Der Regenwurm macht fruchtbar

Regenwurmlosung in Weide © Markus Danner
Regenwurmlosung in Weide © Markus Danner

Der Regenwurm bringt frischen Mineralboden aus tieferen Schichten an die Oberfläche, neutralisiert und stabilisiert jährlich Tonnen von Erde pro Hektar, macht Nährstoffe verfügbar und konzentriert diese in seinen Losungshäufchen.

“Gott kennt das Rezept, fruchtbaren Boden zu machen, und er hat dieses Geheimnis dem Regenwurm anvertraut.”
franz. Sprichwort

Dutzende Arten arbeiten im Untergrund landwirtschaftlich genutzter Flächen. Dabei kann ihre Individuenzahl pro Hektar eine halbe Million weit überschreiten.
Er ist einer der wertvollsten Helfer des Biobauern und bedeutendsten Vertreter der Bodenfauna.

Wenngleich eine Art regional durch ihren enormen Materialauswurf auf Wiesen und Weiden Probleme bereitet, ist die Bedeutung der Regenwürmer für die Bodenfruchtbarkeit insgesamt nicht hoch genug zu würdigen.

Der Regenwurm macht fruchtbar, im wahrsten Sinne des Wortes.

Markus Danner

Bio im Vergleich

Der DOK-Versuch: Biodynamisch, biologisch-organisch und konventionell im Vergleich

Wie zeigt sich Bio im Vergleich?
1974 erhielt das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL)  von der Schweizer Bundesregierung den Auftrag, in einem Langzeitversuch die verschiedenen landwirtschaftlichen Anbausysteme zu vergleichen.
Im Frühjahr 1978 begann auf 1,5 ha Fläche in der Nähe von Basel der Versuch mit der Aussaat von Kartoffeln, Weizen und Gerste. Ursprünglich wurden drei Systeme angelegt:

das biologisch-dynamische (D),
das organisch-biologische (O) und
das konventionelle (K).

Letzteres wurde 1985 ausgehend von einer neuen landwirtschaftlichen Praxis in ein „integriertes“ System (in der Schweiz bekannt unter IP, in Österreich am ehesten unter dem Begriff „gute landwirtschaftliche Praxis“)  umgewandelt.

Das Versuchsdesign des DOK-Versuchs garantiert gleiche Bedingungen für alle. Der Hauptunterschied der Verfahren liegt in der Strategie der Düngung und des Pflanzenschutzes, während die Fruchtfolge, die Sorten und die Bodenbearbeitung weitgehend identisch sind.

Weltweit einzigartig am DOK-Versuch ist die Langjährigkeit, die es nicht nur erlaubt, die Entwicklung der Erträge gesichert abzubilden, sondern vor allem Effekte in der Bodenfruchtbarkeit und der Biodiversität – die sich nur sehr langsam verändern – aufzuzeigen.

Wurm in Zwischenfrucht © Bio Austria
Wurm in Zwischenfrucht © Bio Austria

Bio im Vergleich überraschend ertragsstark!

Der DOK-Versuch zeigt die erstaunlich hohe Effizienz der biologischen Pflanzenproduktion auf. Bei rund 50 % weniger Aufwand an Düngern und Energie und bei 97 % weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln lagen die Anbauerträge deutlich höher als erwartet, nämlich nur um 10-20 % niedriger als jene der konventionellen Variante.

Die Bio-Parzellen beherbergen außerdem eine größere, vielfältigere und aktivere Gemeinschaft an Organismen. Dies gilt insbesondere für Bodentiere und –mikroben, die den Nährstoffkreislauf im Boden schließen und die Mineralstoffe für die wachsenden Pflanzen wieder verfügbar machen und auch für Mykorrhiza-Wurzelpilze, die in Symbiose mit den Pflanzen leben. Insekten, Spinnentiere und Regenwürmer waren mehr als doppelt so stark und vielfältiger vertreten.

Der Versuch zeigt eindrücklich auf, dass in einem funktionierenden Ökosystem alles Hand in Hand geht und stützt die Hypothese: Wenn der Boden effizient funktioniert, dann funktioniert auch das Gesamtsystem besser.

Reinhard Geßl

Zwischenfruchtanbau auf dem Bioacker

Zwischenfruchtanbau auf dem Bioacker sollte inzwischen zum gängigen Standard und Ritual des Bio-Ackerbauern gehören!

Grundsätze

Zwischenfrüchte sollten auf allen Flächen angebaut werden, wo ein Anbau möglich und sinnvoll ist. Entscheidendes Kriterium sollten die Auswirkungen auf die Bodengesundheit sein und nicht die Förderung.

