Bio-Schafe – lockige Bergmäher!

Schafe sind aufgrund ihres geringen Gewichtes ideal für die Beweidung von Flächen, die mit Rindern nur schwer nutzbar sind. 
Besonders in gebirgigen Gegenden und vor allem auf Almen leisten die kleinen Wiederkäuer einen wichtigen Beitrag zur Offenhaltung der Landschaft. De facto sind unsere Bio-Schafe lockige Bergmäher!

In Österreich gibt es über 100.000 Bio-Schafe. Dies entspricht 25 % der gesamten österreichweiten Schafhaltung.

Die Leistungsbereitschaft bzw Vitalität der Tiere wird sehr stark von den Haltungsbedingungen beeinflusst. Die Herausforderung beim Stallbau ist, auf die artbedingten Bedürfnisse der Schafe Rücksicht zu nehmen und gleichzeitig eine arbeitstechnisch praktikable Lösung zu finden. 
Schafe brauchen zwar keine großen Individualdistanzen zu Artgenossen, trotzdem müssen selbstverständlich alle natürlichen Bewegungen, wie bequemes Abliegen, Umdrehen, Putzen und Stehen unbehindert gewährleistet sein. Sie bilden von Natur aus Herdenverbände und benötigen für die Gruppenstruktur ausreichend Platz.

  • Grasland und Graser, Symbiose seit Jahrmillionen © Bio Austria
  • Schafe sind ideale Berggrünlandnutzer und -pfleger © Bio Austria
  • der Wolf macht Schafen und deren Haltern zu schaffen © Wikipedia

In Berg- und Almregionen wird die Schafhaltung durch die Wiederkehr des Wolfes regional zunehmend stark beeinträchtigt.
Verluste passieren teilweise im Dutzend. Schutzzäune und -hunde sind aufgrund der topografischen Verhältnisse und vor allem aufgrund der kleinen Einheiten kaum umsetzbar.

Für viele Betriebe sind Schafe die idealen Tiere für die Bewirtschaftung ihrer Grünlandhänge und Almen.
Schafprodukte, von der Milch über veredelte Milchprodukte, deren Fleisch bis zur Wolle sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebensmittelspektrums. Schafe sind, wie andere Wiederkäuer, Veredler von Ressourcen, die für den Menschen andernfalls nur geringen Wert hätten.
Die Erhaltung ihrer Bestände und der schafhaltenden Betriebe ist mehrfach von großer Bedeutung.

Bio-Imkerei

Voraussetzungen für eine naturnahe Bienenhaltung

Bienen sind in unserem Ökosystem unverzichtbar und alternativlos.
In jüngster Zeit sind sie, wie viele andere Insektenarten auch, schwer in Bedrängnis gekommen.
Umso mehr ist auch die Bio-Imkerei eine Aufgabe, der sich Biobauern stellen müssen, um ein wichtiges Glied in der Funktionskette unserer Landschaft mit ihren Ökosystemen stabil zu halten.

Vorgaben des Bio-Landbaues für die Haltung von Honigbienen bestehen vor allem für die Bereiche:

  • Die Behausung der Bienen (Bienenbeute)
  • Die Bienenweide – Standort der Bienenstöcke
  • Produktgewinnung und Lagerung
  • Die Bienengesundheit
  • Das Bienenwachs

Ein wesentlicher Bereich der Bio-Imkerei ist die ausschließliche Verwendung von natürlichen Materialien für die Betriebsmittel.

Die Bienenbeute muss also aus natürlichen Materialien bestehen. Das ist vorwiegend Vollholz, Stroh oder Lehm. Eine Außenbehandlung der (Holz)Beute ist nur mit unbedenklichen Stoffen bzw. Farben auf Leinöl- oder Holzölbasis zulässig.

Die Bienen haben bereits für sich allein einen enormen Wert, selbst ohne ihre Produkte Honig, Propolis, Pollen und Wachs!

Hans Rindberger

Bio-Schweinehaltung ist anders

Kein Schweinezyklus, aber Faktorbindung zwischen Mastschweine- und Ferkelpreis

Bio-Schweinehaltung ist anders, denn sie ist weniger von Weltmarktstimmungen (die Kleinheit des Marktes zog bisher keine Spekulanten an) und Import-Futterpreisen beeinflusst, das bringt Stabilität.

