Bio ist Regional!

Bio und Regional ist optimal – Saisonal ist erste Wahl!

Bio ist regional. Vor Ort produziert, vor Ort genossen.
Alleine die Lebensmitteltransporte haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, vor allem steigen die Transporte durch LKWs, nur wenig wird Klima schonend mit Bahn, Binnen- und Hochseeschiffen transportiert. Besonders wichtig wäre die Vermeidung von Flugtransporten, die bei sensiblem Obst und Gemüse, besonders außerhalb der Saison durchgeführt werden. Erdbeeren zu Weihnachten und Spargel aus Chile sind die Beispiele, die wir alle kennen.

Auch die Produktion im Freiland statt im beheizten Glashaus trägt erheblich zum Klimaschutz bei: Die Produktion im beheizten Treibhaus braucht bis zu 60x mehr Energie, zum Heizen dienen meist fossile Brennstoffe. Im Biolandbau darf das Glashaus nur sehr eingeschränkt beheizt werden und dann nur mit nachwachsenden Rohstoffen.

Das heißt also für jeden von uns: Bio und Regional ist optimal, Saisonal ist erste Wahl! Essen im Jahreslauf bietet über den Klimaschutz hinaus außerdem Abwechslung, intensiven Geschmack, wertvolle Inhaltsstoffe und Frische.

Finanzieller Stellenwert der Ernährung

Der Anteil der Ausgaben eines Haushalts für Ernährung haben sich in den letzten Jahrzehnten drastisch reduziert. Waren es 1950 noch 50 % , 1970 noch 30 %, so sind es momentan nur mehr ca. 12-13 %. 

Im Vergleich:
1 kg Katzenfutter kostet bis zu 3 x so viel wie 1 kg Tafelstück vom Bio-Rind.

Susanne Maier/Manuela Hager

Bio isst besser! Biolandbau ist die Basis für gesunde Ernährung

Biolandbau ist die Basis für gesunde Ernährung

Unsere Gesundheit wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst – unter anderem von der Ernährung, unserer Umwelt und der Qualität der Produkte, die wir zu uns nehmen.
wenn wir wissen, dass Gesunde Lebensmittel
-gesunden Boden
-gesunde Pflanzen und folglich
-gesunde Tiere bedingen, dann ist klar, dass nur Biolandbau die Basis für gesunde Ernährung sein kann. Denn BIO isst besser.

Studien bestätigen Vorteile von Biolebensmitteln

Zahlreiche unterschiedliche Studien konnten bisher zeigen, dass sich Bio-Produkte in ihrer Qualität positiv von konventionellen Vergleichsprodukten unterscheiden. Neben rein chemisch-analytischen Untersuchungsmethoden wurden auch ganzheitliche Untersuchungsmethoden wie Lichtspeicherkapazität und Abstrahlverfahren von Lebensmitteln eingesetzt. (Biophotonenmessung, Redox-Potentialmessung..)

Bio isst besser …

… durch mehr wertgebende Inhaltsstoffe

  • tendenziell höhere Trockenmassegehalte 
  • tendenziell mehr essentielle Aminosäuren (Getreide, Hülsenfrüchte)
  • tendenziell höhere Gehalte an Vitamin C
  • höhere Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen
  • höhere Haltbarkeit
  • günstigere Fettsäure-Zusammensetzung (Milch, Fleisch)

Bio isst besser…

… durch weniger wertmindernde Inhaltsstoffe

  • geringere Nitratgehalte bei Gemüse
  • geringere bzw. keine Pestizid-Rückstände
  • gentechnikfrei
  • deutlich weniger Lebensmittelzusatzstoffe

Bio von Anfang an?

Gut messbar ist die Auswirkung biologischer Ernährung auf die Qualität der Muttermilch. Milch von Frauen, die sich vorwiegend biologisch ernährten, wies höhere Gehalte von Omega-3-Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf. Die Pestizidbelastung der Muttermilch sank mit dem prozentuellen Anstieg an biologisch erzeugten Lebensmitteln im täglichen Essen der Frau.

Bio isst besser, aber wie ist BIO im Alltag leistbar ?