Hauptfrüchte nicht in Zwischenfruchtmischungen

Kulturen, die als Hauptkultur angebaut werden, haben in der Zwischenfrucht nichts verloren. 
Ideal ist es Kulturen auszusäen, die nicht mit den herkömmlichen Kulturpflanzen verwandt sind. 
Vor einer Leguminosenhauptfrucht sollte in der Zwischenfruchtmischung keine Leguminose vorkommen. 
Sonnenblumen in der Zwischenfrucht haben in den Betrieben mit Sonnenblumen oder Leinsamen als Hauptkultur keinen Platz. 
Gleiche Leguminosen in der Zwischenfrucht wie in Hauptfrucht zu verwenden (Ackerbohne als HF und als ZF oder Rotklee als HF und als ZF) ist unbedingt zu vermeiden.

Mischungen haben Vorrang

Um der Tatsache, dass auch im Biolandbau in den Hauptfrüchten so gut wie immer Monokulturen zu finden sind, entgegenzuwirken, ist es das Mindeste, diese Eintönigkeit nicht auch im Zwischenfruchtanbau fortzusetzen. 
Um die Vielfalt im System Bioackerbau zu erhöhen, sind Mischungen zu bevorzugen.

Vielfalt bringt Sicherheit

Zwischenfruchtanbau auf dem Bioacker stellt Vielfalt sicher. Gemenge haben mehrere Vorteile: Ein Pflanzengemenge hat immer ein geringeres Anbaurisiko, weil sich die unterschiedlichen Pflanzen gegenseitig schützen und stützen können und die jeweiligen Klimabedingungen besser ausgenützt werden. 
Gleichzeitig entsteht eine Pflanzengesellschaft, die für viele Nützlinge attraktiv sein kann, welche dem Landwirt dabei helfen, mit Kulturschädlingen besser fertig zu werden.

  • Inkarnatklee mit Biene © Markus Danner

Am wichtigsten ist aber, mit einem Pflanzengemenge unterschiedlichste Wurzelarten in den Boden zu bekommen, so dass die Krume dicht, tief und fein durchwurzelt wird und durch die Wurzelvielfalt auch die unendliche Vielfalt des Bodenlebens aufrecht erhalten werden kann.

Die Erhöhung der Artenvielfalt erfordert, dass für die Gründüngung möglichst keine Pflanzen verwendet werden, die als Nutzpflanzen in der Fruchtfolge vorkommen. Stattdessen sollte man aus der Vielzahl anderer Pflanzen, deren Saatgut verfügbar ist, Gemenge für den jeweiligen Einsatzzweck und Standort entwickeln, die die Artenvielfalt und damit die biologische Stabilität des Anbausystems deutlich erhöhen.

Manuel Böhm

Zwischenfruchtanbau und Wurzeln

Der Zwischenfruchtanbau und Wurzeln, die damit wachsen, dienen in der Vegetationszeit zwischen zwei Hauptfrüchten der Fruchtfolge zur Gründüngung oder zur Feldfutternutzung und unterirdisch zur Fütterung des Bodenlebens und Strukturstabilisierung.

Die Pflanzenwurzel hat nicht nur die Aufgabe aus dem Boden Nährstoffe und Wasser für die Pflanze zu holen, sondern sie besitzt auch die entscheidende Funktion, das riesige Bodenleben mit der notwendigen Lebensenergie zu versorgen. Nur im ständigen Geben und Nehmen zwischen Pflanzenwurzeln und Bodenleben kann natürliche Bodenfruchtbarkeit entstehen:

Milliarden Bodenlebewesen pro Handvoll Boden sorgen dafür, dass der Boden krümelig ist und Wasser, Nähr- und Wirkstoffe für das Pflanzenwachstum jeweils in der richtigen Art und Menge zur Verfügung stehen, während die Pflanze laufend dafür sorgen muss, dass den Bodentieren energiereiche Nahrung in Form von Wurzelausscheidungen und absterbenden Feinstwurzeln zur Verfügung steht.

Feinwurzeln sind das Futter für Tonnen von Bodenlebewesen    © Markus Danner
Feinwurzeln sind das Futter für Tonnen von Bodenlebewesen © Markus Danner

Zwischenfruchtanbau und Wurzeln korrelieren mit den Bodenfunktionen

Die Leistungsfähigkeit eines Boden-Ökosystems wird also nicht zuletzt durch die Wurzelmasse gesteuert, die am jeweiligen Standort unter den jeweiligen Bedingungen gebildet werden kann. 
Je mehr Wurzeln wachsen können, desto mehr Energie kann an den Boden abgegeben werden. Hierfür ist wichtig, wie sich die Wurzeln im Boden ausbreiten: je feiner die Wurzeln in der Fläche und Tiefe des Bodens verteilt sind, desto kompletter kann der Boden belebt und desto besser können Wasser- und Nährstoffvorräte genutzt werden.