Der Bioschweinepreis ist an keine konventionelle Preisentwicklung gekoppelt (kein Preis-Zuschlagssystem zu konventionellen Preisen) sondern bewegt sich oft sogar entgegen dem Trend  des konventionellen Schweinezyklus. 
Es gibt hier keine stark schwankenden Wochenpreise, sondern nur Monatspreise, die oft über ein halbes Jahr und länger gleichbleiben.

Weiters bringt die Faktor-Bindung von Ferkelpreis und Mastschweinepreis in Österreich ein hohes Maß an Stabilität und keinerlei Interessenskonflikte zwischen Ferkelzüchtern und Mästern.

Besondere Stallsysteme

Gruppensäugebucht   © Markus Danner
Gruppensäugebucht © Markus Danner

Gekennzeichnet sind die Haltungssysteme durch Auslauf für jedes Tier und jede Tierkategorie (auch Abferkelbuchten)
Eine Ausnahme bilden nur Kranken- u. Quarantänebuchten . 
Außerdem muss jedem Tier eine angemessen große Liegefläche mit Einstreu zur Verfügung stehen. (keine Spaltenböden!)

Durch das größere Platzangebot und die Strukturierung der Buchten zumindest in Stall- und Auslaufflächen mit meist unterschiedlichen Klimazonen, trennen Schweine exakt in Fress-, Aktivitäts- und Ausscheidungsbereiche. 
Dadurch kann mit ein paar baulichen Details relativ leicht Kot- und Harnabsatz räumlich gesteuert und somit Entmistungsarbeit dementsprechend gut vereinfacht bzw. vermieden werden.

Die Anforderungen der Biolandwirtschaft ergeben dadurch oft gänzlich andere Haltungssysteme wie in der konventionellen Schweinehaltung üblich. 
Eine einfache Adaption ist deshalb oft schwierig bzw. bei nicht überlegten Baumaßnahmen mit vermehrter (Hand-) Arbeit verbunden.

Manuel Böhm

Bioschweine sind besonders!

Die Bio-Schweinehaltung stellt eine große Herausforderung an den Tierhalter dar. Denn: Bioschweine sind besonders!
Es ist dies ein Tierhaltungsbereich im Biolandbau, der sich durch große Unterschiede in den Haltungssystemen im Vergleich zur konventionellen Schweinehaltung kennzeichnet. 

Andere Stallsysteme, weil: Bioschweine sind besonders!

Entgegen anderen Tierhaltungsbereichen, in denen zu den üblichen konventionellen Haltungssystemen „nur“ der Auslauf hinzukommt (Rinder, Geflügel,…), werden in der Bioschweinehaltung zum Teil ganz andere Stallsysteme gebraucht und verwendet (z.B. freie Abferkelung, Gruppensäugebuchten, max. 50% Spaltenanteil, meist Festmist-Systeme, Auslaufmöglichkeit=Kontakt zu einer Außenmauer für jede Bucht, keine Flat-decks für Ferkelaufzucht,…). 
Daher scheiden viele konventionelle Schweineställe aus, kostengünstig auf Bio umgestellt zu werden, ohne große Umbaumaßnahmen bzw. Systemwechsel tätigen zu müssen. 
Aber auch hier gibt es bereits einige positive Beispiele. Denn oft eröffnen sich mit z.B. Bestandesreduktion, Neubau einzelner Teilbereiche (Abferkelbereich, Ferkelaufzucht) oder der Verwendung einfacher, flexibler Buchten (z.B. Gruppensäuge-Buchten, Großgruppen-Wartestall,…) dennoch interessante Nachnutzungs-Konzepte für einen Großteil der vorhandenen Stallgebäude.

Schweinehaltung dient nur einem: Der Fleischproduktion!
Hier gilt es in der Bio-Schweinehaltung genau hinzusehen – auf die Bedingungen, zu denen Fleisch “produziert” wird, und in welchem Kontext dieses Fleisch verzehrt wird. Klasse statt Masse!