  • Regional und saisonal einkaufen
  • Frisch kochen statt Convenience
  • Fleisch zugunsten der Beilagen reduzieren
  • Wegwerfmenge überdenken
  • Wasser statt Softdrinks
  • Alkohol und Süßigkeiten reduzieren

    Wert-volles Essen bedarf keiner zusätzlichen Genussmittel!

Wir Menschen können nie gesünder sein, als die Pflanzen und Tiere, von denen wir unsere Nahrung beziehen; 
und wenn wir wirklich heilen wollen, dann haben wir dort anzufangen.
(Dr. Hans Peter Rusch)

Mit der Entscheidung, welche Lebensmittel wir kaufen, bestimmen wir, wie und wo die Lebensmittel produziert werden. Je mehr Menschen Bio-Lebensmittel kaufen, desto mehr Bauern können auf Biolandwirtschaft umstellen.

Roter Paprika mit Basilikum. © Markus Danner
Roter Paprika mit Basilikum. © Markus Danner

Biologisch erzeugte Lebensmittel
sparen in der Produktion CO2, weil chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verboten sind.
Durch humusmehrende Bodenbewirtschaftung im Biolandbau kann zusätzliches CO2 gebunden werden.

Nachhaltiger Ernährungsstil

  • biologisch erzeugte Lebensmittel
  • weniger Fleisch
  • saisonale Lebensmittel
  • regionale Lebensmittel
  • gering bzw. mäßig verarbeitete Lebensmittel
  • umweltverträglich verpackte Erzeugnisse

Susanne Maier/Manuela Hager
(Quelle: A. Velimirov, W. Müller „Ist Bio wirklich besser?“)
(Quelle: Klimabündnis Ö)

Weniger Fleisch und Abfall

Die Universität Kassel-Witzenhausen zeigt in einer Arbeit den wirklich entscheidenden Punkt bei der Frage auf, wie wir in Zukunft globale Ernährungssouveränität erreichen können. Die Studie zeigt die in Deutschland verfügbaren Biomassepotenziale für Energie und Rohstoffe bei flächendeckender Bio-Bewirtschaftung.
Lösen weniger Fleisch und Abfall ein Problem?

Zuerst wurde errechnet, welche Biomasse für Ernährung und Energieerzeugung zur Verfügung stehen würde. Dann wurden Szenarien unterschiedlicher Konsummuster unterstellt, indem zwei Warenkörbe miteinander verglichen wurden: In der ersten Annahme der tatsächliche Warenkorb, wie er sich aus dem tatsächlichen Einkauf der deutschen KonsumentInnen ergibt, und in der zweiten Annahme ein Warenkorb, der auf einer 60%igen Reduktion des Fleischverbrauchs beruht. (Weniger Fleisch und Abfall).

Biofleisch Theke © Markus Danner
Biofleisch Theke © Markus Danner

Das Ergebnis: im zweiten Fall würden 3,7 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zur Verfügung stehen, um Energiepflanzen und weitere nachwachsende Rohstoffe ökologisch zu produzieren. Wenn es uns nicht gelingt, die Ausbreitung des westlichen Lebensstils mit seinem hohen Fleischkonsum, seiner Überernährung und seiner Lebensmittelvernichtung zu verhindern, dann gibt es keine technische Lösung, die den Zusammenbruch des Ernährungssystems verhindert. Das Gleiche gilt für den Fall, dass es uns nicht gelingt, die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage, insbesondere was den Boden und das klimatische Gleichgewicht betrifft, zu stoppen.

Wenn uns allerdings gelingt was gelingen muss, beide Punkte gut zu lösen, dann ist die Biologische Landwirtschaft die Methode der Wahl, mit Hilfe einer konsequenten Ökologischen Intensivierung Welternährungssouveränität kurz-, mittel- und langfristig sicherzustellen.

Reinhard Geßl

Biotiere und Ethik

Tiere haben Bedürfnisse

Biotiere und Ethik sind deshalb eng verwandte, weil an Biobetriebe in punkto Tierhaltungsqualität eine höhere Latte gelegt ist als in Nicht-Label Systemen.