Da – im Unterschied zum oberirdischen System – die Bodentiere in ihrem Aktionsradius sehr beschränkt sind, müssen die Pflanzen mit ihren Wurzeln dafür sorgen, dass das Futter den Bodentieren quasi „vor die Haustür“ geliefert wird. 

Je mehr unterschiedliche Pflanzen mit ihren verschiedenen Wurzelsystemen den Boden durchwachsen und je lockerer der Boden ist, desto einfacher ist die Erhaltung eines vielfältigen und leistungsfähigen Bodenlebens durch die Versorgung mit genügend Energie.

Die Kulturpflanzen allein schaffen es nicht, das Bodenleben ausreichend zu versorgen: Diese Pflanzen sind ja ausgewählt bzw. gezüchtet worden, um vor allem oberirdische Masse als Ertrag zu erzeugen, von dem wir Menschen und die Tiere leben wollen. Außerdem ist die Anzahl der Kulturpflanzen beschränkt, und pro Feld werden diese meist in Reinsaaten angebaut. 
Die Wurzelvielfalt im Boden ist dementsprechend klein, was zur „Unterernährung“ des Bodenlebens und damit zur sogenannten „Bodenmüdigkeit“ führt.

Manuel Böhm

Bio Hackfrüchte und Sonderkulturen

Bio Hackfrüchte und Sonderkulturen sind wichtige Glieder der Fruchtfolgen und eine unabdingbare Notwendigkeit, um eine der konventionellen ebenbürtige Produktpalette anbieten zu können.

Bio Mais

Mais erntereif für Grünfütterung © Markus Danner
Mais erntereif für Grünfütterung © Markus Danner

Bio-Körnerleguminosen

Sojakultur im Alpenvorland © Markus Danner
Sojakultur im Alpenvorland © Markus Danner

Bio-Kartoffel

Bio-Kartoffeln im Innviertel    (C) Markus Danner
idealerweise nach Getreide und Körnerleguminosen
jeweils aber mit Zwischenfrucht
Kartoffel selbst ist neben den Leguminosen die „Königin der Vorfrüchte“,  weil sie so einen garen Boden hinterlässt 
am besten folgt Wintergetreide (C) Markus Danner

Bio Buchweizen, Bio-Hirse

Buchweizen blüht schnell und lang © Markus Danner

Hirse
Hirse kann sowohl nach Mais als auch nach Getreide angebaut werden 
Nach Luzerne besteht die Gefahr des Lagerns, welche sich nachteilig auf die Qualität der Hirse auswirkt  Wegen Hirsebrand 4 Jahre Anbauabstand
Buchweizen
Den Buchweizen sollte man nach Getreide oder Mais in der Fruchtfolge einsetzen 
Nach Kleegras sollte der Anbauabstand 2-3 Jahre betragen da bei zuviel Stickstoffnachlieferung der Buchweizen vermehrt Stroh bildet und kaum Körner!

Bio Ölfrüchte

nickende Sonnenblumen © Bio Austria
nickende Sonnenblumen © Bio Austria

Manuel Böhm

Bio-Getreidekulturen

Bio-Speiseweizen

Reife Weizenähren mit Grannen. © Markus Danner
Reife Weizenähren mit Grannen. © Markus Danner

Unter den Bio-Getreidekulturen ist Weizen eine der anspruchsvollsten!
Kleegras oder Körnerleguminosen sind gute Vorfrucht,
sicherere Speisequalität (13 % RP) nach mehrjährigem Kleegras;
weitere mögliche FF-Glieder: 
mehrjähriges Kleegras-Hafer-Winterweizen, Hafer schließt organische Masse gut auf und mobilisiert Mengen an Phosphor, durch den relativ geringen N-Bedarf hat er mehr positive Einflüsse als Konkurrenzwirkung
alle anderen Getreidearten als Vorfrucht meiden (Fußkrankheiten)!