Mastschweine im Strohauslauf. © Markus Danner
Mastschweine im Strohauslauf. © Markus Danner

Chancen
Gefragte Betriebssparte mit aufstrebender Entwicklung
Flexibel in der Altgebäudenutzung
Hoher Motivationsgrad durch offensichtlichen Beitrag zu Tierwohlergehen und Erfüllung von Konsumentenwünschen
Mit kleineren, familienbetriebs-tauglichen Beständen Erwirtschaften eines passablen Einkommens möglich

Herausforderungen/Voraussetzungen
Anpassung der Haltungssysteme in erster Linie an die Anforderungen der Tiere und erst in zweiter Linie an die der Betreuer
Weniger Fix-Fertig-Lösungen, daher höhere Eigeninitiative bei Stallplanung, Organisation von Futtermittelkomponenten usw.

Manuel Böhm

Milchkühe auf dem Biobetrieb

Milchkühe auf dem Biobetrieb haben ganz besondere Rollen. Sie sind Veredler. Sie wandeln Graslandschaft in Lebensmittel um und machen ganze Regionen dadurch erst besiedelbar bzw. von Menschen nutzbar. Dadurch schaffen sie Kulturlandschaft, offene Flächen, und liefern nebenbei einen wertvollen Dünger, mit dem sich Nährstoffkreisläufe schließen.

Die Milchviehhaltung ist einer der wichtigsten Betriebszweige auf Österreichs Biobetrieben.

Ziele artgemäßer Tierhaltung:

  • Die Tiere sollen ihr artgemäßes Verhalten bestmöglich ausleben können („Tierwohl“ maximieren, Tier als Mitgeschöpf betrachten.)
  • Die Haltungsumwelt soll zu einer Stärkung der Widerstandskräfte und zur Vorbeuge gegen Mangelerscheinungen / Erkrankungen beitragen
  • Die Haltungsbedingungen sollen zu einer hohen ganzheitlich definierten Produktqualität führen
  • Die Erwartungen der Konsumenten/Innen sollen so weit wie möglich erfüllt werden (Qualität umfassend)
  • Tiere im Freien © Markus Danner
  • Weidevieh © Markus Danner
  • Almidylle mit Rindvieh © Promegger
  • Gänsemarsch zur Weide © Bio Austria
  • Milchviehherde auf der Alm © Promegger
  • Außenklimastall mit höchstem Tierkomfort. © Promegger
  • Weide Sommerfrische mit Seeblick © Markus Danner
  • Alm ohne Weidevieh ist Wald oder Lawinenhang © Bio Austria

Aus Verhaltensstudien an Rindern können wichtige Rückschlüsse für tiergemäße Haltungsbedingungen gezogen werden. Vielfältige Haltungsumwelten (z.B. Auslauf, Weide, unterschiedlich strukturierte Stallbereiche) erhöhen das Wohlbefinden und verbessern die Tiergesundheit.

Weide- und Auslaufpflicht
Alle Bio-Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigeländevorzugsweise zu Weideland, haben, wenn der Zustand des Bodens und die Witterungsbedingungen dies zulassen.
(Bio-Austria Standard – in keinem Fall weniger als 180 Auslauftage gleichmäßig verteilt)

Raufutterverzehrer müssen zudem immer Zugang zu Weideland haben, wann immer die Umstände dies gestatten.
Die zugehörige österreichische Lösung der Umsetzung ist nicht unumstritten und von der Europäischen Kommission beanstandet worden.

Für Milchkühe auf dem Biobetrieb von BIO AUSTRIA Betrieben gelten engere Weidekriterien. Vorrang bei der Weidehaltung haben die produktliefernden Milchkühe.

Besonderheiten im Bio-Rinderstallbau:

hier aufklappen:
  • Die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt und rutschsicher sein, Liegeflächen dürfen nicht perforiert sein und müssen trockene Einstreu aufweisen, alle Tiere müssen gleichzeitig liegen können.
  • Die Anbindehaltung ist grundsätzlich verboten, Gruppenhaltung notwendig (Ausnahmen sind möglich – siehe unten)
  • Mindestens 1/3 der Mindestfläche muss Liegefläche sein (Bio-Austria Standard)
  • Tier-Fressplatzverhältnis: 1:1 bei rationierter Fütterung (3x täglich Futtervorlage
    2,5:1 bei ad libitum Fütterung (Tierschutzgesetz), 1:1 ist aber in jedem Fall zu empfehlen!
  • Ständiger Zugang zu sauberem Wasser (Tierschutzgesetz)