Nutztiere sind weitgehend aus ihrem natürlichen Zusammenhang herausgelöst und durch Haustierwerdung Teil der menschlichen Kultur geworden. Die Tiere in der Landwirtschaft verdanken ihr Leben hauptsächlich dem Umstand, dass wir Menschen ihr Fleisch, ihre Milch oder ihre Eier als Lebensmittel nutzen wollen.

In unserem Kulturkreis sind wir uns weitgehend bewusst, dass sich das Dasein der Nutztiere nicht darin erschöpft, nur für uns da zu sein.

Tiere haben zwar einen Nutz- bzw. Ernährungswert für uns, sie besitzen jedoch immer einen Eigenwert. Das heißt, die Tiere sind mehr wert, als sie uns wirtschaftlich von Nutzen sind. Sie sind empfindungsfähige Wesen. 
Als unsere Mitgeschöpfe sind sie ebenso von der Natur mit einer Vielzahl von Bedürfnissen und entsprechenden Verhaltensweisen ausgestattet.
Sie leiden darunter, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, ihrer jeweiligen Art gemäß zu leben. Auch die Nutztiere wollen nicht nur leben, sie wollen gut leben.

Das bedeutet, dass wir Menschen für die Gestaltung der physischen, physiologischen und instinktangepassten Umwelt zuständig sind. Wir sind dazu verpflichtet, dem Nutztier diese Qualitäten zu garantieren, in Form von tiergerechter Fütterung, Haltung und Zucht.

Die tiergerechte Haltung ist ein Grundwert der biologischen Landwirtschaft. Mit einer tiergerechten Haltungsumwelt nehmen wir Rücksicht auf die Verhaltensbedürfnisse der Tiere und vermeiden so Schäden, Schmerzen und Leiden. Als Gradmesser für eine tiergerechte Haltung stehen Gesundheit und Wohlbefinden. 
Ziel jeder Bio-Tierhaltung muss es sein, dass die Tiere darin gesund bleiben und sich wohl fühlen.

Wer als Tierhalter nicht bereit ist, den Tieren mehr zu bieten als die Quadratmeter-Mindestwerte der EU Verordnung, sollte die Finger von der biologischen Landwirtschaft lassen!
Großbetriebe und Agrar AG´s, die die Bedürfnisse der Handelsriesen und Discounter befriedigen wollen, statt jene der Tiere und Konsumenten, untergraben die Glaubwürdigkeit der gesamten Idee der biologischen Landwirtschaft massiv!

Was ist “artgerecht”?

Artgemäße Tierhaltung ist gegeben, wenn sie sich vorrangig am Verhalten der Tiere orientiert. Unter Verhalten versteht man die Gesamtheit aller Körperbewegungen, Körperhaltungen und des Ausdrucksverhaltens (Lautäußerungen, Körperpflege..) eines lebenden Organismus in seiner Umwelt. 
Das Verhalten umfasst einen angeborenen Teil und einen erlernten Teil.
Die Nutztierethologie, als Wissenschaft zur Erforschung des Verhaltens der Nutztiere, erstellt anhand von Tierbeobachtungen unter natürlichen und semi-natürlichen Bedingungen als auch im Stall das gesamte Verhaltensinventar (Ethogramm) einer Tierart. 
Dadurch kann einerseits Normalverhalten definiert werden, andererseits auch welche Bedingungen (Raumverhältnisse, Strukturen, Einrichtungen, Stallklima, etc.) in einem Haltungssystem herrschen müssen, damit dieses auch tatsächlich ablaufen kann. 
Viele anhand der Nutztierethologie gewonnene Erkenntnisse können heute schon im Stallbau umgesetzt werden.

Quelle: Projekt “Würde der Tiere”, BIO AUSTRIA, 2008

Der Bio-Logo Dschungel

Du kennst dich aus mit den Lebensmitteln deiner Wahl?
Der Durchblick im echten oder missbräuchlichen Bio-Logo Dschungel ist dir sicher?

Gratuliere
es geht nicht allen so!