Bio Roggen

(C) Markus Danner

nach Getreide, selten nach Leguminosen, weil Qualitätsminderungsgefahr!
siehe Dinkel
danach Sommergetreide oder aufbauende Kulturen, Tiefwurzler, 
trockenheitstolerant, liebt auch Hackfrüchte als Vorfrucht (Kartoffel, Silomais)
Futterroggen
hinterlässt unkrautfreies Feld wegen gutem Unterdrückungsvermögen 
(starke Bestockung und Wuchshöhe)
Roggen ist selbstverträglich

Bio Dinkel, Emmer, Einkorn

Dinkelfeld in Salzburg erntereif. © Markus Danner
Dinkelfeld in Salzburg erntereif. © Markus Danner

Dinkel
Stellung in der FF eher abtragend, nach Weizen, Triticale, Sommergetreide, 
Leguminosenvorfrüchte sind Luxus und führen eher zu Qualitätsminderung  v.a. durch Lagergefahr (keine standfesten Sorten) als zu einem Mehrertrag
nach Dinkel folgen aufbauende Kulturen
Emmer, Einkorn
Einkorn ist ein Wechselgetreide und kann im Herbst und im Frühjahr ausgesät werden, Herbstsaaten sind aber konkurrenz- und ertragsstärker

Bio Gerste

Gerstenfeld Ernte © Markus Danner
Gerstenfeld Ernte © Markus Danner

Braugerste
eher abtragend, wenn nur mehr wenig N-Reserven vorhanden, weil niedriger Rohprotein- Gehalt für Mälzeignung erwünscht ist
Wintergerste
anspruchsvoll, intensive Stellung nach aufbauenden Kulturen, 
ev. auch Legu-ZF, die auch im Frühjahr des nächsten Jahres noch N nachliefern- dort hat W-Gerste größten Bedarf 
wenn Wirschaftsdünger zur Verfügung auch schlechtere FF Stellung
Sommergerste
Meist abtragend, oft auch nach Hackfrüchten- ev. mit Zwischenfrucht, 
Leguminosenzwischenfrüchte und Wirtschaftdünger werden gut verwertet, 
kann sehr gut als Deckfrucht für Klee(gras)anlage verwendet werden, dann aber lange Sorten verwenden
nicht vor Weizen! überträgt Halmbruchkrankheit

Bio Hafer

Haferfeld mit Geilflecken. (C) Markus Danner
Haferfeld mit Geilflecken. (C) Markus Danner

Speisehafer
guter P-Aufschließer, sehr gute Wurzelleistung
Tiefwurzler unter den Getreidearten, nicht zu intensiv stellen
wird oft auch nach mehrjährigem Kleegras u.ä. gestellt weil Hafer mit dem großen Angebot an organischer Masse gut umgehen und diese aufschließen kann
Futterhafer
Steht meist abtragend, nach Wintergetreide, Mais, Kartoffel, Lagergefahr bei zu intensiver Düngung

Bio Triticale, Futterweizen

Triticaleacker mit Baum. © Markus Danner
Triticaleacker mit Baum. © Markus Danner

Triticale
in Futterbau-FF nach aufbauenden Kulturen, 
wenn Wirtschaftsdünger zur Verfügung stehen oder Speisegetreide bzw. Mais in der FF auch schlechter
Futterweizen
selbe FF-Stellung wie Triticale, wo Wirtschaftdünger verwertet werden sollen auch schlechtere Stellung, Nährstoffbedarf etwas höher als bei Triticale

Manuel Böhm

Fruchtfolgebeispiele

Fruchtfolgebeispiele gibt es bergeweise. Fruchtfolgen werden meist an erster Stelle genannt, wenn Besonderheiten des Bio-Ackerbaus diskutiert werden. Die Umsetzung ist weniger selbstverständlich.
Im Folgenden ein paar klassische Beispiele.

Getreidelastig

1.Feldfutter (Klee- oder Luzernegrasmischung
2.Winterweizen (ev. ZF)
3.Winterroggen mit Zwischenfrucht
4.Ackerbohne (evtl. ZF)
5.Winterweizen oder Triticale mit anschließender ZF
6.Hafer oder Sommergerste mit Kleegrasuntersaat

marktorientierte FF, ausreichend Niederschlag

1.Kleegras
2.Winterweizen, danach leguminosenbetonte Zwischenfrucht
3.Speisekartoffel
4.Roggen danach ZF ohne Leguminosen
5.Ackerbohne
6.Wintermohn mit Weißkleeuntersaat- Weißklee oder Körnerlegu-ZF
7.Hafer- ZF ohne Legu
8.Buchweizen
9.Dinkel- Kleegras-Untersaat im Frühjahr

Futterbau Fruchtfolge

1.Kleegras
2.Kleegras
3.Wintertriticale, danach Zwischenfrucht (Hafer, Phacelia..)
4.Körnererbse, danach ZF So-Wicke, So-Raps und Sonnenblume
5.Wi-Triticale danach ZF So-Wicke, Phacelia, Raps und Sonnenblume
6.Sommergerste mit Kleegraseinsaat