Ausnahmen – Laufstallpflicht:
Auf „Kleinbetrieben“ (Betriebe mit maximal 35 Rinder-GVE Durchschnittsbestand) können Rinder in Anbindehaltung gehalten werden, sofern :
die Tierhaltung 24 Tiergerechtheitsindex-Punkte (TGI-Punkte) erreicht
die Tiere während der Weidezeit Zugang zu Weideland und mindestens zweimal in der Woche Zugang zu Freigelände haben, wenn das Weiden nicht möglich ist.

Ausläufe können teilweise überdacht sein. Mindestens 10 % der Mindestauslauffläche (m2/Tier) sind nicht überdacht.

Andreas Steinwidder
Markus Danner

Umstellungszeiten von Rindern

Die Umstellungszeiten von Rindern hängen von verschiedenen Umständen ab. Im wesentlichen gibt es zwei Varianten. 
Ein Kontrollvertrag mit einer zertifizierten Kontrollstelle ist in jedem Fall Grundvoraussetzung. Mit dem Vertragsabschluss bzw. Tierzugang auf den Betrieb beginnt die Umstellungszeit zu laufen.

Berechne den Status deiner Tiere mit diesem Werkzeug!

Variante 1. Ganzbetriebsumstellung in zwei Jahren

Ab Datum Abschluss Kontrollvertrag dauert die Umstellungszeit zwei Jahre. 
Nach Ablauf der zwei Jahre ist der komplette Betrieb umgestellt, dass heißt sowohl alle Tiere als auch die Flächen.

Während der Umstellungszeit müssen sowohl die Haltung als auch die Fütterung den Biorichtlinien entsprechen.

Nach Ablauf der Umstellungszeit darf der Betrieb nun seine Milch (-produkte), Rinder bzw. Fleisch sowie Grundfutter biologisch vermarkten.

Rind im Detailportrait © Schröcker
Rind im Detailportrait © Schröcker
bin ich schon “BIO” oder noch nicht?

Variante 2. Produktspezifisch verkürzte Umstellung in 6 Monaten

Besonders für Betriebe, deren Fokus auf der Milchproduktion und weniger auf der Rinder- und Fleischvermarktung liegt, kann diese Umstellungsvariante interessant sein.

Unter gewissen Voraussetzungen kann die Umstellungszeit für die Milch von 2 Jahren auf 6 Monate verkürzt werden, die Umstellung des Tieres selbst ist davon jedoch nicht betroffen. Siehe „Verkürzte Umstellungszeiten“.

Dass bedeutet: Sechs Monate nach dem Kontrollvertragabschluss kann die Milch als Bioprodukt vermarktet werden, die Umstellung jedes einzelnen Rindes (Fleisch) beträgt jedoch immer mindestens 12 Monate und ¾ des Lebens.

Die Umstellungszeiten von Rindern nach Variante 2 sind wiederkehrend Anlass für Ärger und Sanktionen, weil es für die Betriebe nicht einfach ist, den Überblick zu behalten, wenn jedes Tier ein anderes Konformitätsdatum hat!

Die Umstellungszeiten von Rindern :
Beispiele

Biobauer Huber kauft auf der Versteigerung eine konventionelle, trächtige Kalbin (siehe Ausnahmen beim Tierzukauf). Ab diesem Tag beginnt die Umstellungszeit der Kalbin zu laufen (6 Monate für die Milch, 12 Monate bzw. mind. ¾ des Lebens für Fleisch).
Einen Monat nach dem Kauf kalbt die Kuh am Biobetrieb. Nun verbleiben noch 5 Monate, bis die Milch der Kuh als Biomilch geliefert werden darf. Biobauer Huber muss nun dafür sorgen, dass während dieser Zeit die Milch dieser Kuh nicht in Verkehr kommt. Das Verfüttern der Milch an Kälber ist erlaubt.
Nach weiteren 5 Monaten darf die Milch als Biomilch an die Molkerei geliefert werden. Die Umstellungszeit für das Fleisch läuft jedoch noch. Angenommen, die Kuh war zum Zeitpunkt des Kaufes exakt 28 Monate alt, so muss sie 84 Monate (7 Jahre!!) am Biobetrieb bleiben, bis sie als biologisch vermarktet werden darf.