Wer sicher sein will, ein Bioprodukt zu kaufen, braucht sich aber nicht allzuviel zu merken, aber zwei, drei Logos im Kopf zu behalten ist sicher super!

Das garantiert BIO:

Das grüne EU Bio-Logo muss immer (!!) drauf sein,
das BIO AUSTRIA Logo garantiert dir ein österreichisches Bioprodukt zum hohen bäuerlichen BIO AUSTRIA Standard – dann bist du ganz sicher!


Weitere Logos, die auf vielen österreichischen Bioprodukten zu finden sind:

AMA Biozeichen (rot = Produkt zum überwiegenden Teil aus Österreich)

Du findest auch auf jedem echten Bioprodukt einen Kontrollstellencode, der
AT – BIO – Nummer lautet!
Bei ausländischen Bioprodukten natürlich mit anderem Länderkürzel vorne.

Hier wird Bio-Logo Dschungel Fake produziert:
Das sind einige der Schwindel-Begriffe

  • aus der Region/regional..
  • aus kontrolliertem Anbau
  • aus integrierter Produktion
  • von glücklichen Hühnern
  • aus dynamischer Produktion
  • aus naturnahem Anbau
  • umweltgeprüfte Qualität
  • aus chemiefreier Landwirtschaft
  • aus umweltschonendem Anbau
  • aus Bodenhaltung
  • Vollwertnahrungsmittel
  • direkt vom Bauern
  • Bauernhofgarantie    
  • aus umweltgerechter Landwirtschaft
  • garantiert kontrolliert
  • blablabla
  • blablabla

das hat alles nichts mit “BIO” zu tun, sonst würde nicht auf die BIO Bezeichnung verzichtet!

Augen auf! Bio-Logo entdecken – sicher sein!

BIO ist nichts Exklusives, sondern die Rückkehr zur Normalität!

Markus Danner

Bio und Welthunger

“Welternährung” oder Lebensmittelsouveränität?

Bio und Welthunger – bedingt etwa das Eine das Andere? Mitnichten!
Von welchen Lebensmitteln sprechen wir eigentlich, wenn wir den Bedarf erheben wollen? Sprechen wir nur von den Welt-Grundnahrungsmitteln wie Reis und Weizen oder von einer Gesamtheit der unglaublichen Vielfalt von Pflanzen? Oder nehmen wir auch das „Veredelungsprodukt“ Fleisch dazu, für das wir für 1 kg bereits ca. 7 kg Getreide- und Eiweißnahrung verfüttern haben müssen? Gehen wir weiters davon aus, auch in Zukunft etwa 200 % erzeugen zu müssen, um 100 % konsumieren zu können, weil wir es uns „leisten“ können, weiterhin etwa 50 % der produzierten Lebensmittel auf den Müll zu werfen oder durch mangelnde Möglichkeiten bei der Nachernte verlieren?Aktuelle Studien machen nämlich deutlich, dass am Weg vom Acker/Stall bis in die Haushalte im großen Durchschnitt 50 % der Lebensmittel „verloren“ gehen.

Gehen diese in den armen Ländern tatsächlich durch veraltete und schlecht gewartete Ernte-, Transport- und Aufbereitungstechnik verloren, so werden Lebensmittel in den reichen Ländern aus den verschiedensten Gründen im großen Stil weggeworfen (in Östereich macht dies einen Betrag zwischen ein und zwei Milliarden Euro aus, etwa das Doppelte dessen, was für Bio-Lebensmittel ausgegeben wird).

Anstatt von „Welternährung“ müssen wir in Zukunft von „globaler Ernährungssouveränität“ sprechen und auch in diesem Sinne Lösungen entwerfen und umsetzen. Kann nun die Biologische Landwirtschaft  Ernährungssouveränität eher garantieren als die konventionelle, industrielle Landwirtschaft? Die Bio-Vordenker Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) sowie Felix zu Löwenstein, Vorsitzender des Deutschen Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sagen dazu eindeutig ja!
Ja unter den Bedingungen einer „ökologischen Intensivierung“. Grundbedingung bleibt, dass Bio genügend produktiv ist, um eine globale Ernährungssicherheit angesichts der steigenden Erdbevölkerung sicherzustellen.