Sonderkulturenbetonte Fruchtfolge

1.Kleegras
2.Winterraps- Zwischenfrucht leguminosenbetont
3.Ölkürbis
4.Dinkel- ZF ohne Leguminosen (Phazelia, Buchweizen, …)
5.Ackerbohne
6.Wintermohn ZF mit Leguminosen
7.Kartoffel ZF ohne Leguminosen
8.Braugerste

Manuel Böhm

Fruchtfolgeplanung

Die Fruchtfolgeplanung eines vielseitigen Kulturenmix muss die Standortverhältnisse, pflanzenbauliche Faktoren, Ackerflächenverhältnisse, Futterbedarf, Arbeitskapazitäten, betriebs- und marktwirtschaftliche Aspekte, aber auch persönliche und betriebliche Vorlieben, Präferenzen und Fähigkeiten in Einklang bringen. 
Für eine geeignete Rotation sind daher eine sorgfältige Planung, ständiges Beobachten sowie Anpassen an neue Gegebenheiten notwendig. 
Gut geplante und eingehaltene Fruchtfolgen bieten den Vorteil, dass die Vor- und Nachfrüchte aufeinander abgestimmt sind. 
Die N-Versorgung ist über den ausreichenden Leguminosenanbau und den gezielten Einsatz von gegebenenfalls anfallenden Wirtschaftsdüngern gesichert. Somit kann das anfallende Futter kalkuliert werden. 
Auch innerhalb einer festen Fruchtfolge bleibt genug Spielraum, z.B. die Getreidearten zu wechseln oder innerhalb von  „Buntschlägen“ (z.B. eine Mischung aus verschiedenen Sommerungen) die Anteile der einzelnen Kulturpflanzen zu variieren.

Schritte zum Fruchtfolgeplan

1. Die einzelnen Felder werden zu ungefähr gleich großen Schlägen zusammengefasst, sind z.B. die Bodenqualitäten sehr unterschiedlich oder nicht alle Flächen beregnungsfähig, ist es günstig, zwei oder mehrere „Fruchtfolgen” zu planen. Die Länge und Vielfalt der Fruchtfolge ist abhängig vom Betriebstyp.

2. Aus der bisherigen Fruchtfolge werden diejenigen Kulturen herausgenommen, die im biologischen Landbau nicht zu vermarkten sind, z.B. Zuckerrübe.
in der Umstellungszeit werden solche Kulturpflanzen  in manchen Betrieben noch beibehalten. Nach Ende der Umstellung wird die Zuckerrübe häufig durch Feldgemüse oder Kartoffel ersetzt.

3. Die benötigte Futterfläche wird ermittelt; sie steht in engem Zusammenhang mit der Grünlandfläche.

4. Die geplanten Kulturpflanzen werden so kombiniert, dass die Grundsätze der Fruchtfolgegestaltung eingehalten werden. Zur groben Orientierung dient das Kulturpflanzenverhältnis. 
Es gibt an, in welchem Umfang Leguminosen, Getreide, Hackfrüchte und Zwischenfrüchte angebaut werden.

Praktische Fruchtfolgeplanung

Länge (Anzahl der Jahre bis FF wieder von vorne beginnt) der Fruchtfolge festlegen; das ist oft abhängig von Anbauabständen v.a. der Leguminosen,
dabei mit Futterleguminosen( Klee, Kleegras, etc.) beginnen;
anschließend Körnerleguminosen in der FF festlegen,

dann dazwischen die N-zehrenden Kulturen aufteilen
Nach Kleegras vorrangig die anspruchsvollsten Kulturen (Mais, Speiseweizen, Wintergerste), bzw. die ein unkrautfreies Feld brauchen, einplanen.

1. JahrKleegras (oder Luzerne)
2. JahrKleegras (oder Luzerne)
3. JahrWeizen
4. JahrRoggen
5. JahrAckerbohne
6. JahrWi-Gerste
7. JahrHafer

Getreide

Vorsicht bei zuviel Triticum-Arten (Weizen, Dinkel, Emmer, Einkorn, auch Triticale) wegen der Krankheiten (Schwarzbeinigkeit,…) Zuviel Wintergetreide fördert die herbstkeimenden Unkräuter (Klettenlabkraut, Windhalm, tw. auch Kamille) und Wurzelunkräuter auf Grund der langen Vegetationsdauer (Distel, Ampfer)

Leguminosen, Hackfrüchte

Bei Legus sind Anbauabstände unbedingt einzuhalten, vor allem wichtig wegen Schädlingen und Krankheiten (Erbsenwickler, -käfer, Blattrandkäfer,…), Leguminosenanteile über 40 % sind zu hoch und können sehr rasch zu großen Problemen führen, 
Kleemüdigkeit darf nicht unterschätzt werden – wenn kein Klee mehr wächst, funktioniert das System Biolandbau nicht mehr!