Die ¾ Regelung

Sowohl im Falle der verkürzten Umstellung als auch bei Zukäufen von konventionellen Tieren (Ausnahmefälle) tritt die ¾ Regelung in Kraft.

Laut dieser Regelung dauert die Umstellung des einzelnen Tieres mindestens 12 Monate und es muss zusätzlich mindestens drei Viertel seines Lebens auf dem Biobetrieb verbracht haben. 
Erst wenn diese beiden Kriterien erfüllt sind, darf das jeweilige Rind biologisch vermarktet werden.

Die ¾ Regelung gilt immer nur für das einzelne Tier. Das bedeutet im Fall einer verkürzten Umstellung, dass für jedes Tier separat berechnet werden muss, ab wann es den Biostatus erfüllt.

Beispiel: Bauer Gruber will Biobauer werden und wählt die Variante der verkürzten Umstellung. 
Also darf er bei Erfüllung der  Voraussetzungen für die Flächenumstellung sechs Monate nach dem Abschluss des Kontrollvertrages die Milch als Biomilch vermarkten.

Kuh Resi ist am Tag, als der Kontrollvertrag abgeschlossen wurde, exakt 3 Jahre alt. Das heißt, sie ist 3 Jahre lang konventionell gehalten worden. (=1/4) Nun muss sie mindestens ¾ ihres Lebens – also 9 Jahre – am Biobetrieb bleiben, bis sie als biologisch verkauft bzw. vermarktet werden darf!

Bei dieser Umstellungsvariante wird über die Jahre oft der Überblick verloren! Es kommt laufend zu Sanktionen wegen Falschkennzeichnung!
Unbedingt zu empfehlen: Jedes Tier im Verzeichnis mit seinem “konventionellen Ablaufdatum” versehen, dann kann beim Verkauf nicht viel passieren.
Verwende dazu den Statusrechner weiter oben!

Franz Promegger
Markus Danner

Die “Fünf Freiheiten” für Nutztiere

Wozu tiergerechte Haltung?

Die “Fünf Freiheiten” für Nutztiere wurden vom Farm Animal Welfare Council definiert. „Weil eine moralische Pflicht Nutztieren gegenüber begründet werden kann, auf ihre Leidensfähigkeit Rücksicht zu nehmen.“ 

Es geht nicht darum, z. B. aus wirtschaftlichen Gründen, aufgrund von Imageproblemen der Landwirte oder weil es gerade en vogue ist auf das Wohl der Nutztiere Rücksicht zu nehmen, sondern auf der Grundlage einer begründbaren, moralischen Rücksichtspflicht.


Multikulti im Schaf-Kälberstall © Promegger
Multikulti im Schaf-Kälberstall © Promegger
geht`s uns gut oder leiden wir an unseren Lebensumständen?

Wie wird man der Verantwortung den Nutztieren gegenüber gerecht?

Ein plausibler Anhaltspunkt ergibt sich aus den “Fünf Freiheiten” für Nutztiere (five freedoms) des britischen „Farm Animal Welfare Council“. 
Indem ein Nutztierhalter Sorge dafür trägt, dass diese Freiheiten soweit als möglich gewahrt sind, wird er seiner Verantwortung seinen Tieren gegenüber auch gerecht:

1. Freiheit von Hunger und Durst – durch Zugang zu frischem Wasser und adäquater Nahrung

2. Freiheit von Unbehagen – durch die Bereitstellung einer angemessenen Umgebung mit Schutzzonen und komfortablen Ruhezonen

3. Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten – durch Prävention oder schnelle Diagnose und Behandlung

4. Freiheit von Angst und Leid – zum Beispiel durch Haltungsbedingungen und eine Behandlung, die kein psychisches Leiden fördern

5. Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensweisen – durch ausreichend Platz, angemessene Einrichtungen und Kontakt zu Artgenossen

Quelle: Projekt “Würde der Tiere”, BIO AUSTRIA, 2008

Biotiere und Ethik

Tiere haben Bedürfnisse

Biotiere und Ethik sind deshalb eng verwandte, weil an Biobetriebe in punkto Tierhaltungsqualität eine höhere Latte gelegt ist als in Nicht-Label Systemen.