Bio und Welthunger – logische Konsequenz?
Studie spricht vom Gegenteil!

WissenschafterInnen der Universität Michigan haben dazu 2007 einen aufschlussreichen Versuch unternommen, wie viele Lebensmittel durch eine low-input, kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden könnten. Die Auswertung untersuchte, welche Nahrungsmengen in zehn verschiedenen Kategorien von Grundnahrungsmitteln durch die Umstellung der Weltagrarfläche auf Biologische Landwirtschaft erzeugt werden könnte. Die WissenchafterInnen gingen davon aus, dass es zwei verschiedene Ausgangspunkte für die Umstellung gibt, je nachdem, welche der beiden Formen von den BäuerInnen derzeit praktiziert wird. Einerseits von einer traditionellen Landwirtschaft kommend, die mangels Zugang oder Kaufkraft ohne Chemie arbeitet, aber die Prinzipien des Bio-Landbaus nicht anwendet. Andererseits von einer industriellen Landwirtschaft ausgehend, die alle Methoden einer „modernen“ Landwirtschaft praktiziert, wie sie von der „Grünen Revolution“ seit 40 Jahren vorangetrieben werden, insbesondere den Einsatz von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel und von gentechnisch verändertem Saatgut.

Das interessante Ergebnis dieser Studie:

Die Umstellung der globalen Nahrungsmittelerzeugung auf Biologischen Landbau würde zu einer Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion um 50 % auf fast 4400 Kilokalorien pro Person und Tag (bei einem Bedarf von 2200 bis 2500 kcal/Person, Tag) führen!

Das Ergebnis ist umso interessanter, als beim Vergleich keine „optimierten“ Systeme, sondern tatsächlich existierende Beispiele gegeneinander abgewogen wurden (Interessensvertreter würden bei Modellen gerne optimierte Annahmen verwendet sehen, doch optimierte Fälle gibt es für beide Anbaumethoden nicht, zu unterschiedlich sind die Bedingungen in jeder Region dieser Erde).

Reinhard Geßl

Bio feeds the world

„Bio kann doch niemals die Welt ernähren!“ Dies ist wohl das klassische Totschlagargument, wenn es um die massive Ausweitung der Flächen des Biologischen Landbaus geht. Die VertreterInnen der Biologischen Landwirtschaft halten dagegen und legen Zahlen vor, die „beweisen“, dass Bio das locker schafft. Allerdings: Wenn die Antwort zur Frage so einfach zu beantworten wäre, dann gäbe es die Diskussion nicht mehr. Zur Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Welternährung braucht es nämlich weniger ein einfaches Zahlenmodell als vielmehr ein ganzheitliches Lösungsmodell. Es muss gelingen: Bio feeds the world!

Die Berechnungen zur Welternährung lassen sich im Grunde ganz leicht erstellen, denn die zur Einschätzung notwendigen, statistisch gesicherten Daten sind überwiegend vorhanden.

Ein Modell nimmt beispielsweise die Anzahl der für Ackerbau zur Verfügung stehenden Hektare, multipliziert diese mit einem realistischem Bio-Weizen- oder -Reisertrag, dividiert das Ergebnis durch die Anzahl der heute oder zukünftig auf der Erde lebenden Menschen, und errechnet so eine Zahl, die suggeriert, ob genügend Kalorien für alle zur Verfügung stehen.

Lebensmittelproduktion muss am Ort des Bedarfs erfolgen; Lebensmittelssicherheit ist eine regionale Frage;

Produktion heute:  Genug für alle!
Hungernde heute:  ziemlich stabil > 800 Millionen

ist genug für alle da? © Bio Austria
ist genug für alle da? © Bio Austria

Eine andere Theorie rechnet den heutigen Verbrauch an Lebensmitteln mit Annahmen von Bevölkerungswachstum und Wohlstandsentwicklung hoch, und modelliert, was wir z. B. im Jahr 2050 auf den Tisch des Hauses legen müssen, wenn über neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern, diese in etwa so konsumieren wollen, wie wir es z. B. in Österreich heute gewohnt sind und addieren einen bestimmten Anteil an Biosprit dazu, um damit Autos zu betanken. Dividiert man das Ergebnis durch Weltacker und – grünlandfläche, kommt man zu einem Hektarertrag, den wir schaffen müssten. 
Die Landbaumethode der Zukunft wäre dann jene, die den erforderlichen Ertrag versprechen könnte. Studien lassen hoffen: Bio feeds the world!