Hackfrüchte sind sinnvoll zwischen 5-25% Anteil in der FF, ein zu hoher Anteil kann Humusabbau bewirken; 
Achtung! Wo Getreide in weiter Reihe als Hackkultur geführt wird, kann dieser Anteil schnell zu hoch werden!

Neue Kulturen integrieren

Werden Kulturen aus der FF entfernt oder ausgetauscht oder zusätzliche Kulturen aufgenommen, sollte die FF als Gesamtsystem nach oben angeführtem Schema überarbeitet werden und nicht nur der Austausch oder die Ergänzung erfolgen, ohne die Wechselwirkungen zu betrachten. Praktisch betrachtet muss bei einer Erweitung (z. B. Aufnahme von Mais in die FF- heißt von 4 auf 5 jährige FF) am Acker eine neue Schlageinteilung gemacht werden.

Gewisse Teile der Schläge fallen dann aus dem FF-Schema raus (andere Vorfrucht als lt. FF) bis sich die FF im nächsten Jahr wieder eingespielt hat.

Dies kann v.a. dann zum Problem werden, wenn z. B. auf Ackerbohne wie im Bsp. auf der Hälfte der Fläche wieder Ackerbohne folgt oder ein Großteil des Weizens wieder auf einer Weizenfläche steht.

Abgepuffert werden solche FF- Ausreißer sicher durch eine entsprechende Zwischenfrucht. Weiters wird der Schaden sicher relativ gering bleiben, wenn es nur einmalig vorkommt und die FF wie geplant fortgesetzt wird.

Eine richtig geplante und konsequent eingehaltene Fruchtfolge stellt den Schlüssel zur Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und damit zur nachhaltigen Sicherung befriedigender Erträge dar.

Manuel Böhm

Fruchtfolge der Erfolgsfaktor im Bio-Ackerbau

Zentrale Funktion auf dem Acker

Warum ist Fruchtfolge Erfolgsfaktor im Bio-Ackerbau? Es ist wichtig, den Gesamtzusammenhang von Fruchtfolgen zu sehen. Einzelne Kulturarten können nicht nach rein markt- oder betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgetauscht werden, sondern erfüllen ihre jeweilige Aufgabe in der Rotation. 
Fruchtfolgefehler können im biologischen Landbau nicht einfach durch N-Düngung und Chemieeinsatz korrigiert werden.

Ziele der Fruchtfolge

  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
  • maximale Stickstoffbindung
  • Unkrautregulierung
  • Vorbeugung gegen Krankheiten und Abwehr gegen Schädlinge
  • Nährstoffmobilisierung

Grundsätze der Fruchtfolge

  • Leguminosenanteil in der Fruchtfolge mindestens 25 %;
  • maximal 60 % Getreide
  • Anbau von Tiefwurzlern nach Flachwurzlern
  • Humuszehrer und -mehrer abwechseln
  • Sommerungen und Winterungen abwechseln

Mit der Fruchtfolgegestaltung sollen natürliche Verhältnisse annähernd nachgeahmt werden!

Naturmenschliche Kulturen
schafft enorme Artenvielfalt und
geschlossene Kreisläufe
meist Monokulturen
keine Nährstoffkreisläufe
ganzjährige Bodenbedeckungoffener Boden

Die FF muss so gestaltet sein, dass der vorhandene Stickstoff zum Großteil von den Folgekulturen wieder verbraucht wird. Ein gewisser Überhang ist aber notwendig um Humusbildung zu ermöglichen (Humussteigerung um 1% benötigt 1200 kg Stickstoff)

  • Wechsel zwischen wurzelarmen z.B. Sommergerste und wurzelreichen Pflanzen z.B. Feldfutter
  • Aufeinanderfolge von Stickstoffmehrern und Stickstoffzehrern
  • Pflanzen mit langsamer Jugendentwicklung z.B. Mais nach unkrautunterdrückenden Beständen
  • Wechsel zwischen Winterungen und Sommerungen
    ist wegen der sonst einseitigen Beikrautentwicklung notwendig
  • Einschalten von Blatt- vor oder nach Halmfrüchten
  • Kombination von Kulturen verschiedener Art in Gemengen und Untersaaten
  • Ganzjähriger Pflanzenbewuchs
    wäre ganz wichtig um zum einen Erosionsschutz bieten zu können. Leider wird auf vielen Biobetrieben im Spätherbst gepflügt.
    Gründe: fehlende Technik, Angst vor starkem Unkrautdruck, sinkende Erträge
  • Anbaupausen einhalten- meist auf Grund der Wurzel-, Blatt- und Blütenausscheidungen und der Zyklen bestimmter Schädlinge
  • Vielfalt erhöhen durch Zwischenfrüchte und/oder Untersaaten