Nutztiere sind weitgehend aus ihrem natürlichen Zusammenhang herausgelöst und durch Haustierwerdung Teil der menschlichen Kultur geworden. Die Tiere in der Landwirtschaft verdanken ihr Leben hauptsächlich dem Umstand, dass wir Menschen ihr Fleisch, ihre Milch oder ihre Eier als Lebensmittel nutzen wollen.

In unserem Kulturkreis sind wir uns weitgehend bewusst, dass sich das Dasein der Nutztiere nicht darin erschöpft, nur für uns da zu sein.

Tiere haben zwar einen Nutz- bzw. Ernährungswert für uns, sie besitzen jedoch immer einen Eigenwert. Das heißt, die Tiere sind mehr wert, als sie uns wirtschaftlich von Nutzen sind. Sie sind empfindungsfähige Wesen. 
Als unsere Mitgeschöpfe sind sie ebenso von der Natur mit einer Vielzahl von Bedürfnissen und entsprechenden Verhaltensweisen ausgestattet.
Sie leiden darunter, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, ihrer jeweiligen Art gemäß zu leben. Auch die Nutztiere wollen nicht nur leben, sie wollen gut leben.

Das bedeutet, dass wir Menschen für die Gestaltung der physischen, physiologischen und instinktangepassten Umwelt zuständig sind. Wir sind dazu verpflichtet, dem Nutztier diese Qualitäten zu garantieren, in Form von tiergerechter Fütterung, Haltung und Zucht.

Die tiergerechte Haltung ist ein Grundwert der biologischen Landwirtschaft. Mit einer tiergerechten Haltungsumwelt nehmen wir Rücksicht auf die Verhaltensbedürfnisse der Tiere und vermeiden so Schäden, Schmerzen und Leiden. Als Gradmesser für eine tiergerechte Haltung stehen Gesundheit und Wohlbefinden. 
Ziel jeder Bio-Tierhaltung muss es sein, dass die Tiere darin gesund bleiben und sich wohl fühlen.

Wer als Tierhalter nicht bereit ist, den Tieren mehr zu bieten als die Quadratmeter-Mindestwerte der EU Verordnung, sollte die Finger von der biologischen Landwirtschaft lassen!
Großbetriebe und Agrar AG´s, die die Bedürfnisse der Handelsriesen und Discounter befriedigen wollen, statt jene der Tiere und Konsumenten, untergraben die Glaubwürdigkeit der gesamten Idee der biologischen Landwirtschaft massiv!

Was ist “artgerecht”?

Artgemäße Tierhaltung ist gegeben, wenn sie sich vorrangig am Verhalten der Tiere orientiert. Unter Verhalten versteht man die Gesamtheit aller Körperbewegungen, Körperhaltungen und des Ausdrucksverhaltens (Lautäußerungen, Körperpflege..) eines lebenden Organismus in seiner Umwelt. 
Das Verhalten umfasst einen angeborenen Teil und einen erlernten Teil.
Die Nutztierethologie, als Wissenschaft zur Erforschung des Verhaltens der Nutztiere, erstellt anhand von Tierbeobachtungen unter natürlichen und semi-natürlichen Bedingungen als auch im Stall das gesamte Verhaltensinventar (Ethogramm) einer Tierart. 
Dadurch kann einerseits Normalverhalten definiert werden, andererseits auch welche Bedingungen (Raumverhältnisse, Strukturen, Einrichtungen, Stallklima, etc.) in einem Haltungssystem herrschen müssen, damit dieses auch tatsächlich ablaufen kann. 
Viele anhand der Nutztierethologie gewonnene Erkenntnisse können heute schon im Stallbau umgesetzt werden.

Quelle: Projekt “Würde der Tiere”, BIO AUSTRIA, 2008

Bio-Jungrind aus Mutterkuhhaltung

Fleischkonsum steht berechtigt in der Kritik

Rindfleisch steht, wie Fleisch im Allgemeinen, stark in der Kritik. Der hohe Wasserverbrauch, die klimaschädliche Produktion und der hohe Ressourcenverbrauch wird bei der Forderung ins Treffen geführt, Fleischkonsum zu verringern.
Diese Kritik ist völlig legitim, wenn wir uns die weltweite Fleischproduktion (-sindustrie) vor Augen führen.