Reinhard Gessl

Problemfelder der Biolandwirtschaft

Hoher Anspruch, denn Bio ist Premium

Ja, es gibt durchaus Problemfelder in der Biolandwirtschaft.
Die Biologische Landwirtschaft ist vor gut 50 Jahren angetreten, um eine Alternative zur konventionellen Landwirtschaft zu bieten, eine Alternative zur Maximierung der Erträge, die weitgehend ohne Rücksicht auf Ökologie, Betriebsorganismus und Eigenständigkeit der Betriebe geschah. In den 1990er Jahren, als die Schattenseiten der konventionellen Landwirtschaft immer deutlicher wurden, wurde die Bio-Landwirtschaft zur attraktiven Alternative, sowohl für die KonsumentInnen als auch für Verarbeitung und Handel und z. T. auch für die Agrarpolitik. Dieses schnelle Wachstum geschah jedoch nicht ohne negative Folgen für den Bio-Landbau. Diese Schattenseiten werden unter dem Stichwort „Konventionalisierung“ zusammengefasst. 

Die in diesem Beitrag genannten Punkte stellen einen exemplarischen Versuch dar, Licht hinter manche Entwicklung zu bringen. Zu betonen ist:

Die eigentliche Leistung, nach der jede Bio-Landwirtschaft zu bewerten ist und auch kontrolliert wird, stellt die Einhaltung der beiden EU-Bio-Verordnungen 834/2007 und 889/2008 und weiterer z.T. privatrechtlicher, selbstgewählter Auflagen dar.

Bei nachfolgenden Punkten handelt es sich vielfach um Erwartungen der KonsumentInnen, vielleicht auch um eine weite Interpretation der Grundwerte der Bio-Landwirtschaft. Es ist nicht zulässig, aus dieser kritischen Betrachtung Negativableitungen zu formulieren, da der ganzheitliche Ansatz hier nicht dargestellt werden kann.

Problemfelder der Biolandwirtschaft:
Soziale Standards hier und dort

In besonders handarbeitsintensiven Kulturen wie z. B. Gemüsebau oder Sonderkulturen müssen Bio-Betriebe verstärkt Fremdarbeitskräfte beschäftigen. Über privatrechtliche Vereinbarungen und persönliche Anständigkeit hinaus gibt es auch in der Bio-Landwirtschaft keine Verpflichtung zu höheren Löhnen als die gesetzliche Mindestnorm. Viele Bio-BäuerInnen zahlen als Motivation für exakte, gewissenhafte Arbeit aber freiwillig einen höheren Preis an die Hilfskräfte. In den Ländern des Südens wird die Bezahlung eines fairen Mindestlohns sehr oft über die Kombination mit dem Fair Trade-Gütesiegel sicher gestellt.

Problemfelder der Biolandwirtschaft:
Einsatz ausländischer Eiweißfuttermittel

Der ideale Kreislauf eines Bio-Betriebs bestünde dann, wenn mehr oder minder keine Betriebsmittel  von außen in den Betrieb kommen und auch nur wenige der erzeugten Lebensmittel den Hof verlassen, der überwiegende Anteil sich also im gesunden Betriebsorganismus dreht. Da verständlicherweise die Subsistenzwirtschaft nur für einen sehr kleinen Teil der Bio-BäuerInnen interessant ist, wird auch in der Bio-Landwirtschaft  viel verkauft aber auch viel zugekauft. Z. B. werden Eiweißfuttermittel zur Deckung des Bedarfs der Tiere zugekauft. Soja stellt die hochwertigste Eiweißquelle dar. Soja wird zum Großteil importiert.