Kulturpflanzenverhältnis
Der Leguminosenanteil ist entscheidend für eine ausreichende N-Versorgung. Er liegt je nach Betriebstyp zwischen 
25 und 40 %. 
Ein- und mehrjährige Leguminosen bilden das Gerüst der Fruchtfolge
Mit welchen Kulturpflanzen dieses Gerüst in den Jahren nach den Leguminosen ausgefüllt wird, hängt von der Marktsituation und vom Betriebstyp ab.
Der Getreideanteil (Halmfrucht) wird durch den Leguminosen- und Hackfruchtanteil begrenzt, er soll nicht über 50 – 60 % liegen.
Hackfrüchte sind Blattfrüchte – Humuszehrer, sie sollen daher nicht mehr als 25 % der Fläche einnehmen, gerade zur Regulierung gewisser Unkräuter ist ihr Anbau aber sehr empfehlenswert (Distel, Ampfer,…)

auf dem Bioacker müssen Kulturen abwechseln (C) Danner

Fruchtfolge und Bodenfruchtbarkeit

Düngung: Durch die gezielte Aufeinanderfolge von Leguminosen- den Stickstoffsammlern und den stickstoffzehrenden Pflanzen kann die Versorgung der Pflanzen sichergestellt werden. 
Wichtig ist, dass die organische Reserve im Boden nicht nur durch Hauptfrucht- Leguminosen aufgebaut wird, sondern auch durch Ernterückstände, Leguminosen-Zwischenfrüchte und andere org. Quellen nachhaltig versorgt und erhalten bzw. vermehrt wird. 
Je mehr Wurzelmasse und organische Substanz gespeichert wird, umso höher kann die Leistung sein, die das System Boden erbringt. Denn als Energie- und Stickstoffträger ist die, über Wurzelmasse eingebrachte, organische Substanz Grundlage jeder Bewirtschaftung.

Für die Entwicklung der Fruchtbarkeit spielt neben der Masse auch die Qualität des Angebotes an organischer Substanz eine wichtige Rolle. Je vielseitiger die Früchte innerhalb der Fruchtfolge gewählt werden und je vielfältiger der Pflanzenbestand in einer Vegetationsperiode auf einem Feld zusammengesetzt ist, umso günstiger sind die Wechselbeziehungen innerhalb des ganzen Systems. So wird Fruchtfolge der Erfolgsfaktor im Bio-Ackerbau!

Dieses Phänomen wird damit erklärt, dass jede Pflanze, jede Wurzel, jedes Bodentier oder jede Mikrobe unterschiedliche Signale aussendet, empfängt und verarbeitet. 
Das Ergebnis dieses komplexen Informationsaustausches ist die vielzitierte „natürliche Bodenfruchtbarkeit“. 
Obwohl über die komplexen Zusammenhänge nur sehr wenig bekannt ist, erscheint es äußerst sinnvoll durch Vielfalt und größtmögliche Abwechslung über die Fruchtfolge und auch über Mischungen eine möglichst große Vielfalt anzubieten, um das System zu unterstützen anstatt es durch Einseitigkeit in seiner Leistungsfähigkeit einzuschränken.

Es erscheint äußerst sinnvoll sich die unterschiedlichen Durchwurzelungstiefen, Nährstoffaneignungs- und –aufschlussvermögen, Nährstoffsbedarfsmengen und –speicherkapazitäten zu Nutze zu machen um die momentan gegebene Situation im Boden des konkreten Feldstücks bestmöglich aber so ressourcenschonend wie nur möglich zu verwenden. Weiters sollte jeder Landwirt über Nährstoff-, Wasser- und Lichteffizienz der unterschiedlichen Kulturen ein bisschen Bescheid wissen.

Manuel Böhm

Mineralische Dünger für Bio-Kulturen

Mineralische Dünger für Bio-Kulturen sind erlaubt, vielfach üblich und vor allem dann sinnvoll und notwendig, wenn Nährstoffverhältnisse im Boden ins Ungleichgewicht geraten.

