio und die Biene passen zusammen.
In erster Linie geht es um die Bienen und dann um die daraus entstehenden Produkte!

„Die Imkerei ist eine der schönsten Beschäftigungen, die ich kenne:
in der warmen Jahreszeit  die Arbeit mit den Bienen und die Honigernte,
in der anderen Hälfte des Jahres die Erstellung und Reparatur  der Betriebsmittel. Das ergibt eine zeitliche Abwechslung, die immer voller Spannung bleibt“.

Hans Rindberger