Auf dem Problemfeld globaler, industrieller Landwirtschaft darf BIO nicht spielen:
In Brasilien und Argentinien werden zur Gewinnung von ackerfähigem Land für den Sojaanbau riesige Regenwaldflächen gerodet oder Weideland umgebrochen. Mit dieser Maßnahme werden Flächen verbraucht, die nicht mehr der Lebensmittelversorgung der lokalen Bevölkerung zur Verfügung stehen, sondern das Futter für die Tiere der Reichen produzieren.
Zusätzlich werden durch diesen „land use change“ riesige Mengen an CO2 frei, die wiederum einen Anteil an der Klimaerwärmung tragen.

Sojakultur im Alpenvorland © Markus Danner
Sojakultur im Alpenvorland © Markus Danner

Vor allem in privatrechtlichen Vereinbarungen werden Beschränkungen oder Verbote zum Einsatz von Importsoja getroffen. Mit einer Erweiterung der Sojaanbauflächen in Österreich ggf. auch im Vertragsanbau in den südöstlichen Anrainerstaaten entlang der Donau sollte in Zukunft das ethisch unproblematische Sojaangebot weiter steigen.

Problemfelder der Biolandwirtschaft:
Leistungshöhe in der Tierhaltung

In der EU-Bio-Verordnung sind keine Leistungsgrenzen festgelegt. Die Limitierung dieser obliegt alleine der Einhaltung der Grundwerte der Bio-Landwirtschaft. Grundsätzlich spricht innerhalb dieser Grenzen wenig gegen eine Spezialisierung, Rationalisierung oder auch Intensivierung in der Tierhaltung. Genetische Herkünfte, die den Tatbestand der Qualzucht erfüllen sind aber ebenso ausgeschlossen, wie Tiere, die sich nicht artgemäß fortbewegen können oder die unter den Fütterungs- und Haltungsbedingungen der Bio-Landwirtschaft auffallend krankheitsanfällig sind.

Leistungshöhen lassen sich am Stammtisch gut diskutieren, da jeder dazu eine quantifizierbare eigene Meinung hat. Legt man den Maßstab „tiergerechte Haltung“ an, dann kommt man zu praktikablen und herzeigbaren Tierhaltungen mit einer betriebsindividuell angepassten Leistungshöhe.

Problemfelder der Biolandwirtschaft:
Einsatz von Hybridsaatgut/Hybrid-rassen

Auch in der Biologischen Landwirtschaft werden sowohl im Pflanzenbau als auch in der Tierhaltung überwiegend Hybrid“sorten“ und –„rassen“ verwendet. Die Leistungsvorteile und Uniformität der Hybride überwiegen bei Weitem die Nachteile, wie z. B. die Nichtangepasstheit an die kleinklimatischen und topografischen Besonderheiten.

Von den biologischen Produzentenverbänden gibt es Empfehlungen, wo immer möglich nicht-hybride Sorten zu verwenden. Die Verwendung von CMS (Cytoplasmatische Männliche Sterilität) -Hybriden, die aus Protoplasten- oder Cytoplastenfusion hervorgegangen sind, ist z. B. im BIO AUSTRIA-Gemüsebau nicht zulässig. Da sich einzelne Initiativen sowohl im Gemüsebau als auch in der Getreidesaatzucht  und der Tierzucht aktuell verstärkt um eigenständige Zuchtlinien bemühen, gibt es eine gewisse Hoffnung, dass standortangepasste Sorten und Rassen an Bedeutung gewinnen werden.

Reinhard Gessl

Bio-Jungrind aus Mutterkuhhaltung

Fleischkonsum steht berechtigt in der Kritik

Rindfleisch steht, wie Fleisch im Allgemeinen, stark in der Kritik. Der hohe Wasserverbrauch, die klimaschädliche Produktion und der hohe Ressourcenverbrauch wird bei der Forderung ins Treffen geführt, Fleischkonsum zu verringern.
Diese Kritik ist völlig legitim, wenn wir uns die weltweite Fleischproduktion (-sindustrie) vor Augen führen.