Kalkdünger, Karbonate, Ca-Träger

sind jene Düngemittel, die in der biologischen Landwirtschaft am häufigsten zugekauft werden.
Laufende Kalk-Auswaschung durch Niederschläge und die landwirtschaftliche Nutzung entziehen dem Boden Karbonate und Calcium. 
Dies kann zu einer Bodenversauerung und in deren Folge zu einer verringerten Nährstoffverfügbarkeit von einigen Nährstoffen führen. Umgekehrt kann aber auch ein zuviel Festlegungen bewirken (z.B. Mangan). Insbesondere auf Standorten mit sehr tiefem pH-Wert kann daher eine Kalkdüngung die Nährstoffverfügbarkeit, das Bodenleben und die Bodenstruktur fördern. 
Dennoch gilt auch für Kalk dasselbe wie für alle anderen Nährstoffe: Mit den vorhandenen Ressourcen vorsichtig umgehen, damit Zukaufsdünger möglichst selten notwendig werden.

Urgesteinsmehl – seine Bedeutung im Biolandbau

Im Biologischen Landbau sind neben dem Kohlensauren Kalk bzw. Kohlensaurem Magnesiakalk vor allem noch Carbokalk (Abfallprodukt aus der Zuckerrübenverarbeitung) und Muschelkalke gängige erlaubte Kalkdünger.

Urgesteinsmehl hilft, den Boden zu beleben (C) Danner

Phosphor- und Kalidünger

Der Zukauf von Phosphor- bzw. Kalidünger ist im Bio-Ackerbau weniger üblich als im konventionellen Ackerbau. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass ausreichend Phosphor- und Kalivorräte im Boden vorhanden sind. 
Eventuellen Engpässen an pflanzenverfügbarem Phosphor bzw. Kali wird im Bio-Landbau vorrangig mit Maßnahmen begegnet, die zu einer verstärkten Nährstoffmobilisierung im Boden führen.

Als mineralische Dünger für Bio-Kulturen für P und K Defizite stehen grundsätzlich mit den weicherdigen Rohphosphaten „Hyperkorn“ und „Hyperphosphat“ sowie den Kalidüngern „Patentkali“ und „Schwefelsaures Kali“ gängige Handelsprodukte zur Verfügung. 
Einzelne Kulturen, wie Kartoffeln, benötigen große Mengen rasch verfügbares Kali, sodass bei geringen Reserven im Boden auf Handelsdünger zurückgegriffen wird. Eine Phosphordüngung kann vor allem auf Standorten mit natürlicher Phosphor-Armut notwendig werden, zB. Böden, die aus Sandstein bzw. Quarzit entstanden sind. 
Umgekehrt ist eine Phosphor-Düngung bei leichter Violettfärbung von Mais aufgrund eines Phosphor-Mangels im Frühjahr wenig sinnvoll. Sobald sich das Wurzelsystem von Mais etabliert hat, kann die Pflanze in der Regel ausreichend mit Phosphor versorgt werden, sodass letztlich keinerlei Ertragseinbußen zu erwarten sind.

Die erlaubten Phosphor- und Kalidünger sind langsamwirkend und basieren auf Rohphosphat (Hyperkorn, Hyperphosphat) bzw. Kalirohsalz (Patentkali, Schwefelsaures Kali, Kaliumsulfat).

Bodenstabilisierung durch folgende Maßnahmen

In der biologischen Landwirtschaft wird durch konsequente Kreislaufwirtschaft und eine vorausschauende Bewirtschaftungsweise die Pufferfähigkeit und damit der pH-Wert im Boden stabilisiert. Folgende Punkte tragen dazu bei:
Vermeidung von sauer wirkenden Düngern
zB unaufbereitete Gülle, Sägespäne in Wirtschaftsdüngern
Aufbereitung der Wirtschaftsdünger/Kompostierung zB gezielte pH-Wert-Anhebung mit Kompost
verstärkte Nährstoffmobilisierung durch intensive, tiefe und möglichst ganzjährige Durchwurzelung
Anbau von Leguminosen und Tiefwurzlern
Anbau von Zwischenfrüchten, Untersaaten und Winterbegrünungen
Aufbau von Dauerhumus:
Böden mit hohen Humusgehalten kommen mit niedrigen Kalkgehalten besser zurecht. Humus wirkt als Strukturbildner und pH-Puffer.
Ernterückstände im Betrieb halten (Kreislaufwirtschaft!):
am Feld belassen,
in Form von Hofdüngern wieder auf das Feld bringen;
Solange die Ernterückstände (zB Stroh) am Feld bleiben und Hofdünger eingesetzt werden, fällt der Ca-Entzug durch Kulturen äußerst gering aus.

Einsatz von basisch wirkendem Gesteinsmehl (Diabas, Basalt)

Heinz Köstenbauer