Ist Bio-Fleisch ethisch vertretbar? Unter Bedingungen ja!

Weiden Rinder voralpine und alpine Weideflächen, Hänge und Almen, sieht die Bilanz deutlich anders aus. Nicht mit Produkten vom Acker gemästet, sondern mit Gras gefüttert, einem der menschlichen Ernährung nicht zuträglichen Rohstoff, steht ein hochwertiges Lebensmittel zur Verfügung, welches ethischen, ökologischen und ökonomischen Maßstäben und Standards nicht nur standhält, sondern alternativ- und konkurrenzlos ist!

Beim Fleischkonsum sollte, um nicht zu sagen muss in Zukunft die Devise sein: Sich von Zeit zu Zeit ein ausgewähltes Gustostück vom regionalen Biotier gönnen, befriedigt im gleichen Maße Gaumen, Magen und Seele.
Täglich der in Plastik eingeschweißte Billigfleisch-, Wurst- oder Fastfood-Fraß macht krank.



Markus Danner

  • Kälbchen an der Tankstelle © Bio Austria
  • Schottisches Hochlandrind auf der Alm. © Promegger
  • Weißbelgisches Riesenbaby bedient sich an der Mutterkuh © Promegger
  • Dauerweide mit Mutterkuhherde © Markus Danner

Die Bio-Mutterkuhhaltung – Tipps für den Tierhalter

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Zumindest 50 % des Grundfutters müssen auch am Mutterkuhbetrieb eine sehr gute Qualität aufweisen, alle Futterpartien müssen eine hohe hygienische Qualität haben. Dies setzt neben einer guten Führung des Pflanzenbestandes und sauberer Ernte auch eine optimale Futterkonservierung und Futtervorlage voraus. Eine Fütterung von Kraftfutter an Mutterkühe ist weder sinnvoll noch wirtschaftlich und bei üblichen Fütterungs- und Haltungsbedingungen auch nicht erforderlich!
Im Säugeverlauf ist nach Möglichkeit eine gestaffelte Energieversorgung anzustreben. In den ersten Wochen sollten vor allem milchstarke Mutterkühe eher zurückhaltend und erst nach 2-3 Säugewochen sehr gut (gutes Grundfutter zur freien Aufnahme) versorgt werden. Am Ende der Säugeperiode und in der Trockenstehzeit ist darauf zu achten, dass die Tiere nicht verfetten. Trockenstehende Mutterkühe sollten nicht mit den säugenden laufen.

Weidehaltung auch in der Mutterkuhhaltung das A&O


Die Weidehaltung liefert das billigste Futter. Bei Almhaltung und auf extensiven Weiden dürfen die Qualität und das Angebot an Futter nicht überschätzt werden. Durch die Gabe von Viehsalz (20–30 g/Tag) und 20–50g einer angepassten Mineralstoffmischung können der Mengen- und Spurenelementbedarf sowie der Vitaminbedarf (insbesondere in den Wintermonaten) gedeckt werden.

Eine gute Entwicklung der Jungrinder kann nur mit einer guten Milchleistung der Kuh erreicht werden. In den ersten Lebensstunden ist die Aufnahme von Kolostralmilch lebensnotwendig. Jungrinder benötigen immer bestes Grundfutter zur freien Aufnahme. Ein eigener Futterbereich (Kälberschlupf) für die Kälber ist zu empfehlen.

Nur unter optimalen Bedingungen kann generell auf die Kraftfutterbeifütterung direkt an die Jungrinder verzichtet werden. In der Mehrzahl der Betriebe wird jedoch zumindest in den letzten 1-2 Monaten vor der Schlachtung mit Erfolg eine geringe Menge Kraftfutter (etwa 1-2 kg/Tag einer Getreidemischung) beigefüttert. Werden Jungrinder von Mutterkühen abgesetzt, dann kann ein Gewichtsverlust zumeist nur durch vorübergehende Fütterung von 1-2 kg Kraftfutter verhindert werden.
Auch Jungrinder benötigen ständig Zugang zu sauberem Wasser.

Andreas Steinwidder
Markus Danner