Böden klimafit machen

Wie können wir Äcker, Grünland, Böden klimafit machen? Diese Frage wird immer wieder gestellt, eine eindeutige Antwort darauf ist schwer zu finden. Denn: Ohne Wasser (von oben) ist alles umsonst.

Dennoch zeigen landwirtschaftliche Flächen bei jedem nennenswerten Niederschlagsereignis ihre Not auf: Sofort bilden sich kleine oder große Lachen. Wegen 20 oder 30 Liter Regen in einigen Stunden? Der Boden müsste das doch gierig aufsaugen, bei dem vorhandenen langfristigen Niederschlagsdefizit seit Monaten.

lw. Boden infiltriert immer weniger Niederschlagswasser © Markus Danner, BIO AUSTRIA

Er tut es aber nicht. Viel vom segensreichen Nass läuft in Gräben, hangabwärts oder sammelt sich in Senken.
Einige Tage trockenen Wetters, und die Erde scheint sich schon wieder nach Regen zu dürsten. Wie ist das möglich?

Böden brauchen Struktur!

Ein krümeliger, humoser Boden könnte theoretisch sogar 150 Liter Regen aufnehmen, wenn er die entsprechende Stabilität hat.

Diese Stabilität wird durch Lebendverbauung erreicht. Lebendverbauung ist die Strukturbildung von porösem Bodengefüge durch Mikroorganismen und Bodentiere. Da ist vor allem der Regenwurm zu nennen.

Das Gegenteil passiert bei unvorsichtiger Bewirtschaftung. Hohe Düngergaben (v.a. Gülle, Jauche, wasserlösliche Handelsdünger) überschwemmen Boden einseitig mit Nährionen, die die genannte Lebendverbauung schädigen, auf Dauer zerstören. Wiederholte Überfahrten mit schweren Maschinen (besonders bei zu feuchten Verhältnissen), zerstören das Porenvolumen, der Boden wird dichter, kann weniger Wasser aufnehmen und trocknet schnell wieder aus. Das Aufsteigen von Kapillarwasser aus dem Untergrund wird ebenso erschwert, wie die Bildung von Grundwasser in die andere Richtung.
Eine Kettenreaktion ungünstiger Eigenschaften und Wechselwirkungen.

So unterschiedlich ist Boden: können im linken Beispiel Unmengen Wasser infiltrieren, ist der Maisacker rechts dicht!

Wenn die langen trockenen Witterungsphasen in den kommenden Jahren anhalten, und davon ist auszugehen, wird es spannend, wie wir es schaffen, die Speicherkraft der Böden wieder zu erhöhen. Denn davon wird es abhängen, mit welchen Kulturen zukünftig welche Ernten erzielt werden können.

Markus Danner

Der sterbende Baum ist Lebensraum

Totholz als Biotop ist unersetzlich!
Bäume verabschieden sich, wenn man ihnen die Zeit lässt, über Jahrzehnte von ihrem aktiven Dasein. In dieser Zeit sind sie ein Universum in und für sich.

Pilze, Insekten(-larven), Vögel, Spinnen, Kleinsäuger, Schlangen und was es sonst noch so gibt, Vieles lebt im und vom Holz bzw. vom Lebensraum, den dieses Holz bietet.

  • Streuobstreihe © Bio Austria
  • stehendes Totholz in Miniwildnis © Markus Danner
  • Obstgarten © Markus Danner
  • Totholz, Steine und Kies als Brutplatz für Insekten und andere © Markus Danner
  • hohler Baumstock mit Spuren von Bewohnern © Markus Danner

Für viele Vertreter dieser Arten ist es von existenzieller Bedeutung, dass Totholz als Biotop, als Landschaftsstruktur überhaupt vorhanden sind.

Einzelne Bäume, die ihre Ertrags- oder Wachstumsjahre hinter sich haben, deren Holz aber wirtschaftlich von untergeordnetem Nutzen ist, sollten unbedingt stehenbleiben.
Im Besonderen Biobetriebe haben eine Vorreiterrolle beim Bereitstellen von natürlichen Lebensräumen.

Markus Danner

Bio feeds the world

„Bio kann doch niemals die Welt ernähren!“ Dies ist wohl das klassische Totschlagargument, wenn es um die massive Ausweitung der Flächen des Biologischen Landbaus geht. Die VertreterInnen der Biologischen Landwirtschaft halten dagegen und legen Zahlen vor, die „beweisen“, dass Bio das locker schafft. Allerdings: Wenn die Antwort zur Frage so einfach zu beantworten wäre, dann gäbe es die Diskussion nicht mehr. Zur Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Welternährung braucht es nämlich weniger ein einfaches Zahlenmodell als vielmehr ein ganzheitliches Lösungsmodell. Es muss gelingen: Bio feeds the world!

Die Berechnungen zur Welternährung lassen sich im Grunde ganz leicht erstellen, denn die zur Einschätzung notwendigen, statistisch gesicherten Daten sind überwiegend vorhanden.

Ein Modell nimmt beispielsweise die Anzahl der für Ackerbau zur Verfügung stehenden Hektare, multipliziert diese mit einem realistischem Bio-Weizen- oder -Reisertrag, dividiert das Ergebnis durch die Anzahl der heute oder zukünftig auf der Erde lebenden Menschen, und errechnet so eine Zahl, die suggeriert, ob genügend Kalorien für alle zur Verfügung stehen.

Lebensmittelproduktion muss am Ort des Bedarfs erfolgen; Lebensmittelssicherheit ist eine regionale Frage;

Produktion heute:  Genug für alle!
Hungernde heute:  ziemlich stabil > 800 Millionen

ist genug für alle da? © Bio Austria
ist genug für alle da? © Bio Austria

Eine andere Theorie rechnet den heutigen Verbrauch an Lebensmitteln mit Annahmen von Bevölkerungswachstum und Wohlstandsentwicklung hoch, und modelliert, was wir z. B. im Jahr 2050 auf den Tisch des Hauses legen müssen, wenn über neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern, diese in etwa so konsumieren wollen, wie wir es z. B. in Österreich heute gewohnt sind und addieren einen bestimmten Anteil an Biosprit dazu, um damit Autos zu betanken. Dividiert man das Ergebnis durch Weltacker und – grünlandfläche, kommt man zu einem Hektarertrag, den wir schaffen müssten. 
Die Landbaumethode der Zukunft wäre dann jene, die den erforderlichen Ertrag versprechen könnte. Studien lassen hoffen: Bio feeds the world!

Reinhard Gessl