Ist Bio-Fleisch ethisch vertretbar? Unter Bedingungen ja!

Weiden Rinder voralpine und alpine Weideflächen, Hänge und Almen, sieht die Bilanz deutlich anders aus. Nicht mit Produkten vom Acker gemästet, sondern mit Gras gefüttert, einem der menschlichen Ernährung nicht zuträglichen Rohstoff, steht ein hochwertiges Lebensmittel zur Verfügung, welches ethischen, ökologischen und ökonomischen Maßstäben und Standards nicht nur standhält, sondern alternativ- und konkurrenzlos ist!

Beim Fleischkonsum sollte, um nicht zu sagen muss in Zukunft die Devise sein: Sich von Zeit zu Zeit ein ausgewähltes Gustostück vom regionalen Biotier gönnen, befriedigt im gleichen Maße Gaumen, Magen und Seele.
Täglich der in Plastik eingeschweißte Billigfleisch-, Wurst- oder Fastfood-Fraß macht krank.



Markus Danner

  • Kälbchen an der Tankstelle © Bio Austria
  • Schottisches Hochlandrind auf der Alm. © Promegger
  • Weißbelgisches Riesenbaby bedient sich an der Mutterkuh © Promegger
  • Dauerweide mit Mutterkuhherde © Markus Danner

Die Bio-Mutterkuhhaltung – Tipps für den Tierhalter

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Zumindest 50 % des Grundfutters müssen auch am Mutterkuhbetrieb eine sehr gute Qualität aufweisen, alle Futterpartien müssen eine hohe hygienische Qualität haben. Dies setzt neben einer guten Führung des Pflanzenbestandes und sauberer Ernte auch eine optimale Futterkonservierung und Futtervorlage voraus. Eine Fütterung von Kraftfutter an Mutterkühe ist weder sinnvoll noch wirtschaftlich und bei üblichen Fütterungs- und Haltungsbedingungen auch nicht erforderlich!
Im Säugeverlauf ist nach Möglichkeit eine gestaffelte Energieversorgung anzustreben. In den ersten Wochen sollten vor allem milchstarke Mutterkühe eher zurückhaltend und erst nach 2-3 Säugewochen sehr gut (gutes Grundfutter zur freien Aufnahme) versorgt werden. Am Ende der Säugeperiode und in der Trockenstehzeit ist darauf zu achten, dass die Tiere nicht verfetten. Trockenstehende Mutterkühe sollten nicht mit den säugenden laufen.

Weidehaltung auch in der Mutterkuhhaltung das A&O


Die Weidehaltung liefert das billigste Futter. Bei Almhaltung und auf extensiven Weiden dürfen die Qualität und das Angebot an Futter nicht überschätzt werden. Durch die Gabe von Viehsalz (20–30 g/Tag) und 20–50g einer angepassten Mineralstoffmischung können der Mengen- und Spurenelementbedarf sowie der Vitaminbedarf (insbesondere in den Wintermonaten) gedeckt werden.

Eine gute Entwicklung der Jungrinder kann nur mit einer guten Milchleistung der Kuh erreicht werden. In den ersten Lebensstunden ist die Aufnahme von Kolostralmilch lebensnotwendig. Jungrinder benötigen immer bestes Grundfutter zur freien Aufnahme. Ein eigener Futterbereich (Kälberschlupf) für die Kälber ist zu empfehlen.

Nur unter optimalen Bedingungen kann generell auf die Kraftfutterbeifütterung direkt an die Jungrinder verzichtet werden. In der Mehrzahl der Betriebe wird jedoch zumindest in den letzten 1-2 Monaten vor der Schlachtung mit Erfolg eine geringe Menge Kraftfutter (etwa 1-2 kg/Tag einer Getreidemischung) beigefüttert. Werden Jungrinder von Mutterkühen abgesetzt, dann kann ein Gewichtsverlust zumeist nur durch vorübergehende Fütterung von 1-2 kg Kraftfutter verhindert werden.
Auch Jungrinder benötigen ständig Zugang zu sauberem Wasser.

Andreas Steinwidder
Markus Danner